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Veröffentlicht am 28.10.2025

Ein außergewöhnlicher Agententhriller

Kälter
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Das Cover von „Kälter“ ist auffällig und passt zum Titel. Blau symbolisiert Kälte, rot eventuell Blut, das in diesem Agententhriller in Strömen fließt.
Das Riesenrad könnte ein Symbol für die Endlosdrehung ...

Das Cover von „Kälter“ ist auffällig und passt zum Titel. Blau symbolisiert Kälte, rot eventuell Blut, das in diesem Agententhriller in Strömen fließt.
Das Riesenrad könnte ein Symbol für die Endlosdrehung des eigenen Lebens sein, ein vorgegebenes Schicksal, dem man (hier die Protagonistin Lucy) nicht entfliehen kann.
Lucy, muss sich, nach 8 Jahren Polizeidienst auf der “gemütlichen“ Insel Amrum, einem Killerkommando stellen. Ihre Vergangenheit holt sie wieder ein, sie muss deswegen ihre körperliche Fitness und ihre alten Fähigkeiten wieder aktivieren, um eine erbarmungslose Waffe zu werden. Eine tödliche Jagd zwischen Geheimdiensten und alten Feinden beginnt, die sie von Amrum über Berlin, Wiesbaden, Marseille, Wien und eine Wüste führt. Sie ist dabei auf der Jagd nach ihrem Todfeind Babel, von dem sie angenommen hatte, dass er ermordet worden sei, doch diese Annahme war falsch.Wer wird aus diesem “Krieg“ als Sieger hervorgehen?
Das Ende ist spannend und doch ein wenig vorhersehbar. Der Plot ist interessant und sehr abwechslungsreich aufgebaut. Perspektivwechsel und Rückblenden runden die Action ab.
Als Jugendlicher in den 70ern und als junger Erwachsener in den 80er Jahren aufgewachsen, kann ich mich gut an die politischen Verhältnisse erinnern. Aber Pflüger, obwohl perfekte Recherchearbeit vorausgegangen ist, vermischt bewusst historische Bezüge und fiktive Elemente des kalten Krieges miteinander. Die Zeit des Mauerfalls findet besondere Beachtung, denn die politischen Verhältnisse ändern sich dramatisch. Geheimagenten wechseln die Seiten und müssen befürchten, enttarnt zu werden. Wem kann man noch vertrauen? Moral und Loyalität scheinen vergessen.
Mit Lucy Morgenroth ist keine Identifikation möglich, denn sie ist keine Protagonistin im herkömmlichen Sinn, sondern in ihrer Komplexität kaum zu verstehen.Ihre Vergangenheit hat Risse, sie ist ständig auf Identitätssuche und Vergangenheitsbewältigung. Pflüger stellt sie uns scheibchenweise vor, teils einfühlsam, menschlich, aber hauptsächlich als erbarmungslose Killerin.
Generell haben alle Figuren Tiefe und Authentizität, allerdings macht die Vielzahl an Personen den Lesefluss mühsam. Der Spannungsbogen hat im Mittelteil leider einige Längen, jedoch bleibt er bis zum Schluss erhalten.
Der Schreibstil unterstützt die atmosphärische Gewalt, die Grausamkeiten, die Härte der Handlung. Pflüger hat einen sehr speziellen Schreibstil, versetzt mit Metaphern, Symbolen und teilweise komplizierter Wortwahl aus dem Bereich des Geheimdienstwesens, die Insiderwissen voraussetzt. Manchmal wirkt der Stil auch fast poetisch. Die Aussagen der Satzkonstruktionen sind oft nicht leicht verständlich und erfordern Innehalten und mehrfaches Lesen. Musik- und Filmtitel sind geschickt in die Handlung eingestreut. Die Dialoge zwischen Lucy und ihrem Kollegen sind oft voll trockenem Humor, auch ironisch und witzig.
Der Autor vermittelt gleichzeitig verschiedene Ebenen und verlangt eine gebildete Leserschaft, die sich auf die grausamen Fakten, die historischen Bezüge und die Dichte der Atmosphäre einlässt.
Für mich präsentiert Pflüger in “Kälter zu viel Brutalität, zu viele Morde und ein teilweise übermenschliches Verhalten der Protagonistin, daher nur 4,5 Punkte.

Veröffentlicht am 16.09.2025

Show-Down in der Wüste

No Way Home
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Das Cover ist unspektakulär und könnte den Kontrast zwischen Wüste und Großstadt( L. A.) andeuten. Die herabschauende Frau wirkt nicht sehr sexy, daher erkenne ich in ihr nicht die attraktive Bethany. ...

Das Cover ist unspektakulär und könnte den Kontrast zwischen Wüste und Großstadt( L. A.) andeuten. Die herabschauende Frau wirkt nicht sehr sexy, daher erkenne ich in ihr nicht die attraktive Bethany. Was soll das Cover also evozieren?
Inhaltlich geht es in diesem Roman um den Assistenzarzt, Terrence Tully, der, Anfang dreißig, in einem Krankenhaus in Los Angeles 14 Stunden täglich , an 6 Tagen pro Woche arbeitet. Er lebt allein in einer kleinen Wohnung und hat wenige Sozialkontakte. Wie üblich in den USA, muss er einen sehr hohen Studienkredit abzahlen. Sein Leben besteht also aus Arbeiten und Lernen für die Facharztprüfung und als seine Mutter, die in Boulder ( Nevada) lebt, plötzlich verstirbt, erbt er ihr Haus, ihr Auto, Geld und ihren Hund. Er ist also ein „Guter Fang“ für die 24-järige Bethany, die sich in einer Bar an ihn heranmacht. Terrence möchte das Haus verkaufen, jedoch zieht seine neue Freundin unerlaubterweise in das Haus seiner Mutter ein und quartiert frecherweise auch noch eine Freundin im Gästezimmer ein. Bethany ist sehr unverschämt und übergriffig, wickelt Terrence immer wieder ein und nutzt ihn finanziell und sexuell aus, ohne dass er etwas dagegen tun kann, denn er ist ihr verfallen. Wie kann ein intelligenter, zwar nüchterner Mann, diesem Weibstück dermaßen auf den Leim gehen?
Es kommt aber noch besser, denn sie hat noch Kontakt zu ihrem Ex-Freund, der Bethany nicht hergeben will. Jesse ist das Gegenteil von Terrence. In einer enganliegenden Motorradkluft wirkt er attraktiv und sexy. Hier arbeitet T.C. Boyle stark mit Stereotypen und präsentiert uns einen trunksüchtigen Macho, der zwar Lehrer an einer Junior-Highschool ist, ständig pleite ist und sich wenig normenkonform verhält, daher wirkt er wenig glaubhaft auf mich.
Terrence kommt nur manchmal zu Besuch aus L.A. und muss erfahren, wie wenig zuverlässig Bethany ist und, dass sie ihn betrügt. Es kommt zum Show-Down zwischen den Männern! Eifersucht, Lügengebilde und Rachsucht kennzeichnen ihr Verhalten.
Der Schluss kommt sehr abrupt und ist offen gehalten. Er hinterlässt den Leser, die Leserin zwar mit der eingehenden Beschäftigung zu dieser Thematik, ist für mich aber unbefriedigend. Das Ende könnte auch mit dem Titel “No way home“ interpretiert werden.
Boyle hat die Charaktere, wie immer, sehr präzise beschrieben. Allerdings sind alle drei, zu klischeehaft, so dass ich mich mit keiner/ keinem identifizieren kann.
Realistisch ist die Kritik an der amerikanischen Konsumgesellschaft, wo Obdachlosigkeit, Armut und eine schlechte Gesundheitsversorgung an der Tagesordnung sind. Der Drogenkonsum der drei Hauptakteure ist ebenfalls erschreckend!
Gut gefällt mir die Erzählstruktur, denn die Geschichte ist abwechselnd aus der Perspektive der drei Personen erzählt, was einem einen sehr guten Einblick in die jeweilige Denkstruktur ermöglicht.
Sprachlich arbeitet Boyle, wie immer, mit gekonnten Bildern und einer mitreißenden, flüssigen Diktion. Ich kenne mehrere Werke von T. C. Boyle und bin jedes Mal überrascht, wie unterschiedlich die Werke sind. Hier gebe ich aber nur 4,5 Punkte

Veröffentlicht am 30.06.2020

Leises Sterben

Kostbare Tage
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Kent Harufs Werk „ Kostbare Tage“ wurde aus dem Amerikanischen übersetzt und repräsentiert in vielerlei Hinsicht eine typische amerikanische Kleinstadt, mit Bewohnern, die noch niemals gereist sind, aber ...

Kent Harufs Werk „ Kostbare Tage“ wurde aus dem Amerikanischen übersetzt und repräsentiert in vielerlei Hinsicht eine typische amerikanische Kleinstadt, mit Bewohnern, die noch niemals gereist sind, aber bei auftauchenden Problemen zusammenhalten und sich gegenseitig helfen. Eigenschaften, die in Deutschland zunehmend verloren gehen. Auch die Funktion der Kirche dort wird gut herausgearbeitet.
Was will uns der Autor aufzeigen? Eine ländliche Idylle mit einfach gestrickten Menschen, die sich in ihr eigenes Schicksal und das anderer Menschen ergeben. Der Autor arbeitet in ruhigen und einfachen Worten die Situation um den krebskranken Dad Lewis, der nur noch kurze Zeit zu leben hat, heraus. Er präsentiert Menschen in ihrem normalen Alltag mit den Problemen, aber auch Freude und Glück. Dabei werden die unterschiedlichen Nachbarn gegenübergestellt.
Das qualvolle Sterben wird detailliert beschrieben und konfrontiert den Leser mit seinem eigenen möglichen „Abgang“. Dad muss sein Erbe regeln. Dabei kommen viele Erinnerungen in sein Gedächtnis, die den Abschied umso schwerer machen. Zwar kümmern sich seine Frau Mary und seine Tochter Lorraine aufopfernd um ihn, aber sein homosexueller Sohn Frank ist vor der engstirnigen Enge der Kleinstadt geflohen und will nichts mehr mit seinen Eltern zu tun haben.
Die Thematik, das Sterben eines Menschen wir gut und unspektakulär in Szene gesetzt. Schuld und Vergebung, Hass, Verbundenheit und Pflichtbewusstsein werden angetippt. Diese Probleme existieren in Jedermanns Leben und machen das Werk universell. Es ist keine einfache Urlaubslektüre, sondern soll, trotz aller Banalität, zur Selbstreflexion anregen.

Veröffentlicht am 16.04.2026

Ein außergewöhnlicher Roman

Verlorene Schäfchen
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Das Cover in warmem Gelb evoziert Harmonie, und das typische amerikanische Mittelschichthaus mit den Säulen und der US-Flagge davor sowie einer großen Schönwetterwolke darüber, vermittelt “Heile Welt“. ...

Das Cover in warmem Gelb evoziert Harmonie, und das typische amerikanische Mittelschichthaus mit den Säulen und der US-Flagge davor sowie einer großen Schönwetterwolke darüber, vermittelt “Heile Welt“. Aber wie passt der Titel “Verlorene Schäfchen“ dazu?
Bud, der Familienvater, flieht in seiner Ohnmacht, da seine Ehefrau eine offene Ehe führen will, zu dieser so benannten Selbsthilfe-Gruppe. Aber der Titel könnte sich auch auf alle Mitglieder dieser komplett orientierungslosen Familie beziehen, wobei jeder nach Sicherheit und Selbstfindung sucht.
Die Autorin lässt die Flynns in einer absurden und total überzeichneten Welt in einer typischen amerikanischen Kleinstadt leben, wo die Verbindung zur Kirche wichtig ist. Allerdings ist auch Pater Andrew nur mit einem Augenzwinkern zu verstehen.
Mutter Catherine leidet an einer Sinnkrise, und auch ihre Töchter versuchen in dieser Lebenskrise zurechtzukommen, so dass sie sich ungewöhnlichen “Ankerpunkten“ zuwenden. So wähnt sich Harper, die Jüngste, einer großen Verschwörung auf der Spur, Louise hat einen fundamentalistischen Online – Freund und Abigail wendet sich einem sehr schweigsamen jungen Mann zu, der “Kriegsverbrecher Wes“ genannt wird.
Es laufen etliche Plot-Anteile kreuz und quer. Die Perspektiven wechseln häufig, wodurch eine gewisse Spannung erhalten bleibt. In ihrem flüssigen Schreibstil vermittelt Madeline Cash viel Ironie, Sarkasmus und trockenen Humor. Die Figuren sind liebenswert gezeichnet, jedoch werden ganz alltägliche Dinge oft parodiert.
Sicherlich hat Cash einen sehr ungewöhnlichen Familienroman geschrieben, aber für meinen Geschmack ist vieles skurril, überdreht und absurd. Soll man dieses Werk so gar nicht ernst nehmen? Das Ende des Plots ist teilweise schlüssig und könnte Fans von literarischen Romanen mit Satire gefallen. Für mich gibt es allerdings zu wenig Realitätsgehalt, daher 4 Punkte

Veröffentlicht am 25.02.2026

Erschreckende Geheimnisse in Kinlough

Kala
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Im stimmungsvollen Setting des Covers erleben wir die Natur Irlands mit Jugendlichen im hohen Gras, wobei eine Person durchgestrichen ist. Ist das Kala, die Namensgeberin des Werkes? Kala ist nämlich der ...

Im stimmungsvollen Setting des Covers erleben wir die Natur Irlands mit Jugendlichen im hohen Gras, wobei eine Person durchgestrichen ist. Ist das Kala, die Namensgeberin des Werkes? Kala ist nämlich der Dreh- und Angelpunkt, an dem die gesamte Problematik dieses kleinen Ortes, Kinlough, an der Westküste Irlands, aufgedröselt wird.
6 Jugendliche erleben in 2003 den Sommer ihres 16-jährigen Lebens mit viel Alkohol, Zigaretten und heimlichen nächtlichen Erkundungstouren. Dabei werden sie in gefährliche Dinge verwickelt. Kurz nach Halloween verschwindet die mutterlose Kala, die bei ihrer Großmutter aufwächst, dann spurlos.
Die Polizei ermittelt nur schlampig, so dass ihr Verbleib niemals aufgeklärt wird.
15 Jahre später treffen sich Joe, Mush und Helen zur Hochzeit von Helens Vater mit der Mutter von Aidan, ehemals Cliquenmitglied, der inzwischen Selbstmord begangen hat. Sie bringt ihre Zwillinge Marie und Donna mit in die Beziehung.
Joe konnte eine Karriere als erfolgreicher Musiker starten, Mush hat den Ort niemals verlassen, hilft seiner Mutter im Café, und Helen arbeitet als freiberufliche Journalistin in Montreal.
Die drei Freunde hatten sich aus den Augen verloren und werden nun durch den Fund von Kalas Leiche wieder zusammengeschweißt, denn es gilt zu ermitteln, wer ihre Freundin ermordet hat. Sie fühlen sich irgendwie mitverantwortlich und schuldig. Plötzlich sind dann auch die Zwillinge verschwunden. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Kalas Tod und den aktuellen Ereignissen?
Es werden unglaubliche Dinge ans Tageslicht befördert und sehr viele Fragen aufgeworfen. Woher kommen Mushs Narben, wer hat Kalas Schädel zertrümmert, wo sind die Zwillinge, wer sind Kalas Mutter und ihr Erzeuger, welche Funktionen haben Onkel Ger und seine Neffen, was weiß Blinkie?
Leider steigt die Spannungskurve erst im letzten Drittel, denn die Entwicklung der 3 Jugendlichen wird unnötig detailliert beschrieben und ist nicht sehr spannend. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, aus der Perspektive der 3 Freunde, wobei deren Entwicklung und Werdegang thematisiert wird. Die Auflösung kann nicht erraten werden. Das würzt die Handlung. Es werden Kriminalität, Korruption, Brutalität und soziale Strukturen im katholischen Irland angeprangert.
Der Schreibstil mit den vielen Personen, dem komplizierten Plot, der ständig wechselnden Perspektive und dem unangekündigten Wechsel der Erzählzeit macht die Lektüre manchmal mühsam, hinzu kommen die Längen im ersten Teil. Deshalb von mir ein Punkt Abzug.
Allerdings hat mir die Thematisierung der Freundschaft, die Sozialstudie und die Ermittlung des Cold Cases durch die 3 Freunde sehr gefallen.