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Veröffentlicht am 11.04.2026

Auf Verbrecherjagd

Die Bibliothek meines Großvaters
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Ich muss gestehen, ich hatte etwas anderes erwartet, als ich „Die Bibliothek meines Großvaters“ zu hören begann. Dass es sich bei dem Großvater vor allem um einen großen Krimifan handelte, der damit seine ...

Ich muss gestehen, ich hatte etwas anderes erwartet, als ich „Die Bibliothek meines Großvaters“ zu hören begann. Dass es sich bei dem Großvater vor allem um einen großen Krimifan handelte, der damit seine Enkelin begeisterte, die sich dann auch in Kreisen aufhielt, die mit viel Freude am Spürsinn Kriminalgeschichten anhängt, war nicht meine erste Vermutung.
So führt die Enkelin mit dem Großvater stets aufs Neue größtenteils überraschend scharfsichtige Dialoge über mysteriöse Vorfälle, zu denen sie stets mehrere Geschichten durchspielen. Herangetragen werden diese meist durch Freunde oder Bekannte an sie. Doch war ich mir am Ende häufig nicht sicher, ob es sich dabei nur um bloße Geschichten oder um „wahre“ Begebenheiten handeln sollte. Noch unklarer war, welche Folgen nun die detektivische Arbeit von Großvater und Enkelin haben sollten. Ein wenig monoton war auf Dauer auch der Ablauf, bei dem der Großvate immer viele Dinge durchaus mit scharfer Beobachtungsgabe erschließen konnte, teils aber auf Wissen zurückgreifen musste, von dem mir nicht klar war, woher er es haben konnte.
Spannend wird es zum Ende hin, als die Enkelin selbst zum Opfer eines Verbrechens zu werden droht.
Die Geschichte spielt in Japan, und das japanische Flair wird in diesem Roman auch sehr gut zum Ausdruck gebracht.
Die Erzählstimme ist angenehm, wenngleich auch ein wenig monoton.
Wer mehr an Bibliotheken und Büchern im allgemeinen als an Kriminalliteratur im speziellen interessiert ist, wird hier vielleicht nicht ganz so auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Sehr düsteres Thema für ein Bilderbuch

Emma und der traurige Hund
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Auch wenn der Titel „Emma und der traurige Hund“ schon auf ein trauriges Thema verweist, zeigt doch das Titelbild eher etwas vom Trost der Gemeinschaft: Hund und Kind in trauter Zweisamkeit blicken auf ...

Auch wenn der Titel „Emma und der traurige Hund“ schon auf ein trauriges Thema verweist, zeigt doch das Titelbild eher etwas vom Trost der Gemeinschaft: Hund und Kind in trauter Zweisamkeit blicken auf die Unendlichkeit des Meeres.
Doch der Hund ist traurig, ohne Grund und ohne Perspektive auf Besserung. Zugute halten muss man dem Buch, dass es das Thema der Depression sehr ernst nimmt und keine schnelle oder einfache Lösung anbietet, so nach dem Motte: einmal pusten und dann ist alles wieder gut. Einzig tröstende Figur ist die optimistische, lebensbejahende Figur Emma, die sich um den Hund bemüht. Nachdrücklich, aber auch vorsichtig. Mit Respekt vor seinen Gefühlen.
Die Bilder changieren zwischen poetisch und düsterem Gekritzel, das auch etwas Aggressives hat. So stelle ich mir gerade die Buchinnendeckel vor, als ob jemand seine Wut mit wilden, dicken Zickzacklinien zum Ausdruck gebracht hat.
Für mich als Erwachsene hat das Buch interessante Aspekte bereit. Doch muss man Kinderseelen schon so früh mit so schweren, schwarzen Themen trüben? Zumal es für die Kinder oft der Hund ist, der der tröstende Spielgefährte ist, und nicht der, der Hilfe braucht und dem Kind die Rolle des Therapeuten auflastet. Ist es kleinen Kindern, für die man sich ja Bilderbücher meist denkt, möglich, den Transfer zu leisten, in dem traurigen Hund eben nicht nur einen traurigen Hund zu sehen? Welche Botschaft sollen sie empfangen? Worauf sollen sie wie reagieren?

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Die dunklen Seiten der Geschichte

Adama
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Lavie Tidhar zeichnet ein düsteres Bild der Geschichte Israels, gekennzeichnet um Überlebenswillen, Rache, Gewalt, Korruption, Illegalität – sei es Mord oder Drogendealerei – und Leid.
Die Geschichte ...

Lavie Tidhar zeichnet ein düsteres Bild der Geschichte Israels, gekennzeichnet um Überlebenswillen, Rache, Gewalt, Korruption, Illegalität – sei es Mord oder Drogendealerei – und Leid.
Die Geschichte beginnt mit einem vermeintlichen Selbstmord und führt zurück in die Zeit, in der die junge Ruth aus Ungarn beschließt, sich auf den Weg nach Israel zu machen, weil sie sich der Bewegung zugehörig fühlt, die einen eigenen Staat und eine Gemeinschaft im Sinne der Kibbuz aufbauen will. Sie ist eine der wenigen Figuren, die ungebrochen an diese Gemeinschaft glaubt und bereit ist, alles dafür zu tun, diese zu gründen und am Leben zu erhalten. Sie ist eine starke junge Frau mit eisernem Willen, Waffenschmugglerin, Geliebte und Mutter. Sowohl ihre eigenen Geschwister als auch ihre Kinder sowie ihre Enkel scheinen mehr durch das Schicksal und die Geburt in die Gemeinschaft hineingezwungen. Einigen von ihnen gelingt die Flucht, doch eingeholt werden sie von der Geschichte des Ganzen immer irgendwie.
Es ist ein hartes, entbehrungsreiches, ein gewalttätiges Leben in dem Kibbuz, das einen hohen Preis bezahlt, für den es wenig bekommt. Und das Ideal des gemeinschaftlichen Lebens bleibt weit hinter der Realität zurück, scheitert am Menschsein der anderen, mit ihren Gefühlen, Leidenschaften, persönlichen Motiven.
Wer im Dreck wühlt, wird Dreck finden. Es gibt in dem Roman keine Figur, die mir wirklich durchgängig sympathisch ist. Jeder hat seine Träume, für die er bereit ist, ob bewusst oder unbewusst, andere bezahlen zu lassen. Es bleibt wenig übrig von der Geschichte eines Volkes, das über Jahrtausende hinweg verfolgt und in alle Winde zersprengt wird, und sich an einem Flecken sammelt, das ihnen nichts schenkt, dem sie alles mit hartem Willen abringen, dem nackten Stein, dem kahlen Fels, der feindlichen Umgebung, die seine Existenz beharrlich negiert. Dies schwingt immer mal wieder mit, wird aber immer wieder verschüttet von der Darstellung der schlechten Seiten, auch wenn sie aus dem Wunsch nach dem Guten entspringen mögen: so z. B. Ruths Gefühlskälte, mit der sie bereit ist, dem Überleben des Kibbuz alles zu opfern, die Unfähigkeit der Kinder und Enkel ein Leben, unter dem sie offensichtlich leiden, in etwas Positives zu verkehren.
Wer die Geschichte Israels kaum kennt, erhält – meiner Ansicht nach – ein ziemlich einseitiges Bild, die Brutalität der Siedler gegenüber der arabischen Bevölkerung, die Bereitschaft zu Drogenhandel und Mord, um den Kibbuz zu finanzieren und zu erhalten, die Gemeinschaft des Kibbuz, in der die Kinder schon als Säuglinge den Eltern entfremdet werden, um dann von einem Nachtwächter missbraucht zu werden.
Den Schattenseiten der Geschichte fehlen die Lichtmomente, aus denen überhaupt erst Schatten entsteht. So bleibt letztlich vieles im Dunkeln, wie Nathan Deutsch im Kellerverließ von Ruth, da er einst ihre Eltern und ihre Schwester an die Deutschen verriet. Und ewig: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Familiengeschichte(n)

Wie Schiffe auf stürmischer See
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Grace kümmert sich um ihren dementen Vater. Der braucht seine Routinen, z. B. zum Einschlafen das Abspielen eines alten Seewetterberichts. Diese werden gefährlich aus der Reihe gebracht mit dem Auftauchen ...

Grace kümmert sich um ihren dementen Vater. Der braucht seine Routinen, z. B. zum Einschlafen das Abspielen eines alten Seewetterberichts. Diese werden gefährlich aus der Reihe gebracht mit dem Auftauchen eines jungen Mädchens, das behauptet die Tochter des auf See vermissten Bruders von Grace zu sein. Im Gepäck ein Photo, auf dessen Rückseite ein Datum steht, das er nach dem Untergang des Schiffes ihres Bruders liegt. Kann das möglich sein? Grace setzt sich mit Vater und vermeintliche Nichte in deren alten Bulli und macht sich auf die Suche.
Der Einstieg in den Roman gelingt gut, denn man findet sich schnell in Grace‘s schwieriger Situation ein: die Ehe gescheitert, einen Brotberuf mit Mühe in Übereinstimmung gebracht mit der Pflege des dementen Vaters, die so manche Herausforderung für Grace mit sich bringt, keine große Perspektive, immer zu wenig Zeit, zu wenig Geld und zu viel Erschöpfung.
Die Reise auf der Suche nach dem verschollenen Bruder, mit der die Perspektiven zwischen Grace und ihrem Bruder wechseln und die Story auf zwei Ebenen erzählt wird, macht die Geschichte auch spannend zu lesen. Denn natürlich will man wissen, ob es eine Chance gibt, dass der Bruder noch lebt, und wie es sein kann, dass er sich zu Hause nie gemeldet hat.
Grace und ihre bunt zusammengewürfelte Familie erleben dabei so einige Abenteuer, die sich dann allerdings zu wiederholen beginnen, weil sie zumeist mit der Demenz des Vaters und den damit verbundenen Schwierigkeiten zu tun haben. Daraus ergibt sich bisweilen eine Situationskomik, die ich der Ernsthaftigkeit des Themas nicht immer ganz angemessen finde, weil sie eher klamaukig als erheiternd wirkt. Eine nebenbei festgestellte Schwangerschaft soll kurz die Dramatik erhöhen. Aber das Ende finde ich dann ein wenig platt: zu viele Zufälle oder zu überbemühte Schicksalhaftigkeit lösen alles in eine Art Wohlgefallen aus. Und wenn es der eine Märchenprinz nicht wird, dann eben ein anderer. Selbst die Demenz scheint am Ende fast in Vergessenheit geraten zu sein.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Ich dachte, die Handlung kommt noch

Wir dachten, das Leben kommt noch
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Ich dachte, die Handlung kommt noch, ist – ein wenig polemisch formuliert – das, was meinen Leseeindruck von dem Roman bestimmt.
Da ist eine BBC-Moderatorin, die auf der Spur der Geschichte ihrer Großmutter ...

Ich dachte, die Handlung kommt noch, ist – ein wenig polemisch formuliert – das, was meinen Leseeindruck von dem Roman bestimmt.
Da ist eine BBC-Moderatorin, die auf der Spur der Geschichte ihrer Großmutter ist und zugleich auf der englischer Agentinnen, die in Paris die Resistance im Kampf gegen Nazi-Deutschland unterstützen und wichtige Informationen an die britische Regierung sowie Waffen für den Widerstand schmuggeln. Dazu gehört auch Pat, deren Geschichte wir auf zwei Ebenen hören: in der Gegenwart im – widerwillig begonnen – Gespräch mit Gwen, und in der Vergangenheit in ihrer Rolle als Agentin in Paris.
An und für sich ist das ein sehr spannendes Stück Geschichte, das als Agentinnenroman viele Möglichkeiten für Spannung und Dramatik bietet. Eine Geschichte auf verschiedenen Ebenen hat – geschickt komponiert – den Vorteil, durch die Enthüllung von immer mehr Verborgenen die Spannung deutlich hinauszuzögern und stetig zu steigern, bis sich am Ende alle Details in einander fügen. Mein Problem mit diesem Roman ist, dass hier mehr erzählt wird, als gehandelt. Immer dann, wenn es ein wenig spannend wird, bricht die Erzählung ab, wird auf später verschoben aus unterschiedlichen und manchmal nicht erkennbaren Gründen. Dadurch baut sich aber für mich keine Spannung auf, sondern sie wird künstlich hinausgezögert und die Erzählung damit in die Länge gezogen. Der Leseprozess hat sich mir bisweilen als zäh dargestellt.
Darüber hinaus legt die Autorin sehr viel Wert auf die Ausgestaltung des Life-Styles, wie ich das – vielleicht auch ein wenig polemisch – einmal nennen möchte. Die Moderatorin Gwen begibt sich, alleinerziehende Mutter, mit ihrer kleinen Tochter und unterstützender Familie bzw. Freundin nach Frankreich in eine luxuriöse Wohnung. Immer wieder wird kulinarischer Genuss in Szene gesetzt. Mehr für die Atmosphäre als für die Handlung werden immer wieder Szenen bei Tisch geschaffen, wofür Speisen genauestens beschrieben und in Szene gesetzt werden. Es gibt einen Besuch auf dem Land mit dem getrennt lebenden Vater der Kleinen. Weitere Beispiele ließen sich anführen. Die Atmosphäre zu gestalten gelingt der Autorin wirklich gut, lenkt sie aber vom Handlungsfaden ab. Wenn es einmal spannend wird, wie z. B. bei einer Verfolgung durch zwei Agentinnen der Gegenseite, verpufft die Spannung schnell wieder, eher unrealistisch aufgelöst: ein Schuss ins Blaue oder vielmehr Schwarze, ein Treffer, mehr sei nicht verraten.
Es gibt zwar nicht so viele Romane dieses Settings, aber doch genug, dass es nicht unbedingt dieser sein müsste. Für wen die Story hauptsächlich vom Ambiente lebt und dem Lebensgefühl, das eines gewissen Luxus nicht entbehren mag, der kommt hier sicherlich auf seine Kosten.

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