»Rekorder« konnte nur mit seinem Klappentext überzeugen. Tolle Idee, leider komplett ohne Spannung und Tiefgang.
RekorderAls ich den Klappentext von John Darnielles „Rekorder“zum ersten Mal überflogen hatte, klang das alles nach einem sehr spannenden Buch, vielleicht sogar ein wenig zu gruselig für mich. Obwohl ich kein ...
Als ich den Klappentext von John Darnielles „Rekorder“zum ersten Mal überflogen hatte, klang das alles nach einem sehr spannenden Buch, vielleicht sogar ein wenig zu gruselig für mich. Obwohl ich kein Fan von Thrillern, Krimis und Horror-Büchern bin, habe ich mich getraut und „Rekorder“ gelesen. Doch der Klappentext wurde irgendwie nicht umgesetzt. Klar gab es diese gruseligen Filmschnipsel auf den Kasssetten, aber von Spannung, Horror oder Psycho-Thriller keine Spur. Das Buch ist in mehrere Teile gegliedert, die verschiedene Handlungsstränge aufgreifen: Während wir zu Beginn des Buchs die mysteriösen Ausschnitte auf den Kassetten in einer Videothek Ende der 90er kennenlernen und die Protagonisten Jeremy und Sarah Jane, die Inhaberin der Videothek, versuchen, sich darauf einen Reim zu machen, landen wir in einem anderen Part plötzlich mitten in den 50ern, wo die Mutter der Frau, die vermeintlich in den Videos zu sehen ist, aufwächst, ihren Mann kennenlernt und sich der Religion zuwendet. Die Videotheksinhaberin freundet sich derweil in den 90ern mit Lisa an, während Jeremy und eine Bekannte namens Stephanie sich immer mehr mit den Bändern beschäftigen. Wer hat sie aufgezeichnet? Was ist hier wirklich zu sehen? Und sollte sich nicht jemand an die Polizei wenden?
Ich muss gestehen, dieses Buch hat mich mehr verwirrt als alles andere. Die Erzählstränge waren besonders zu Beginn des Buches nicht überschaubar und nach dem ersten Wechsel aus den 90ern und hinein in die 50er denkt man sich als Leser „Wie, das wars jetzt?“ Zugegeben, der Part über Lisas Mutter und Vater, das bescheidene Leben in Iowa, all das hat mich mehr interessiert als die eigentliche Haupthandlung in der Videothek. Dass man hier die Hintergründe erfährt über Lisa, die natürlich die Protagonistin der Videos ist, wird relativ schnell klar, doch der wirkliche Knackpunkt erfolgt erst, nachdem man 200 Seiten tief im Buch ist. Man erfährt, was Lisas Mutter dazu gebracht hat, das zu tun, was sie getan hat, und wie Lisa damit ihr Leben lang umzugehen versucht. Dass Jeremy in der Haupthandlung in den 90ern charakteristisch nur angerissen wird und keinen wirklichen aktiven Part hat, finde ich sehr schade. Generell sind die Charaktere, bis auf Lisas Mutter, meiner Meinung nach allesamt nur Skizzen und sehr wenig ausgefleischt — mit Ausnahme vielleicht von Jeremys Vater, der nach dem Tod seiner Frau versucht, sein Leben irgendwie weiterzuleben. Nicht einmal Jeremy, den eigentlichen Protagonisten, lernen wir genug kennen, damit er uns sympathisch werden könnte. Generell finde ich keinen einzigen Charakter aus „Rekorder“sympathisch oder könnte mich mit ihm identifizieren, weil einfach die Substanz fehlt.
Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/john-darnielle-rekorder