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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2026

Die Distanz blieb

Träume aus Salz
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Flo und ihr Freund Matty machen Pärchenurlaub auf einer kleinen griechischen Insel. In der einen Woche möchten sie die Tage in vollen Zügen genießen, abends schwimmen, sich nahe sein und das Essen genießen. ...

Flo und ihr Freund Matty machen Pärchenurlaub auf einer kleinen griechischen Insel. In der einen Woche möchten sie die Tage in vollen Zügen genießen, abends schwimmen, sich nahe sein und das Essen genießen. Alles ist fantastisch, doch Flo kommt nachts nicht zur Ruhe, sie träumt und bricht zu nächtlichen Spaziergängen auf. Denn es gibt etwas, das sie Matty nicht sagen kann, das sie belastet. Als sie die Tarotkartenlegerin Sofia kennenlernt, kommen immer mehr Erinnerungen aus Flos Vergangenheit auf und der Druck in ihr steigt.

Ich mag Anika Landsteiners Schreibstil aus anderen Büchern total gern und mochte auch hier, wie das Setting und die Atmosphäre beschrieben wurden. Ich konnte die flirrende Hitze auf der griechischen Insel spüren, ebenso die Vorfreude und das Kribbeln des verliebten Paares auf der Insel. Doch trotz allem blieben mir alle drei Figuren, Matty, Flo und Sofia, absolut fremd und ich konnte in erster Linie eine große Distanz spüren - zu ihnen, aber vermutlich auch zwischen ihnen. Der Roman wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, sodass die Leserinnen im Verlauf einerseits mehr über Flo und ihre dysfunktionalen Familienbeziehungen erfahren, andererseits auch von Sofias Mutter, ihrer Großmutter und ihrer starken Verbundenheit zur Insel.

Anika Landsteiner schreibt ruhig, während sich schwelend immer mehr Spannung und Druck aufbaut - auch wenn die Leser
innen bereits wissen, dass Flo ein Geheimnis vor Matty hat, ist dies auch deutlich spürbar und alles steuert auf eine erwartbare Kollision hin. Diese tritt auch ein, jedoch in einem ganz anderen Maßstab als ich erwartet habe und wovon ich während der Lektüre immer mehr ausgegangen bin.

Der Roman lässt sich gut lesen und hat mir Urlaubsfeelings beschert. Er war meines Erachtens jedoch nicht Anika Landsteiners stärkstes Buch.

Veröffentlicht am 09.12.2025

Viele Erzähl- und Zeitebenen

Die drei Leben der Cate Kay
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"Die drei Leben der Cate Kay" von Kate Fagan ist genau das: ein Buch über die drei Leben einer Frau. Darunter sind die Autorin Cate Kay, die Privatperson Cass und der Teenie/die junge Frau Annie. Zunächst ...

"Die drei Leben der Cate Kay" von Kate Fagan ist genau das: ein Buch über die drei Leben einer Frau. Darunter sind die Autorin Cate Kay, die Privatperson Cass und der Teenie/die junge Frau Annie. Zunächst war ich sehr verwirrt über die verschiedenen Zeitebenen, die wechselnden Erzählperspektiven und musste alles einordnen und sortieren lernen. Ich würde also sagen, dass das Buch nichts für zwischendurch ist, sondern volle Aufmerksamkeit braucht.
Kate Fagan gibt in sehr kurzen Kapiteln Einblicke in das Leben des Kindes Annie, das vor allem von der Freundschaft zu Amanda geprägt ist, erzählt dann, wie es zum abrupten Bruch der Freundschaft, einem sehr schlechten Gewissens und einem Neuanfang und somit zum Leben von Cass kommt. Erzählt wird von Freundschaften, von queerer Liebe, Brüchen, Neuanfängen und Träumen. Den Schreibstil würde ich als fragmentarisch und episodenhaft beschreiben. Bis ich zu den einzelnen Figuren eine gewisse Nähe aufbauen konnte, brauchte es gut ein Drittel des Buches. Ich schätze, das liegt an den kurzen, ständig in der Perspektive wechselnden Kapiteln. Was mich zusätzlich herausgefordert hat, waren die Abschnitte aus den Perspektiven derjenigen Menschen, die Teil von Annies/Cass'/Cates Leben waren oder nur kurz darin vorkamen sowie die Kommentare Cates in den Fußnoten. Die Lektüre geschieht in dem Bewusstsein, dass alles durch Cates Augen gesehen und geschrieben wird, aber diverse Perspektiven eingenommen werden und sich immer wieder in verschiedene Zeitabschnitte und Begegnungen versetzt wird. Dabei gibt es sehr wenig Chronologie, das Buch folgt eigenen Regeln.

Unterm Strich mochte ich die Geschichte, mochte die Einblicke in die drei Leben, aber musste auch immer konzentriert sein und teilweise Abschnitte doppelt lesen oder zurückblättern und in meinen Erinnerungen nach Vorwissen aus vorherigen Kapiteln kramen. Wer anspruchsvollere und komplexe Geschichten mag, wird hier sicherlich auf seine*ihre Kosten kommen.

Veröffentlicht am 22.10.2025

Die Fragen des Lebens ab 50

Ja, nein, vielleicht
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Die namenlose Erzählerin ist in ihren 50ern - die Kinder sind ausgezogen, Kontakt zum Kindsvater besteht schon lange nicht mehr und sie selbst hat sich ein ruhiges Leben eingerichtet. Zum einen hat sie ...

Die namenlose Erzählerin ist in ihren 50ern - die Kinder sind ausgezogen, Kontakt zum Kindsvater besteht schon lange nicht mehr und sie selbst hat sich ein ruhiges Leben eingerichtet. Zum einen hat sie ihren Hund, zum anderen die Stadtwohnung in Wien und ein gemütliches Häuschen auf dem Land. Begonnen wird mit Zahnproblemen, die regelmäßige und schmerzhafte Besuche in der Zahnärztinnenpraxis nach sich ziehen. Außerdem nistet sich Schwester Paula in der Stadtwohnung in Wien ein, reagiert dann jedoch auf keine Anrufe und hat einen unbekannten Mann mit in der Wohnung, obwohl sie liiert ist. Als die Erzählerin im Supermarkt unvermittelt ihrer alten Liebe Friedrich gegenübersteht, kommen nicht nur alte Erinnerungen hoch, sondern auch die Fragen danach, wie sie ihr Leben gestalten möchte, was sie gerade hat, ob sie damit zufrieden ist, sich Veränderung wünscht und ob sie Friedrich noch einmal in ihr Leben lassen soll.

Doris Knecht erzählt "Ja, nein, vielleicht" sehr ruhig und langsam. Es passiert tatsächlich nicht viel, die Zahnärzt
innenbesuche rücken immer mehr in den Hintergrund, genau wie Friedrich stellenweise. Der Hauptteil des Buches sind neben den Erinnerungen an damals und die Familienverhältnisse die Fragen nach Belanglosigkeiten und nach Bedeutungen im Leben. Ich kann mir vorstellen, dass diese Fragen insbesondere für Frauen über 50, wenn die Kinder aus dem Haus sind und vielleicht kein Partner mehr da ist, relevant sind. Doris Knecht hat eine gute Beobachtung zwischen Selbstfindung und Selbstbestimmung geschaffen, die mich wegen der Belanglosigkeiten (in meinen Augen) stellenweise gelangweilt haben und an einigen Stellen mehr Tempo hätten vertragen können.

Veröffentlicht am 01.10.2025

War okay, aber nichts Besonderes

Und plötzlich ist es wunderbar
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An Weihnachten steht Hollywood-Schauspieler und Ex-Freund Elliot vor Edies Tür. Für ihn ist ihre Trennung nicht tragbar und er möchte Edie zurück. Mit einer flammenden Rede zu Beginn des Buches überzeugt ...

An Weihnachten steht Hollywood-Schauspieler und Ex-Freund Elliot vor Edies Tür. Für ihn ist ihre Trennung nicht tragbar und er möchte Edie zurück. Mit einer flammenden Rede zu Beginn des Buches überzeugt er Edie, dass ihre unterschiedlichen Lebensweisen und die Entfernung zwischen Nottingham und Hollywood für sie machbar seien und sie einfach zusammengehörten. Doch spätestens als der neue Kollege Declan in Edies Team kommt und auf Annäherungskurs bei ihr geht, muss sie sich fragen, ob die Beziehung zu Elliot tatsächlich die Entferungen übersteht oder es einfach nur ein Märchen ist und dieses auch besser bleiben sollte.

Ich freute mich auf einen unterhaltsamen Liebesroman über zweite Chancen und hoffte auf humorvolle Dialoge. Andere Bücher von Mhairi McFarlane habe ich gern gelesen und mochte sie für erfrischende Lesestunden zwischen Sachbüchern oder Krimis. Doch "Und plötzlich war es wunderbar" fand ich etwas langweilig. Leider entwickelte sich keine tiefere Figurenebene, alle Figuren blieben für mich an der Oberfläche, ich konnte sie nicht wirklich greifen und so auch nicht wirklich mitfiebern. Auch die Dialoge brachten mich kaum zum Schmunzeln, einiges fand ich abgedroschen und war vom Hin und Her zwischenzeitlich auch genervt.
Im Nachhinein habe ich gesehen, dass es einen Band zuvor gibt, in dem Edies und Elliots Geschichte begann. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich diesen nicht gelesen habe, dass ich mit beiden nicht warm wurde.

Veröffentlicht am 26.09.2025

Vorhersehbar trotz Plottwists

Eine von uns
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Das Haus von Gina, ihrem Mann Matt und den beiden Kindern brennt ab, weshalb sie eine neue Bleibe brauchen. Ginas Freundin Annie ist für längere Zeit verreist und bietet ihr daher an, dass sie vorübergehend ...

Das Haus von Gina, ihrem Mann Matt und den beiden Kindern brennt ab, weshalb sie eine neue Bleibe brauchen. Ginas Freundin Annie ist für längere Zeit verreist und bietet ihr daher an, dass sie vorübergehend bei ihr unterkommen könnten. Nach kurzer Zeit steht Mary vor der Tür und stellt sich als Haushälterin vor. Gina rückversichert sich bei Annie, dass alles seine Richtigkeit hat, doch sie beschleicht von Tag zu Tag mehr das Gefühl, dass Mary irgendetwas im Schilde führt.

Samantha Hayes streut schon sehr früh Zweifel, dass Mary nicht nur die Haushälterin ist, für die sie sich ausgibt, lässt sich jedoch Zeit mit den Hinweisen, was dahintersteckt. Gleichzeitig lässt sie Gina zwar immer mehr zweifeln und Verdacht aufkommen, lässt sie sich jedoch konsequent einreden, dass ihre Wahrnehmung nicht richtig sei. Das alles hat dazu geführt, zusätzlich zu den Rückblenden, dass ich sehr schnell einen Verdacht habe, wie alles zusammenhängen könnte (das hat sich bewahrheitet) und habe denn den Rest der Lektüre darauf gewartet, dass die entsprechende Auflösung folgt und habe dann einigermaßen gespannt den Weg dorthin verfolgt. Das Streuen der Plottwists und der neuen Hinweise waren ganz gut gedacht, jedoch so konstruiert, dass sie schnell aufzeigten, auf was es hinauslaufen wird.
Der Schreibstil ist flüssig und leicht, sodass sich das Buch schnell weglesen ließ. Auf den letzten Seiten konnte mich Samantha Hayes dann noch einmal überraschen, vor allem mit dem Epilog. Da hätte ich mir über das ganze Buch hinaus einen strafferen Spannungsbogen gewünscht.
Was mir nicht gut gefallen hat, war, wie die Frauen, allen voran Gina, abgebildet wurden. Sie wirkten inkompetent, instabil, naiv und sehr leicht zu verunsichern. Ich bin mir sicher, der Plot hätte auch funktioniert, wenn es sich hier um selbstbestimmte und sichere, kluge Frauen ginge,