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Veröffentlicht am 05.04.2026

Eine kenntnisreiche Darstellung der Situation Israels

Die Zerstörung des Nahen Ostens
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Kaum ein Konflikt erhitzt die Gemüter so sehr, wie das Vorgehen Israels gegen seine Nachbarn. Allen voran der Umgang mit den Palästinensern. Keine Frage, der Überfall am 07. Oktober 2023 war ein Akt, der ...

Kaum ein Konflikt erhitzt die Gemüter so sehr, wie das Vorgehen Israels gegen seine Nachbarn. Allen voran der Umgang mit den Palästinensern. Keine Frage, der Überfall am 07. Oktober 2023 war ein Akt, der an Brutalität nicht zu überbieten war. Es erstaunt absolut nicht, dass Israel sich rächen wollte. Die Frage ist hier, wo war Netanjahu? Kann es sein, dass er nicht auf seine Berater hörte? Hätte dieses Massaker vielleicht sogar verhindert werden können? Und das, was danach mit den Bewohnern Gazas geschah, ist nicht zu rechtfertigen.

"Die Zerstörung des Nahen Ostens" zeugt von fundierten Kenntnissen das Autors. Er beleuchtet den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern von seiner Entstehung bis heute. Ja, es gab Vorschläge für ein friedliches Ende der Auseinandersetzungen. Leider waren damals schon Kräfte am Werk, die das nicht hinnehmen wollten. Am 04.11.1995 kam es zum Attentat auf Yitzhak Rabin. Der Mann galt als Förderer des Friedens und wollte eine Zweistaatenlösung. Wer damit gar nicht einverstanden war, ist wohl jedem klar, der die Geschehnisse in Israel aufmerksam verfolgt. Was momentan in diesem stark gebeutelten Land vor sich geht, ist kaum zu ertragen. Eine Regierung, die sogar verurteilte Rechtsextremisten in ihren Reihen duldet, für mich kaum zu ertragen. Und das nur, weil ein Ministerpräsident unbedingt an der Macht bleiben möchte? Oder fürchtet er sich vor einer Verurteilung wegen Vorteilsnahme im Amt?

Die Zerstörung Gazas hätte schon vor Monaten beendet werden müssen. Dass nun auch noch weitere Staaten bombardiert werden zeigt, dass Netanjahu und seine Minister außer Rand und Band sind. Zunehmend werden sie von demokratischen Staaten isoliert und bald gibt es nur noch Trump, der ihnen zur Seite steht. Das Buch kritisiert nicht, es zeigt auf, wie Aktion und Reaktion aufeinander folgen.

Das Sachbuch habe ich aufmerksam gelesen. Dabei war für mich sehr wichtig, dass ich einer neutralen Stimme lauschen konnte. Die Fakten sprechen für sich und Juden in der Diaspora sollten niemals angegriffen werden, weil ein Ministerpräsident überdimensioniert agiert. Ich danke dem Autor für seine klare Sicht auf das Geschehen.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Jeder, der den Ausstieg schafft, verdient Hochachtung

Trügerische Heimat
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Ein prügelnder Vater und eine Mutter, die sich nicht wehren kann. So lässt sich mit einem Satz die Kindheit und Jugend Leos beschreiben. In seinem Elternhaus spielt Alkohol eine große Rolle. Eisige Kälte ...

Ein prügelnder Vater und eine Mutter, die sich nicht wehren kann. So lässt sich mit einem Satz die Kindheit und Jugend Leos beschreiben. In seinem Elternhaus spielt Alkohol eine große Rolle. Eisige Kälte herrscht in seinem Zuhause. Ist es ein Wunder, dass er sich nach Geborgenheit und ein wenig Anerkennung sehnt? Die findet er bei einer Clique, die dem nationalsozialistischen Gedankengut nacheifert.

"Trügerische Heimat" ist eine ungeschönte Biographie. Leo Neumann zeigt deutlich, wie er in die Szene gelangte. Welche Erfahrungen er hier sammeln konnte. Er war ein anerkanntes Mitglied der NPD und der „Nationalsozialistischen Front“. Machte bei vielen Aktionen mit und stand stets hinter seinen Kameraden. Erst als die Einwohner von Pivitsheide sich gegen ein Zentrum der „Nationalsozialistischen Front“ stemmten, fing Leo an nachzudenken.

Welch ein aufrührendes Buch. Der junge Mann wollte eigentlich nur dem brutalen Vater entkommen und für seinen Einsatz in der Gruppe anerkannt werden. Diese war wie eine Familie für ihn und es ist nachvollziehbar, dass er sich hier sehr wohl fühlte. Umso erstaunlich ist für mich, dass er die Aktionen dann doch hinterfragte und einen Ausstieg wagte. Ich habe das Buch gerne gelesen und mit Achtung vor dem Mann beendet. Dass er schaffte, sich aus diesem Milieu zu befreien, ist beachtenswert.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Ein Krimi, der bestens unterhält

Tod mit Meerblick
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Schwimmen weckt alle Lebensgeister und das noch intensiver, wenn es bei jedem Wetter stattfindet. Der neue Schwimmclub besteht zwar bisher nur aus zwei Mitgliedern, die Hoffnung stirbt allerdings zuletzt. ...

Schwimmen weckt alle Lebensgeister und das noch intensiver, wenn es bei jedem Wetter stattfindet. Der neue Schwimmclub besteht zwar bisher nur aus zwei Mitgliedern, die Hoffnung stirbt allerdings zuletzt. Mit Sicherheit gibt es weitere Damen, die sich anschließen und der Idee den gebührenden Erfolg zuteil werden lassen. Leider gibt es aber schon beim ersten Treffen, also quasi der Geburt des Clubs, einen Fund, der auf ein Verbrechen hinweist.

"Tod mit Meerblick" entführt den Leser nach Sankt Peter Ording. Einen beliebten Urlaubsort, der vor allen Dingen von Senioren geschätzt wird. Die Hauptpersonen sind drei ältere Damen, die sich nicht nur bestens verstehen. Ihre Spürnasen machen selbst gestandene Kriminalkommissare sprachlos. Sie haben den großen Vorteil, dass ihnen die Menschen hier vertrauen. Und nicht nur das trägt zu ihrem Erfolg bei. Ihr Alter und die damit verbundenen Vorurteile ihrer Mitmenschen, spielen auch eine Rolle. Die drei Freundinnen werden nicht immer für voll genommen und können sich ihrem Gegenüber sogar recht einfältig darstellen.

Das Buch gefiel mit sehr gut. Kein übertriebenes Blutvergießen gab es hinzunehmen. Die Story war realistisch und bot bis zum Schluss eine solide Spannung.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Hans Christian Andersen hautnah erleben

Die Liste der Lebenden
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Am 13. September 1858 geschah das Unglaubliche. Das eigentlich unsinkbare Schiff, mit modernster Technik ausgestattet, sank. 495 Menschen starben. Unter ihnen auch eine enge Freundin des berühmten Dänen ...

Am 13. September 1858 geschah das Unglaubliche. Das eigentlich unsinkbare Schiff, mit modernster Technik ausgestattet, sank. 495 Menschen starben. Unter ihnen auch eine enge Freundin des berühmten Dänen Hans Christian Andersen, Henriette Wulff. Sie rettete sich zunächst auf eine Türe und hoffte stundenlang auf die Erlösung. Dabei schrieb sie fiktive Briefe. Also in Gedanken. Alles, was sie Herrn Christian schon immer sagen wollte, kam ihr im Angesicht des Todes in den Sinn.

In Kopenhagen wartete der Dichter auf ein Lebenszeichen von Henriette. Obwohl er sehr verärgert war, dass sie ihn verließ und in die USA auswandern wollte. Sie fehlt ihm schon jetzt. Um seine Sorgen zu vergessen, schreibt auch er Briefe. Beide trauen sich endlich, ihre Gefühle füreinander zu offenbaren. Gleichzeitig erfährt der Leser auch noch eine Menge über das Leben von Andersen und Wulff.

Ein Buch, das nicht mit Spannung oder Erotik aufwartet. Leise Töne und versteckte Sympathiebekundungen machen es so lesenswert. Die Sprache ist ein genaues Abbild jener Zeit. Ein wunderschönes Stück Vergangenheit, das mir den Dichter noch ein Stück näher brachte. Die Recherchen des Autors waren äußerst umfangreich, denn über Frau Wulff gibt das Netz nur wenig her. Interessant fand ich seinen Verweis auf Artikel zu den beiden Briefschreibern.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Ein gutes Buch, das volle Konzentration verlangt

Das glückliche Schicksal
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Wandas Vater war Zwangsarbeiter in Deutschland. Mittlerweile kann er nicht mehr arbeiten. Die Folgen von Hunger, Misshandlungen und Überlastung machen sich immer häufiger bemerkbar. Wie Wanda lebt er in ...

Wandas Vater war Zwangsarbeiter in Deutschland. Mittlerweile kann er nicht mehr arbeiten. Die Folgen von Hunger, Misshandlungen und Überlastung machen sich immer häufiger bemerkbar. Wie Wanda lebt er in Krakau und von hier aus macht sich die Tochter auf den Weg in den Westen. Zum ersten Mal. Ihr Ziel ist Venedig, wo das das Ehepaar Mrugalski lebt. Sie möchte ein Interview mit Herrn Henryk Mrugalski machen. Die beiden nehmen sie herzlich auf.

"Das glückliche Schicksal" taucht ein in die Erinnerungen von Henryks Lagerhaft im Ural. Er wurde verurteilt, weil er angeblich flüchten wollte. Kaum mehr lebensfähig wurde er begnadigt und das Schicksal meinte es gut mit ihm. Er fand nämlich auch seine jüdische Frau und beide konnten als Exilanten nach London reisen. Zunächst hat Wanda es nicht leicht mit dem Herren. Es sieht aus, als sei eine Mauer zwischen ihnen aufgebaut. Zum Glück währte diese Befangenheit nicht lange.

Der Roman ist fesselnd und zugleich stimmt er sehr nachdenklich. Es werden Ereignisse aufgeführt, die sich im grausamen Krieg und seinen Nachwehen ereigneten. Kein Buch, das mit erhobenem Zeigefinger oder gar Verurteilungen daherkommt. Sachlich und klug ausgearbeitet, so empfand ich es beim Lesen. Mein Fazit: Hervorragende Lektüre, die volle Aufmerksamkeit verlangt.

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