Wichtig und wunderbar
Evil Eye✨ REZENSION zu „Evil Eye“ von Etaf Rum, erschienen im @pola_stories Verlag & übersetzt von Heike Reissig
📖 Inhalt (spoilerfrei): #evileye erzählt von Yara, einer amerikanisch-palästinensischen Frau mit ...
✨ REZENSION zu „Evil Eye“ von Etaf Rum, erschienen im @pola_stories Verlag & übersetzt von Heike Reissig
📖 Inhalt (spoilerfrei): #evileye erzählt von Yara, einer amerikanisch-palästinensischen Frau mit Studium, Job, Ehemann und zwei Töchtern. Zwischen kulturellem Erbe, familiären Erwartungen und dem Wunsch nach Selbstbestimmung kämpft sie mit Wut, Schuld und Selbstzweifeln. Ein Vorfall bei der Arbeit zwingt sie in Therapie und zu einer schmerzhaften Auseinandersetzung mit alten Traumata, familiären Verletzungen und gesellschaftlichen Rollenbildern.
✍️ Erzählweise und Stil: erzählt aus Yaras Innensicht entsteht eine intime und emotionale Atmosphäre. Diese wird ergänzt durch Briefe an ihre verstorbene Mutter, welche sich vom Anfang (erstmal irritierend) bis zum Ende (nachvollziehbar, sinnvoll) hindurchziehen. Manchmal wirken Yaras Gedankenschleifen etwas repetitiv und bremsen den Lesefluss ein wenig ab, allerdings geben sie Yaras Traumaerleben dadurch sehr authentisch wieder.
👥 Figuren: Yara ist eine glaubwürdige, runde Figur mit nachvollziehbarer Entwicklung. Ihre Wutausbrüche sind verständlich und emotional mitreißend. Schwächer sind die Nebenfiguren wie Silas oder die Therapeut:innen. Ihre Reaktionen wirken distanziert, formelhaft und beinahe künstlich, wie generierte Standardantworten einer KI, denen jede emotionale Glaubwürdigkeit fehlt. Yaras Ehemann ist manipulativ, abwertend und kontrollierend. Sein Verhalten bleibt unbenannt als Missbrauch, obwohl es klar toxisch ist. Eine deutlichere Trennung zwischen kulturellen Rollenmustern und Missbrauch hätte hier geschärft.
🧿 Symbole und Motive: der „böse Blick“, der als Symbol für Kontrolle, Angst und Scham steht, steht für Yaras Kindheit, in der sie all diese Gefühle sich selbst gegenüber verinnerlichen musste.
💡Fazit: ein intensiver Roman über kulturelle Prägung, unterdrückte Wut, internalisierten Rassismus und den Kampf um Selbstbestimmung. Starke Hauptfigur, wertvolle kulturelle Einblicke, eindrucksvolle Darstellung psychischer Gewalt; manchmal musste ich das Buch vor lauter Wut weglegen, spricht aber nur für die tolle Arbeit.
4|5 ⭐️