Die Idee für das Buch - ein Mann, der jedes Jahr von allen vergessen wird - hat mich sofort angesprochen.
Wie geht man damit um?
Wie fühlt sich das an?
Wie findet man eine Ausweg?
Der Autor hat einen ...
Die Idee für das Buch - ein Mann, der jedes Jahr von allen vergessen wird - hat mich sofort angesprochen.
Wie geht man damit um?
Wie fühlt sich das an?
Wie findet man eine Ausweg?
Der Autor hat einen sehr einfühlsamen Schreibstil, der dem Thema gerecht wird.
Es werden Details bedacht und dargestellt, die man als Folge des Problems erst einmal alle erdenken muss!
Leider habe ich das Buch an der ein oder anderen Stelle als etwas zu langatmig empfunden. Die Lösung hingegen war zu schnell erzählt.
Es bleibt die offene Frage: Wieso? Wie konnte es zu diesem Phänomen kommen?
Ich hätte mir gewünscht, eine Antwort wäre angedeutet worden.
Familie Blum zieht aus New York ins beschauliche Main und hier in die Kleinstadt Riverburg. Vater Gus bekommt eine lukrative Anstellung als Professor am College, Mutter Clair will sich in einer eigenen Modelinie verwirklichen, der liebenswert-besondere Sohn Wolf mit versucht in der neuen Junior High zurecht zu kommen und Tochter Hazel soll hier Abschlussjahr an der Highschool verbringen. Doch schon am ersten Schultag wird sie zum Schulleiter White ins Büro gerufen. Und der eröffnet ihr unglaubliches: Jedes Jahr hat er Sex mit einer Schülerin und dieses Mal soll es Hazel sein! Doch die sagt Nein.
Jessica Berger Gross schildert in ihrem Roman die Innensicht der Familie nach diesem Ereignis. Jedes Familienmitglied kämpft mit eigenen Problemen und mit dem sexuellen Machtmissbrauch des Schulleiters an Hazel. Wie ihr Nein das gesamte Familienleben, aber auch das Leben in der Kleinstadt beeinflusst, in der White ein sehr angesehener Mann ist, möchte das Buch dem Leser erzählen.
Das Buch behandelt ein so wichtiges Thema und darüber muss geschrieben, nachgedacht und diskutiert werden.
Gerade weil es hier nicht zu der sexuellen Handlung kommt, da Hazel sich widersetzt, ist das Thema Machtmissbrauch und sexueller Missbrauch hier so gelungen erzählt. Es muss nicht zum Akt kommen, um dennoch ein Trauma auszulösen und um dennoch Missbrauch zu sein!
Meiner Meinung nach beschreibt Berger Gross mit einer starken Empathie für die verschiedenen Familienmitglieder genau dieses Trauma. Die Selbstzweifel, die unglaublichen Reaktionen in der kleinstädtischen Gemeinschaft, die Ängste und Sorgen werden gut herausgearbeitet. Dabei ist der Erzählstil durchgehend leicht zu lesen und nehmen aufgrund des feinen Witzes der Sprache dem Lesenden die Last, zu sehr von der Düsternis des Themas erdrückt zu werden. Achtung: Spoiler!
Aber: viele der dann erzählten Handlungsstränge werden danach nicht auserzählt. Der Direktor und seine Handlungen bleiben bis auf kurze, geradezu plötzliche Momente komplett außen vor. Die schweren Angriffe auf die Familie werden nicht weiter behandelt und bleiben sogar diffus. Die Familie des Direktors bekommt kurz Raum, wird aber wieder aus der Erzählung genommen.
Hazel wird nun sehr gehypt und erlangt aufgrund ihrer Geschichte viel positive Aufmerksamkeit, soll ein Buch schreiben, wird interviewt, erscheint in Podcasts und Zeitungsartikeln. Und das in so rasender Geschwindigkeit, dass man beim Lesen die vielen Möglichkeiten und Namen kaum mehr verfolgen kann.
Schlussendlich wird sich Hazel auch dessen bewusst und setzt dem erneut ein klares Nein entgegen. Sie sagt dafür Ja zu einer unbeschwerten, weniger populistischen Zukunft. Ein starkes Stück Selbstfindung!
Leider findet auch der Rest der Familie völlig zufällig oder einfach zu schnell ein persönliches Happyend – das ist fast überfordernd romantisiert.
Ein Roman zu einem wichtigen Thema, der einfühlsam und doch humorgespickt die Geschichte erzählt, wie ein Missbrauch und ein starkes Nein dazu ein Leben aus der Bahn wirft. Berger Gross gelingt es, die starke Hauptfigur nachempfinden zu lassen und zu einer noch stärkeren gereiften jungen Erwachsenen werden zu lassen.
Für mich fehlt dem Buch in der zweiten Hälfte jedoch eindeutig der rote Faden oder er wird eben vielfach einfach gekappt.
Das hat mich traurig hinterlassen, denn ich mochte den ersten Buchteil so sehr! Manchmal wären ein paar angerissene Ideen oder gleich ein paar Seiten zu demselben Thema weniger einfach mehr. So verliert die Geschichte das eigentliche Thema aus dem Blick.
Es mag die amerikanische Art sein, aber viele Details sind einfach sehr unrealistisch und die vielen Happyendings fliegen der Familie nur so zu. Mich hat das enttäuscht, gerade nach der so gelungenen und starken ersten Buchhälfte. Gleichsam hallt das Buch noch lange in mir nach – aber leider nicht in erster Linie wegen des starken Themas.
Hier wurde der verlorene rote Faden leider kurzerhand zu einem rosa-roten verwaschen.
Im kleinen Örtchen Madlfing gibt es nun im zweiten Band schon den MHKC, einen Club handarbeitender Damen, die gerne auch Detektivinnen spielen. Gemeinsam mit Wollladenbesitzerin Ariadne geht es für ein ...
Im kleinen Örtchen Madlfing gibt es nun im zweiten Band schon den MHKC, einen Club handarbeitender Damen, die gerne auch Detektivinnen spielen. Gemeinsam mit Wollladenbesitzerin Ariadne geht es für ein Wollfärbe- und Wellnesswochenende ins Hotel des Nachbardorfs. Und ausgerechnet dort und und an dem Wochenende wird in einem Moorbad eine Leiche gefunden, die zudem recht üble Verfärbungen ausweist.
Im zweiten Teil der Reihe kennt man nun schon die Hauptcharaktere und die sich entwickelnde Romanze zischen Woll- und Bücherladenbesitzerin Ariadne und Hauptkommissar Wellenstein ist wirklich nett zu lesen.
Dass der Kommissar Besuch aus der alten Heimat, dem Rheinland, bekommt und eben dieser die Damen des Ortes gehörig aufmischt, ist sehr unterhaltsam.
Insgesamt muss man sagen, dass das Buch sehr leicht zu lesen ist, stellenweise amüsante Szenen hat und man gut unterhalten wird.
Mir gefallen besonders die vielen farb- und wollbezogenen Titel der Kapitel und die Charaktere mit ihren schrulligen Eigenheiten.
Die eigentliche Kriminalgeschichte steht dem jedoch weit nach! Die Geschichte ist schon arg konstruiert und an den Haaren (oder Fäden?) herbeigezogen.
Insgesamt also eine leicht zu lesende Urlaubs- bzw. Strandlektüre, die unterhält und sprachliche Feinheiten besitzt. Wer mehr erwartet, wird enttäuscht. Wer gerne strickt und sich auch beim Lesen einfach fallen lassen will, der findet Gefallen.
Elle ist 50 Jahre alt, verheiratet mit Peter, hat drei Kinder und verbringt jeden Sommer mit ihrer Familie und ihrer Mutter in der Sommerresidenz der Familie: dem Papierpalast. Seit Kindertagen trifft ...
Elle ist 50 Jahre alt, verheiratet mit Peter, hat drei Kinder und verbringt jeden Sommer mit ihrer Familie und ihrer Mutter in der Sommerresidenz der Familie: dem Papierpalast. Seit Kindertagen trifft sie hier auf den nur wenig jüngeren Jonas. Alle kennen einander gut und dann passiert es: Es kommt zum Sex zwischen Elle und Jonas. Bleibt sie nun bei ihrem Mann oder entscheidet sie sich für ihre Jugendliebe?
Das Buch bietet einen Einblick in das Leben von Elle. In Rückblicken wird so nicht nur ihre Kindheit erzählt, sondern die ihrer Familie - vornehmlich der weibliche Teil.
Wenn das Buch auch wirklich gut zu lesen ist - der Schreibstil ist flüssig und mitunter auch wirklich witzig, leider manchmal auch einfach sehr plump - hat es mich doch enttäuscht.
Insgesamt erfährt man nur wenig über die Charaktere. Dabei hatte ich angesichts der Frage, die der Klappentext aufwirft: Für welche Liebe entscheidet Elle sich? - gerade hier mehr erwartet.
Selbst über Elle und ihr Leben, ihre Gedanken und Gefühle, erfährt man nur wenig.
Die ganze Geschichte der Vergangenheit strotzt nur so vor Katastrophen: Trennungen, Missbrauch (immer wieder), Tod und Unzufriedenheit scheinen in der Familie ein roter Faden zu sein.
Dann heißt es: Elle hat nur einen Tag, um sich zwischen den beiden Männern zu entscheiden. Aber warum? Sie trifft ihre Jugendliebe im Laufe ihres Lebens immer wieder. Und auch der Sommer, indem sie nun Sex mit ihm hatte, ist nicht zu Ende. Warum also der eine Tag?
Mir persönlich fehlte es an emotionalem Tiefgang: Der Sex allein scheint hier die Frage in den Raum geworfen zu haben - nicht etwa die jahrelange Freundschaft und Zuneigung oder Anziehung.
Die Liebe zu Peter, dem Ehemann, ist einfach da und es bestehen auch keine Zweifel oder Fragen.
Eigentlich ein Luxusproblem: Elle hat zwei Männer, die sie über alles lieben und begehren - aber ihre Zweifel, welcher der Richtige ist, bleiben unerzählt.
Schade, für mich hätte die innere Bewegtheit, die Zweifel und die Gefühlswelt einer Frau in der Mitte des Lebens sicherlich eine gute Geschichte hergegeben. Leider wird diese aber nicht erzählt.
Dafür aber um so mehr andere Stränge, Geschichten und Charaktere, die sich dann im Nichts verlieren.
Elena, genannt Ellie, Fischer lebt als Deutsche illegal in den USA. Weil sie mit ihrem Chef aneinandergerät, muss sie erneut fliehen und untertauchen. Als ihr Wagen liegenbleibt, schleppt Cowboy Matt diesen ...
Elena, genannt Ellie, Fischer lebt als Deutsche illegal in den USA. Weil sie mit ihrem Chef aneinandergerät, muss sie erneut fliehen und untertauchen. Als ihr Wagen liegenbleibt, schleppt Cowboy Matt diesen ab, aber Ellie fährt im in seinen teuren Wagen. Um die Schuld zu begleichen, nimmt er sie mit auf seine Ranch, damit sie den Schaden abarbeiten kann. Ellie fühlt sich schnell zuhause, nur Matt ist immer wieder schlecht gelaunt. Aber dennoch entsteht ein Knistern zwischen beiden und Ellie muss ich entscheiden, ob sie ihn mit der Wahrheit über sich enttäuscht oder erneut flieht.
ACHTUNG SPOILER!
Tanja Nickel ist als Autorin nicht unbekannt. Sie schrieb mit dieser Cowboy-Romance eines ihrer ersten Bücher, das zunächst nicht gut angenommen wurde und nun für eine Veröffentlichung überarbeitet wurde. So zumindest schildert es Nickel im Nachgang des Buches. Was genau sie als erfahrene Schriftstellerin hier überarbeitet hat, bleibt offen: die Sprache ist wirklich sehr einfach, es wurde aus dem Englischen wieder ins Deutsche übersetzt, allerdings wurde der Sprachstil nicht gehoben. Einige Ausdrücke blieben in der typischen englischen Verwendung stehen, auch die Art des Schreibens erinnert mich stark an den einer sehr jungen Schreibenden.
Die Geschichte von Ellie hatte aus meiner Sicht viel Potential: es ging um Migration, illegale Auswanderung und der ständigen Furcht, ausgeliefert zu werden oder sich ausnutzen lassen zu müssen. Auch der moralische Aspekt: offenbare ich mich und enttäusche dadurch jemanden, den ich liebe, oder entziehe ich mich dem, indem ich wieder weglaufe? – hat einiges an erzählerischen Möglichkeiten. Leider empfinde ich diese Ansätze, die die Geschichte bietet, nicht gut ausgeschöpft. Ich bin enttäuscht von der sich immer wieder wiederholenden Inhalte: zunächst beim Knistern und wieder Zickigsein, dann bei dem gedanklichen Hin und Her bei Ellie, ob und wann sie Matt ihren Status gestehen soll. Er zieht sich und wiederholt sich, aber es findet kein Ende.
So ist die Liebesgeschichte zwar eine klassische Lovestory, es knistert und wird stellenweise auch ganz schön heiß (welch Wortspiel), aber insgesamt fehlt mir bei dem Buch der Tiefgang. Und dann fiebert man noch der Auflösung entgegen, die dann aber ausbleibt, weil das Buch einfach mitnehmen in einer Szene und einem „Fortsetzung folgt“ endet – oder eben nicht.
Wer eine leichte Romanze lesen möchte, ist hier sicherlich angetan. Das Buch regt kaum auf - dafür aber manchmal an. Ich persönlich empfand es als sehr unterhaltsam, aber enttäuschend, da man aus dem politischen Hintergrund der Geschichte eindeutige mehr hätte machen können. Ich empfand viele Stellen als redundant und langatmig. Schade, denn ich hatte mehr erhofft!