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Veröffentlicht am 08.04.2026

Zwischen Welten

Kuki und das Flüstern der Muscheln
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Kuki und das Flüstern der Muscheln hat mich sofort neugierig gemacht – vor allem durch die Verbindung aus Realität und alten Mythen. Ich mag Geschichten, die auf solchen Erzähltraditionen aufbauen, und ...

Kuki und das Flüstern der Muscheln hat mich sofort neugierig gemacht – vor allem durch die Verbindung aus Realität und alten Mythen. Ich mag Geschichten, die auf solchen Erzähltraditionen aufbauen, und hier wird genau das spürbar. Es hat etwas Geheimnisvolles, fast Märchenhaftes, das sich leise durch die Seiten zieht.

Kuki mochte ich als Hauptfigur sehr. Sie wirkt stark, aber gleichzeitig verletzlich, und gerade dieser innere Konflikt hat mich berührt. Besonders ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte fand ich spannend – wie sie lernt, sich ihren Ängsten zu stellen und ihren eigenen Weg zu gehen. Auch die Verbindung zu den übernatürlichen Elementen hat für mich gut funktioniert, weil sie nicht überladen wirkt, sondern eher unterschwellig präsent ist.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Atmosphäre. Es gibt viele Momente, die sich fast ein bisschen unheimlich anfühlen, ohne wirklich gruselig zu sein. Diese Mischung aus Spannung und leiser Bedrohung hat mich beim Lesen gehalten. Gleichzeitig hat die Geschichte aber auch warme, ruhige Seiten, die einen wieder runterholen.

Allerdings gab es auch Punkte, die mich nicht ganz überzeugt haben. Manche Entwicklungen wirkten für mich etwas vorhersehbar, und an ein, zwei Stellen hätte ich mir gewünscht, dass bestimmte Szenen mehr Raum bekommen, um ihre Wirkung richtig zu entfalten. Gerade das Ende ging mir etwas zu schnell.

Trotzdem ist Kuki und das Flüstern der Muscheln für mich eine besondere Geschichte, die vor allem durch ihre Atmosphäre und die Einbindung von Mythen punktet. Ein Buch, das leise erzählt wird, aber trotzdem hängen bleibt.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Berliner Schnauze

Berlinerisch
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Berlinerisch hat mich direkt mit seinem Ton abgeholt: rau, ehrlich, manchmal ein bisschen trotzig – und genau dadurch so nahbar. Lea Streisand schreibt, wie Berlin sich anfühlt, nicht wie es im Reiseführer ...

Berlinerisch hat mich direkt mit seinem Ton abgeholt: rau, ehrlich, manchmal ein bisschen trotzig – und genau dadurch so nahbar. Lea Streisand schreibt, wie Berlin sich anfühlt, nicht wie es im Reiseführer steht. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, mitten in einer Küche zu sitzen, Kaffee in der Hand, während jemand Geschichten erzählt, die gleichzeitig lustig und irgendwie traurig sind.

Ich mochte besonders diesen Mix aus Humor und Ernst. Da sind diese typischen Berliner Sprüche, die erstmal locker wirken, und dann merkt man plötzlich, wie viel dahinter steckt. Es geht um Alltag, um Herkunft, um Familie – und um dieses Gefühl, irgendwo dazwischen zu stehen. Genau diese Mischung hat für mich funktioniert, weil sie sich nicht aufgesetzt anfühlt.

Die einzelnen Episoden lassen sich gut lesen, fast wie kleine Momentaufnahmen. Man kann zwischendurch pausieren, ohne den Faden zu verlieren, und trotzdem ergibt sich am Ende ein Gesamtbild. Gerade diese Struktur fand ich angenehm, weil sie Raum lässt, über das Gelesene nachzudenken.

Gleichzeitig hatte ich aber auch Momente, in denen es mich nicht ganz erreicht hat. Manche Geschichten blieben für mich etwas oberflächlich oder zu schnell erzählt – ich hätte mir da manchmal mehr Tiefe gewünscht, mehr Zeit, um wirklich einzutauchen. Auch der Ton ist stellenweise sehr speziell; wenn man mit diesem Berliner Humor nicht ganz warm wird, kann es etwas auf Distanz halten.

Trotzdem bleibt für mich ein ehrliches, lebendiges Buch, das nicht perfekt sein will – und genau dadurch seinen eigenen Charme hat. Berlinerisch ist wie ein Gespräch, das mal laut, mal leise ist, aber immer echt. Und genau das macht es lesenswert.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Wild und wahr

Rabid
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Rabid hat mich von der ersten Seite an gepackt – nicht wegen eines gigantischen Twists, sondern wegen dieser rohen, atemlosen Energie, die durch jede Szene läuft. Es fühlt sich an, als würde man mit bloßen ...

Rabid hat mich von der ersten Seite an gepackt – nicht wegen eines gigantischen Twists, sondern wegen dieser rohen, atemlosen Energie, die durch jede Szene läuft. Es fühlt sich an, als würde man mit bloßen Füßen über kalten Boden rennen: gefährlich, befreiend, ganz nah dran. Ich liebe Geschichten, in denen eine Heldin nicht „perfekt stark“ ist, sondern furchtlos und verletzlich, wütend und voller Herz. Genau so wirkt sie hier: ungezähmt, aber niemals kopflos. Ich habe jede ihrer Entscheidungen mitgefühlt – auch die unbequemen.

Die Welt ist hart, körperlich, manchmal brutal, und trotzdem gibt es diese leisen Momente, in denen Nähe möglich wird: ein Blick, eine Hand, die kurz länger bleibt, als sie sollte. Die Dynamik zwischen den Figuren hat für mich exakt den Sweet Spot getroffen: Spannung, Reibung, Humor – und ein Knistern, das nicht mit Paukenschlag kommt, sondern unter der Haut wächst. „Found Family“ schimmert durch, ohne je zur Floskel zu werden.

Sprachlich spielt das Buch auf zwei Ebenen: kantig und direkt, wenn es um Kampf, Flucht, Überleben geht; beinahe poetisch, wenn Schuld, Sehnsucht und Selbstbehauptung verhandelt werden. Ich mochte, wie viel gezeigt und wie wenig tot-erklärt wird. Action hat Gewicht, Konsequenzen bleiben nicht theoretisch.

Kleiner Wunsch für mich persönlich: Im ersten Drittel prasseln Begriffe und Regeln teils sehr schnell aufeinander – ich hätte mir hier einen Hauch mehr Orientierung (oder eine kompakte Übersicht) gewünscht. Und an zwei Stellen wiederholt sich die innere Stimme minimal. Nichts, was mich rausgeworfen hätte, eher Notizen am Rand.

Unterm Strich ist Rabid für mich genau das: eine wilde, kompromisslose Romantasy, die nicht um Erlaubnis bittet, sondern ihre Spur zieht. Ich habe mitgefiebert, die Zähne zusammengebissen – und mich dabei erwischt, wie ich langsamer gelesen habe, um länger in dieser Welt zu bleiben. Der nächste Band? Bitte sofort.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Zwischen Schnee und Stille

Schneeengel
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Schneeengel hat mich mit seiner Winterstimmung sofort erwischt: dieses leise Knistern, wenn Schnee Geräusche dämpft und Gedanken plötzlich lauter werden. Esther Brand fängt genau diese Zwischenzeit gut ...

Schneeengel hat mich mit seiner Winterstimmung sofort erwischt: dieses leise Knistern, wenn Schnee Geräusche dämpft und Gedanken plötzlich lauter werden. Esther Brand fängt genau diese Zwischenzeit gut ein – die Tage, in denen man mehr erinnert als redet, und ein Spaziergang durch kalte Luft mehr klärt als eine lange Diskussion am Küchentisch. Ich mochte, wie viel über kleine Gesten erzählt wird: eine Tasse, die wortlos hingestellt wird; ein Blick, der ausreicht, um zu verstehen, dass heute nicht der Tag für große Pläne ist.

Die Hauptfigur habe ich schnell nah an mich herangelassen. Sie ist nicht makellos, sondern vorsichtig, manchmal störrisch, dann wieder zärtlich – und genau das hat mich mitgenommen. Besonders die leisen Szenen haben funktioniert: wenn der Schnee die Welt hell macht und man doch merkt, wie viel Schatten noch da ist. Auch sprachlich ist das fein: klare Sätze, schöne Bilder, ohne Überpuderung.

Trotzdem, und das sage ich mit Zuneigung: Manches war mir vorhersehbar. Zwei Wendungen sah ich schon weit im Voraus kommen, und an ein, zwei Stellen greift die Geschichte für meinen Geschmack ein wenig zu entschlossen in die Gefühlskiste. Ich hätte mir dort etwas mehr Reibung gewünscht, ein langsameren Weg hin zu Nähe und Vergebung. Einige Nebenfiguren bleiben skizzenhaft – genug, um Atmosphäre zu geben, aber zu wenig, um ihre Entscheidungen wirklich nachzuvollziehen.

Was bleibt, ist ein stimmiges Winterbuch über Verlust, Familie und den zähen Mut, es noch einmal zu versuchen. Wenn Schneeengel zart bleibt, ist es am stärksten: da, wo Entschuldigungen nicht ausgesprochen werden müssen, weil man sie tun kann; da, wo ein Schritt durch den frischen Schnee mehr bedeutet als viele Worte. Kein Buch der großen Überraschungen, aber eines, das behutsam begleitet – mit kalter Luft auf der Haut und einem ruhigen, warmen Nachklang.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Pfoten im Schnee

Schneeflöckchen, Weißpfötchen
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Schneeflöckchen, Weißpfötchen war für mich genau das Buch, zu dem ich mir eine heiße Schokolade mache, die Decke hochziehe und das Handy weit weglege. Petra Schier schafft es, diese sofortige Winterwärme ...

Schneeflöckchen, Weißpfötchen war für mich genau das Buch, zu dem ich mir eine heiße Schokolade mache, die Decke hochziehe und das Handy weit weglege. Petra Schier schafft es, diese sofortige Winterwärme zu erzeugen: Lichterketten, Plätzchenduft, leises Schneeknirschen – und mittendrin ein tierischer Begleiter, der Herzen öffnet und Menschen zusammenbringt. Ich habe mehr als einmal vor mich hingeschmunzelt, weil diese kleinen, unscheinbaren Momente so liebevoll eingefangen sind.

Besonders mochte ich die unaufgeregte Art, mit der Nähe entsteht: nicht durch große Gesten, sondern durch Alltagsdinge – ein kurzer Blick, eine Geste, ein „Komm gut an“. Das fühlt sich echt an und hat mich sanft mitziehen lassen. Der „Weihnachtszauber“ ist spürbar, ohne zu schwer zu werden, und die Kapitel fließen angenehm, sodass ich immer „nur noch eins“ lesen wollte.

Gleichzeitig war es für mich stellenweise einen Tick zu süß. Einige Entwicklungen sah ich früh kommen, und manche Konflikte lösen sich sehr schnell – fast so, als ob die Geschichte niemandem wehtun möchte. Das kann gemütlich sein (genau dafür greife ich ja zu solchen Büchern), aber ich hätte mir an zwei, drei Stellen etwas mehr Tiefe oder Reibung gewünscht. Auch ein paar Dialoge wirkten für meinen Geschmack einen Hauch zu kitschig.

Der tierische Faden ist dafür ein echtes Highlight: warm, witzig, manchmal frech – genau die Art von Perspektive, die dem Ganzen Leichtigkeit gibt, ohne ins Alberne zu kippen. Nebenfiguren sorgen für Atmosphäre und Dorffeeling; nicht jede bleibt lange im Gedächtnis, aber zusammen ergibt das ein stimmiges, weihnachtliches Gesamtbild.

Unterm Strich: Ein sanftes, herzwarmes Winterbuch, das nach Zimt und Hoffnung schmeckt. Perfekt, wenn ich einfach ankommen, durchatmen und mich ein bisschen verzaubern lassen möchte – mit viel Gefühl, einem Augenzwinkern und ganz viel Schneeglitzern.

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