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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.02.2026

Weniger Spannung, mehr Vorbereitung auf den Sturm

Very Bad Bastards
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Nach zwei unfassbar starken Vorgängern hatte ich hohe Erwartungen an „Very Bad Bastards“ – und genau darin liegt wohl auch das kleine Problem dieses Bandes.

Der Einstieg gestaltet sich zunächst etwas ...

Nach zwei unfassbar starken Vorgängern hatte ich hohe Erwartungen an „Very Bad Bastards“ – und genau darin liegt wohl auch das kleine Problem dieses Bandes.

Der Einstieg gestaltet sich zunächst etwas zäh. Die Kings sind mit Mable im „Alltag“ angekommen, was der Geschichte zwar eine neue Dynamik verleiht, gleichzeitig aber einiges an Spannung nimmt. Immer wieder wird erwähnt, dass Jaxon sich distanziert, doch diese Andeutungen reichen nicht aus, um durchgehend ein spürbares Knistern aufrechtzuerhalten.

Was für mich jedoch klar heraussticht, ist Jaxons zynische Art. Seine kühle, bissige Haltung bringt genau die Spannung und Abwechslung hinein, die im Kontrast zur teils überfürsorglichen Art der anderen Kings dringend nötig ist. Während die Jungs sich zunehmend um Mable scharen wie Schoßhündchen – was sie leider etwas an Reiz verlieren lässt – bleibt Jaxon interessant. Er wirkt, als verliere er trotz seiner Besessenheit für Mable seine eigenen Ziele nicht aus den Augen. Das macht ihn greifbarer, gefährlicher und schlicht faszinierender. Auch die Einblicke in seine Herkunft verleihen seinem Charakter mehr Tiefe.

Weniger überzeugen konnte mich hingegen die Entwicklung rund um Vance. Dass Mable nun auch noch ihn „haben will“, wirkte auf mich unnötig. Gedankenspiele hätten hier vollkommen gereicht und vielleicht sogar mehr Spannung erzeugt. So hinterlässt die Affäre einen faden Beigeschmack – bei Mable, weil ihr scheinbar fünf Kings nicht genügen, und bei Vance, weil er trotz fester Freundin diesen Schritt geht. Diese Dynamik schwächt für mich die emotionale Intensität statt sie zu steigern.

Insgesamt empfand ich diesen Band – gerade im Vergleich zu den zwei wirklich unfassbar guten vorherigen Teilen – als etwas enttäuschender. Doch das ist nicht zwingend etwas Negatives. Nicht jedes Buch einer Reihe kann dauerhaft dieselbe Intensität halten, besonders wenn es die Weichen für kommende Entwicklungen stellt.

Und genau deshalb starte ich dennoch gespannt in den nächsten Teil der Reihe – in der Hoffnung, dass sich die unterschwelligen Spannungen endlich voll entfalten.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Einschlafbegleitung statt Pageturner

Das Paket
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Sebastian Fitzeks „Das Paket“ war für mich weniger ein nervenaufreibender Thriller als vielmehr eine Einschlafbegleitung. Trotz der grundsätzlich verwirrenden Handlung kam für mich über weite Strecken ...

Sebastian Fitzeks „Das Paket“ war für mich weniger ein nervenaufreibender Thriller als vielmehr eine Einschlafbegleitung. Trotz der grundsätzlich verwirrenden Handlung kam für mich über weite Strecken kein wirklicher Spannungsbogen auf. Erst gegen Ende des Hauptteils, in den Gesprächen zwischen Emma und Konrad, wurde es endlich richtig interessant – hier näherte man sich Schritt für Schritt der Lösung, was ich als den stärksten Teil des Buches empfunden habe.

Emmas psychischen Ausnahmezustand und ihre Hilflosigkeit waren hingegen sehr eindringlich dargestellt. Zu erleben, wie ihr niemand glaubt – nicht einmal die Menschen, die ihr am nächsten stehen – geht unter die Haut und spiegelt auf erschreckend realistische Weise die Erfahrungen vieler Vergewaltigungsopfer wider. Besonders die Darstellung ihrer PTBS, ihrer Trigger und der völligen Machtlosigkeit während eines Anfalls empfand ich als sehr authentisch und gut vorstellbar. In diesen Momenten zeigt Fitzek eindeutig seine Stärke.

Mit dem Schreibstil konnte ich mich allerdings nicht anfreunden, vor allem, weil die Geschichte in der dritten Person erzählt wird. Zudem war die Affäre von Philipp mit Emmas bester Freundin früh vorhersehbar und bot kaum Überraschungsmoment. Generell störte mich der immer gleiche Aufbau: Nahezu jede Figur kommt als Täter infrage, nur um kurze Zeit später wieder entkräftet zu werden. Dieses ständige Verdächtigen und Relativieren nimmt dem Buch für mich den Reiz und wirkt zunehmend ermüdend.

Insgesamt fehlt es dem Roman an Originalität. Inhaltlich ist „Das Paket“ kaum von Fitzeks anderen Büchern zu unterscheiden – im Grunde ändern sich nur Zeit, Ort und die Protagonisten, während Struktur und Dramaturgie gleich bleiben. Trotz der Verwirrung in der Handlung entsteht dadurch keine echte Spannung.

Positiv hervorzuheben ist jedoch das Ende des Buches, an dem Fitzek etwas sehr Persönliches von sich preisgibt. Dieser Einblick in den Autor selbst war ein schöner und unerwarteter Abschluss.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Zwischen Machtfantasie und Unglaubwürdigkeit

Very Bad Elite
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„Very Bad Elite“ konnte für mich leider nicht an die Stärke des ersten Bandes anknüpfen. Besonders die Protagonistin hat im Laufe der Geschichte stark an Sympathie verloren. Ihre zunehmend weinerliche ...

„Very Bad Elite“ konnte für mich leider nicht an die Stärke des ersten Bandes anknüpfen. Besonders die Protagonistin hat im Laufe der Geschichte stark an Sympathie verloren. Ihre zunehmend weinerliche Art gegenüber den Kings, ihr ständiges Gejammer und die beinahe erzwungene emotionale Abhängigkeit, die zwischen ihnen konstruiert wird, wirken nicht nur ermüdend, sondern auch unrealistisch. Statt prickelnder Spannung verliert das Buch dadurch deutlich an sexueller Attraktivität – irgendwann nervt es einfach nur noch.

Was mir ebenfalls negativ aufgefallen ist: Die Protagonistin gibt der gesamten Schule die Schuld an ihrer Situation, reflektiert aber ihr eigenes Verhalten kaum. Vor allem im Hinblick auf den Verrat an ihrer Freundin Harper ist sie moralisch kein Stück besser als die Menschen, die sie verurteilt. Diese fehlende Selbstkritik macht ihre Entwicklung wenig glaubwürdig.

Das Ende hat mich letztlich eher unbefriedigt zurückgelassen. Die Bombe als dramatischer Höhepunkt wirkt überzogen und schlicht unrealistisch. Zwar taucht am Schluss eine Figur auf, die Potenzial für einen interessanten Charakter hätte, doch insgesamt bleibt ein ernüchternder Eindruck zurück. Auch Vances und Harpers Rollen sind mir weiterhin schleierhaft und werden nicht überzeugend ausgearbeitet.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir eine extrem raue und brutale Szene, die zwar schockiert, deren Folgen jedoch sofort relativiert werden – danach ist plötzlich wieder alles „gut“. Das empfinde ich als verharmlosend und wenig verantwortungsvoll, weshalb man das Buch definitiv mit Vorsicht genießen sollte.

Ich hoffe sehr, dass der dritte Teil wieder an die Qualität des ersten anknüpfen kann, denn „Very Bad Elite“ bleibt für mich trotz einzelner Ansätze eine enttäuschende Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Zwischen Nostalgie und Enttäuschung

Sound of Hearts
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„Sound of Hearts“ schafft es zunächst, ein vertrautes und nostalgisches Gefühl zu wecken. Es ist schön, wieder in die eigene Kindheit einzutauchen und sich an das Märchen von Arielle erinnert zu fühlen. ...

„Sound of Hearts“ schafft es zunächst, ein vertrautes und nostalgisches Gefühl zu wecken. Es ist schön, wieder in die eigene Kindheit einzutauchen und sich an das Märchen von Arielle erinnert zu fühlen. Gerade weil die Namen der Charaktere stark an das Original angelehnt sind, fällt es leicht, eine Verbindung aufzubauen – wenn auch eine völlig neue.

ACHTUNG SPOILER

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir das Lied, das Aquarella singt. Es hat eine düstere, fast bedrückende Stimmung, die sich festsetzt und einen nicht so schnell loslässt. Leider bleibt das nicht durchgehend auf diesem Niveau. Die Namensgebung der Figuren wirkt insgesamt eher einfallslos, was gerade im Fantasy-Genre enttäuschend ist. Hier hätte man kreativer sein können, um die Welt glaubwürdiger und einzigartiger zu gestalten. Das ist besonders schade, da Themen wie Umweltverschmutzung durch Plastik oder das Sterben von Meerestieren durch Fischernetze und Piraterie eigentlich viel Tiefe und Relevanz bieten.

Unangenehm fällt außerdem auf, wie schnell Elric Ariella körperlich nahekommt. Dass er sie direkt an die Taille fasst und an sich zieht, obwohl sie sich gerade erst kennengelernt haben – und sie zudem nackt aus dem Meer gerettet wurde und vermutlich ein traumatisches Erlebnis hinter sich hat – wirkt unpassend und wenig sensibel.

Auch die Übersetzung ist stellenweise holprig, sodass man Sätze mehrfach lesen muss, um ihren Sinn zu verstehen. Das stört den Lesefluss erheblich.

Arsula ist für mich der interessanteste Charakter. Ihre kühle, aber gleichzeitig liebevolle Art macht sie greifbar und nachvollziehbar. Umso unbefriedigender ist es, dass Ariella sich zeitweise lieber mit Elric beschäftigt, anstatt ihrer Schwester zu helfen. Generell wirkt die Beziehung der beiden oft unausgereift. Wenn sie bereits nach kurzer Zeit über eine mögliche Schwangerschaft nachdenken, nimmt das der Geschichte jegliche glaubwürdige Erotik und lässt die Figuren eher naiv und fast lächerlich erscheinen.

Ein großes Manko ist zudem der Mangel an detaillierten Beschreibungen. Weder das Meer, noch das Schiff oder die Umgebung werden so ausgearbeitet, dass eine lebendige Atmosphäre entsteht. Das Setting bleibt eintönig, da sich die Handlung größtenteils auf dem Schiff abspielt – welches selbst kaum greifbar beschrieben wird. Gerade im Fantasy-Bereich sind solche Details essenziell, um eine Welt lebendig wirken zu lassen.

Auch inhaltlich gibt es Brüche: Arsula, die zuvor noch Elrics Tod wollte, gibt ihm später plötzlich recht gewöhnliche Beziehungsratschläge – das wirkt widersprüchlich und wenig durchdacht.

Gegen Ende wird das Lesen zunehmend anstrengend. Die Geschichte verliert an Reiz und wirkt eher wie lieblos abgearbeitet. Insgesamt empfinde ich das Buch leider als Zeitverschwendung, da das vorhandene Potenzial nicht genutzt wurde. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Geschichte zu stark an das Original von Arielle angelehnt ist, ohne dabei etwas wirklich Eigenständiges zu schaffen.

Schade – denn die Grundidee hätte deutlich mehr hergeben können.

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