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Veröffentlicht am 20.04.2026

Das Gehöft

Das Gehöft
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Leo Brandt ist das Pseudonym von keinem geringeren als Richard Brandes, der bereits einige psychologisch angehauchte Krimis geschrieben hat. Und diese liebe ich, großartige Werke! Deswegen stand für mich ...

Leo Brandt ist das Pseudonym von keinem geringeren als Richard Brandes, der bereits einige psychologisch angehauchte Krimis geschrieben hat. Und diese liebe ich, großartige Werke! Deswegen stand für mich schon sehr früh fest, dass ich seinen neusten THRILLER auch unbedingt lesen werde.

Das Setting ist diesmal ganz besonders, denn es spielt auf der einsamen Hallig Westeroog in der Nordsee. Dort zieht es eine Gruppe von Freunden hin, sie haben nämlich ein Gehöft gekauft und wollen es ökologisch bewirtschaften. Lara mit ihrem Freund Henry und ihrem autistischen Bruder Malte. Dieser sorgt ab und an für Unruhe zwischen den Freunden. Außerdem ist Laras Freundin Silke mit ihrem Freund Kenan mit von der Partie. Die fünf sind scheinbar ganz alleine auf dieser Hallig, bis plötzlich ein Sturm aufzieht, die Funkverbindung getrennt wurde und sie nicht mehr von der Insel runterkommen. Die Strömung ist zu stark. Als Malte plötzlich verschwindet, verändert sich alles und Lara weiß nun nicht mehr wem sie vertrauen kann.

Die Geschichte startet direkt damit, dass die fünf auf der Hallig eintreffen und ihre Posten beziehen. Da wusste ich noch nicht so recht, wohin mich die ganze Story tragen wird. Aber als Lara dann beginnt, Dinge zu sehen, die die anderen irgendwie nicht sehen und ihr Bruder verschwindet, da kam ich aus dem Lesesog nicht mehr heraus. Ich hatte relativ früh einen Verdacht, und fand ihn sehr offensichtlich. Jedoch hat sich das von Kapitel zu Kapitel wieder geändert. Ich wusste irgendwann selbst nicht mehr wem ich trauen kann. Der Autor bringt zwischendurch immer mal wieder Ereignisse aus der Kindheit oder Jugend der Figuren mit ein. Diese gaben Rückschlüsse auf psychologische Traumata und gerade das fand ich super interessant, denn es ließ mich noch weiter spekulieren. So werden immer mal wieder kleine Hinweise gestreut und die Spannung war fast nicht auszuhalten. Die Atmosphäre war unheimlich stark,ich hab die Bedrohung, den Sturm und die Kälte förmlich gespürt. Diese Ausweglosigkeit war unheimlich.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Das Forsthaus

Das Forsthaus
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Der Klappentext hatte mich echt neugierig gemacht, und wenn alte Verbrechen mit der Gegenwart zusammenhängen, dann bin ich sowieso immer dabei.
Die Journalistin Katharina und ihr Mann Philip wagen einen ...

Der Klappentext hatte mich echt neugierig gemacht, und wenn alte Verbrechen mit der Gegenwart zusammenhängen, dann bin ich sowieso immer dabei.
Die Journalistin Katharina und ihr Mann Philip wagen einen Neuanfang und ziehen nach Mariensicht in den Westerwald. Dort haben sie ein altes Forsthaus gekauft, doch zu diesem gibt es einen grausamen Hintergrund: Hier ist vor einigen Jahren ein schlimmer Mordfall passiert. Was ist genau passiert, und ist die richtige Person im Gefängnis?

Was mir hier unglaublich gut gefallen hat, ist die abwechslungsreiche Schilderung der Ereignisse. Denn es gibt immer wechselnde Kapitel aus der Vergangenheit und dann wieder aus der Gegenwart. Die Vergangenheit rund um Flora hat mir total gefallen. Ich war sofort in der Geschichte drin und habe mit ihr sehr stark mitgefühlt. Ab einem gewissen Punkt, konnte ich mir schon denken, in welche Richtung das ganze gehen wird. Aber das war überhaupt nicht störend, es hat mich neugierig gemacht. In der Gegenwart möchte Katharina herausfinden, was in ihrem neu gekauften Haus eigentlich stattgefunden hat und warum alle aus dem Dorf schweigen. Ihr Job als Journalistin hilft ihr dabei. Zudem verändert sich ihr Mann zunehmend und sie sieht Dinge, die er vehement abstreitet.
Es finden einige Ermittlungen statt, was das Buch auch zu einem Kriminalroman macht. Dennoch hatte es für mein Empfinden auch zahlreiche Thrillervibes.

Ich wollte immer wissen wie es weitergeht und habe mich gefreut, wenn ich wieder zum (Hör)Buch greifen konnte.
Für mich ein richtig toller Krimi, der mich gut unterhalten konnte. Ich empfehle ihn sehr gerne weiter.

⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Toll!

Spiegelland
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Letztes Jahr hat Rebekka Frank mich mit "Stromlinien" umgehauen. Es war mein erster Roman nach sehr vielen Jahren, und ich habe ihn GELIEBT! Sie hat einen so anschaulichen Schreibstil und verwebt gekonnt ...

Letztes Jahr hat Rebekka Frank mich mit "Stromlinien" umgehauen. Es war mein erster Roman nach sehr vielen Jahren, und ich habe ihn GELIEBT! Sie hat einen so anschaulichen Schreibstil und verwebt gekonnt einzelne Handlungsstränge. Deswegen habe ich auch dem Erscheinungstermin von "Spiegelland" entgegengefiebert.

Spiegelland handelt von Elias, der 2025 nach einer schlimmen Aktion zu seiner Oma Catharina ins Moor flieht. Quasi "zeitgleich" gibt es Zeitsprünge ins Jahr 1999 wo Catharina mit ihrer Tochter Kira vor ihrem gewalttätigen Ehemann flieht und in ein Haus im Moor unterkommt. Dort versucht sie sich vor ihm zu verstecken und ein neues Leben aufzubauen. Doch im Haus stößt sie auf einen alten Teppich, der wie eine Schatzkarte zu lesen ist. Gemeinsam mit ihrer Tochter versucht sie herauszufinden, was die Zeichen zu bedeuten haben.
In einem weiteren Erzählstrang aus der Zeit um 1756 lernen wir dann weitere Personen kennen, die auch was damit zutun haben.

Mir haben die Zeitsprünge in die unterschiedlichen Jahre sehr gefallen. Der Autorin sind die Übergänge der Kapitel unheimlich gut gelungen, denn obwohl viele Jahre zwischen den Handlungssträngen liegen, knüpfen sie beinahe nahtlos aneinander an. Befinden sich Catharina und Kira gerade im Moor und schauen auf ein Grab, so steht Elias 2025 mit der älteren Catharina an genau der gleichen Stelle.

Das Thema Gewalt gegen Frauen war in diesem Werk sehr präsent, und zeigt wie es sich durch eine Familie ziehen kann. Der Strang um 1756 war für meinen Geschmack an der ein oder anderen Stelle etwas langatmig, sodass ich manches mal mit den Gedanken abgedriftet bin. Wenn es nur zwei Zeitebenen gegeben hätte, wäre es in meinen Augen einfach perfekt gewesen. Trotzdem war das Hintergrund Wissen natürlich sehr nützlich für die Geschichte.

Insgesamt ein starkes Buch, mit tollen Charakteren, einem sehr anschaulichen und plastischen Schreibstil sowie einem wichtigen Thema.

⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Erschreckend

Mama & Sam
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Ein Buch, welches mich ganz schön berührt hat. Und erst im Nachhinein habe ich hier herausgefunden, dass auch die Mutter der Autorin einem Love Scammer zum Opfer gefallen ist.

Die Mutter der Ich- Erzählerin ...

Ein Buch, welches mich ganz schön berührt hat. Und erst im Nachhinein habe ich hier herausgefunden, dass auch die Mutter der Autorin einem Love Scammer zum Opfer gefallen ist.

Die Mutter der Ich- Erzählerin verliebt sich im Internet in den berühmten Sam Heughan. Jedenfalls glaubt sie das. Doch es ist nur jemand, der sich als Sam ausgibt. Es folgen Monate intensiver Chats, Liebesbekundungen und Zahlungsverläufe. Ein Dreivierteljahr später ist sie tot. Und die Tochter steht nun in einer leeren Wohnung mit einem Haufen an Fragen und endlosen Chatverläufen.

Sarah Kuttner hat einen wirklich fantastischen Schreibstil. Sie schreibt klar, kurz und prägnant. Einfach auf den Punkt. Ohne viel Geschnörkel beschreibt sie die Dinge genauso wie sie sind. Im Buch gibt es sehr viel Schriftverkehr zwischen Mama und Sam. Und es wird deutlich, wie der Scammer sein Opfer immer weiter in den Strudel hineinzieht. Natürlich fragt man sich als außenstehende Person, wie man so etwas nicht merken kann. Aber auch hier schreibt die Autorin wieder, wie gekonnt er mit Liebesentzug, Liebesbekundungen, und Gaslighting umgeht. Mich hat die Thematik wirklich berührt und ich finde es gut, dass es nochmal so eine Aufmerksamkeit erhält, damit auch möglichst viele Menschen sensibilisiert werden.

Zusätzlich zum Buch kann ich übrigens das Hörbuch wärmstens empfehlen! Es wird zum Großteil von der Autorin selbst gelesen - und das hat mich direkt ab Minute 1 abgeholt, mega! - Chatverläufe werden dann von Anna Thalbach und Julian Horeyseck vertont.

Insgesamt ein starkes Buch,welches ich gerne empfehle.

⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Toll!

Zugvögel wie wir
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Eine Geschichte, die ganz leise und gemächlich immer mehr Raum einnimmt...

Eva ist Mitte Fünfzig, seit langer Zeit geschieden und mit ihrem Leben mehr als unzufrieden. Einer spontanen Eingebung folgend, ...

Eine Geschichte, die ganz leise und gemächlich immer mehr Raum einnimmt...

Eva ist Mitte Fünfzig, seit langer Zeit geschieden und mit ihrem Leben mehr als unzufrieden. Einer spontanen Eingebung folgend, peppelt sie einen jungen Kranich wieder auf, bindet ihm einen Sender um und folgt ihm mit dem Fahrrad nach Frankreich. Von Schweden aus ist das eine ganz schön lange Reise. Aber was hat sie schon zu verlieren?

Evas Gedanken nehmen von Kapitel zu Kapitel immer mehr Raum ein. Das Verhältnis zu ihrer Tochter ist überaus schwierig. Der Kontakt war lange Zeit auf Eis gelegt und so fällt es ihr schwer, die richtigen Worte zu finden als sie sie über ihre Reise informieren will. Sie schreibt, und löscht. Sie schreibt, und löscht wieder. Mit der Zeit gibt es Rückblicke in deren Vergangenheit und es wird deutlich, weshalb das Verhältnis so verfahren ist. Die Autorin schreibt dies sehr eindrücklich und echt. Ich habe mich an einigen Stellen wiedergefunden.
Eva fährt mit dem Rad immer weiter, erlebt Dinge die sie nicht mehr für möglich gehalten hat. Ihr begegnen Menschen, die einfach ihr Ding machen und dabei ein so großes Herz haben. Es lässt Eva umdenken. Auch ihre Leidenschaft zur Musik wird deutlich.
Das Lesen hatte etwas melancholisches, ruhiges, herzerwärmendes und entspanntes. Wo ich zu Beginn noch Schwierigkeiten hatte mich drauf einzulassen und in das Geschehen hineinzufinden, so war dies nach einem Drittel schon wieder vergessen. Das große Ganze hat mir unheimlich gut gefallen.

Ich hatte ganz tolle Lesestunden und spreche definitiv eine Leseempfehlung aus. Wem "Unter Wasser ist es still" gefallen hat, wird auch dieses mögen.

⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen

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