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Veröffentlicht am 10.04.2026

UNglaublich intensiv ...

Das zwölfte Haus
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DAS ZWÖLFTE HAUS
Malin C. M. Rønning
ET: 17.03.26
Molli erreicht ein Anruf ihrer Mutter: Ihr Bruder Bill ist schwer verletzt an einem Fluss aufgefunden worden und liegt seitdem im Koma, sein Freund Ib ...

DAS ZWÖLFTE HAUS
Malin C. M. Rønning
ET: 17.03.26
Molli erreicht ein Anruf ihrer Mutter: Ihr Bruder Bill ist schwer verletzt an einem Fluss aufgefunden worden und liegt seitdem im Koma, sein Freund Ib lag tot neben ihm.
Molli nimmt kurzerhand Urlaub und reist zurück in die Stadt, in die sie als Zehnjährige gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrer Mutter zog – in das blaue Haus, das Frank gehörte, dem neuen Freund ihrer Mutter. Ein Mann, der keine Kinder mochte und sie demütigte und drangsalierte. Ihre Mutter hingegen wollte das Gute in ihm sehen und stellte sich nicht schützend vor ihre Kinder. Molli nimmt uns mit zurück in dieses Haus, in dem sie und ihr Bruder Vernachlässigung erfahren mussten.

Dieses Buch schmerzt. In Rückblicken erzählt Molli von ihrem ersten Sommer – von insgesamt sechs –, den sie bei dem neuen Freund ihrer Mutter verbrachte. Wir begleiten das junge Mädchen dabei, wie sie wächst, an Stärke gewinnt, aber auch, wie sie ihre unbeschwerte Kindheit verliert und sich immer mehr in sich selbst zurückzieht.

Fazit:
Ein unglaublich intensives und fesselndes Buch, das tief unter die Haut geht. Ich habe es sehr gern gelesen und empfehle es euch von Herzen weiter. Besonders hervorheben möchte ich auch das wunderschön gestaltete, hochwertige Cover – die Bücher aus dem Karl Rauch Verlag sind einfach immer ganz besonders und diese matte Eleganz fühlt sich wunderbar an.
5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2026

Grossartig!

Kleine Schwächen
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KLEINE SCHWÄCHEN
Megan Nolan
ET: 17.02.26
Die kleine Mia ist tot. Zuletzt wurde sie beim Spielen mit der zehnjährigen Lucy gesehen.

Im Londoner Viertel scheint der Fall schnell klar zu sein: Lucy ist ...

KLEINE SCHWÄCHEN
Megan Nolan
ET: 17.02.26
Die kleine Mia ist tot. Zuletzt wurde sie beim Spielen mit der zehnjährigen Lucy gesehen.

Im Londoner Viertel scheint der Fall schnell klar zu sein: Lucy ist das jüngste Kind einer als „asozial“ abgestempelten Familie, die einst aus Dublin eingewandert ist. Gerüchte verbreiten sich rasch, und während die Nachbarschaft das Mädchen bereits verurteilt, nimmt die Polizei sie in Gewahrsam.

Der Journalist Tom stößt zufällig auf den Fall und wittert die Chance auf eine große Story. Die Zeitung bietet der Familie an, sie in einem abgelegenen Hotel unterzubringen – angeblich zu ihrem Schutz. Doch Tom verfolgt eigene Ziele: Er will mehr über die Vergangenheit der Familie erfahren und die Gründe für ihren Wegzug aus Dublin aufdecken.

In Rückblenden entfaltet sich nach und nach die Geschichte dieser Familie – eine Geschichte, die von scheinbar „kleinen Schwächen“ geprägt ist, mit weitreichenden Folgen.

Was für ein beeindruckendes Buch! In diesem schmalen Band steckt unglaublich viel: Es geht um Vorurteile gegenüber Iren in England, um Vernachlässigung und Gewalt innerhalb von Familien und um all das Ungesagte und Verdrängte, das in den 90er-Jahren lange Zeit als normal galt. Der Schreibstil von Megan Nolan ist unglaublich stark und ließ mich nur so durch die Seiten fliegen.

Fazit:
Ein kluger, beklemmender Roman über Schuld, Wahrnehmung und die fatalen Folgen dessen, was wir allzu leicht als „kleine Schwächen“ abtun.
5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2026

Das wichtigste Thema überhaupt!

Alexander
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ALEXANDER
Ferdinand von Schirach
ET: 25.02.26

„Ich glaube“, sagte Alexander, „dass es so auch mit den Menschen ist. Sie sind nicht gleich, du hast recht. Aber alle müssen gleich behandelt werden, nach ...

ALEXANDER
Ferdinand von Schirach
ET: 25.02.26

„Ich glaube“, sagte Alexander, „dass es so auch mit den Menschen ist. Sie sind nicht gleich, du hast recht. Aber alle müssen gleich behandelt werden, nach den gleichen Regeln.“ (S. 65)

Alexander wächst in Kaliste auf, einer kleinen, idyllischen Stadt am Meer, als Sohn eines Tuchhändlers. Sein Leben ist geprägt von Zufriedenheit und Geborgenheit – bis der König im Streit mit den Nachbarländern einen Krieg entfacht. Die Väter und Söhne ziehen in die Schlacht und verlieren ihr Leben, während der König das Geschehen aus sicherer Entfernung beobachtet und dabei gemütlich sein Trockenobst isst.

Als Kaliste schließlich in Schutt und Asche liegt, der König besiegt und verschleppt ist und auch Alexanders Vater nicht aus dem Krieg zurückkehrt, scheint alles verloren. Doch mit dem Ende des Krieges beginnt etwas Neues: Die Menschen erkennen, dass sie gerechte Gesetze brauchen – Gesetze, die nicht nur andere schützen, sondern auch sie selbst.

So wird der junge, kluge Alexander auf eine Reise geschickt, um genau diese Gesetze zu finden und zu verstehen.

Welche Abenteuer ihn dabei erwarten und wer ihm auf seinem Weg zu den Grundprinzipien der Demokratie hilft, sollten Leserinnen und Leser – besonders Kinder ab 10 Jahren – unbedingt selbst entdecken.

Mit diesem Kinderbuch eröffnet Ferdinand von Schirach einen sensiblen und klugen Zugang zu den Rechten und Pflichten innerhalb einer Demokratie. Ohne belehrend zu wirken, regt er zum Nachdenken an und bietet wertvolle Denkanstöße.

Ich habe das Buch in weniger als zwei Stunden gelesen – der gewohnt klare und flüssige Schreibstil ließ mich nur so durch die Seiten fliegen.

Das Buch eignet sich hervorragend zum Vorlesen, aber auch als Klassenlektüre.
5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2026

Toll!

Solange ein Streichholz brennt
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SOLANGE EIN STREICHHOLZ BRENNT
Christian Huber
ET: 26.03.26

"Wie entgleitet ein Leben?" (S.61)
Bohm lebt auf der Straße – mit kaum mehr als einem Rucksack, seinem Schnitzmesser, einem ungeöffneten Brief ...

SOLANGE EIN STREICHHOLZ BRENNT
Christian Huber
ET: 26.03.26

"Wie entgleitet ein Leben?" (S.61)
Bohm lebt auf der Straße – mit kaum mehr als einem Rucksack, seinem Schnitzmesser, einem ungeöffneten Brief und Fox, einem zugelaufenen Hund, der sich entschieden hat, zu bleiben.
Sein Alltag ist rau: Misstrauen, Kälte und der ständige Kampf ums Nötigste prägen sein Leben. Selbst der Schlafsack ist ihm inzwischen verloren gegangen. Die überfüllten Notunterkünfte meidet er, nur die Ausgabestellen, an denen es Essen gibt, sucht er regelmäßig auf.

Alina Alev ist Journalistin. Zumindest auf dem Papier. Warum sie diesen Weg eingeschlagen hat, kann sie selbst kaum beantworten. Vielleicht war da die Hoffnung, an frühere Erfolge anzuknüpfen – doch ihre letzten Recherchen für die RTI verhallten ohne Echo. Statt der erwarteten Kündigung erhält sie jedoch einen neuen Auftrag:
Gemeinsam mit dem gefeierten Nachwuchsreporter Jakob soll sie das Leben auf der Straße dokumentieren. Eine Spurensuche – und die Frage, wie ein Leben aus der Bahn geraten kann.

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen. Nur so viel: Diese Geschichte entfaltet eine ungeheure Sogwirkung und geht unter die Haut.

Christian Hubers Sprache ist eindringlich und klar zugleich, und in der Hörbuchfassung tragen die Stimmen von Maria Wördemann und Robert Stadlober die Erzählung mit großer Intensität. Besonders gelungen ist der Perspektivwechsel: Beide Protagonisten erzählen als Ich-Erzähler, wodurch ihre Gedanken und Gefühle unmittelbar erfahrbar werden.
Der Epilog hat mich schließlich tief berührt – wenn die beiden Stimmen aufeinandertreffen und in einen direkten Dialog treten, entsteht ein Moment, der lange nachhallt.

Fazit:
Ein eindringliches, bewegendes Werk, das nachwirkt. Unbedingt lesen oder hören.
5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2026

Toll!

Solange ein Streichholz brennt
0

SOLANGE EIN STREICHHOLZ BRENNT
Christian Huber
ET: 26.03.26

"Wie entgleitet ein Leben?" (S.61)
Bohm lebt auf der Straße – mit kaum mehr als einem Rucksack, seinem Schnitzmesser, einem ungeöffneten Brief ...

SOLANGE EIN STREICHHOLZ BRENNT
Christian Huber
ET: 26.03.26

"Wie entgleitet ein Leben?" (S.61)
Bohm lebt auf der Straße – mit kaum mehr als einem Rucksack, seinem Schnitzmesser, einem ungeöffneten Brief und Fox, einem zugelaufenen Hund, der sich entschieden hat, zu bleiben.
Sein Alltag ist rau: Misstrauen, Kälte und der ständige Kampf ums Nötigste prägen sein Leben. Selbst der Schlafsack ist ihm inzwischen verloren gegangen. Die überfüllten Notunterkünfte meidet er, nur die Ausgabestellen, an denen es Essen gibt, sucht er regelmäßig auf.

Alina Alev ist Journalistin. Zumindest auf dem Papier. Warum sie diesen Weg eingeschlagen hat, kann sie selbst kaum beantworten. Vielleicht war da die Hoffnung, an frühere Erfolge anzuknüpfen – doch ihre letzten Recherchen für die RTI verhallten ohne Echo. Statt der erwarteten Kündigung erhält sie jedoch einen neuen Auftrag:
Gemeinsam mit dem gefeierten Nachwuchsreporter Jakob soll sie das Leben auf der Straße dokumentieren. Eine Spurensuche – und die Frage, wie ein Leben aus der Bahn geraten kann.

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen. Nur so viel: Diese Geschichte entfaltet eine ungeheure Sogwirkung und geht unter die Haut.

Christian Hubers Sprache ist eindringlich und klar zugleich, und in der Hörbuchfassung tragen die Stimmen von Maria Wördemann und Robert Stadlober die Erzählung mit großer Intensität. Besonders gelungen ist der Perspektivwechsel: Beide Protagonisten erzählen als Ich-Erzähler, wodurch ihre Gedanken und Gefühle unmittelbar erfahrbar werden.
Der Epilog hat mich schließlich tief berührt – wenn die beiden Stimmen aufeinandertreffen und in einen direkten Dialog treten, entsteht ein Moment, der lange nachhallt.

Fazit:
Ein eindringliches, bewegendes Werk, das nachwirkt. Unbedingt lesen oder hören.
5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere