Einfach mitreißend
Perlen✨ REZENSION zu „Perlen“ von Siân Hughes, erschienen im @dumontbuchverlag und übersetzt von Tanja Handels
„Vergessen ist nicht das Schlimmste. Auch Erinnern nicht. Das Schlimmste ist, vergessen zu haben ...
✨ REZENSION zu „Perlen“ von Siân Hughes, erschienen im @dumontbuchverlag und übersetzt von Tanja Handels
„Vergessen ist nicht das Schlimmste. Auch Erinnern nicht. Das Schlimmste ist, vergessen zu haben und sich dann wieder zu erinnern.“
⚠️ Triggerwarnung: es werden unter anderem die Themen Essstörungen, Selbstverletzung, Depressionen und andere psychische Erkrankungen behandelt.
📖 Inhalt (spoilerfrei): der Roman erzählt die Geschichte von Marianne, die mit ihrem kleinen Bruder und dem Vater auf dem englischen Land aufwächst. Als ihre Mutter eines Tages spurlos verschwindet, bleiben nur bruchstückhafte Erinnerungen zurück, die Marianne durch Kindheit, Jugend und frühes Erwachsenenalter begleiten, die sie versucht, zu ordnen und zu verstehen, ohne dabei sich selbst zu verlieren.
🖋️ Erzählstruktur & -stil: der Roman ist fragmentarisch aufgebaut, es gibt keinen konsekutiven Handlungsstrang. Die Erzählung wird von vielen Pro- und einigen Analepsen beherrscht. Außerdem wirkt das Erzählte tagebuchartig/introspektiv und dadurch sehr intim, die Sprache ist dabei mal nüchtern mal poetisch.
🗝️ Symbole: die Perlen ziehen sich durch die gesamte Erzählung. Einerseits sind Kapitel mit Zitaten aus dem mittelalterlichen Gedicht „Pearl“ versehen, andererseits reihen sich Mariannes bruchstückhafte Erinnerung wie einzelne Perlen aneinander, auf einen unsichtbaren Faden, der sich quer durch die Geschichte zieht. Weiterhin gibt es Situationen, in denen Mariannes Erleben wie das Auseinanderreißen einer Perlenkette symbolisch für den schmerzhaften Verlust und des Suchens stehen könnte.
💡 Kurz und Knapp: Hughes Debütroman ist unglaublich feinfühlig und hat mich zu Tränen gerührt. Besonders eindrücklich fand ich, wie Marianne die Perlen verschluckt, die ihre Mutter einst in ihren Pullover eingenäht hat. Perle für Perle wandern sie durch ihren Körper, wie ein stiller Akt der Trauer, Schuld und Sehnsucht. Indem sie den Verlust in sich aufnimmt, verarbeitet und ausscheidet, versucht sie, mit dem Schmerz umzugehen und verliert sich dabei selbst, bevor sie langsam wieder zu sich findet.
4|5 ⭐️