Weniger Spannung, mehr Vorbereitung auf den Sturm
Very Bad BastardsNach zwei unfassbar starken Vorgängern hatte ich hohe Erwartungen an „Very Bad Bastards“ – und genau darin liegt wohl auch das kleine Problem dieses Bandes.
Der Einstieg gestaltet sich zunächst etwas ...
Nach zwei unfassbar starken Vorgängern hatte ich hohe Erwartungen an „Very Bad Bastards“ – und genau darin liegt wohl auch das kleine Problem dieses Bandes.
Der Einstieg gestaltet sich zunächst etwas zäh. Die Kings sind mit Mable im „Alltag“ angekommen, was der Geschichte zwar eine neue Dynamik verleiht, gleichzeitig aber einiges an Spannung nimmt. Immer wieder wird erwähnt, dass Jaxon sich distanziert, doch diese Andeutungen reichen nicht aus, um durchgehend ein spürbares Knistern aufrechtzuerhalten.
Was für mich jedoch klar heraussticht, ist Jaxons zynische Art. Seine kühle, bissige Haltung bringt genau die Spannung und Abwechslung hinein, die im Kontrast zur teils überfürsorglichen Art der anderen Kings dringend nötig ist. Während die Jungs sich zunehmend um Mable scharen wie Schoßhündchen – was sie leider etwas an Reiz verlieren lässt – bleibt Jaxon interessant. Er wirkt, als verliere er trotz seiner Besessenheit für Mable seine eigenen Ziele nicht aus den Augen. Das macht ihn greifbarer, gefährlicher und schlicht faszinierender. Auch die Einblicke in seine Herkunft verleihen seinem Charakter mehr Tiefe.
Weniger überzeugen konnte mich hingegen die Entwicklung rund um Vance. Dass Mable nun auch noch ihn „haben will“, wirkte auf mich unnötig. Gedankenspiele hätten hier vollkommen gereicht und vielleicht sogar mehr Spannung erzeugt. So hinterlässt die Affäre einen faden Beigeschmack – bei Mable, weil ihr scheinbar fünf Kings nicht genügen, und bei Vance, weil er trotz fester Freundin diesen Schritt geht. Diese Dynamik schwächt für mich die emotionale Intensität statt sie zu steigern.
Insgesamt empfand ich diesen Band – gerade im Vergleich zu den zwei wirklich unfassbar guten vorherigen Teilen – als etwas enttäuschender. Doch das ist nicht zwingend etwas Negatives. Nicht jedes Buch einer Reihe kann dauerhaft dieselbe Intensität halten, besonders wenn es die Weichen für kommende Entwicklungen stellt.
Und genau deshalb starte ich dennoch gespannt in den nächsten Teil der Reihe – in der Hoffnung, dass sich die unterschwelligen Spannungen endlich voll entfalten.