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Veröffentlicht am 25.02.2018

»Rekorder« konnte nur mit seinem Klappentext überzeugen. Tolle Idee, leider komplett ohne Spannung und Tiefgang.

Rekorder
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Als ich den Klappentext von John Darnielles „Rekorder“zum ersten Mal überflogen hatte, klang das alles nach einem sehr spannenden Buch, vielleicht sogar ein wenig zu gruselig für mich. Obwohl ich kein ...

Als ich den Klappentext von John Darnielles „Rekorder“zum ersten Mal überflogen hatte, klang das alles nach einem sehr spannenden Buch, vielleicht sogar ein wenig zu gruselig für mich. Obwohl ich kein Fan von Thrillern, Krimis und Horror-Büchern bin, habe ich mich getraut und „Rekorder“ gelesen. Doch der Klappentext wurde irgendwie nicht umgesetzt. Klar gab es diese gruseligen Filmschnipsel auf den Kasssetten, aber von Spannung, Horror oder Psycho-Thriller keine Spur. Das Buch ist in mehrere Teile gegliedert, die verschiedene Handlungsstränge aufgreifen: Während wir zu Beginn des Buchs die mysteriösen Ausschnitte auf den Kassetten in einer Videothek Ende der 90er kennenlernen und die Protagonisten Jeremy und Sarah Jane, die Inhaberin der Videothek, versuchen, sich darauf einen Reim zu machen, landen wir in einem anderen Part plötzlich mitten in den 50ern, wo die Mutter der Frau, die vermeintlich in den Videos zu sehen ist, aufwächst, ihren Mann kennenlernt und sich der Religion zuwendet. Die Videotheksinhaberin freundet sich derweil in den 90ern mit Lisa an, während Jeremy und eine Bekannte namens Stephanie sich immer mehr mit den Bändern beschäftigen. Wer hat sie aufgezeichnet? Was ist hier wirklich zu sehen? Und sollte sich nicht jemand an die Polizei wenden?

Ich muss gestehen, dieses Buch hat mich mehr verwirrt als alles andere. Die Erzählstränge waren besonders zu Beginn des Buches nicht überschaubar und nach dem ersten Wechsel aus den 90ern und hinein in die 50er denkt man sich als Leser „Wie, das wars jetzt?“ Zugegeben, der Part über Lisas Mutter und Vater, das bescheidene Leben in Iowa, all das hat mich mehr interessiert als die eigentliche Haupthandlung in der Videothek. Dass man hier die Hintergründe erfährt über Lisa, die natürlich die Protagonistin der Videos ist, wird relativ schnell klar, doch der wirkliche Knackpunkt erfolgt erst, nachdem man 200 Seiten tief im Buch ist. Man erfährt, was Lisas Mutter dazu gebracht hat, das zu tun, was sie getan hat, und wie Lisa damit ihr Leben lang umzugehen versucht. Dass Jeremy in der Haupthandlung in den 90ern charakteristisch nur angerissen wird und keinen wirklichen aktiven Part hat, finde ich sehr schade. Generell sind die Charaktere, bis auf Lisas Mutter, meiner Meinung nach allesamt nur Skizzen und sehr wenig ausgefleischt — mit Ausnahme vielleicht von Jeremys Vater, der nach dem Tod seiner Frau versucht, sein Leben irgendwie weiterzuleben. Nicht einmal Jeremy, den eigentlichen Protagonisten, lernen wir genug kennen, damit er uns sympathisch werden könnte. Generell finde ich keinen einzigen Charakter aus „Rekorder“sympathisch oder könnte mich mit ihm identifizieren, weil einfach die Substanz fehlt.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/john-darnielle-rekorder

Veröffentlicht am 21.01.2018

Spannendes Jugendbuch, das Hauptthema wird aber leider nur oberflächlich behandelt.

Der Pfad - Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit
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Mit „Der Pfad“ von Rüdiger Bertram zog das erste reine Jugendbuch seit langer Zeit bei mir ein. Ich wurde neugierig auf das Buch, als ich las, dass es um einen Weg quer durch die Berge geht – denn irgendwie ...

Mit „Der Pfad“ von Rüdiger Bertram zog das erste reine Jugendbuch seit langer Zeit bei mir ein. Ich wurde neugierig auf das Buch, als ich las, dass es um einen Weg quer durch die Berge geht – denn irgendwie zieht mich das Thema „Berge“ in letzter Zeit magisch an. Vielleicht wird es mal Zeit für einen Urlaub? ? Die Geschichte spielt zur Zeit des zweiten Weltkrieges, Hitler ist an der Macht und viele Deutsche flüchten aus Deutschland. So auch Rolf und sein Vater Ludwig. Die beiden sind vor einiger Zeit in Frankreich angekommen und warten auf den richtigen Moment und die richtigen Papiere einer Fälscherin, um über die Pyrenäen zu wandern und schließlich per Schiff in die USA zu gelangen, wo Rolfs Mutter bereits auf die beiden wartet. Doch dieses Vorhaben ist leichter gesagt als getan, und so müssen Vater und Sohn sich zahlreichen Herausforderungen stellen, bis sie erst einmal in die Nähe der Berge gelangen. Dort wartet der Hirtenjunge Manuel, der nur gebrochen Deutsch spricht, auf sie, um sie über die Berge zu führen. Ihren Hund Adi, der die Zwei die ganze Zeit begleitet, müssen sie zurücklassen. Doch das kommt für Rolf überhaupt nicht in Frage und so begeht er einen „kapitalen“ (ein Wort, das er gern gebraucht) Fehler, den sein Vater ins Gefängnis bringen wird…

»Trifft Hitler auf Wahrsager, fragt Hitler: Wann werde sterben ich? Sagt Wahrsager: An Feiertag. Will Hitler wissen: An was für Feiertag? Antwortet Wahrsager: Egal, wenn sterben du, wird sein Feiertag.«

Rüdiger Bertram erzählt hier von einer Flucht, wie sie in den 30er- und 40er-Jahren vermutlich unzählige Male vonstatten ging. Die Flucht aus Deutschland, das Wiedersehen mit alten Bekannten, die ebenfalls auf der Flucht sind und die ständige Angst vor Wachen und Polizisten sind starke Themen in „Der Pfad“. Rolf und Ludwig versuchen, mit ihrer Angst zurechtzukommen und spielen zum Zeitvertreib das erfundene Spiel „Gut oder Böse?“, um ihre Mitmenschen einzuschätzen. Dieses Spiel wird später harter Ernst, als die beiden sich Kontrolleuren und Beamten stellen und einschätzen müssen, ob sie ihnen trauen können oder nicht. Als Leser spürt man die ständige Anspannung der beiden am eigenen Leib und hofft inständig, dass sie es schaffen. Doch was ich von den letzten Kinderbüchern, die ich gelesen habe, gelernt habe, ist: Es gibt keine Happy Ends, die happy für jeden sind. Irgendwer zieht immer den Kürzeren und Opfer müssen gebracht werden. Und so ist auch dieses Jugendbuch nur eingeschränkt ein Buch mit einem Happy End – was natürlich auch an der Thematik liegen mag. Diesen Realismus habe ich bei der Lektüre der letzten vier Bücher bemerkt und finde es gut, dass er bereits bei Kinderbüchern Einzug gehalten hat. Tod, Krieg, Krankheit, Trennung — das sind wahnsinnig schwierige Themen, besonders für jüngere Leser. Umso besser, dass diese bereits in Büchern für die Kleinen eingeführt werden.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de

Veröffentlicht am 04.01.2018

Authentisch, liebevoll und trotzdem nicht ganz rund. Ellie Carr wird ihrer wunderbaren Aufmachung nicht gerecht. Schade.

Wie Ellie Carr zu leben lernt
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Auf der Buchmesse noch bewundert, zog „Wie Ellie Carr zu leben lernt“ von Frances Maynard neulich bei mir ein. Die liebevolle Gestaltung und Liebe zum Detail hebt den Wunderraum Verlag doch schon sehr ...

Auf der Buchmesse noch bewundert, zog „Wie Ellie Carr zu leben lernt“ von Frances Maynard neulich bei mir ein. Die liebevolle Gestaltung und Liebe zum Detail hebt den Wunderraum Verlag doch schon sehr von so manch anderem Verlag ab. Alle Bücher, die im Wunderraum Verlag erschienen sind, sind kleine Kunstwerke: Bedrucktes Lesebändchen, gemustertes Vorsatzpapier, besonders edle Bindung — all das lässt das Herz eines jeden Lesers höher schlagen. Wenn dann der Inhalt der Bücher auch noch stimmen würde — doch hier hat mich dieses Buch ein wenig enttäuscht. Doch worum geht es eigentlich? Ellie ist 27, Autistin und wohnt bei ihrer Mutter, die sie vollständig unter ihrer Fuchtel hält. Das Set-Up hat mich doch ein wenig an „Eleanor Oliphant“erinnert, die auch nicht gut mit Menschen kann und auch unter ihrer Mutter leidet. Doch was bei Eleanor grandios umgesetzt wird, hat hier seine Höhen und Tiefen: Nachdem Ellies Mutter ins Krankenhaus muss und nicht wiederzukommen scheint, muss sie sich alleine in der Welt zurecht finden. Zum Glück hat sie noch ihre liebe Nachbarin Sylvia, die ihr mit Rat und Tat beiseite steht, aber dennoch kann sie Ellie nicht vor allen Gefahren beschützen, die hinter der Haustür auf die lauern. Und so muss Ellie auf eigene Faust lernen, wer ihr Freund ist und wer nicht, was diese ganzen Redewendungen bedeuten und wieso ihr Vater nicht der gewesen zu sein scheint, der er vorgab zu sein.

Ellie hat es wirklich nicht leicht. Ihre Mutter spukt ihr Tag und Nacht im Kopf herum, während sie versucht, Familiengeheimnisse zu entschlüsseln und mit der Welt klarzukommen. Als Autistin hat sie es schwer, mit Menschen zu sprechen und Dinge zu verstehen, die für den Leser doch allzu offensichtlich ist. Ellie tastet sich jedoch im Laufe des Buches immer weiter voran und gerät in Situationen, die keine Frau jemals erleben sollte und findet sich zudem noch inmitten von den Familienstreitigkeiten ihrer Nachbarin wieder — und sie soll der Verursacher sein. Durch ein Internetforum erfährt sie schließlich, dass sie nicht die Einzige „ihrer Art“ ist und sie beginnt, sieben Regeln aufzuschreiben, die ihr es leichter machen sollen, mit Menschen zu kommunizieren und dem Mythos „Kommunikation“ auf den Grund zu gehen:

[…] Die Website behauptet, Normale wüssten immer instinktiv, wie sie sich verhalten sollen. Menschen mit meinem Leiden jedoch müssten das lernen. Mein Kiefer verkrampfte. […] Warum waren es die Menschen mit meinem Leiden, die sich ändern mussten? Tränen standen mir in den Augen, als ich die Daunendecke wegstieß. Weil Menschen mit meinem Leiden in der Minderheit waren: Normal war nun einmal der Lauf der Welt.

Dieses Buch erzählt glaubwürdig von jemandem, der sein ganzes Leben behütet daheim verbracht hat und den ersten tapsigen Schritten nach draußen. Es ist schön, Ellie zu beobachten und ihr zuzuschauen, wie sie immer besser mit den Schwierigkeiten, die die Welt bereithält, zurecht kommt, und doch fehlt etwas.

Die vollständige Rezension findet ihr auf dem Blog: https://killmonotony.de

Veröffentlicht am 06.12.2017

Eine Neuinterpretation, die trotz der Sprachgewandtheit des Autors leider nicht überzeugen konnte.

Dunbar und seine Töchter
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Mit „Dunbar und seine Töchter“ ist im KNAUS Verlag ein weiteres Buch des Hogarth Shakespeare Projekts erschienen. Edward St. Aubyn nimmt sich hier der Neuerzählung von Shakespeares „König Lear“ an. Wie ...

Mit „Dunbar und seine Töchter“ ist im KNAUS Verlag ein weiteres Buch des Hogarth Shakespeare Projekts erschienen. Edward St. Aubyn nimmt sich hier der Neuerzählung von Shakespeares „König Lear“ an. Wie bei den letzten Bänden auch habe ich das Original nie gelesen, deshalb habe ich Anspielungen und Parallelen vermutlich nicht erkannt, sondern kann ausschließlich das Buch für sich beurteilen. Die Geschichte handelt von Henry Dunbar, der von zweien seiner Töchter in ein „Erholungszentrum“ für psychisch Kranke gesteckt wurde. Dunbar hat den beiden nämlich erst kürzlich seinen Teil des Dunbar-Konzerns überschrieben, nachdem seine dritte Tochter, die liebliche Florence, diesen vehement abgelehnt hat. Doch nun wollen die „gierigen Schlampen“, wie Dunbar seine Töchter Abigail und Megan bezeichnet, Dunbar komplett aus seinem eigenen Konzern hinausbefördern – indem sie ihn in vorhin erwähnte Einrichtung verlagert haben. Dunbar gelingt der Ausbruch, und auf vielen, vielen Seiten wird der harte Weg bis zur Sicherheit beschrieben – es ist immerhin Winter. Florence hat zwischenzeitlich von der prekären Lage erfahren, in der sich ihr ältlicher Vater befindet, und macht sich auf den Weg, ihn aus der Kälte zu retten. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt — nicht nur wegen des Wetters, sondern auch, weil die Versammlung, in der Dunbar aus seinem eigenen Konzern entfernt werden soll, unmittelbar bevorsteht.

»[…] man durfte gar nicht daran denken, man durfte nicht daran denken — seinen Leibarzt erniedrigten sie zu ihrem ganz und gar persönlichenLeibgynäkologen, ihrem Luden, ihrem Beschäler, ihrem Schlangendildo!«

Ich wollte dieses Buch unbedingt gut finden, doch irgendwie hat es nicht „geklickt“. Zwischen skurrilen Charakteren (Abigail und Megan), abgefahrenen Situationen (Sexspielchen mit Dr. Bob, Dunbars ehemaligem Hausarzt, bei der Brustwarzen abgebissen werden) und bissigen Dialogen wurde immer der eisige Weg Dunbars aus der Einrichtung eingeschoben, der sich fast über das gesamte Buch zog. Erst, als Dunbar völlig vereist von Florence aufgefunden wird und die beiden sich auf den Weg machen, den Beschluss der bösen Schwestern zunichte zu machen, kommt ein wenig Spannung auf, doch diese hat nur noch – grob geschätzt – 50 Seiten Platz, um sich zu entfalten und schafft dieses auch nicht gänzlich. Wer das Original von Shakespeare kennt, kann vermutlich den Plot vorhersehen, aber für alle Unbelesenen wie mich möchte ich nicht zu viel vom Inhalt spoilern. Fakt ist, dass 3/4 des Buchs sich mit Nebensächlichkeiten aufhalten, Nebencharaktere werden eingeführt, zu denen ich bis zum Ende des keine Verbindung herstellen konnte, und auch zu deren Handlungsstränge fand ich irgendwie keinen Zugang. Edward St. Aubyn schafft es zwar, mit luftig-lockerer und sehr humorvoller Sprache zu glänzen, allerdings hat es nicht mehr gereicht, um mich mit seiner Story zu fesseln.

Die vollständige Rezension findet ihr auf dem Blog: https://killmonotony.de

Veröffentlicht am 07.09.2017

Ein mit literarischen Fakten und Analysen gespicktes Romänzchen, das leider nicht berührt.

Die Kapitel meines Herzens
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Ein geheimes Erbe? Eine literarische Schnitzeljagd? Yeah! Oder? In „Die Kapitel meines Herzen” erzählt Catherine Lowell die Geschichte von Sam und ihrem Familienerbe. Das muss Sam doch jedoch erst einmal ...

Ein geheimes Erbe? Eine literarische Schnitzeljagd? Yeah! Oder? In „Die Kapitel meines Herzen” erzählt Catherine Lowell die Geschichte von Sam und ihrem Familienerbe. Das muss Sam doch jedoch erst einmal finden. Man sollte vielleicht noch anmerken, dass sie die letzte lebende Verbleibende der Brontë-Familie ist. Ihr Vater, der sein ganzes Leben der Analyse der Brontë-Bücher gewidmet hat, hinterlässt Sam nach seinem Tod eine kryptische Nachricht, die nach ihren ersten Vermutungen in einer literarischen Schnitzeljagd endet. Doch ist Sam nicht zuhause, sondern befindet sich aktuell am Oxford College, um ihren Abschluss in Literaturwissenschaften zu machen. Zu blöd, dass ihr Professor dann auch noch ein hinreißender Beau ist, der Sam an der Analyse der Nachricht hindert und sie mit fragwürdigen Lehrmethoden zum besseren Arbeiten anspornt. Und dann ist da noch ein gewisser Journalist, der Sam anscheinend hinterherspioniert und wilde Gerüchte über sie an die Öffentlichkeit bringt. Die Rede ist vom versteckten Brontë-Erbe, wertvollen Hinterlassenschaften und unveröffentlichten Romanen der drei Schwestern. Doch Sam weigert sich, diese Gerüchte an sich herankommen zu lassen, und versucht unbeirrbar, die Nachricht ihres Vaters zu entschlüsseln.

„Du wärst fasziniert zu sehen, welch handfeste Dinge aus Träumen erwachsen können.“

— „So wie Sabber?“

Verlockend, nicht wahr? Das dachte ich mir auch. Zur Info: Ich habe keinen Roman der Brontës gelesen und mich bisher auch nicht sonderlich mit ihnen beschäftigt. Zum Glück! Sonst wäre dieses Buch womöglich zur Tortur geworden. Sams Leben bestand bisher ausschließlich aus einsamen Tagen mit Heimunterricht von ihrem Vater, der ebenfalls völlig von seinen Vorfahren fixiert war und diesen Wahnsinn vermutlich auf Sam übertragen hat. Kapitel um Kapitel werden Textstellen analysiert, verborgene Inhalte gesucht und Metaphern gedeutet, dass man teilweise nicht einmal mehr einen Roman vor sich vermutet, sondern ein Abhandlung über die Brontës, ihr Leben und ihr Schreiben. Catherine Lowell konzentriert sich mit ihrem Buch so sehr auf diesen Aspekt, dass überhaupt keine Zeit blieb, trotz 350 Seiten eine sympathische Protagonistin zu entwerfen. Diese bleibt das gesamte Buch über dem Leser unbegreifbar und ein bisschen merkwürdig. Aus dem Klappentext kann man entnehmen, dass sich zwischen Sam und ihrem Professor eine Romanze entspinnen wird. Wie die Autorin dies gehandhabt hat, finde ich sehr gut und teilweise auch authentisch, sogar das Ende hat mir diesbezüglich sehr gut gefallen. Doch das ganze Brontë-, Familienerbe- und Rätsel-Thema war mir ein bisschen zu viel. Sam versteift sich im Laufe des Buchs so sehr darauf, etwas Verborgenes zu entdecken, dass sie meiner Meinung nach völlig vergisst, zu leben. Sie atmet die Brontës ein und Analysen wieder aus. Dass das auf die Psyche geht, ist verständlich, und doch weigert sie sich, Vernunft anzunehmen und die Dinge ruhen zu lassen. Sams Leben erscheint mir völlig trostlos, einsam sitzt sie jeden Tag in ihrem Turm am Oxford College und liest wieder und wieder die Bücher der Brontës. Catherine Lowell hat es leider nicht geschafft, diese Einsamkeit für den Leser nachfühlbar zu gestalten, so dass man völlig teilnahmslos zuschaut. Der Sprachstil war ansonsten sehr gut lesbar, mir hat auch die Schreib- und Erzählweise gefallen und besonders die Rückblenden zu vergangenen Tagen mit ihrem Vater. Dennoch blieb nach der „Auflösung” ein Hohlraum zurück, der eigentlich mit einem tollen Leseerlebnis hätte gefüllt sein müssen.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com