Tolle Thematik
EDEN - Wenn das Sterben beginntMarc Elsberg ist für mich jemand, der über große, brennende Themen schreiben kann wie kaum ein anderer. Auch mit Eden setzt er genau so ein Szenario auf: Es geht um Umwelt, Macht, Kapital, politische Trägheit ...
Marc Elsberg ist für mich jemand, der über große, brennende Themen schreiben kann wie kaum ein anderer. Auch mit Eden setzt er genau so ein Szenario auf: Es geht um Umwelt, Macht, Kapital, politische Trägheit und technologische Warnsysteme. Mit all diesen Zutaten kredenziert uns Elsberg also einen überaus ambitionierten Roman, der doch erschreckend nah in der Zukunft liegen könnte.
Eden ist dann am besten, wenn Marc Elsberg zeigt, wie eng ökologische Krisen, wirtschaftliche Interessen und politische Entscheidungen miteinander verflochten sind. Das ist klug und hervorragend recherchiert, brandaktuell und über weite Strecken auch wirklich interessant. Gerade die Mischung aus Wissenschaft, Politik, Thriller und auch Gesellschaftsanalyse hat mir enorm gefallen.
Die Figuren konnten mich ebenfalls überzeugen. Sie machen dieses riesige, globale Szenario definitiv greifbarer und sorgen dafür, dass der Roman nicht nur bei Daten, Prognosen und Katastrophenbildern stehenbleibt. Vor allem zu Beginn entsteht dadurch ein Lesesog, dem man nur schwerlich entkommen kann.
Jetzt kommt aber auch ein Aber: Eden will irgendwann zu viel auf einmal. Es gibt zu viele Perspektiven, zu viele Schauplätze und zu viele Zuspitzungen in kurzer Zeit. Klar, Tempo ist drin, aber das nimmt der Geschichte hin und wieder auch etwas Tiefe. Man springt oft so schnell weiter, dass einzelne Momente kaum nachwirken konnten. Statt sich stärker in die wirklich spannenden Fragen zu verbeißen, setzt der Thriller später stärker auf Eskalation und Action. Das liest sich wahrlich nicht schlecht, aber es wirkt stellenweise doch etwas überladen.
Nicht falsch verstehen, Eden ist einfach Peak, was Unterhaltung angeht. Aber gerade weil das Grundgerüst so stark ist, hätte ich mir an manchen Stellen tatsächlich mehr Tiefe gewünscht. Eden bleibt ein spannender und hochaktueller Thriller mit einem richtig guten Setting, der mich inhaltlich absolut abgeholt hat, erzählerisch aber etwas zu vollgepackt und zu hektisch rüberkommt und sich leider so die Höchstwertung vermiest.