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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2026

Düster, intensiv und voller Sehnsucht

Weavingshaw
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Weavingshaw hat mich komplett abgeholt. Ich liebe Bücher mit alten, unheimlichen Anwesen, Geistern, dunklen Geheimnissen, verwitterten Moorlandschaften und genau dieser Mischung aus Gefahr, Sehnsucht und ...

Weavingshaw hat mich komplett abgeholt. Ich liebe Bücher mit alten, unheimlichen Anwesen, Geistern, dunklen Geheimnissen, verwitterten Moorlandschaften und genau dieser Mischung aus Gefahr, Sehnsucht und unterschwelliger Spannung, und dieses Buch hat davon wirklich alles.

Die Atmosphäre war unglaublich stark und dicht. Dieses Haus, diese düstere Stimmung, die Geheimnisse hinter jeder Ecke, dazu Geister, Dämonen und ein Mann, bei dem man nie ganz weiß, ob er Monster oder einfach nur zutiefst verletzt ist. Einfach genau mein Ding.

Leena habe ich sofort ins Herz geschlossen. Sie ist stark, aber nicht auf diese übertriebene Art, sondern ruhig, klug und mit viel Herz. Und St. Silas? Ehrlich, dieser Mann lebt von ungelösten Blicken, Geheimnissen und purem inneren Chaos. Diese langsame Annäherung zwischen den beiden war fast schlimmer als jeder offene Romance-Plot, weil die Spannung einfach so gut geschrieben ist.

Was mich aber noch mehr beeindruckt hat, war, wie viel mehr dieses Buch eigentlich ist. Es geht nicht nur um Gothic Fantasy und Romance, sondern auch um Ausgrenzung, Herkunft, Flucht, Zugehörigkeit und darum, wie Menschen behandelt werden, wenn sie als fremd gesehen werden. Das war super eingewoben und hat der Geschichte viel Tiefe gegeben.

Und dann dieses Ende! Ich war fest davon überzeugt, ich lese einen Einzelband. Falsche Annahme. Die letzte Seite hat mich einfach sprachlos zurückgelassen und jetzt brauche ich dringend Band zwei.

Für mich war das genau die Art von Gothic Fantasy, die ich liebe. Langsam, atmosphärisch, emotional und mit genau der richtigen Menge an Schmerz. Absolute 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Dichter, bewegender Krimi im winterlichen Berlin

Die weiße Nacht
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Dieser Auftakt hat mich direkt gepackt. Die Geschichte spielt im eisigen Winter 1946, mitten im zerstörten Berlin, und genau so fühlt es sich auch durchgehend beim Lesen an. Kälte, Hunger und Unsicherheit ...

Dieser Auftakt hat mich direkt gepackt. Die Geschichte spielt im eisigen Winter 1946, mitten im zerstörten Berlin, und genau so fühlt es sich auch durchgehend beim Lesen an. Kälte, Hunger und Unsicherheit sind ständig präsent. Das wirkt nie übertrieben, sondern sehr nah an der Realität, bis hin zur Gänsehaut.

Der Mordfall entwickelt sich ruhig, aber durchgehend spannend. Es bleibt nicht bei einem Opfer, und nach und nach kommen Zusammenhänge ans Licht, die tief in die Vergangenheit reichen. Dabei geht es nicht nur um die Frage nach dem Täter, sondern auch um Schuld und das, was Menschen verdrängen.

Lou und König sind ein wirklich starkes Duo. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein, und genau das macht ihre Zusammenarbeit so interessant. Lou bringt mit ihrer Beobachtungsgabe und ihrer Kamera eine eigene Perspektive ein. König wirkt erschöpft, bleibt aber immer hartnäckig. Beide tragen ihre eigene Geschichte mit sich herum, und das merkt man in vielen kleinen Momenten.

Besonders gut gefallen hat mir, wie lebendig die Zeit eingefangen ist. Man spürt den Alltag der Menschen, das schwierige Organisieren von Essen, das Leben zwischen Ruinen und die ständige Angst vor dem nächsten Wintertag. Gleichzeitig verlieren die Figuren nie ihre Menschlichkeit.

Für mich ein sehr gelungener historischer Krimi mit starken Figuren und einer dichten Atmosphäre. Ich bin gespannt, wie es mit Lou und König weitergeht.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Mein neues Lieblings-Retelling mit Suchtfaktor

Beth is dead
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Beth Is Dead von Katie Bernet hat mich komplett erwischt. Ich liebe Little Women schon lange, aber diese moderne Version fühlt sich trotzdem frisch an und bleibt den Figuren treu. Die vier Schwestern wirken ...

Beth Is Dead von Katie Bernet hat mich komplett erwischt. Ich liebe Little Women schon lange, aber diese moderne Version fühlt sich trotzdem frisch an und bleibt den Figuren treu. Die vier Schwestern wirken hier echter, kantiger und viel näher dran. Man merkt ihre Dynamik in jeder Szene, inklusive der Fehler, die sie machen. Genau das hat mich richtig reingezogen.

Und dieser Krimi-Teil? Ich hatte absolut keine Chance. Ich habe die ganze Zeit gerätselt und lag am Ende komplett daneben. Die Spannung zieht sich durch das ganze Buch und lässt einen kaum los.

Dazu kommt noch das Setting in der heutigen Zeit mit Social Media und öffentlichem Druck, das passt einfach gut rein und gibt der Geschichte mehr Gewicht.

Ich habe das Buch fast in einem Rutsch gelesen und war danach noch lange gedanklich drin. Für mich ein klares Highlight. Und ja, das Cover ist genauso gut, wie alle sagen.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Hat mich emotional komplett überfordert

Papa weg. Mama müde. Ich laut.
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Ich habe Papa weg. Mama müde. Ich laut. von Parshad Esmaeili gelesen und ehrlich, ich musste es immer wieder pausieren. Nicht, weil es schlecht geschrieben ist, sondern weil es mich zu sehr mitgenommen ...

Ich habe Papa weg. Mama müde. Ich laut. von Parshad Esmaeili gelesen und ehrlich, ich musste es immer wieder pausieren. Nicht, weil es schlecht geschrieben ist, sondern weil es mich zu sehr mitgenommen hat.

Die Seiten sind schnell gelesen, aber die Gefühle bleiben hängen wie Kletten. Einsamkeit, Überforderung, diese ganze Schwere aus Parshads Kindheit, das hat mich richtig getroffen.

Ich habe großen Respekt davor, wie offen sie alles teilt. Man merkt, wie viel da drin steckt. Gleichzeitig war es für mich emotional fast zu intensiv. Ich wollte oft einfach nur raus aus diesem Kopf und diesen Gefühlen. Es gibt auch leichte, fast witzige Momente., so wie wir es von Parshad gewohnt sind und wie sie dafür lieben.

Ich glaube, viele werden sich darin wiederfinden und viel daraus ziehen. Mehr kann ich zu diesem Seelentrip nicht schreiben.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Wenn Loslassen wehtut und trotzdem richtig ist

Ich lass dich los und geb dir Halt
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Das Buch von Melanie Klefeldt „Ich lass dich los und geb dir Halt“ hat mich mitten ins Herz getroffen. Ich habe selbst einen Sohn, der im Sommer 18 wird und gerade wieder in einer Phase steckt, in der ...

Das Buch von Melanie Klefeldt „Ich lass dich los und geb dir Halt“ hat mich mitten ins Herz getroffen. Ich habe selbst einen Sohn, der im Sommer 18 wird und gerade wieder in einer Phase steckt, in der es um Diagnostik geht. Schon in der Grundschule waren wir beim Kinderarzt und in der Ergotherapie. Damals hieß es, es sei nichts in Richtung ADS. Heute stehen wir wieder genau an diesem Punkt. Und ich frage mich oft, wie vieles gelaufen wäre, wenn wir früher Gewissheit gehabt hätten. Nicht einfacher, aber anders.

Beim Lesen hatte ich ständig das Gefühl, verstanden zu werden. Die beschriebenen Gedanken, diese Mischung aus Sorge, Hoffnung, Müdigkeit und Liebe, das kenne ich so gut. Es tut gut, wenn jemand ausspricht, wie widersprüchlich sich Begleiten in dieser Lebensphase anfühlt. Man soll loslassen und gleichzeitig da sein. Man will vertrauen und doch schützen.

Besonders geholfen haben mir die konkreten Anregungen für den Alltag. Struktur, klare Absprachen, kleine Hilfen wie Listen oder Zeitvorgaben. Dinge, die so simpel wirken und doch viel verändern können. Auch der Blick auf uns Eltern hat mich berührt. Wir funktionieren oft nur noch. Dabei brauchen auch wir Halt.

Dieses Buch belehrt nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Es fühlt sich an wie ein Gespräch auf Augenhöhe mit der Autorin. Es nimmt Druck raus, und es zeigt, dass unsere Kinder nicht falsch sind. Sie ticken einfach anders. Sie haben ein anderes Betriebssystem. Und sie brauchen Eltern, die bleiben. Gerade dann, wenn sie sich lösen.

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