«Die Macht der Weltenweide» ist wirklich eine besondere Geschichte, die in ihrer Tragweite ein würdiges Finale der «Flora Magica»-Reihe darstellt, das mich noch länger begleiten wird und der Autorin Vanessa Walder besonders am Herzen liegt.
Im dritten Band «Flora Magica - Die Macht der Weltenweide» erwarten euch traumhaft nächtliche Momente, eine Reise nach London, ein riskantes Vorhaben zum Mitfiebern und eine schwere Entscheidung, die alle an ihre Grenzen bringt.
Die 12-jährigen Cunabula-Zwillinge Avia, Zacharias, Sol und Tierra genießen die Sommertage in den alten Ländereien, aber neben Marmeladenduft, Badespaß und der Magie dieses einzigartigen Ortes, sind die Nächte unruhig. Seltsame Träume suchen die Urenkel von Flora heim, die sich im Nebel des Vergessens auflösen, während Sukkulente und Gedankenfresser Nox besorgniserregende Aussetzer hat. Großes Highlight ist der Besuch von Gabriela, Mutter der Zwillinge Sol und Tierra, die aus Mexiko angereist ist. Gabriela hat eine unheilbare Erkrankung und ihre Kinder sehen eine Möglichkeit, sie mit einem magischen Samen zu heilen, an dem jedoch auch Interesse haben.
Ich fand es schön, dass wir Oma Herba noch ein bisschen besser kennenlernen, nach London reisen und einem weiteren Teil des Netzwerks der Nachtschatten begegnen, die sich der Erforschung und dem Erhalt magischer Pflanzen gewidmet haben. Die Zwillingspaare haben sich würdig gezeigt und müssen sich nun verantwortungsbewusst mit ihrer Bestimmung auseinandersetzten. Ihre vielschichtigen, klugen und ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten ergänzen sich, aber zeigen auch auf, wie schwierig es sein kann, sich einig zu werden. Ich liebe die naturverbundene und magische Atmosphäre diese Reihe. Man weiß nie so genau, was einen erwartet – mit dem Ende hätte ich jedenfalls nicht gerechnet und die Illustration dazu, hat mich tief berührt. Ein außergewöhnliches Detail ist die Nachaktivität der magischen Pflanzen, die sich vom Mondlicht ernähren. Im Kapitel «Im Mondlicht» gibt es eine wunderschöne Illustration auf der Avia und die Japanische Fächerohren-Orchidee zu sehen sind, die mir lebendig in Erinnerung geblieben ist. Das sind nur ein paar bleibende Eindrücke, dieser ganz besonderen Buchreise.
Es sind auch wieder all die gestalterischen Feinheiten dabei, die diese Reihe so liebenswert machen: traumhaft seitenfüllende Schwarz-Weiß-Illustrationen und zahlreiche Pflanzen-Verzierungen der Künstlerin Marie Beschorner, die es großartig versteht, Emotionen zu wecken. Außerdem wieder ein Inhaltsverzeichnis, Kapitelüberschriften mit einem anregendem Zitat, hervorgehobene schwarze Seiten, ein Vor- und Nachsatz, auf dem die wichtigsten Figuren zu finden sind, und am Ende der Kapitel ein Auszug aus dem Buch „Magische Pflanzen und ihre Geheimnisse“, die ganz unterschiedlich, aber immer aufschlussreich und nützlich – mitunter auch berührend und aufrüttelnd sind. Vanessa Walder schreibt klar, lebendig und einfühlsam, wobei sie es schafft, wichtigen Themen ausgewogen Raum zu geben, ohne dass es belanglos oder klischeehaft wird.
Das macht «Die Macht der Weltenweide» zu einer atmosphärisch dichten Fantasyfinale, das neugierig macht und mit vielfältigen Figuren, deren wunderbaren Fähigkeiten und der magischen Kraft der Pflanzen begeistert. Es gibt wichtige Themen, die ganz tief gehen und wertvolle Erkenntnisse des Lebens. Meinetwegen hätte es eine ganze Serie dazu geben dürfen, denn eigentlich fangen die Abenteuer der Cunabula-Zwillinge jetzt erst richtig an.