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Veröffentlicht am 03.04.2026

Die Treppe, die keine Einzelstufe ist

Funkenschwestern
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„Frauen sollen ihren Job machen, als hätten sie keine Kinder. Und sie sollen Mütter sein, als hätten sie keinen Job.“ (S. 89)
Dieser Satz bringt nicht nur das Problem auf den Punkt, sondern auch den bissig-pointierten ...

„Frauen sollen ihren Job machen, als hätten sie keine Kinder. Und sie sollen Mütter sein, als hätten sie keinen Job.“ (S. 89)
Dieser Satz bringt nicht nur das Problem auf den Punkt, sondern auch den bissig-pointierten Schreibstil, der mir bei Barbara Blaha so gut gefällt. Ihr Buch „Funkenschwestern. Wie Feminismus alles besser macht“ ist am 12.02.2026 beim Molden Verlag erschienen.

Worum geht’s?
Barbara Blaha – Leiterin des Momentum Instituts, Herausgeberin von moment.at und bekannt durch ihr feministisches Bühnenprogramm (das ich schon live erleben durfte) – legt hier ein faktenbasiertes feministisches Sachbuch vor, das Ungleichheit nicht als individuelles Versagen begreift (wie uns so oft weisgemacht wird), sondern als ökonomisches und politisches Systemproblem. Von der Kindheit über Arbeit, Geld, Mental Load und Beziehungen bis hin zu Gewalt und politischem Wandel: Blaha arbeitet sich durch alle Ebenen, auf denen das Patriarchat wirkt.

Meine Meinung

Respekt! ist das erste Wort, das mir einfällt. Die Recherchearbeit hinter diesem Buch ist beeindruckend. Blaha verbindet Studien aus der Wirtschaftsforschung, der Psychologie, der Soziologie und der Medizin mit einer Sprache, die nie akademisch klingt, sondern immer zugänglich bleibt. Wer wissen will, wie das Patriarchat funktioniert – nämlich als messbares System mit realen Konsequenzen –, bekommt hier einen richtigen „Deep Dive“. Und das vor allem mit einem intersektionalen Ansatz. Lieben wir!

Mich haben viele Kapitel angesprochen, aber besonders das zum Thema Lohn und Arbeit sowie die Argumentation gegen den „bereinigten“ Gender Pay Gap: Wer die Struktur „bereinigt“, schiebt der einzelnen Frau die Schuld zu. Denn der Markt ist nicht neutral. Auch das Kapitel zu Gewalt und der Verweis auf die direkte Verbindungslinie vom sexistischen Witz zum Femizid (S. 136) – aka Gewaltpyramide – sind starke Momente im Buch.

Was mich aber gleichzeitig beschäftigt hat, war die schiere Menge an Fakten, Studien und Zahlen. Gerade am Anfang musste ich mich sehr daran gewöhnen und konnte immer nur wenig am Stück lesen, weil mich der Informationsgehalt doch etwas erschlagen hat. Und ich lese viele Sachbücher. Was mir da vermutlich geholfen hätte, wären Grafiken oder visuelle Aufbereitungen gewesen, um das Gelesene besser zu verarbeiten. Text allein reicht bei mir gerade bei Sachbüchern, die so faktendicht sind wie dieses hier, leider oft nicht aus, damit ich es gut aufnehmen kann.

Gestalterisch mochte ich das Layout und Design zwar, aber eine Entscheidung hat mich sehr gestört: gelb markierte Passagen im Buch, die mir als Leser:in vorgeben, was das Wichtigste ist. Ich bin definitiv Team „Ich unterstreiche selbst“. Denn für jede Person sind andere Aspekte wichtig, und ich möchte selbst entscheiden, was ich hervorhebe. Das mag eine Kleinigkeit sein, hat mich während des Lesens aber immer mal wieder aus dem Flow gerissen.

Die Analyse im Buch ist wirklich durchwegs überzeugend, doch das letzte Kapitel fällt dagegen etwas ab. Der Schritt vom Erkennen zum Handeln bleibt vage. Was kann eine Frau* konkret tun, die keine akademische Sprache spricht, wenig Zeit hat und kaum finanzielle Spielräume besitzt? Wie sieht Solidarität im Alltag aus – nicht in der Theorie, sondern im Supermarkt, im Pausenraum, im Klassenzimmer? Diese Fragen sind für mich auch nach der Lektüre noch offen geblieben.

Fazit

„Funkenschwestern“ ist ein wichtiges, mutiges und faktenstarkes Buch, das Feminismus dort platziert, wo er hingehört: in der politischen und ökonomischen Debatte, nicht im Lifestyle-Regal. Trotz kleiner gestalterischer Kritikpunkte und dem Wunsch nach einem handlungsorientierteren Abschluss ist es ein Buch, das ich gerne weiterempfehle. Es liefert das nötige Handwerkszeug, um strukturelle Ungleichheit zu benennen. Und man muss Dinge benennen können, bevor man sie verändern kann.

Herzlichen Dank an den Styria Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Wenn das Zuhause zur Falle wird

Die Ärztin – Gefährlicher Besuch
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„Eine Liebe, die hochgehalten wurde wie eine Handgranate, war keine echte Liebe.“ (S. 28)
Die Autorin Meike Dannenberg, die als freie Journalistin und Redakteurin seit Jahren tief in der Krimi-Szene verwurzelt ...

„Eine Liebe, die hochgehalten wurde wie eine Handgranate, war keine echte Liebe.“ (S. 28)
Die Autorin Meike Dannenberg, die als freie Journalistin und Redakteurin seit Jahren tief in der Krimi-Szene verwurzelt ist, führt uns in ihrem neuen Psychothriller weg vom klinischen Weiß der Bremer Großstadtklinik hinein in die trügerische Idylle des Umlands. Mit ihrem geschulten Blick für gesellschaftliche Abgründe lässt sie die Gynäkologin Dr. Eva Mares in einen Fall geraten, der weit über die Grenzen eines klassischen Ermittlungsromans hinausgeht.

Worum geht’s wirklich?

Es beginnt als medizinischer Notfall und entwickelt sich zu einer hochgradig spannenden Suche nach einer verschwundenen Frau namens Nina. Doch hinter dem Thriller-Plot verbirgt sich eine sezierende Studie über Machtverhältnisse. Eva Mares, die als Gynäkologin ohnehin einen geschärften Blick für die Versehrtheit weiblicher Körper hat, gerät in einen Strudel aus Lügen und Gaslighting. Wer ist Opfer, wer ist Täter? Die Grenzen verschwimmen, als klar wird, dass die Bedrohung oft kein „böser Unbekannter“ ist, sondern der Mensch, der neben einem im Bett liegt oder am Frühstückstisch sitzt.

Meine Meinung

Meike Dannenberg traut sich an hochemotionale und gesellschaftlich „unangenehme“ Themen heran: Femizide, häusliche Gewalt und die perfide Mechanik der psychischen Isolation. Was mich besonders beeindruckt hat, ist, dass sie dies im Rahmen eines Thrillers macht, was in dieser Deutlichkeit doch eher ungewöhnlich ist. Sie thematisiert auch das unfaire Klassensystem im Gesundheitswesen, die bittere Realität fehlender Krankenversicherungen und die strukturelle Überlastung der Behörden.

Ein "Highlight" (wenn man das so sagen darf) für mich war der Fokus auf das Thema „Geburtsgewalt“. Die Schilderungen über ignorierte Schmerzenslaute und den rauen Ton in Kreißsälen, wenn der Stresspegel steigt (S. 129), sind harter Tobak, aber bitter nötig. Hier zeigt sich Dannenbergs Talent, medizinische Fachfragen mit menschlichen Tragödien zu verknüpfen.

Der Plot an sich ist geschickt konstruiert, sodass man permanent die Orientierung verliert. Die Handlungsstränge verwirren, führen in Sackgassen und lassen zeitweise jede:n verdächtig erscheinen. Das sorgt für eine konstante Untergrundspannung, die mich durch die Seiten hat rauschen lassen.

Ein Punkt, der den Lesefluss für Quereinsteiger:innen wie mich etwas bremsen kann: Da dies der zweite Band der Reihe ist, fühlte ich mich manchmal wie eine Zaungästin bei einem Gespräch, dessen Pointen ich nicht verstehe. Die ständigen Andeutungen auf „das, was in Bremen passiert ist“, ohne es konkret aufzulösen, bauen eine Distanz auf, die nicht nötig gewesen wäre. Zudem ist das Fehlen von Triggerwarnungen bei dieser Thematik (Gewalt gegen Frauen/Kinder, Fehlgeburten-Angst) ein Versäumnis, das in der heutigen Buchwelt eigentlich Standard sein sollte.

Fazit

„Die Ärztin – Gefährlicher Besuch“ ist ein anspruchsvoller Pageturner mit einer klaren politischen und sozialen Kante. Es ist ein Buch über das Recht auf ein gewaltfreies Leben und die Zivilcourage, die in unser aller Verantwortung liegt. Wer Thriller mit psychologischer Tiefe und medizinischem Background liebt, sollte zugreifen – idealerweise jedoch nach der Lektüre von Band 1.

Ein großes Danke an Lovelybooks für dieses Rezensionsexemplar. 🙏

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Feministischer Thriller trifft Plot-Labyrinth

The Exes
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„The Exes" ist das Debüt der britisch-ghanaischen Autorin Leodora Darlington, erschienen auf Deutsch am 18.02.2026 bei Insel Verlag (464 Seiten), übersetzt von Conny Lösch. Das Hörbuch (Hörbuch Hamburg, ...

„The Exes" ist das Debüt der britisch-ghanaischen Autorin Leodora Darlington, erschienen auf Deutsch am 18.02.2026 bei Insel Verlag (464 Seiten), übersetzt von Conny Lösch. Das Hörbuch (Hörbuch Hamburg, 12 Stunden 46 Minuten, ungekürzt) wird von Sandrine Mittelstädt, Benito Bause und Viola Müller gesprochen. Danke an NetGalley und Hörbuch Hamburg für das Rezensionsexemplar!

Worum geht's?
Natalie will eigentlich nur eines: den richtigen Mann finden, eine Familie gründen, das nachholen, was sie selbst nie hatte. Doch ihre Beziehungsgeschichte ist lang und dunkel. Als sie James kennenlernt und glaubt, endlich angekommen zu sein, kommt heraus, was Natalie um jeden Preis verborgen halten wollte: Ihre drei Ex-Partner sind tot. Und sie war jedes Mal in der Nähe. Was wie ein abgründiger Psychothriller über Liebe und Verlust beginnt, wird zur Frage: Ist James jetzt auch in Gefahr?

Meine Meinung

Der Einstieg hat mich wirklich gepackt. Die Prämisse ist stark, die Atmosphäre von Beginn an dicht, und Natalie als Figur hat etwas Magnetisches, wenn auch nicht unbedingt sympathisches. Man will verstehen, was passiert ist und vor allem: wer sie wirklich ist. Diese Sogwirkung hat das Buch in den ersten Stunden deutlich.

Was mich besonders beeindruckt hat: die Darstellung der Männerfiguren. Darlington trifft problematische Beziehungsdynamiken mit einer Präzision, die nicht überzogen oder plakativ wirkt, sondern in feinen Nuancen arbeitet. Kleine Gesten, subtile Machtverschiebungen, Momente, die erschreckend vertraut klingen können.

Gleichzeitig lohnt sich ein Blick auf die Perspektive, aus der das alles erzählt wird: Sowohl die Autorin als auch die Protagonistin sind Schwarze Frauen. In einem Genre, das diese Stimmen nach wie vor strukturell unterrepräsentiert, ist das nicht nichts. Die Erfahrungsebene fließt subtil in die Erzählung ein. Bestimmte Machtverhältnisse und Dynamiken werden dadurch anders lesbar, authentischer. Das verleiht dem Roman eine Tiefe, die über den reinen Thriller-Plot hinausgeht.

Und dann gibt es da noch den feministischen Subtext, der sich durch die ganze Geschichte zieht: Natalie sitzt immer wieder demselben Muster auf, gerät an ähnliche Männer, kann nicht raus. Was die Psychoanalyse Wiederholungszwang nennt, wird hier zur Erzählstruktur. Das fand ich wirklich spannend.

Aber irgendwann kippt das Ganze leider. Je weiter das Hörbuch voranschreitet, desto mehr stapeln sich tote Ex-Partner, potenzielle Täter:innen und Wendungen, die ich kaum noch einordnen konnte. Ich habe mehrfach alle meine Theorien verwerfen müssen und das Verwirrspiel hat so viele Ebenen, dass die Geschichte zunehmend ihre Glaubwürdigkeit verliert. Für Leser:innen, die genau das lieben – immer neue Twists, ein Feuerwerk an falschen Fährten, könnte das funktionieren. Mir persönlich war es zu viel.

Was das Hörbuch selbst angeht: das ist ein echtes Highlight. Sandrine Mittelstädt, Benito Bause und Viola Müller hauchen den Figuren wirklich Leben ein, transportieren Emotionen glaubwürdig und machen die Wendungen greifbar. Die Besetzung ist eine der größten Stärken dieses Formats.

Fazit

„The Exes" startet super stark, hat echten feministischen Biss und eine Stimme, die im Genre auffällt. Wer Psychothriller mit vielen Twists und feministischer Note mag, wird die ersten Stunden lieben und vielleicht auch darüber hinwegsehen, wenn es zu viel wird. Wer lieber stringente Plots und glaubwürdige Figuren bis zum Schluss will, könnte eventuell vorher aussteigen.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Zwischen Erinnerung und Abgrund

Himmelerdenblau
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Mit "Himmelerdenblau" legt Romy Hausmann nach einer Pause ihren vierten Thriller vor. Das Hörbuch erschien bei "Der Hörverlag" und wird von einem hochkarätigen Ensemble gesprochen: neben der Autorin selbst ...

Mit "Himmelerdenblau" legt Romy Hausmann nach einer Pause ihren vierten Thriller vor. Das Hörbuch erschien bei "Der Hörverlag" und wird von einem hochkarätigen Ensemble gesprochen: neben der Autorin selbst u. a. Felix von Manteuffel, Anna Maria Mühe und Uve Teschner. Fast 14 Stunden, die eher Hörspiel-Atmosphäre als klassische Lesung bieten (was mir sehr zugesagt hat).
Im Zentrum der Geschichte steht das Verschwinden von Julie Novak im Jahr 2003. Zwanzig Jahre später kämpft ihr Vater Theo – inzwischen an Demenz erkrankt – noch immer um Antworten. Als die True-Crime-Podcasterin Liv eine neue Spur wittert, flammt Hoffnung auf. Doch die Zeit arbeitet gegen Theo, dessen Erinnerungen brüchig werden.

Meine Meinung

Was mich am meisten begeistern konnte, ist die Darstellung von Theo. Seine Kapitel sind wirr, sprunghaft, sprachlich fragmentiert und genau darin liegt ihre Stärke. Hausmann findet eine Form für das Vergessen, das unweigerlich mit einer Demenzerkrankung einhergeht. Man spürt die Verzweiflung, wenn Worte nicht mehr gefunden werden, wenn Zeitachsen verschwimmen und durcheinander geraten.

Gleichzeitig liegt hier für mich auch die Schwäche des Romans. Der Thriller verliert im Mittelteil deutlich an Tempo. Der Fokus verschiebt sich vom eigentlichen Fall hin zu Theos Innenwelt und zu Nebensträngen, die atmosphärisch zwar dicht, für den Plot aber nicht immer notwendig sind. Einige Wendungen im letzten Drittel wirkten auf mich überfrachtet oder zu konstruiert, als würde man merken, dass man langsam jetzt mal in die Gänge kommen muss und als Resultat zu viele Geheimnisse gleichzeitig aufgelöst werden müssen.

Spannend ist an dem Buch auch die Auseinandersetzung mit True Crime: Wer erzählt hier wessen Geschichte und mit welchem Interesse? Während Liv um Sensibilität bemüht ist, erscheint ihr Kollege zunehmend kalkulierend. Diese Meta-Ebene mochte ich sehr, weil sie Fragen nach Verantwortung und medialer Verwertung von Leid stellt.

Fazit

Insgesamt ist "Himmelerdenblau" für mich kein atemloser Pageturner, sondern eher ein düsteres Familiendrama mit Thriller-Elementen. Literarisch ambitioniert, thematisch stark, aber eben auch mit Längen. Als Hörbuch durch das Sprecherensemble jedoch besonders intensiv. Für alle, die psychologische Thriller mit gesellschaftlicher Ebene mögen und sich auf ein ruhigeres, vielschichtiges Erzähltempo einlassen können. Wer reinen Nervenkitzel erwartet, könnte enttäuscht sein. Danke an netgalley.de und "der Hörverlag" für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Wie weit würdest du für dein Traumhaus gehen?

Tödliches Angebot
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Mit "Tödliches Angebot" legt Marisa Kashino (lange Journalistin u. a. für die Washington Post) einen Psychothriller vor, der moralisch definitiv auf der dunklen Seite steht. Danke an netgalley.de und den ...

Mit "Tödliches Angebot" legt Marisa Kashino (lange Journalistin u. a. für die Washington Post) einen Psychothriller vor, der moralisch definitiv auf der dunklen Seite steht. Danke an netgalley.de und den Hörbuch Hamburg Verlag für das Rezensionsexemplar! Die deutsche Hörbuchfassung erschien bei Hörbuch Hamburg, übersetzt von Sybille Uplegger und gesprochen von Rebecca Veil. Im Zentrum steht Margo, die für ihre Familie unbedingt ein größeres Haus will. Koste es, was es wolle. Was als ehrgeizige Immobiliensuche beginnt, kippt zunehmend in Manipulation, Stalking und skrupellose Grenzüberschreitungen.

Meine Meinung
Schon der erste Satz „Ich werde dieses Haus bekommen, egal, was ich dafür tun muss.“ setzt den Ton. Dieses kompromisslose Wollen zieht sich durch das gesamte Hörbuch. Besonders das erste Drittel hat mich richtig gepackt: Die Spannung baut sich kontinuierlich auf, Margos Obsession wirkt verstörend nachvollziehbar, fast erschreckend plausibel. Zumindest für alle, die selbst grad auf Wohnungs-/Haussuche sind... ähm ja, das wäre dann ich :D

Diese Verschiebung von Margos moralischer Maßstäbe passiert schleichend und genau das macht den Reiz aus. Man ertappt sich dabei, wie man Margo versteht, obwohl man ihr Verhalten ablehnt. Und obwohl man schon ahnt, was die Geschichte noch alles bereit hält. Zumindest im Groben. Denn die Handlung an sich ist nicht wirklich überraschend, wenn man den Klappentext gelesen hat.

Der viel zitierte Vergleich mit "Gone Girl" passt durchaus: Auch hier haben wir eine hochintelligente, unzuverlässige Protagonistin, die uns bewusst manipuliert. Gleichzeitig musste ich stellenweise an das Buch "Das Beste sind die Augen" von Monika Kim denken.

Nach dem starken Beginn hat sich die Geschichte für mich allerdings im Mittelteil etwas verloren. Manche Entwicklungen wirkten konstruiert, der Schluss war mir persönlich „too much“. Der Thriller überschreitet bewusst moralische Grenzen (was spannend ist), aber die finale Zuspitzung war selbst für mich zu viel des Guten.

Großer Pluspunkt: das Hörbuch selbst. Rebecca Veil liest mit genau der richtigen Mischung aus kontrollierter Freundlichkeit und unterschwelliger Härte. Ihrer Stimme habe ich sehr gerne zugehört; sie passt hervorragend zu Margo. Für mich hätten sich die einzelnen anderen Figuren stimmlich noch etwas klarer unterscheiden dürfen, dennoch funktioniert die Geschichte im Audioformat insgesamt sehr gut.

Fazit
"Tödliches Angebot" ist ein unterhaltsamer, temporeicher Psychothriller mit einer faszinierend unsympathischen Hauptfigur. Für alle, die moralisch ambivalente Frauenfiguren und Immobilien-Obsessionen mit Abgrund lieben. Weniger geeignet für Leser:innen, die sich ein subtileres oder psychologisch feiner ausbalanciertes Finale wünschen.

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