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Veröffentlicht am 14.04.2026

Manche Sommer bleiben für immer

Der Sommer, der uns blieb
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Britta, Pia und Martin waren als Kinder und Jugendliche unzertrennlich. Doch ein einschneidendes Ereignis zerstört ihre enge Freundschaft und ihre Wege trennen sich.

Jetzt treffen sich die drei wieder. ...

Britta, Pia und Martin waren als Kinder und Jugendliche unzertrennlich. Doch ein einschneidendes Ereignis zerstört ihre enge Freundschaft und ihre Wege trennen sich.

Jetzt treffen sich die drei wieder. In der Straße, in der sie damals gelebt haben, gibt es mehr oder weniger zufällige Begegnungen.
Nach und nach wird enthüllt, was damals geschehen ist und warum es zum Zerwürfnis kam. Gleichzeitig wird klar, weshalb Pia zurückgekehrt ist und dass sie entschlossen ist, sich der Vergangenheit zu stellen und Antworten zu geben.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der drei erzählt und bewegt sich zwischen zwei Zeitebenen: der Gegenwart im Jahr 2020 zu Beginn der Pandemie und den 90er Jahren, in denen alles begann.

Der Spannungsaufbau durch die wechselnden Perspektiven und Zeitebenen hat mir dabei besonders gut gefallen. Auch wenn einige Entwicklungen vorhersehbar waren, hat das dem Leseerlebnis keinen Abbruch getan, da die Emotionen und Beziehungen der Figuren klar im Mittelpunkt stehen.
Gegen Ende wird die Geschichte dann nochmal sehr bewegend, da sich alles zuspitzt und schließlich aufgelöst wird.

„Der Sommer, der uns blieb“ ist auf jeden Fall ein lesenswerter Roman.
Und was man noch besonders betonen muss: Das Buch ist optisch wirklich ein Highlight. So wunderschön gestaltet, selbst ohne Schutzumschlag. Auch im Inneren setzt sich das fort. Jedes Kapitel wird sehr kunstvoll eingeleitet und macht das Lesen zu etwas Besonderem.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Zwischen zwei Welten

Real Americans
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Für mich war „Real Americans“ von Rachel Khong ein Buch, das mich wirklich berührt hat. Es erzählt die Geschichte einer chinesisch-amerikanischen Familie über mehrere Generationen. Von May, die in China ...

Für mich war „Real Americans“ von Rachel Khong ein Buch, das mich wirklich berührt hat. Es erzählt die Geschichte einer chinesisch-amerikanischen Familie über mehrere Generationen. Von May, die in China aufwächst und unter den strengen gesellschaftlichen Bedingungen leidet, bis zu ihrer Tochter Lilly, die als Amerikanerin aufwächst, sich aber immer wieder mit ihrer Herkunft konfrontiert sieht, und zu Lillys Sohn Nick, der in einer gewissen Abgeschiedenheit aufwächst und die Familiengeschichte nur Stück für Stück versteht.

Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was mir geholfen hat, die Figuren und ihre Entscheidungen besser nachzuvollziehen. Besonders spannend fand ich, wie die Autorin Themen wie Identität, kulturelle Wurzeln und die Verantwortung, die man für andere trägt, miteinander verknüpft. Es gibt Momente voller Emotionen, aber auch viele Fragen zur Genetik und moralischen Entscheidungen, die zum Nachdenken anregen.

Ein paar Dinge hätten für mich etwas ausführlicher sein dürfen: Einige Zeitsprünge lassen wichtige Entwicklungen nur erahnen, und manche große Themen wie die genetische Forschung oder Lillys Identitätskonflikte werden eher angerissen. Trotzdem hat mich der flüssige, bodenständige Schreibstil gepackt, und vor allem Mays Geschichte in China hat mich gefesselt. Für mich ist es ein nachdenklicher, vielschichtiger Familienroman, der lange nachklingt.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Ein stimmiger zweiter Fall

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Der erste Fall von Commissario Gaetano hat mich letztes Jahr ganz schön gefordert. Diesmal war es anders, und ich habe die Ermittlungen viel lieber verfolgt.

In der Osterwoche, während sich die Prozessionen ...

Der erste Fall von Commissario Gaetano hat mich letztes Jahr ganz schön gefordert. Diesmal war es anders, und ich habe die Ermittlungen viel lieber verfolgt.

In der Osterwoche, während sich die Prozessionen durch Neapel ziehen und das Leben zwischen Tradition und Alltag pulsiert, verschlägt es Gaetano eigentlich ins kampanische Hinterland zur Familie. Doch die Ruhe hält nicht lange: Ein Toter im Hafenbecken zwingt ihn zurück in den Dienst. Gemeinsam mit seiner neuen Kollegin folgt er den Spuren quer durch die Stadt, vom eleganten Chiaia bis hinunter nach Mergellina, dorthin, wo das alte Neapel auf das neue trifft.

Die Geschichte wirkte auf mich stimmiger und vor allem nicht mehr ganz so brutal wie beim ersten Mal. Ich konnte mich schneller hineinfinden und musste kaum innehalten. Auch Gaetano wirkt ruhiger und irgendwie mehr bei sich selbst. Seine Ecken und Kanten sind noch da, aber sie sind nicht mehr ganz so abschreckend. Vielleicht habe ich mich an ihn gewöhnt oder er hat sich ein Stück verändert.

Neapel bleibt dabei das, was es ist: laut, chaotisch, voller Widersprüche und Abgründe. Aber dieses Mal habe ich mich weniger fremd gefühlt in seinen Gassen.

„Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl“ war für mich sehr angenehm zu lesen. Immer noch intensiv, aber nicht mehr so schwer. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr, wenn es wieder ans Ermitteln geht im dritten Fall „Commissario Gaetano und die Tränen des Vesuvs“.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Lektüre zum Entschleunigen

Mathilde und Marie
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„Was wiegt so schwer auf deiner Seele?“

Dieser fast poetische Satz stammt aus dem Buch „Mathilde und Marie“ und gibt einen guten Eindruck davon, mit welch schöner Sprache Torsten Woywod seinen Debütroman ...

„Was wiegt so schwer auf deiner Seele?“

Dieser fast poetische Satz stammt aus dem Buch „Mathilde und Marie“ und gibt einen guten Eindruck davon, mit welch schöner Sprache Torsten Woywod seinen Debütroman geschrieben hat.

Es ist eine ruhige, warmherzige Geschichte über Menschlichkeit, Freundschaft und die Schönheit kleiner Alltagsmomente.

Die Handlung führt uns nach Redu, einem tatsächlich existierenden Bücherdorf in Belgien, in dem Buchläden, verwinkelte Gassen und feste Rituale den Rhythmus des Lebens bestimmen. Marie, Anfang 20, kommt hierher, um Abstand zu gewinnen, und begegnet Mathilde, die das Dorf seit Jahren ihr Zuhause nennt. Anfangs verschlossen, öffnet sich Mathilde langsam, und zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine leise, glaubwürdige Freundschaft.

Besonders eindrucksvoll ist die Atmosphäre des Romans: die spürbare Liebe zu Büchern und unabhängigen Buchläden, die Nähe zur Natur, die feinen Beobachtungen des Alltags - bis hin zum charmanten Dorfhund Anneliese. Gelegentlich wirkt die Welt etwas zu idyllisch, doch die angenehme Erzählweise und das stimmige Gesamtbild überwiegen.

„Mathilde und Marie“ ist ein Buch zum Innehalten und Durchatmen, zum Entschleunigen. Ideal für alle, die leise Geschichten, Bücherliebe und menschliche Nähe schätzen.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Hinter der Idylle

Heimat
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Hannah Lühmanns „Heimat“ hat mich schnell gepackt. Die Geschichte beginnt relativ harmlos: Jana, Ende dreißig, zieht mit ihrem Mann und den beiden kleinen Kindern von der Stadt aufs Land. Dort lernt sie ...

Hannah Lühmanns „Heimat“ hat mich schnell gepackt. Die Geschichte beginnt relativ harmlos: Jana, Ende dreißig, zieht mit ihrem Mann und den beiden kleinen Kindern von der Stadt aufs Land. Dort lernt sie Karolin kennen, eine freundliche Nachbarin, überzeugte Tradwife und Mutter von fünf Kindern. Aus alltäglichen Gesprächen und gemeinsamen Nachmittagen entsteht langsam eine Verbindung, die Jana mehr verändert, als ihr selbst bewusst ist.

Erschreckend ist, wie still und unauffällig diese Veränderung geschieht. Niemand drängt sie mit Gewalt, es sind die kleinen Gesten, die ständige Wiederholung und das Gefühl von Gemeinschaft, die sie immer weiter in ein konservatives Rollenbild ziehen.

Der Autorin gelingt es, eine dichte Atmosphäre aufzubauen, in der das Alltägliche unmerklich in etwas Beunruhigendes kippt. Die Sprache ist reduziert, präzise und beobachtend, und gerade in dieser Zurückhaltung liegt die Stärke des Romans. Politische und gesellschaftliche Fragen werden nicht frontal gestellt, sondern zwischen den Zeilen verhandelt, was die Wirkung noch verstärkt.

Die klare, reduzierte Sprache macht die Geschichte glaubwürdig und beklemmend.
„Heimat“ ist ein ruhiges, atmosphärisches Buch, das zeigt, wie leicht man sich mitreißen lassen kann.
Einziger Kritikpunkt ist der Schluss. Ich bleibe nämlich etwas ratlos zurück, weil ich nicht genau weiß, was am Ende wirklich passiert ist.

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