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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.04.2026

Tolle Thematik

EDEN - Wenn das Sterben beginnt
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Marc Elsberg ist für mich jemand, der über große, brennende Themen schreiben kann wie kaum ein anderer. Auch mit Eden setzt er genau so ein Szenario auf: Es geht um Umwelt, Macht, Kapital, politische Trägheit ...

Marc Elsberg ist für mich jemand, der über große, brennende Themen schreiben kann wie kaum ein anderer. Auch mit Eden setzt er genau so ein Szenario auf: Es geht um Umwelt, Macht, Kapital, politische Trägheit und technologische Warnsysteme. Mit all diesen Zutaten kredenziert uns Elsberg also einen überaus ambitionierten Roman, der doch erschreckend nah in der Zukunft liegen könnte.

Eden ist dann am besten, wenn Marc Elsberg zeigt, wie eng ökologische Krisen, wirtschaftliche Interessen und politische Entscheidungen miteinander verflochten sind. Das ist klug und hervorragend recherchiert, brandaktuell und über weite Strecken auch wirklich interessant. Gerade die Mischung aus Wissenschaft, Politik, Thriller und auch Gesellschaftsanalyse hat mir enorm gefallen.

Die Figuren konnten mich ebenfalls überzeugen. Sie machen dieses riesige, globale Szenario definitiv greifbarer und sorgen dafür, dass der Roman nicht nur bei Daten, Prognosen und Katastrophenbildern stehenbleibt. Vor allem zu Beginn entsteht dadurch ein Lesesog, dem man nur schwerlich entkommen kann.

Jetzt kommt aber auch ein Aber: Eden will irgendwann zu viel auf einmal. Es gibt zu viele Perspektiven, zu viele Schauplätze und zu viele Zuspitzungen in kurzer Zeit. Klar, Tempo ist drin, aber das nimmt der Geschichte hin und wieder auch etwas Tiefe. Man springt oft so schnell weiter, dass einzelne Momente kaum nachwirken konnten. Statt sich stärker in die wirklich spannenden Fragen zu verbeißen, setzt der Thriller später stärker auf Eskalation und Action. Das liest sich wahrlich nicht schlecht, aber es wirkt stellenweise doch etwas überladen.

Nicht falsch verstehen, Eden ist einfach Peak, was Unterhaltung angeht. Aber gerade weil das Grundgerüst so stark ist, hätte ich mir an manchen Stellen tatsächlich mehr Tiefe gewünscht. Eden bleibt ein spannender und hochaktueller Thriller mit einem richtig guten Setting, der mich inhaltlich absolut abgeholt hat, erzählerisch aber etwas zu vollgepackt und zu hektisch rüberkommt und sich leider so die Höchstwertung vermiest.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

Toller Abschluss

Löwenherzen
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Jones beendet seine Essex Dogs-Trilogie und verzichtet komplett auf romantisierte Ritterfantasien. Stattdessen bekommt man ein raues, ehrliches Bild einer Welt im Krieg und Umbruch. Krieg ist hier kein ...

Jones beendet seine Essex Dogs-Trilogie und verzichtet komplett auf romantisierte Ritterfantasien. Stattdessen bekommt man ein raues, ehrliches Bild einer Welt im Krieg und Umbruch. Krieg ist hier kein Abenteuer, sondern Alltag. Dreckig, erschöpfend und oft sinnlos.

Die Handlung setzt nach den großen Schlachten des Vorgängers ein. Die Gruppe ist zerstreut. Loveday versucht, sich in Winchelsea ein ruhiges Leben aufzubauen, was in dieser Zeit fast schon naiv wirkt. Stattdessen rutscht er in Schmuggel und kriminelle Strukturen ab.
Parallel dazu erleben wir Romford am Hof in Windsor: Prunk, Intrigen und Machtspiele. Aber auch hier ist der Glanz nur Fassade. Die Folgen der Pest sind überall spürbar.

Das Besondere am Buch? Es geht nicht um Könige. Nicht um die große Helden.
Sondern um Menschen, die einfach nur versuchen zu überleben und den Krieg zu überstehen.

Die Essex Dogs sind müde, desillusioniert und oft Spielball einer Welt, die sie nicht kontrollieren können. Das zeichnet die Reihe seit jeher aus. Auch die Figurenentwicklung ist richtig gut gelungen. Wer die Reihe kennt, wird auch hier wieder abgeholt. Gerade Lovedays Geschichte hat mich ziemlich beeindruckt.

Erzählerisch ist das Ganze diesmal etwas anders aufgebaut. Der Einstieg braucht ein bisschen, aber sobald die Handlungsstränge zusammenlaufen, zieht das Buch richtig an. Die Wendungen im Mittelteil haben mich auf jeden Fall überzeugen können. Kritischer sehe ich das Ende: Das Finale kommt dann doch überraschend schnell und wirkt im Vergleich zum Aufbau etwas knapp. Da wäre deutlich mehr drin gewesen, vor allem weil Jones sich solche "Schnitzer" normalerweise eher nicht erlaubt. Auch sprachlich muss man sich drauf einlassen. Teilweise sehr moderne Ausdrucksweisen, das passt nicht immer perfekt zur Zeit, muss man so hinnehmen.

Dennoch bleibt unterm Strich ein starker, ehrlicher Abschluss, der weniger auf Spektakel setzt, sondern auf Figuren, Atmosphäre und ein glaubwürdiges Bild des Mittelalters. Die Essex Trilogie bleibt eine starke historische Reihe rund um den 100- jährigen Krieg und ich hoffe, der Autor legt nach.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Sehr gelungen

Das Reich der Rose
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Frankreich, 1293. Das Land ist in Aufruhr, der Templerorden steht unter Druck, Misstrauen und Machtkämpfe liegen in der Luft. Mitten hinein in diese unruhige Zeit schickt Daniel Wolf seinen jungen Protagonisten ...

Frankreich, 1293. Das Land ist in Aufruhr, der Templerorden steht unter Druck, Misstrauen und Machtkämpfe liegen in der Luft. Mitten hinein in diese unruhige Zeit schickt Daniel Wolf seinen jungen Protagonisten Constantin Fleury. Als Knappe zweifelt er nicht nur an seiner Eignung zum Ritter, sondern auch an sich selbst. Der Auftrag, einen sagenumwobenen Stein mit heilender Wirkung zu finden, klingt zunächst wie eine Bewährungsprobe, entwickelt sich jedoch rasch zu einer Reise, die ihn körperlich wie seelisch an seine Grenzen bringt.

Was diesen Roman besonders macht, ist die Art, wie der Autor die Geschichte zum Leben erweckt. Von den Nachwirkungen der Kreuzzüge bis in die verschlammten Straßen französischer Städte entfaltet sich ein Panorama, das stark recherchiert wirkt, Dabei begegnen uns Intrigen, Verrat, Loyalität und Freundschaft. Übergeordnet verknüpfen sich dabei mehrere Handlungsstränge geschickt miteinander, sodass der Lesespaß über weite Strecken erhalten bleibt.

Trotz des Umfangs bleibt die Erzählung recht zugänglich. Die Figuren stehen im Mittelpunkt, so wie ich das mag. Am Ende bleibt eine abgeschlossene Geschichte, die einen zufrieden zurücklässt, aber auch durchaus Lust auf mehr macht.

Für mich ist „Das Reich der Rose“ ein starker historischer Roman, mit tollen Figuren und einem Setting, das ich ohnehin sehr gerne lese. Wer Mittelalterromane liebt, die Abenteuer und Charakterentwicklung verbinden, sollte hier definitiv zugreifen.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Toller Solarpunk Ansatz

AMATEA
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AMATEA: Memoirs of the Last City nimmt sich Zeit, manchmal sehr viel Zeit, und genau das ist auch seine Stärke. Saskia Karges legt keinen einfachen Zukunftsroman vor, sondern eine intensive, oft unbequeme ...

AMATEA: Memoirs of the Last City nimmt sich Zeit, manchmal sehr viel Zeit, und genau das ist auch seine Stärke. Saskia Karges legt keinen einfachen Zukunftsroman vor, sondern eine intensive, oft unbequeme Auseinandersetzung mit Verantwortung, Schuld und der Frage, wie viel Menschlichkeit man zu opfern bereit ist, wenn man glaubt, für eine größere Sache zu handeln.

Im Mittelpunkt steht Ruth Bernstein. Schon als Kind weiß sie, wohin ihr Weg führen soll: Sie will Stadtplanerin werden. Städte sollen gerechter, nachhaltiger, lebenswerter sein. Unterforderung und Mobbing, nicht nur durch Mitschüler:innen, sondern auch durch Lehrkräfte, prägen ihre Schulzeit. Erst später wird erkannt, dass sie hochbegabt ist.

Ein Stipendium führt Ruth an die Universität. Dort entwirft sie Amatea: eine visionäre Zukunftsstadt, ressourcenschonend und autark, gedacht als Modell für eine bessere Welt. Doch ein schwerer familiärer Schicksalsschlag reißt sie aus allem heraus. Ruth bricht ab, lässt Studium, Karriere und Amatea hinter sich und beginnt noch einmal gänzlich neu.

Jahre später holt sie ihre Vergangenheit ein. Amatea existiert noch, übernommen und weiterentwickelt von einem mächtigen Konsortium. Aus der einstigen Vision ist ein gigantisches Projekt geworden, das zunehmend beängstigende Züge annimmt. Lügen, Machtspiele und moralisch fragwürdige Entscheidungen bestimmen nun das Bild. Aus Solarpunk wird Dystopie.

Besonders eindrucksvoll ist dabei die moralische Grauzone, in der sich der Roman bewegt. AMATEA stellt unangenehme Fragen: Darf man Menschen opfern, um den Planeten zu retten? Wie viel Schuld trägt jemand, dessen Idee missbraucht wurde? Ab wann wird Wegsehen zur Mitschuld?

Kleinere Schwächen gibt es bei der Länge, einigen sehr ausführlichen Passagen und etwas abrupten Zeitsprüngen. Dennoch überwiegt klar die Atmosphäre: Der Wandel von Hoffnung zu Verzweiflung ist glaubwürdig und wirkt lange nach.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Toller Ratgeber

Yoshuku
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„Yoshuku – Die japanische Kunst, Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen“ von Azumi Uchitani ist ein interessanter Ratgeber, der sich mit Manifestationen beschäftigt. Es geht hier nicht darum, das Leben ...

„Yoshuku – Die japanische Kunst, Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen“ von Azumi Uchitani ist ein interessanter Ratgeber, der sich mit Manifestationen beschäftigt. Es geht hier nicht darum, das Leben von Grund auf zu verändern, sondern den Blick auf das zu lenken, was wir uns wünschen und wie wir diesen Wünschen Raum geben können. Yoshuku bedeutet dabei übersetzt so viel wie „im Voraus feiern“. Die Idee dahinter: Ein japanischer Brauch, ein wichtiges Ereignis im Leben, auf dessen Eintreffen wir hoffen, im Voraus zu feiern. Diese Haltung schafft Zuversicht, Leichtigkeit und Dankbarkeit.

Ich fand diesen Ansatz ganz interessant, weil er sich von der oft so rationalen westlichen Sichtweise unterscheidet. Statt etwas zu erzwingen, geht es darum, Vertrauen zu entwickeln, in das Leben, in die eigenen Schritte, in das, was kommen darf und was wir uns wünschen. Gerade für Menschen, die sich mit Mental Health beschäftigen, kann das ein interessanter Ratgeber sein.

Das Buch enthält kleine Übungen, die leicht umzusetzen sind, und Impulse, über die man länger nachdenkt, als man vielleicht erwartet. Natürlich kann man darüber streiten, ob Manifestation tatsächlich „funktioniert“. Aber vielleicht geht es gar nicht darum. Vielleicht ist Yoshuku eher eine Haltung, eine Art, bewusster durchs Leben zu gehen und den eigenen Fokus zu verändern.

Für mich war das Buch logischerweise kein Gamechanger, aber eine angenehme Erinnerung daran, dass wir nicht alles kontrollieren und erzwingen müssen. Manchmal reicht es, innezuhalten, dankbar zu sein und darauf zu vertrauen, dass gute Dinge ihren Weg in unser Leben finden. Wer sich gern mit Themen wie Achtsamkeit, innerer Ruhe und bewusster Lebensgestaltung beschäftigt, findet hier definitiv ein paar schöne Denkanstöße.

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