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Veröffentlicht am 01.05.2019

Ein Zwei-Tage-Buch

Der Zopf meiner Großmutter
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Ja, das ist es: Ein Zwei-Tage-Buch. Das passiert manchmal, dass ich ein Buch in zwei Tagen durchlese, weil ich es zwischendurch nur sehr schlecht weglegen kann.

Der kleine Max hat es nicht leicht mit ...

Ja, das ist es: Ein Zwei-Tage-Buch. Das passiert manchmal, dass ich ein Buch in zwei Tagen durchlese, weil ich es zwischendurch nur sehr schlecht weglegen kann.

Der kleine Max hat es nicht leicht mit seiner Großmutter, die in für einen leicht idiotischen und kränklichen Jungen hält. Er muss angeblich vor vielen Bakterien und Viren und gefährlichen Situationen geschützt werden. Da isst die Großmutter seinen Geburtstagskuchen lieber selbst auf, weil das Essen eines Stücks Kuchen Max schaden könnte.

Der Großvater scheint bei seiner Frau unter dem Pantoffel zu stehen. Aber das scheint nur so. Jedenfalls verliebt er sich in eine andere und bald ist ein Kind unterwegs, also quasi ein Onkel von Max. Und was macht die Großmutter? Das soll hier nicht verraten werden.

Max und seine Großmutter ergänzen sich ausgezeichnet. Die Großmutter hält ihn für debil und kränklich. Darin sieht sie wohl ihre eigene Daseinsberechtigung, weil sie ihn so überzogen fürsorglich bemuttern kann. Und Max, der in Wirklichkeit vollkommen gesund und sehr intelligent ist, tut ihr den Gefallen und reagiert so, wie sie es von ihm erwartet.

Es gibt den Ausdruck, den Bogen zu überspannen. So ähnlich überspannt Alina Bronsky hier ihre Geschichte und die Dialoge. Aber es ist herrlich überspannt und sehr amüsant zu lesen.

Sie werden sehen: Es ist ein Zwei-Tage-Buch.

Veröffentlicht am 14.04.2026

Spielerei

Der letzte Leuchtturm
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Der Roman Der letzte Leuchtturm spielt auf der abgelegenen Insel Muckle Flugga im Norden Schottlands und konzentriert sich auf drei Figuren: den verwitweten Leuchtturmwärter, seinen Sohn Ouse, der in seine ...

Der Roman Der letzte Leuchtturm spielt auf der abgelegenen Insel Muckle Flugga im Norden Schottlands und konzentriert sich auf drei Figuren: den verwitweten Leuchtturmwärter, seinen Sohn Ouse, der in seine Fußstapfen treten soll, und den Schriftsteller Firth, der angeblich zur Erholung anreist. Tatsächlich hat er jedoch mit dem Plan, sich auf der Insel das Leben zu nehmen.

Die äußere Handlung bleibt dabei eher zurückhaltend. Es gibt keine großen Wendungen oder dramatischen Ereignisse. Stattdessen entfaltet sich die Geschichte im Mikrokosmos der Insel und in den Spannungen zwischen den Figuren. Besonders das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist von Härte geprägt. Seit dem Tod seiner Frau ist der Vater jähzornig geworden, was vor allem Ouse zu spüren bekommt. Auch die Begegnung mit dem sensiblen und innerlich zerrissenen Firth verläuft entsprechend konfliktreich.

Was diesen Roman jedoch vor allem kennzeichnet, ist sein Umgang mit Sprache. Michael Petersen stellt die sprachliche Gestaltung deutlich in den Vordergrund. Sprachspielereien, ungewöhnliche Metaphern und eigenwillige Formulierungen prägen den Text. Das kann stellenweise faszinierend und originell wirken, führt jedoch oft zu einem Übermaß, das die Lesbarkeit erheblich erschwert.

Immer wieder stößt man auf Passagen, die so komplex oder überladen formuliert sind, dass man sie mehrfach lesen muss, um ihren Sinn überhaupt zu erfassen. Ein Beispiel ist auf Seite 292 die Formulierung: „Firth bemerkt, dass weite Teile dieses Bereichs schon zu nichts weiter als furzenden Mundstücken verkommen sind, die sich zu einem kollektiven Saufgulasch zusammenbechern.“ Solche Sätze hinterlassen weniger Klarheit als vielmehr Ratlosigkeit.

Zwar gewöhnt man sich mit der Zeit etwas an diesen Stil, doch stellt sich die Frage, ob Sprache hier noch als Mittel zur Verständigung dient oder zum Selbstzweck wird. Literarische Experimentierfreude ist grundsätzlich begrüßenswert, doch sollte sie nicht zu Lasten der Verständlichkeit gehen. Worte sollten nicht nur grammatisch korrekt, sondern auch sinnstiftend miteinander verbunden sein.

Insgesamt ist "Der letzte Leuchtturm" ein Roman, der durch seine Atmosphäre und seine ungewöhnliche sprachliche Gestaltung auffällt, dabei jedoch inhaltlich eher zurückhaltend bleibt. Wer Freude an sprachlichen Experimenten hat, könnte Gefallen daran finden. Leserinnen und Leser, die Wert auf Klarheit und erzählerischen Fluss legen, könnten hingegen an ihre Grenzen stoßen.

Ich finde sprachliche Experimente in Maßen eingesetzt gut. Hier ist wurde dieses Maß jedoch meiner Meinung nach überzogen.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Steril

Tödliche Freundinnen
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Die tödlichen Freundinnen sind Chloe und Mel. Auf Chloes Sweet-Sixteen-Party haben die beiden wohl Toby Dune umgebracht. Wie und aus welchem Grunde bleibt zunächst ungeklärt. Jedenfalls verschwindet Chloe ...

Die tödlichen Freundinnen sind Chloe und Mel. Auf Chloes Sweet-Sixteen-Party haben die beiden wohl Toby Dune umgebracht. Wie und aus welchem Grunde bleibt zunächst ungeklärt. Jedenfalls verschwindet Chloe danach für einige Jahre. Mel, die inzwischen zu einer guten Privatdetektivin geworden ist, bekommt den Auftrag von Chloes Familie, sie zu suchen, denn Chloes Vaters hat nur noch kurze Zeit zu leben und möchte seine Tochter noch einmal sehen.
Mel wird auch fündig und kann Chloe überreden, mit nach Hause zu kommen. Aber dann passieren einige Dinge, denn Tobys Familie ist offensichtlich auch hinter Chloe her.
Das liest sich eigentlich nach einem spannenden Krimi, jedenfalls hatte ich den erwartet. Aber Tess Sharpe nimmt eine so unsensible Haltung zu ihren Figuren ein, dass ich als Leser gar nicht anders konnte, als auch diese Haltung einzunehmen. Sharpe hat den Roman in viele Kapitel aufgeteilt. Dabei springt sie in der Zeit hin und her. Das macht es einigermaßen schwer, die Story zu verfolgen. Etwas einfacher wird es dadurch, dass sie über den Kapiteln immer angibt, wann das stattfindet. Das geschieht nicht durch reine Datumsangaben sondern durch relative Angaben wie "vier Wochen vor der Party" oder ähnlich. Dadurch findet man sich zeitlich besser zurecht.
Jedes Kapitel ist aus der Sicht einer der Protagonisten geschrieben. Der Name wird über den Kapiteln stets angegeben. Aber dann kommt das Problem. Sharpe erzählt nicht in der Ich-Form sondern berichtet sozusagen als Zuschauerin in recht nüchterner Form über das, was geschieht und was die jeweilige Person empfindet. Dabei blieben mir die Personen so unnahbar, dass ich mich nicht in sie hineinversetzen konnte und mitfühlen konnte.
Dadurch bleibt der ganze Roman auf einer niedrigen Spannungsstufe. Selbst bei gefährlichen Szenen, nimmt man zur Kenntnis, was geschieht, und das war es dann auch.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Ohne Schwung

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code (Die Mordclub-Serie 5)
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Der Donnerstagsmordclub hat wieder eine Aufgabe. Es geht um viel Geld und zwar in Form von Bitcoins. Nick Silver bittet Elisabeth um Hilfe, weil er eine Bombe unter seinem Wagen entdeckt hat. Nick verschwindet ...

Der Donnerstagsmordclub hat wieder eine Aufgabe. Es geht um viel Geld und zwar in Form von Bitcoins. Nick Silver bittet Elisabeth um Hilfe, weil er eine Bombe unter seinem Wagen entdeckt hat. Nick verschwindet und stattdessen wird seine Geschäftspartnerin Holly Lewis Opfer einer Autobombenexplosion. Holly und Nick haben in vielen Jahren ein großes Vermögen an Bitcoins angesammelt. Das wollen sie jetzt umtauschen. Die Nummer des Kontos ist in einem Safe verschlossen. Die Kombination für den Safe besteht aus 12 Ziffern. Jeweils 6 davon kennen Holly und Nick. Holly ist tot und Nick verschwunden.

Da könnte jetzt ein toller spannender Krimi entstehen. Aber diese Chance wurde verspielt. Die Handlung zieht sich zäh dahin. Immer wieder unterbrochen von Nebensächlichkeiten, die den Roman charmanter machen sollen. Aber hier gibt es davon zu viel. Immer wenn man meint, jetzt geht es weiter, kommt wieder so ein Einsprengsel. Dazu kommen mehrere Handlungsstränge, die ebenfalls für Durcheinander sorgen. Ich hätte den Roman lieber etwas stringenter gehabt. Eine Chance wurde vertan.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Mehr erwartet

No Way Home
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Drei ist einer zu viel. Das ist die Erkenntnis, die diesen Roman kennzeichnet. Die drei sind Bethanie, Terry und Jesse. Bethanie war jahrelang mit Jesse, der Lehrer für Englisch ist, zusammen. Sie hat ...

Drei ist einer zu viel. Das ist die Erkenntnis, die diesen Roman kennzeichnet. Die drei sind Bethanie, Terry und Jesse. Bethanie war jahrelang mit Jesse, der Lehrer für Englisch ist, zusammen. Sie hat sich von ihm getrennt und ist mehr oder weniger mit Terry zusammen, der Assistenzarzt in Los Angeles ist.

Die Geschichte beginnt damit, dass Terrys Mutter gestorben ist und er sich in Nevada um das Begräbnis und das Haus der Mutter, das er geerbt hat, kümmern muss. Bethanie quartiert sich gegen seinen Willen bei ihm ein.

Es entwickelt sich ein kompliziertes Verhältnis zwischen Terry und Bethania, wobei Bethania aber auch von Jesse nicht so richtig los kommt. Von diesem Hin und Her ist der gesamt Roman gekennzeichnet.

Ich bin nach der Lektüre nicht so sehr begeistert. Sprachlich ist nichts auszusetzen. Aber inhaltlich verlässt T. C. Boyle doch sehr die mögliche Realität. Vor allem die Person Terry, der offensichtlich ein guter Arzt ist, ist sehr unrealistisch gekennzeichnet. Ich kann zum Beispiel nicht nachvollziehen, dass er sich, obwohl er aus gutem Grund sehr zornig auf Bethania ist, durch ein oder zwei Sätze von ihr total besänftigen lässt.

Der ganze Roman erscheint mir recht lieblos niedergeschrieben zu sein. Richtig große Emotionen fehlen, die Handlung plätschert dahin. Spannung? Fehlanzeige.

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