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Veröffentlicht am 21.04.2026

Zwischen Plattenbau-Romantik und Selbstfindung

Palastplatte
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Worum geht’s?

Henri wächst in den 80ern auf zwischen Plattenbau-Romantik, Freibadsommern und der ersten vorsichtigen Liebe zu Mo. Doch mit ihrem Vater scheint etwas nicht zu stimmen und das bringt das ...

Worum geht’s?

Henri wächst in den 80ern auf zwischen Plattenbau-Romantik, Freibadsommern und der ersten vorsichtigen Liebe zu Mo. Doch mit ihrem Vater scheint etwas nicht zu stimmen und das bringt das Familiengefüge immer wieder ins Wanken. Während Henri versucht hierbei ihren Platz in der Welt zu finden, flüchtet sie sich in Gruselgeschichten.

Wie war’s?

Dieses Buch hat sich ganz anders entwickelt, als ich es anfangs erwartet hätte. Es ist tragisch, emotional, schaurig und wunderschön zugleich.

Faszinierend fand ich vor allem die Entwicklung: Das Buch startet eher als klassischer Coming-of-Age-Roman mit vielen nostalgischen Vibes. In der zweiten Hälfte wird es aber gemeinsam mit Henri deutlich erwachsener, ernster und tiefgründiger. Es gibt viele besondere Nebenaspekte, die sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen und der Geschichte Charakter verleihen.

Im Grunde ziehen sich zwei wesentliche Themen durch das Buch, die natürlich mitteinander verwoben sind. Zum einen ist das die Beziehung zwischen Hernri und Mo mit allem, was an Gefühlschaos dazu gehört. Die Beziehung fand ich sehr tiefgründig und echt dargestellt und bringt auch viel Leichtigkeit mit sich.

Zum anderen ist es die familiäre Ebene, in der schwere Themen, wie die psychische Erkrankung des Vaters und die daraus resultierenden familiären Probleme aufgegriffen werden. Diese werden von Mara Floren sehr feinfühlig beschrieben. Auch die melancholische Stimmung, die sich von Anfang an durch das Buch zieht, wurde von der Autorin wirklich gut getroffen. Gerade die Geistergeschichten passen perfekt zur Stimmung.

Und dann ist da noch die Beziehung zwischen Henri und ihren Eltern, die sich sehr auf Henri und ihre Entwicklung auswirkt und erst nach und nach von ihr durchdrungen wird. Dadurch wird das Buch auf emotionaler Ebene sehr tief, aber auch schwer. Ich musste das Gelesene zwischendurch immer mal wieder sacken lassen.

Das Ende lässt mich aber schließlich mit einem wehmütigen Lächeln zurück.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Ein unerwartetes Leseerlebnis

Daisy Jones & The Six
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„Wir lieben schöne, kaputte Menschen. Und kaputter oder im klassischen Sinne schöner als Daisy Jones ging es kaum.“ (S. 12)


Worum geht’s?

Daisy Jones erlebt keine besonders behütete Kindheit. Ihr ist ...

„Wir lieben schöne, kaputte Menschen. Und kaputter oder im klassischen Sinne schöner als Daisy Jones ging es kaum.“ (S. 12)


Worum geht’s?

Daisy Jones erlebt keine besonders behütete Kindheit. Ihr ist schon früh klar, dass sie mit ihren eigenen Songs berühmt werden möchte. Schön, willensstark und mit einer starken Stimme gesegnet, schafft sie es auf sich aufmerksam zu machen. Als sie mit The Six auftritt, zeigt sich schnell: Zwischen ihr und Leadsänger Billy Dunne gibt es eine besondere Spannung, die die Fans feiern. Doch die Zusammenarbeit der beiden ist alles andere als einfach.


Wie war’s?

Das Buch ist für mich absolut ungewöhnlich aufgebaut. Es besteht aus fiktiven Interviewzusammenschnitten der einzelnen Charaktere, wodurch ich zunächst ziemlich skeptisch war, ob überhaupt Spannung und ein Erzählfluss aufgebaut werden können. Jetzt kann ich sagen: Ja, das geht! Und im Nachhinein finde ich die Idee genial!
Taylor Jenkins Reid schafft es durch diesen außergewöhnlichen Erzählstil Story und Charaktere so authentisch wirken zu lassen, dass man sich doch wiederholt ins Gedächtnis rufen muss, dass alles nur fiktiv ist. Selbst bei kurzen Erzählpassagen bekommen auch Nebenfiguren so emotionale Tiefe und der Leser die subjektiven Sichtweisen und Gefühle sehr gut zu fassen. Der Erzählstil ist ganz klar die besondere Stärke dieses Buches. Dazu gehören natürlich auch kleine Widersprüche durch die subjektiven Erinnerungen 😉
Den Handlungsverlauf empfand ich nicht großartig überraschend, aber dennoch nicht langweilig. (Stop! Stimmt nicht ganz. Einen völlig unerwarteten Plotttwist gibt es!) Im Fokus stehen hier vielmehr die zwischenmenschlichen Beziehungen. Emotional hat mich das Buch völlig mitgerissen.
Ich bin begeistert und möchte mehr von Taylor Jenkins Reid lesen!

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Humorvoll, emotional und Unterhaltsam

Hot Mess
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„Warum geht es in all den traurigen Filmen und Songs eigentlich immer um gescheiterte Liebe? Zerbrochene Freundschaften waren weitaus schmerzhafter und komplizierter.“ (Kapitel 35)



Worum geht’s ?

Drei ...

„Warum geht es in all den traurigen Filmen und Songs eigentlich immer um gescheiterte Liebe? Zerbrochene Freundschaften waren weitaus schmerzhafter und komplizierter.“ (Kapitel 35)



Worum geht’s ?

Drei verschiedene Frauen, drei verschiedene Lebenssituationen. Lexi, Claire Joanne sind drei junge Frauen Ende 20/ Anfang 30, kennen sich nicht, aber haben eines gemeinsam: Sie stellen alle drei fest, dass sich ihre Leben derart verändert haben und damit auch die Erwartungen, die sie an ihre Freundschaften haben. Als sich die Wege der drei kreuzen, müssen sie entscheiden, wie es für sie weitergehen soll.


Wie war’s ?

Sophie White bringt es völlig auf den Punkt: Freundschaften sind im Leben oft prägender, als die Liebe und trotzdem kommt ihr meist eine viel geringere Bedeutung zu. Die Thematik hat mich also völlig abgeholt. Sophie White zeichnet mit Lexi, Claire und Joanne drei völlig unterschiedliche Charaktere, die teilweise ein wenig überspitzt dargestellt werden. Sie befinden sich in toxischen Freundschaften und versuchen einen Weg zu finden, damit umzugehen. Zum Ende entwickelt sich die Handlung nochmal in eine anfangs unerwartete Richtung.

Sophie White schreibt humorvoll und witzig und dann wieder überraschend emotional. Ich habe gelacht, geschmunzelt, mich über den ein oder anderen Charakterzug geärgert und gewundert und zum Schluss auch ein Tränchen verdrückt. Trotz ernster Themen, die Sophie White aufgreift, gelingt es ihr diesen die Schwere zu nehmen.
Einen Kritikpunkt gibt es jedoch: Die dargestellte Normalisierung oder Verharmlosung von Drogenkonsum. Finde ich persönlich immer schwierig… Nichtsdestotrotz: Eine große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Eine Welt voller Mythen und Monster

Shield of Sparrows
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„Was, wenn ich springen würde? Würde es jemanden kümmern? Nein. Nicht, wenn es um mich ging. Nicht um die falsche Prinzessin von Quentis.“ (Kapitel 1)



Worum geht’s?

Eigentlich sollte Odessas Schwester ...

„Was, wenn ich springen würde? Würde es jemanden kümmern? Nein. Nicht, wenn es um mich ging. Nicht um die falsche Prinzessin von Quentis.“ (Kapitel 1)



Worum geht’s?

Eigentlich sollte Odessas Schwester Mae den Prinzen von Turah heiraten und damit ihre Aufgabe als Sparrow erfüllen, damit der Frieden in Calandra aufrecht erhalten werden kann. Doch als der Prinz mit seinem mysteriösen Begleiter, dem Hüter, in Quentis eintrifft, fordert er Odessas Hand. Also muss Odessa in kurzer Zeit viel lernen und schnell stellt sie fest, dass viele Mythen und Legenden über Monster und Götter einen wahren Kern haben und sie viel zu lange von ihrer eigenen Familie im Dunkeln gelassen wurde.



Wie war’s?

Zuallererst: Wie schön ist bitte dieses Cover? Mir gefällt es so unglaublich gut, wie es je nach Lichteinfall schimmert. Aber davon abgesehen, hat mich auch der Inhalt überzeugt.

Ich muss gestehen, dass es mir dieses Mal wahnsinnig schwer fällt, den Inhalt kurz und knapp wiederzugeben. Denn tatsächlich ist es doch recht verworren und es sind mehrere Aspekte für die Handlung relevant. Das mag vielleicht nach einer komplizierten Handlung klingen, sie ist aber von Anfang an nachvollziehbar aufgebaut, der rote Faden gleich erkennbar. Auch der Schreibstil hat es mir leicht gemacht in die Welt einzutauchen. Gleichzeitig lässt die Story viel Spielraum für eigene Vermutungen, so dass man einfach weiterlesen muss, weil man natürlich wissen will, wie es denn nun wirklich ist! Und ja, wir bekommen Antworten und es gibt einige Plottwists. Aber einiges bleibt auch noch ungeklärt, sodass ich auf jeden Fall jetzt schon auf den nächsten Band hin fiebere!

Was mir auch sehr gefällt, ist das Worldbuilding. Es ist ausgefeilt, es gibt Monster und magische Wesen, Mythen und Legenden. Und obwohl wir mit Odessa schon viel über die Welt in Erfahrung bringen können, bleibt hier noch jede Menge Potential für die Folgebände.

Zu den Protagonisten: Odessa ist eine sehr sympathische Protagonistin, weil sie zunächst eher „normal“ erscheint, ohne großartige Fähigkeiten. Sie macht eine charakterliche Entwicklung durch und wird zunehmend sicherer und selbstbewusster. Auch die Tension zwischen Odessa und ihrem Loveinterest ist direkt fühlbar. Die Beziehung entwickelt sich sehr slow. Das ist für mich definitiv ein Pluspunkt, denn ich habe es deutlich lieber, wenn die Handlung im Fokus steht. Daher sind die Spice-Szenen für mich auch ein Manko. Auf mich haben sie deplatziert und künstlich gewirkt und ich empfand sie als nicht notwendig. Zum Glück hielten sie sich sehr in Grenzen.

Ich bin supergespannt, wie sich die Story weiterentwickeln wird. Für mich definitiv eine absolut lohnenswerte Story, mit kleinen Abzügen im Romance-Part.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Unerwartet anders - aber besonders

Bestie
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„Denn Mädchengedanken gehören in Schönschrift gepresst und hinter winzige Plastikschlösser gesperrt. Zwischen den Seiten sitzt das ganze Mädchen. Und neben ihnen die Scham.“ (Kapitel 2)



Worum geht’s?

Als ...

„Denn Mädchengedanken gehören in Schönschrift gepresst und hinter winzige Plastikschlösser gesperrt. Zwischen den Seiten sitzt das ganze Mädchen. Und neben ihnen die Scham.“ (Kapitel 2)



Worum geht’s?

Als Delia zufällig eine „Mitbewohnerin gesucht“-Anzeige ihrer liebsten Influencerin Anouk entdeckt, nutzt sie diese Chance für einen Neuanfang. Als Lilly zieht sie bei Anouk ein und versucht alles, um Anouk als Freundin zu gewinnen und ihren Traum Bühnenautorin zu werden umzusetzen. Gleichzeitig will Anouk auch von Lilly profitieren und lässt sie damit immer weiter in ihr Leben.



Wie war’s?

Auf dieses Buch habe ich mich lange gefreut und dann war es da. Und es war ganz anders, als erwartet. Joana June schreibt ganz einzigartig und geht geschickt mit Worten um. Sie baut stilistische Szenen ein, die das Buch mittendrin wild, anders und einzigartig machen. Ich habe anfangs meine Zeit gebraucht, um in das Buch zu finden, in die Handlung und die beiden Protagonistinnen. Und dann war ich mittendrin und bin durch die Seiten geflogen. Bestie zeigt, wie schwierig es sein kann Freundschaften zu schließen, wenn man älter wird und man selbst zu sein bzw. sich selbst zu finden. Insbesondere in Zeiten von Social Media, in denen eigentlich nichts so ist, wie es nach außen scheint.

Joana June zeichnet tiefgründige Charaktere mit Ecken und Kanten, die auch nicht immer sympathisch sind, aber dafür absolut authentisch. Immer wieder habe ich mich selbst dabei ertappt, mich in den Gedanken oder Handlungen wiederzuerkennen.

Ein großartiges Buch, das nicht immer Antworten gibt, aber dafür Fragen aufwirft, Gedankengänge anstößt und dazu anregt sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

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