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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.10.2019

Ein Roman mit kriminalistische Handlung

Der Verein der Linkshänder
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Van Veeteren aus Maardam ist mittlerweile 75 Jahre alt und im Ruhestand. Da wird er durch einen alten Fall, der gelöst schien, wieder quasi reaktiviert. Vor vielen Jahren waren in einer Pension 4 Menschen ...

Van Veeteren aus Maardam ist mittlerweile 75 Jahre alt und im Ruhestand. Da wird er durch einen alten Fall, der gelöst schien, wieder quasi reaktiviert. Vor vielen Jahren waren in einer Pension 4 Menschen zu Tode gekommen. Sie hatten sich dort zu einem Wiedersehen versammelt und kamen um, als die Pension durch ein Feuer vernichtet wurde. Die vier gehörten zum sogenannten Club der Linkshänder. Ein fünftes Mitglied war auch bei der Wiedersehensfeier dabei gewesen und blieb verschwunden. Es lag damals nahe, dass dieses fünfte Mitglied der Mörder sein musste. Nach ca. 20 Jahren wird jetzt jedoch die Leiche des fünften Mitglieds gefunden. Es stellt sich heraus, dass es zur gleichen zeit wie die anderen zu Tode gekommen ist und somit als Mörder ausscheidet.

Van Veeteren muss also einsehen, dass er damals den Fall nicht oder falsch gelöst hat, und macht sich unterstützt von seiner Lebensgefährtin Ulrike an die Lösung. Ein weiterer Mord in Schweden scheint mit dem Fall zusammen zu hängen. Kommissar Barbarotti aus Kymlinge und Van Veteren machen sich zusammen an die Arbeit, die Fälle zu lösen.

Wer einen Krimi im üblichen Sinne mit Spannung bis zur letzten Seite erwartet, wird bei diesem Roman enttäuscht. Nicht die Spannung steht bei Håkan Nesser im Vordergrund sondern die Charakterisierung der Personen, ihre Beziehungen zueinander. Amüsant ist immer wieder das Verhältnis von Van Veeteren mit Ulrike. Er spielt immer den, der eigentlich nichts mehr mit Kriminalfällen zu tun haben will, und lässt sich nur allzu gern von Ulrike überreden, sich doch damit zu beschäftigen. Das schildert Nesser in einem behäbigen Stil. Da kommt das Behäbige von Van Veeteren sozusagen stilistisch zum Ausdruck.

Die Zeitsprünge zwischen drei zeitlichen Ebenen sind etwas gewöhnungsbedürftig. Man kann Ihnen aber durch die Hinweise in den Überschriften einigermaßen gut folgen. An einigen Stellen wünschte ich mir, es würde etwas stringenter weiter gehen, wenn zum Beispiel zum wiederholten Male die Vorgänge in der Pension geschildert werden.

Man muss sich von der Vorstellung befreien, dass es sich um einen üblichen Krimi handelt, oder sogar um einen Thriller, denn darum handelt es sich hier keinesfalls. Es ist einfach ein Roman. Und als solcher gut geschrieben und lesbar. Ein Roman mit kriminalistischer Handlung.

Veröffentlicht am 11.08.2019

Erschreckend mögliche Realität

Die letzte Witwe
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Gerichtsmedizinerin Sara Linton und Special Agent Will Trent, bekannt aus den vorhergehenden Büchern der Reihe, werden gleich zu Beginn aus einer alltäglichen Situation mitten ins mörderische Geschehen ...

Gerichtsmedizinerin Sara Linton und Special Agent Will Trent, bekannt aus den vorhergehenden Büchern der Reihe, werden gleich zu Beginn aus einer alltäglichen Situation mitten ins mörderische Geschehen gerissen. Sara wird entführt und Will kann es nicht verhindern. Aber er lässt natürlich nicht locker und versucht Alles, um Sara zu befreien.

Eine Neonazi Gruppierung mit krudem Gedankengut spielt eine wichtige Rolle. Damit wird Karin Slaughter sehr aktuell, was Fremdenhass und Glorifizierung der weißen Rasse angeht.

Der Roman strebt langsam und allmählich dem Höhepunkt und der Lösung am Schluss zu. Etwas zu langsam und zu allmählich nach meinem Gefühl. An einigen Stellen wird Karin Slauther zu ausschweifend, was die Schilderungen der technischen oder medizinischen Details angeht. Sie hat ihre Hausaufgaben bei der Grundlagenrecherche gemacht. Aber es hätte durchaus weniger in den Text einfließen müssen.

Auch ein besonderes Stilmittel zu Beginn, nämlich dieselbe Situation aus unterschiedlicher Sicht mehrfach zu beschreiben, trägt nicht zum Spannungsaufbau bei. Ich war jedenfalls erstmal irritiert, als mehrfach dieselben Wortwechsel noch einmal auftauchten. Es hilft dabei, auf die Datums- und Zeitangaben über den Kapiteln zu achten.

Gespräche scheinen etwas zu sein, was Slaughter gern hat. Deshalb finden wir mehrfach recht lange Gespräche. Aber im Roman ist es wie in der Wirklichkeit. Wenn ein Gespräch zu lang ist, kann es auch leicht ermüdend sein.

Zusammengefasst ist zu sagen: Keine volle Punktzahl aber eine solide Arbeit

Veröffentlicht am 25.05.2019

Komplizierte Zusammenhänge

Auris
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Forensische Phonetik war mir neu. Aber eine interessante Neuerung, Matthias Hegel erkennt allein an Stimme Wortwahl und Sprechweise seines Gegenüber viele Dinge über diesen und kann z.B. auch leicht Unwahrheiten ...

Forensische Phonetik war mir neu. Aber eine interessante Neuerung, Matthias Hegel erkennt allein an Stimme Wortwahl und Sprechweise seines Gegenüber viele Dinge über diesen und kann z.B. auch leicht Unwahrheiten erkennen.

Dieser Matthias Hegel bekennt sich zu einem Mord und wird dafür verurteilt. Da kommt als zweite Protagonistin die True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge ins Spiel. Sie glaubt nicht an Hegels Schuld und will ihn rehabilitieren.

Komplizierte Zusammenhänge tun sich auf. Hegel will nicht rehabilitiert werden, obwohl Jula Hinweise für seine Unschuld findet. Es entwickelt sich ein Spiel mit der Wahrheit. Ist das, was Jula herausgefunden hat, eigentlich wahr oder nur etwas, was wahr zu sein scheint? Da wird es manchmal etwas kompliziert, weil sich immer wieder neue Seiten auftun und neue Interpretationen des Geschehens möglich sind. Manchmal bleibt etwas auch nur vollkommen rätselhaft.

Es hilft, dass Kliesch sehr stringent erzählt, ohne groß zwischen verschiedenen Orten oder Zeitebenen hin und her zu springen. Er ist leicht zu lesen, was Satzbau und Wortwahl angeht. Zum Schluss ergibt sich eine interessante Wendung, oder doch nicht? Es bleibt auch am Schluss alles etwas im Unklaren. Dazu ein Cliffhanger, was ich gar nicht mag. Hier soll wohl zum Kauf des nächsten Buches verführt werden.

Veröffentlicht am 01.05.2019

Ein Zwei-Tage-Buch

Der Zopf meiner Großmutter
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Ja, das ist es: Ein Zwei-Tage-Buch. Das passiert manchmal, dass ich ein Buch in zwei Tagen durchlese, weil ich es zwischendurch nur sehr schlecht weglegen kann.

Der kleine Max hat es nicht leicht mit ...

Ja, das ist es: Ein Zwei-Tage-Buch. Das passiert manchmal, dass ich ein Buch in zwei Tagen durchlese, weil ich es zwischendurch nur sehr schlecht weglegen kann.

Der kleine Max hat es nicht leicht mit seiner Großmutter, die in für einen leicht idiotischen und kränklichen Jungen hält. Er muss angeblich vor vielen Bakterien und Viren und gefährlichen Situationen geschützt werden. Da isst die Großmutter seinen Geburtstagskuchen lieber selbst auf, weil das Essen eines Stücks Kuchen Max schaden könnte.

Der Großvater scheint bei seiner Frau unter dem Pantoffel zu stehen. Aber das scheint nur so. Jedenfalls verliebt er sich in eine andere und bald ist ein Kind unterwegs, also quasi ein Onkel von Max. Und was macht die Großmutter? Das soll hier nicht verraten werden.

Max und seine Großmutter ergänzen sich ausgezeichnet. Die Großmutter hält ihn für debil und kränklich. Darin sieht sie wohl ihre eigene Daseinsberechtigung, weil sie ihn so überzogen fürsorglich bemuttern kann. Und Max, der in Wirklichkeit vollkommen gesund und sehr intelligent ist, tut ihr den Gefallen und reagiert so, wie sie es von ihm erwartet.

Es gibt den Ausdruck, den Bogen zu überspannen. So ähnlich überspannt Alina Bronsky hier ihre Geschichte und die Dialoge. Aber es ist herrlich überspannt und sehr amüsant zu lesen.

Sie werden sehen: Es ist ein Zwei-Tage-Buch.

Veröffentlicht am 14.04.2026

Spielerei

Der letzte Leuchtturm
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Der Roman Der letzte Leuchtturm spielt auf der abgelegenen Insel Muckle Flugga im Norden Schottlands und konzentriert sich auf drei Figuren: den verwitweten Leuchtturmwärter, seinen Sohn Ouse, der in seine ...

Der Roman Der letzte Leuchtturm spielt auf der abgelegenen Insel Muckle Flugga im Norden Schottlands und konzentriert sich auf drei Figuren: den verwitweten Leuchtturmwärter, seinen Sohn Ouse, der in seine Fußstapfen treten soll, und den Schriftsteller Firth, der angeblich zur Erholung anreist. Tatsächlich hat er jedoch mit dem Plan, sich auf der Insel das Leben zu nehmen.

Die äußere Handlung bleibt dabei eher zurückhaltend. Es gibt keine großen Wendungen oder dramatischen Ereignisse. Stattdessen entfaltet sich die Geschichte im Mikrokosmos der Insel und in den Spannungen zwischen den Figuren. Besonders das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist von Härte geprägt. Seit dem Tod seiner Frau ist der Vater jähzornig geworden, was vor allem Ouse zu spüren bekommt. Auch die Begegnung mit dem sensiblen und innerlich zerrissenen Firth verläuft entsprechend konfliktreich.

Was diesen Roman jedoch vor allem kennzeichnet, ist sein Umgang mit Sprache. Michael Petersen stellt die sprachliche Gestaltung deutlich in den Vordergrund. Sprachspielereien, ungewöhnliche Metaphern und eigenwillige Formulierungen prägen den Text. Das kann stellenweise faszinierend und originell wirken, führt jedoch oft zu einem Übermaß, das die Lesbarkeit erheblich erschwert.

Immer wieder stößt man auf Passagen, die so komplex oder überladen formuliert sind, dass man sie mehrfach lesen muss, um ihren Sinn überhaupt zu erfassen. Ein Beispiel ist auf Seite 292 die Formulierung: „Firth bemerkt, dass weite Teile dieses Bereichs schon zu nichts weiter als furzenden Mundstücken verkommen sind, die sich zu einem kollektiven Saufgulasch zusammenbechern.“ Solche Sätze hinterlassen weniger Klarheit als vielmehr Ratlosigkeit.

Zwar gewöhnt man sich mit der Zeit etwas an diesen Stil, doch stellt sich die Frage, ob Sprache hier noch als Mittel zur Verständigung dient oder zum Selbstzweck wird. Literarische Experimentierfreude ist grundsätzlich begrüßenswert, doch sollte sie nicht zu Lasten der Verständlichkeit gehen. Worte sollten nicht nur grammatisch korrekt, sondern auch sinnstiftend miteinander verbunden sein.

Insgesamt ist "Der letzte Leuchtturm" ein Roman, der durch seine Atmosphäre und seine ungewöhnliche sprachliche Gestaltung auffällt, dabei jedoch inhaltlich eher zurückhaltend bleibt. Wer Freude an sprachlichen Experimenten hat, könnte Gefallen daran finden. Leserinnen und Leser, die Wert auf Klarheit und erzählerischen Fluss legen, könnten hingegen an ihre Grenzen stoßen.

Ich finde sprachliche Experimente in Maßen eingesetzt gut. Hier ist wurde dieses Maß jedoch meiner Meinung nach überzogen.

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