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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.08.2017

Biertrinker sind verdächtig - spannender Pfalz-Krimi

Biertrinker sind verdächtig
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Detlev Menke betreibt in seinem Heimatort Bad Dürkheim eine Privatdetektei, die mehr schlecht als recht läuft. Da ist es nicht verwunderlich, dass er seinen ersten Auftrag ohne groß zu zögern annimmt und ...

Detlev Menke betreibt in seinem Heimatort Bad Dürkheim eine Privatdetektei, die mehr schlecht als recht läuft. Da ist es nicht verwunderlich, dass er seinen ersten Auftrag ohne groß zu zögern annimmt und es gleich darauf bereut: Britta Steinbach, die Frau mit der er zu einem Date verabredet war, um heimlich kompromittierende Fotos zu schießen, liegt erdrosselt auf dem Hotelbett. Oberkommissarin Tabea Kühn glaubt Menke kein Wort und zeigt sich zudem ziemlich unempfänglich für den Charme des Frauenlieblings. Eine ominöse Datei auf einem USB-Stick könnte seine Geschichte untermauern, doch dieser ist plötzlich spurlos verschwunden….

Angelika Godau hat einen spannenden Regionalkrimi geschrieben, der den Fokus auf die Ermittlungsarbeit legt und mit Lokalkolorit, Realitätsnähe und ausgefeilten Charakteren zu überzeugen vermag. Zwar lässt sich recht früh erahnen, wer der Mörder ist, dies tut der Spannung jedoch keinen Abbruch, da das Verbrechen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird, bis sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt und die Geschehnisse in einer dramatischen Schlussszene gipfeln. Bisweilen verliert sich der Krimi ein wenig in der akribischen Polizeiarbeit, dies jedoch mein einziger Kritikpunkt an einem ansonsten gut durchdachten Pfalz-Krimi mit viel Lokalkolorit und originellen Ermittlern.

Veröffentlicht am 10.07.2017

Engel undercover

Ein Engel für Jule
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Jule ist seit zwei Jahren liiert, sehr verliebt und unbelehrbar. Ihr Freund Simon ist erfolgreich, gutaussehende und notorisch untreu, da können Freundin Maike und Arbeitskollegin Ulli reden was sie wollen, ...

Jule ist seit zwei Jahren liiert, sehr verliebt und unbelehrbar. Ihr Freund Simon ist erfolgreich, gutaussehende und notorisch untreu, da können Freundin Maike und Arbeitskollegin Ulli reden was sie wollen, Jule träumt weiterhin von Hochzeit und Kindern. Ein dermaßen hartnäckiger Fall blinder Liebe bedarf himmlicher Unterstützung und so tritt Engel Elisa etwas tollpatschig und in Badelatschen in Jules Leben. Getarnt als neue Arbeitskollegin, versucht sie, unterstützt von Maike und Ulli, Jules Leben mehr oder weniger schonend in die richtige Bahn zu lenken. Denn sonst rennt Jule in ihr Unglück und Elisa drohen 300 Jahre Wolken putzen.

Doch Jule zeigt sich unempfänglich für die Ratschläge des Trios, ebenso wie für den italienischen Charme von Arbeitskollege Marcello. Doch als Engel Elisa schon fast an ihrem Einsatz auf Erden zu verzweifeln droht, regen sich erste Zweifel in Jule und ein leichtes Interesse an ihrem neuen Nachbar Daniel. Während dieser immer öfter Jules Nähe sucht, entdeckt Elisa ihre himmlischen Fähigkeiten - und die Vorliebe für Dinkelbrot.

Charmant und unterhaltsam erzählt Jo Berger eine Geschichte von der Liebe, die manchmal blind macht, mit lebensnahen Charakteren und einem höchst liebenswerten Engel. Ein Roman zum mitfühlen und mitlachen, den man am Ende mit einem Lächeln auf den Lippen zuklappt.
Leseempfehlung für Fans von kurzweiligen Romanen mit Herz und Humor und alle, die sich schon einmal gefragt haben, wie Frauen so naiv sein können - ihnen fehlte bestimmt ein Engel wie Elisa

Veröffentlicht am 10.07.2017

Spannender Hamburg-Krimi

Blaue Nacht
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Staatsanwältin Chastity Riley arbeitet neuerdings im Operschutz - eine Strafversetzung, da sie bei ihrem letzten Fall einen Vorgesetzten der Korruption überführt hat. Auch bei den Kollegen läuft es nicht ...

Staatsanwältin Chastity Riley arbeitet neuerdings im Operschutz - eine Strafversetzung, da sie bei ihrem letzten Fall einen Vorgesetzten der Korruption überführt hat. Auch bei den Kollegen läuft es nicht rund, Calabretta versinkt im Liebeskummer und Kollege Faller plant seine ganz persönliche Rache an einem Hamburger Kriminellen. Als ein Mann ohne Namen übel zugerichtet im Krankenhaus eingeliefert wird, ist Rileys ganze Aufmerksamkeit gefordert. Nur mühsam entlockt sie dem Mann Informationen. Ihre Suche führt sie nicht nur bis nach Leipzig, sondern auch auf die Spur einer neuen synthetischen Droge.

Simone Buchholz hat erneut einen spannenden und atmosphärisch dichten Hamburg-Krimi geschrieben. Mit geschliffenen Dialogen und ungewöhnlichen Charakteren, allen voran die spröde Riley, die immer einen kernigen Spruch auf den Lippen hat. Ein Roman, der unterhält und Hamburger Lebensgefühl bietet, mit einem guten Blick für nordische Eigenheiten. Da das soziale Gefüge von Riley eine wichtige Rolle spielt, ist es durchaus empfehlenswert, die vorherigen Bände gelesen zu haben, obwohl der Kriminalfall in sich abgeschlossen ist und sich relevante Informationen aus den eingebauten Rückblenden ergeben.
Lesenswert für Fans von Regionalkrimis und all jene, für die Hamburg die schönste Stadt der Welt ist.

Veröffentlicht am 10.04.2026

Ein Internat für magische Außenseiter

Das Internat für magische Talente. Unruhestifter willkommen! (Band 1)
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Da sie versehentlich einen Klassenraum in Brand gesteckt hat, fliegt die zwölfjährige Vin erneut von der Schule. Nach mehreren Schulverweisen bleibt ihr nur noch eine letzte Chance: das Internat für magische ...

Da sie versehentlich einen Klassenraum in Brand gesteckt hat, fliegt die zwölfjährige Vin erneut von der Schule. Nach mehreren Schulverweisen bleibt ihr nur noch eine letzte Chance: das Internat für magische Talente. Dort trifft sie erstmals auf andere Unruhestifter, schließt echte Freundschaften und lernt, ihre eigenen magischen Kräfte besser zu verstehen. Während Vin versucht, den ungewohnten Schulalltag zu meistern, braut sich eine dunkle Bedrohung zusammen. Eine Gruppe abtrünniger Zauberer plant einen Angriff auf das Internat. Was Vin nicht ahnt – sie spielt in ihrem finsteren Plan eine entscheidende Rolle …

Das Internat der magischen Talente ist eine magische und zugleich ungewöhnliche Internatsgeschichte, denn im Mittelpunkt stehen Kinder, die anecken, scheitern und in gewöhnlichen Schulen keinen Platz finden.

Die zwölfjährige Vin ist eine Protagonistin mit Ecken und Kanten: impulsiv, wütend und voller Selbstzweifel. Sie fühlt sich nirgends zugehörig, hält sich selbst für eine Belastung und lebt in ständiger Angst, die Kontrolle über ihre Kräfte zu verlieren. Gerade diese innere Zerrissenheit macht sie glaubwürdig und nahbar. Erst im Internat für magische Talente begegnet sie Gleichgesinnten, die sie akzeptieren und verstehen. Vins langsame Entwicklung hin zu einem Gefühl von Zugehörigkeit berührt und verleiht der Geschichte emotionale Tiefe. Die Freundschaften entstehen wie selbstverständlich, da sie aus gemeinsamen Fehlern und Erfahrungen heraus wachsen. Jede Figur bringt eigene Schwächen mit, was die Gruppendynamik authentisch und lebendig macht.

Der Schulalltag mit magischen Übungen und unvermeidlichen Konflikten ist abwechslungsreich gestaltet, bleibt jedoch häufig auf der beschreibenden Ebene. Viele Ereignisse werden eher erzählt als wirklich erlebbar gemacht, wodurch stellenweise eine gewisse Distanz entsteht.

Der drohende Angriff der abtrünnigen Zauberer und die Aufdeckung dunkler Geheimnisse aus der Vergangenheit sorgen für eine konstante Spannung, die sich allerdings eher langsam entfaltet. Nicki Pau Preto nimmt sich viel Zeit für ihre Figuren und deren Suche nach dem eigenen Platz im Leben. Themen wie Ausgrenzung, Akzeptanz und Zugehörigkeit werden sensibel behandelt und machen das Buch auch für ältere LeserInnen interessant.

Nicht alle offenen Fragen werden am Ende beantwortet, das weckt zwar Neugier auf eine Fortsetzung, kann aber etwas unbefriedigend wirken, wenn man einen klaren Abschluss erwartet.

Alles in allem ist Das Internat der magischen Talente ein magisches und unterhaltsames Fantasyabenteuer mit einer sympathisch unperfekten Heldin, deren Entwicklung man gern begleitet. Eine warmherzige Geschichte über Außenseiter und darüber, wie aus Anderssein Stärke entstehen kann.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Wenn der Frühling auf sich warten lässt..

Flora Brimble und der verlorene Frühling
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In dem kleinen englischen Dorf Rye will der Winter einfach nicht weichen. Flora Brimble fühlt sich ebenso grau wie die Welt um sie herum und wünscht sich nichts sehnlicher, als den Frühling zurückzubringen. ...

In dem kleinen englischen Dorf Rye will der Winter einfach nicht weichen. Flora Brimble fühlt sich ebenso grau wie die Welt um sie herum und wünscht sich nichts sehnlicher, als den Frühling zurückzubringen. Entschlossen begibt sie sich auf die Suche nach der Maikönigin, die mit ihren Zauberkräften Sonne und Blumen zurückkehren lassen kann. Auf ihrem Weg begegnet Flora einem klugen Kobold, einem sprechenden Eichhörnchen und einer bösen Hexe, die alles daransetzt, ihren Mut zu brechen …

Flora Brimble ist ein märchenhaftes Fantasy-Abenteuer ab 10 Jahren. Die Suche nach der Maikönigin ist dabei keine klassische Quest, sondern vielmehr eine Reise voller Begegnungen, Prüfungen und Erkenntnisse. Auch Flora selbst entspricht nicht dem typischen Bild einer abenteuerlustigen Heldin, sie ist ein nachdenkliches und fantasievolles Mädchen, das ihrem grauen Alltag entfliehen möchte. Sie sorgt sich um ihren Vater, trägt viel Verantwortung und bemerkt lange nicht, wie viel Kraft und Magie in ihren eigenen Geschichten steckt. An die Hoffnung geklammert, dass mit dem Frühling alles anders wird, wächst Flora auf ihrer Reise Schritt für Schritt über sich hinaus. Sie lernt, ihrer Fantasie zu vertrauen und trotz Rückschlägen und Zweifeln mutig weiterzugehen. Der schrullige Kobold und das etwas altkluge Eichhörnchen stehen ihr dabei tapfer zur Seite und lockern die stellenweise recht düstere Atmosphäre spürbar auf.

Marcus Raffel schreibt detailreich und sehr symbolträchtig. Die Handlung entfaltet sich märchenhaft und bewusst entschleunigt, getragen von einer melancholischen und stellenweise recht dunklen Stimmung. Für die angegebene Zielgruppe ab 10 Jahren könnte die Geschichte allerdings etwas zu vielschichtig und anspruchsvoll sein. Sprache, Symbolik und Erzähltempo verlangen Aufmerksamkeit und Geduld und wer ein rasantes Fantasy-Abenteuer erwartet, könnte enttäuscht werden. Die Spannung entsteht weniger durch actionreiche Szenen als vielmehr durch Atmosphäre, die bedrohliche Hexe, der endlose Winter und die hoffnungsvolle Suche nach der Maikönigin prägen die Grundstimmung des Buches. Obwohl Flora die zentrale Figur ist, tritt sie in der zweiten Hälfte spürbar in den Hintergrund, da sich der Fokus stärker auf andere Figuren verlagert. Dadurch verliert ihre innere Entwicklung etwas an Kraft, was der Geschichte stellenweise emotionale Wirkung nimmt.

Alles in allem ist Flora Brimble eine fantasievolle und tiefgründige Geschichte über Freundschaft, Mut, die Kraft der Hoffnung und die Magie von Geschichten. Ein stimmungsvolles und nachdenkliches Fantasy-Abenteuer, das jüngere LeserInnen mit seiner Komplexität durchaus fordert. Wer jedoch magische Erzählungen, sensible Heldinnen und starke innere Entwicklungen mag, wird an dieser liebevoll erzählten und gestalteten Geschichte viel Freude haben.

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