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Veröffentlicht am 08.04.2026

Zwischen Misstrauen und Wahrheit

Das Signal
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Die Romane von Ursula Poznanski leben von starken Ideen, psychologischer Spannung und Figuren, die man gerne durch ein ganzes Buch begleitet – und genau das findet ich auch hier wieder. Schon nach wenigen ...

Die Romane von Ursula Poznanski leben von starken Ideen, psychologischer Spannung und Figuren, die man gerne durch ein ganzes Buch begleitet – und genau das findet ich auch hier wieder. Schon nach wenigen Seiten war ich komplett gefesselt und wollte unbedingt wissen, was wirklich hinter allem steckt.

Besonders berührt hat mich die Situation von Viola, die nach einem Unfall plötzlich mit der Amputation ihres Beins leben muss. Diese Veränderung macht ihre Verletzlichkeit und ihre Unsicherheit unglaublich greifbar. Ich habe beim Lesen gespürt, wie sehr sie versucht, ihr Leben wieder unter Kontrolle zu bekommen – und gleichzeitig wächst mit jeder Seite das Gefühl, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmt. Aber Viola ist eine starke Frau und versucht, das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Das ständige Misstrauen macht den Reiz der Geschichte ist. Auch ich als Leser beginne zu zweifeln, mitzurätseln und jede Kleinigkeit zu hinterfragen. Diese psychologische Spannung hat mich durch das Buch getragen .

Allerdings hat das Buch auch ein paar Längen. Einige Passagen ziehen sich etwas und bremsen den Spannungsfluss, besonders im Mittelteil. Dadurch verliert die Geschichte zwischendurch etwas an Tempo, bevor sie zum Ende hin wieder deutlich an Fahrt aufnimmt. Trotzdem bleibt Das Signal ein atmosphärischer, klug konstruierter Thriller mit einer starken Grundidee und einer interessanten Protagonistin.

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Veröffentlicht am 27.12.2025

Identität, Selbstbestimmung und weibliche Solidarität

Die Passantin
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Der neue Roman von Nina George „Die Passantin“ kommt auf leisen Sohlen und schiebt sich dann langsam und eindringlich unter die Haut. Seit dem Lavendelzimmer ist viel Zeit vergangen, Nina George hat sich ...

Der neue Roman von Nina George „Die Passantin“ kommt auf leisen Sohlen und schiebt sich dann langsam und eindringlich unter die Haut. Seit dem Lavendelzimmer ist viel Zeit vergangen, Nina George hat sich weiterentwickelt. Ihr Schreibstil ist immer noch durchzogen von der feinen Poesie, aber gleichzeitig schreibt sie wütender und fordernder.

Im Zentrum der Geschichte steht Jeanne Patou, eine gefeierte Filmikone, die für tot gehalten wird, da sie auf den verhängnisvollen Germanwingsflug im März 2015 gebucht war. Sie hat den Flug aber in letzter Sekunde nicht angetreten. Das ist für sie die Rettung aus einem Leben, das von Kontrolle, Angst und emotionaler Gewalt geprägt ist. Sie bleibt in Barcelona und findet Zuflucht in einem alten Haus, das sie mit anderen Frauen teilt, die ebenfalls aus ihrem früheren Leben verschwunden sind.

Nina George zeichnet ein vielschichtiges Porträt von Jeanne, die keine Heldin ist, sondern eine verletzte Frau, die sich Schritt für Schritt in ein selbstbestimmtes Leben kämpft. Damit ist sie nicht allein, denn die anderen Bewohnerinnen bringen jeweils ihre eigene Geschichte und Verletzlichkeit mit. Ich begleite Jeanne sehr intensiv auf ihrem schmerzhaften, aber auch hoffnungsvollen Weg.

Die erzählerische Dichte macht den Roman sehr anspruchsvoll und ich musste oft innehalten, damit es nicht zu anstrengend wird. Die Fülle an Themen und Figuren war mir manchmal etwas zu viel. Aber Nina George nimmt sich eben Zeit, die inneren Konflikte und Wandlungsprozesse behutsam zu entfalten. Gleichzeitig beschreibt sie die Atmosphäre Barcelonas, das Licht, die Geräusche und Gerüche so lebendig, dass ich mich dem kaum entziehen kann.

„Die Passantin“ ist keine leichte Lektüre, aber ein sehr wichtiges Buch über Identität, Selbstbestimmung und weibliche Solidarität. Nina George erzählt feinfühlig, voller Empathie und gleichzeitig auch brutal ehrlich und direkt. Und genau das hat mir besonders gefallen.

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Campingkrimi mit Charme und Spannung

Entführung im Himmelreich
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Mit „Entführung im Himmelreich“ setzt Andreas Winkelmann seine warmherzige Cosy-Crime Reihe fort. Schauplatz ist natürlich wieder der Idyllische Campingplatz Himmelreich am Schielow-See. Dieses Mal ist ...

Mit „Entführung im Himmelreich“ setzt Andreas Winkelmann seine warmherzige Cosy-Crime Reihe fort. Schauplatz ist natürlich wieder der Idyllische Campingplatz Himmelreich am Schielow-See. Dieses Mal ist der ortsansässige Bäcker spurlos verschwunden. Die Polizei – allen voran Kommissar Fass – legt sich schnell auf Suizid fest, aber Hobbyermittler und ehemaliger Schauspieler, Björn Kupernikus hat da so seine Zweifel und startet seine eigenen Ermittlungen mit Partnerin „in crime“ Annabell Schäfer.

Das erfrischende Duo habe ich schon im ersten Teil sehr gemocht! Denn ihre Art zu ermitteln ist sehr unkonventionell und spritzig und Lacher zwischendurch sind garantiert. Auch die Nebenfiguren sind liebevoll gezeichnet und allesamt ein bisschen schrullig. Der Autor ist selbst begeisterter Camper und hat hier wohl einige Erfahrungen einfließen lassen.

Der Schreibstil ist leicht, flüssig und sehr humorvoll. Kurze Kapitel, die in diesem Buch „Szenen“ genannt werden und geschickte Perspektivenwechsel sorgen für ein gutes Tempo. Besonders gelungen finde ich den Mix aus Spannung und schrägem Humor. Davon lebt das Buch. Der Kriminalfall selbst bleibt bis zuletzt undurchsichtig und bietet einige überraschende Wendungen.

Die Handlung ist stellenweise schon etwas überdreht und verlässt sich stark auf den Witz der Figuren, wodurch die kriminalistische Tiefe gelegentlich etwas zu kurz kommt. Aber das verzeihe ich schnell, denn ich werde bestens unterhalten mit diesem lockeren, atmosphärischen Krimi mit viel Campingflair und sympathischen Ermittlern.

Annabell ist nicht nur eine gute Partnerin a la Watson, sondern auch eine gute Köchin. Und die Rezepte kann ich ganz am Ende nachlesen. Ein kulinarischer Bonus!

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Veröffentlicht am 19.12.2025

Albtraum hinter vertrauten Wänden

Welcome Home – Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?
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Mit Welcome Home hat Arno Strobel einen spannenden Psychothriller geschrieben, der auf eindringliche Weise mit den Urängsten spielt. Das äußerst menschliche Bedürfnis „Ankommen „und das Gefühl von Sicherheit ...

Mit Welcome Home hat Arno Strobel einen spannenden Psychothriller geschrieben, der auf eindringliche Weise mit den Urängsten spielt. Das äußerst menschliche Bedürfnis „Ankommen „und das Gefühl von Sicherheit verdreht der Autor geschickt zu einem Albtraum, der mich so schnell nicht mehr los gelassen hat. Denn diesen Albtraum erleben Ines und Marco, die sich mit ihrer kleinen Tochter den Traum vom eigenen Heim erfüllt haben.

Im Mittelpunkt dieses Psychothrillers steht dieses Heim und das ist mehr als nur ein Schauplatz, denn es wird zu einem Symbol für Angst, Kontrolle und Manipulation. Ich hatte beim Lesen ständig ein ungutes Gefühl im Bauch und der Spannungsbogen war megastraff gespannt.

Arno Strobel hat die Figuren glaubwürdig und vielschichtig gezeichnet. Er versteht es sehr gut, mit subtilen Andeutungen eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Die scheinbar heile Welt in der Neubausiedlung gerät immer mehr aus den Fugen. Wem kann man noch trauen? Der Autor setzt hier (zum Glück) weniger auf blutige Effekte sondern auf eine stetig wachsende Spannung.

Der Schreibstil ist klar, schnörkellos und sehr bildhaft, so wie ich es von Arno Strobel kenne und mag. Kurze Kapitel und geschickt platzierte Perspektivwechsel sorgen für ein hohes Erzähltempo. Das Ende ist dann doch überraschend und nicht konstruiert. Für mich absolut stimmig. Dieser atmosphärische Psychothriller hat mich sehr gut unterhalten!

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Spannende Zeitreise mit besonderem Flair

Manche Schuld vergeht nie
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Zeitreisen haben schon immer eine gewisse Faszination ausgeübt, nicht nur auf mich!

Hier begleite ich Kriminalbeamtin Ali Dawson, die zurück ins viktorianische London reist, wo sie einen Mord aufklären ...

Zeitreisen haben schon immer eine gewisse Faszination ausgeübt, nicht nur auf mich!

Hier begleite ich Kriminalbeamtin Ali Dawson, die zurück ins viktorianische London reist, wo sie einen Mord aufklären soll. Doch dann geht einiges schief und in der Gegenwart gerät ihr Sohn unter Mordverdacht. Klingt spannend? Ist es auch!

Denn Elly Griffith hat eine fesselnde Komposition aus Zeitreise, Kriminalroman und sehr viel viktorianischer Atmosphäre geschaffen! Besonders die Vergangenheit wurde sehr detailreich und lebendig geschildert, aber auch die Darstellung des heutigen Londons ist sehr gelungen.

Ali ist eine absolute Lieblingsfigur von Anfang an. Sie ist cool, wild entschlossen und gleichzeitig verletzlich, eine ganz besondere Mischung. Ich habe nicht nur mit ihr mitgefiebert, sondern ich konnte auch mit ihr fühlen.

Ich mag auch ihren Sohn Finn sehr gerne. Er ist so ganz anders als seine Mutter und auf seine Art ebenfalls sehr liebenswert. Der arme Kerl ist in etwas hineingestolpert und bei ihm habe ich besonders mitgelitten und Anteil genommen.

Der Schreibstil ist leicht zu lesen und Elly Griffith versteht es gekonnt, Spannung aufzubauen. Die einzelnen Kapitel haben eine angenehme Länge. Es wechselt nicht ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit und das hält den Spannungsbogen, da die Abschnitte der jeweiligen Zeit mit einem Cliffhanger enden. Dennoch bin ich nicht durch die Seiten gehastet, denn das Lesen hat richtig Spaß gemacht.

Aber leider bleiben am Ende doch einige Fragen zurück, denn nicht alles wird aufgelöst, was mich etwas unzufrieden zurücklässt, auch wenn ich weiß, dass es eine Fortsetzung geben wird.

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