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Veröffentlicht am 28.04.2018

eine beeindruckende Familiengeschichte

Das hungrige Krokodil
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"Das hungrige Krokodil ", eine passende Metapher für die Geschichte die Pavel Vodak hier aufgezeichnet hat und die von der Schriftstellerin Sandra Böckel fantastisch umgesetzt wurde. Das hungrige Krokodil ...

"Das hungrige Krokodil ", eine passende Metapher für die Geschichte die Pavel Vodak hier aufgezeichnet hat und die von der Schriftstellerin Sandra Böckel fantastisch umgesetzt wurde. Das hungrige Krokodil ist hier der Kommunismus, der nachdem die Deutschen im 2. Weltkrieg aus der Tschechoslowakei vertrieben wurde seine Gefräßigkeit zeigte. Alle Freiheiten wurden verschlungen und es blieben nicht einmal mehr Ideale. Schleichend nahte sich das Ungeheuer und schlug doch unbarmherzig zu.

Pavel der in Budweis aufwuchs und später nach Prag zog, um dort sein Medizinstudium zu beginnen erzählt seine Familiengeschichte in diesem Buch. Erst die Besatzung durch die Deutschen und später die der Russen, haben in seinem Leben prägnante Spuren hinterlassen. Mit dem Willen die Reformpolitik der Tschechoslowakei zu unterstützen, muss er nach dem Niederschlagen des Prager Frühlings feststellen, dass dies nicht mehr sein Land ist. Nach einer gut vorbereiteten Flucht , strandet er mit seiner Familie in Deutschland, um dann doch festzustellen, dass auch dort keine Heimat zu finden ist. Fremd auf beiden Seiten fühlt er sich trotz Grenzöffnung und er stellt sich die Frage " Hat es sich gelohnt ?

Sandra Brökel, die durch Zufall an die Aufzeichnungen Von Pavel gekommen ist, hat meiner Meinung nach dieses Zeitdokument auf sehr sensible und gut nachvollziehbare Art und Weise umgesetzt. Der Leser verfolgt nicht nur das Leben der Familie Vodak, sondern darf teilhaben an den Gedanken, Gefühlen und vor allem den Ängsten, denen diese Familie ausgesetzt war. Auch wenn die Familie durch Kontakte im Westen gut Fuss fassen konnte , bleiben Schuldgefühle und die ständige Sehnsucht nach einem Zuhause. Ich habe bei der Geschichte mitgefiebert und fühlte mich den Personen sehr nah und kann nur erahmen , was es bedeutet seine Heimat zu verlassen. Freunde, Verwandte und liebgewonnen Orte.
Auch das Wiedersehen mit ihrem Heimatland wurde für mich sehr nachvollziehbar geschildert. Fremdheit, Enttäuschung beim Wiedersehen, da man seine Heimat in der Ferne immer glorifiziert hat und die Realität die Wunden zeigt, die die Vergangheit schlug.

Danke Frau Brökel, es war ein tolles Erlebnis dieses Buch zu lesen und ich wünsche ihm viele Leser.

Veröffentlicht am 14.04.2026

die Tauben als Zeichen der Freiheit

Der letzte Sommer der Tauben
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„Der letzte Sommer der Tauben“von Abbas Khider, erschienen bei @hanserliteratur ,erzählt vom Ende einer Kindheit unter den Muschahedin. Noah ist 14 Jahre alt und Taubenzüchter. Sein Onkel Ali, der jüngere ...

„Der letzte Sommer der Tauben“von Abbas Khider, erschienen bei @hanserliteratur ,erzählt vom Ende einer Kindheit unter den Muschahedin. Noah ist 14 Jahre alt und Taubenzüchter. Sein Onkel Ali, der jüngere Bruder seines Vaters, der im Nachbarhaus wohnt, hat ihn an dieses Hobby herangeführt.Noah bewundert das Sozialverhalten und die Freiheit der Tauben, die aber immer wieder auf sein Dach zurückkehren. Ein Bild das friedlicher nicht sein kann und für ihn ein Symbol der Beständigkeit ist. Doch dieser Sommer im Irak wird der letzte friedliche für Noah sein. Ein autoritäres Regime übernimmt die Macht und für Noah verändert sich alles. Das Kalifat übernimmt die Kontrolle und mit ihm verschwinden alle Freiheiten und alles was das Leben schön macht. Musik, Feiern, Lachen, Farben, alles verschwindet hinter einer grauen Depression. Die Angst geht in den Familien und den Straßen um.Sein Vater muss den Laden schließen, der Mann seiner Schwester wird inhaftiert, seine Freunde verändern sich , plötzlich verschwindet Onkel Ali, der immer sein Anker war und zum Schluss verschwinden auch die Tauben am Sommerhimmel.

In einer ruhigen, aber doch sehr eindringlichen Sprache erfährt der Leser aus Sicht eines 14 jährigen Jungen, welche Auswirkungen autoritäre Systeme auf das Leben der Menschen, die unter ihnen leben müssen haben, aber auch, was sie mit den einzelnen Menschen machen.
Die einen passen sich an und versuchen das Beste für sich herauszuholen, die anderen haben den Mut sich dagegen zu stemmen, weil sie unter dieser Unmenschlichkeit nicht leben können. Oft bezahlen sie mit ihrer Freiheit, oft auch mit ihrem Leben.

Der Roman wird nicht Effekt heischend geschrieben, doch gerade diese ruhige beobachtende Art der Geschehnisse brennen sich ins Gedächtnis und lassen einen frösteln und die Angst derer, die damit konfrontiert sind, intensiv erleben.

Für Noah verändert sich alles, sein Umfeld, seine Freundschaften, die Situation in der Familie, immer ist man in hab acht Stellung, weil keiner weiß, wann die Willkür wieder zuschlägt. Wie schwer muss es sein unter solchen Lebensumständen zu leben, vielleicht sogar begleitet von kriegerischen Handlungen, wie wir aktuell beobachten können.
Mich hat dieses Buch tief berührt, mich lange nachdenken lassen und mir wieder vor Augen geführt, wie wichtig es ist für unsere Demokratie zu kämpfen in Zeiten , in denen Autokraten immer wieder die Weltordnung bestimmen wollen und auch Parteien unterstützen, auch hier in Europa und in Deutschland, die unsere Demokratie verachten.

Ein leises Buch mit erschreckendem Inhalt.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

lesenswert

Wir schreiben unsere Namen in den Wind
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„Wir schreiben unsere Namen in den Wind“ von Jodi Picoult, erzählt die Geschichte von zwei Frauen, die um Sichtbarkeit und Anerkennung kämpfen.
Im16/17. Jahrhundert lernen wir Emilie Bassano kennen, deren ...

„Wir schreiben unsere Namen in den Wind“ von Jodi Picoult, erzählt die Geschichte von zwei Frauen, die um Sichtbarkeit und Anerkennung kämpfen.
Im16/17. Jahrhundert lernen wir Emilie Bassano kennen, deren ganze Liebe dem Schreiben gilt das sie mit Leidenschaft und Scharfsinn betreibt. Da es Frauen aber untersagt ist ihre Schriften auf die Bühne zu bringen,werden mit einer List unter William Shakespeares Namen herausgebracht.

Hat sich an dieser Praxis etwas verändert? Wenig!

Auch die Geschichte in der Gegenwart, die von Melina Green handelt offenbart, dass es Frauen schwer haben ,nicht nur in der Kunst ,anerkannt zu werden.Denn auch Melina,um die es in. Der Geschichte der Gegenwart geht ist Schriftstellerin und will ihr Stück über eben diese „Emilia Bassano“ veröffentlichen und es gelingt ihr erst, als sie es unter einem männlichen Pseudonym herausbringt.

Jodi Picoult gelingt es immer wieder mich mit ihren Büchern zu fesseln. Sie spricht Themen an, die Lücken in unserer Gesellschaft aufzeigen und die auch häufig eine soziale oder gesellschaftliche Komponente haben. Hier geht es um das jahrelange Ringen von Frauen mit Männern gleichgestellt zu werden, wie hier in der Literatur.Offenkundig ist, dass Frauen das Können haben und man sich fragt, welcher Genuss der Gesellschaft entgangen ist, weil man sie über Jahrhunderte nicht hat sichtbar werden lassen und auch heute noch Frauen mehr leisten müssen, um anerkannt zu werden.Ist es die Angst der Männer Privilegien und Macht zu verlieren ?

Jodi Picoult findet eine sehr feinfühlige Art die Geschichten der beiden Frauen zu erzählen,wobei mir die Geschichte in der Vergangenheit etwas besser gefallen hat, da der Charakter der Emilia interessanter beschrieben war.
Schreibstil und Charaktere haben mir gut gefallen und so spreche ich eine große Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

spannende Unterhaltungslektüre

Elbnächte. Die Lichter über St. Pauli
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"Elbnächte " ist mein erstes Buch dieser Autorin. Ich kenne "die Hafenärztin "nicht und konnte so vollkommen unvoreingenommen das Lesen beginnen.
Wir befinden uns im Jahr 1913, also ein Jahr vor Beginn ...

"Elbnächte " ist mein erstes Buch dieser Autorin. Ich kenne "die Hafenärztin "nicht und konnte so vollkommen unvoreingenommen das Lesen beginnen.
Wir befinden uns im Jahr 1913, also ein Jahr vor Beginn des 1, Weltkriegs in Hamburg.

Agierende Figuren sind Louise,deren Leben bisher unbekümmert und in Wohlstand stattfand und die sich jetzt nach dem angeblichen Tod und ihres Gatten Viktor fragt, wen sie da eigentlich geheiratet hat. Ohne Geld und mit dem Wissen, dass ihr Ehemann in zwielichtige Geschäfte verstrickt war, muss sie zusehen, wie sie sich über Wasser hält. Auf dem Weg dahin lernt sie Ella kennen, eine Zwangsprosituierte aus Galizien, der die Flucht gelungen ist und die mit ihrem Hund Principessa in Hamburg gestrandet ist. Die beiden tun sich zusammen, um in Hamburg zu überleben.
Als Paul in ihr Leben tritt, gerät das Buch zu einer Kriminalgeschichte, denn Paul, ehemaliger Polizeibeamter, der durch einen Einsatz, bei dem er einen Arm verlor und seinen Polizeidienst quitierte, hilft Ella und Louise aus einer prekären Situation, die für sie gefährlich hätte werden können.Ein Mord geschieht in der Nachbarschaft und Paul, der immer noch nach einer Kinderbande sucht, die er auch für diesen Mord verantwortlich macht, kann seine Polizeivergangenheit nicht abstreifen und ermittelt auf eigene Faust weiter.

Der erste Band dieser Reihe, bei der auf jeden Fall noch ein zweiter Band folgen wird, hat mir Spaß gemacht zu lesen. Man taucht in das Hamburg der damaligen Zeit ein, sieht schmutzige Hafenkneipen und Strassen vor sich, Kinderbanden, die nachts ihr Unwesen treiben , teils weil sie das Überleben ihrer Familien sichern müssen, aber auch weil sie von organisierten Banden gezwungn wurden, für sie zu arbeiten.
Das Leben auf den Straßen der Stadt ist gefährlich.
Das Buch behandelt auch auch Themen wie die Gleichstellung der Frau , denn Elsa und Louise müssen sich in iohrem neuen Leben beweisen und wollen nicht mehr von Männern abhängig sein.

Das Buch ist keine hohe Literatur, aber ein sehr gelungener Unterhaltungsroman, der sehr flüssig und spannend geschrieben ist und auf dessen zweiten Teil ich mich schon freue.

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Veröffentlicht am 16.06.2025

Ein toller Nachfolger

Die Sommergäste
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Letztes Jahr startete die neue Reihe um den „Martini Club“ von Tess Gerritsen mit dem Buch „Die Spionin“das ich sehr gern gelesen habe.Nun war ich gespannt, ob es so gut weitergeht mit der Reihe wie sie ...

Letztes Jahr startete die neue Reihe um den „Martini Club“ von Tess Gerritsen mit dem Buch „Die Spionin“das ich sehr gern gelesen habe.Nun war ich gespannt, ob es so gut weitergeht mit der Reihe wie sie begonnen hat und ich muss sagen, ja, der Nachfolger „Die Sommergäste“ konnte mich genauso überzeugen.

In einem kleinen Ort in Maine, Purity, startet die Sommersaison und die stellvertretende Polizeichefin Jo Thibodean rechnet mit mehr Straftaten, da mit den vielen Touristen, die dann in den Ort einfallen und ihre Sommerhäuser am Maiden Pond beziehen, auch immer allerlei Gesindel in den Ort kommt. Womit sie allerdings nicht gerechnet hat ist, dass die Tochter einer wohlhabenden Familie, den Conovers, verschwindet und auch nach Tagen nicht wieder auftaucht. Handelt es sich um eine Entführung oder ist sie im See ertrunken in dem sie kurz vorher schwimmen war? Als man den See absucht, findet man eine Tote, handelt es sich um Zoe?
Jo beginnt zu ermitteln und stößt auf viele Ungereimtheiten. Gott sei Dank steht ihr der Martini Club bei den Ermittlungen wieder zur Seite.

Genauso wie der erste Teil der neuen Thrillereihe von Tess Gerritsen, konnte mich auch der zweite Teil überzeugen. Eine Kombi aus Spannung und Humor zeichnet diese Reihe aus, die sich sehr flüssig lesen lässt.
Der Martini Club, bestehend aus 5 ehemaligen CIA Agenten , steht neben dem jeweiligen Fall im Mittelpunkt dieser Bücher. Fünf „Ermittler“, die sich regelmäßig zu Buchbesprechungen bei Longdrinks und Essen treffen und froh sind ihren Alltag durch tatkräftige Unterstützung der ansässigen Polizeichefin zu unterbrechen, die darüber nicht immer erfreut ist.
Wer jetzt aber glaubt, dass die Spannung aufgrund dieser Vorraussetzungen auf der Strecke bleibt irrt, denn auch der hier zu klärende Fall ist sehr spannend, komplex und zeigt viele Wendungen und eine Aufklärung auf, mit der ich nicht gerechnet hätte.
Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse und es wird richtig spannend.

Sicherlich kann man diese Bücher nicht mit der Rizzoli/Isles Reihe vergleichen, da die Ermittler dafür zu unterschiedlich sind und diese Reihe eine gewisse Leichtigkeit mitbringt, die bei den Rizzoli/Isles Thrillern fehlt, aber ich finde , dass Tess Gerritsen hier eine tolle neue Thrillerreihe geschaffen hat, der ich gerne weiter folgen werde.

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