Profilbild von Franci

Franci

Lesejury Star
offline

Franci ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Franci über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2026

Kurzweilige Romantasy, der es an Tiefe fehlt.

The Prague Chronicles
0

Nach einer Trennung nimmt die Wiener Kunststudentin Ophelia die Chance wahr, endlich nach Prag zu reisen. Als sie im Garten der Prager Burg einen Golem entdeckt, nutzt sie die Gelegenheit, um ihm ihre ...

Nach einer Trennung nimmt die Wiener Kunststudentin Ophelia die Chance wahr, endlich nach Prag zu reisen. Als sie im Garten der Prager Burg einen Golem entdeckt, nutzt sie die Gelegenheit, um ihm ihre Sehnsucht anzuvertrauen – plötzlich bekommt der Satz „Sei vorsichtig mit deinen Wünschen!“ eine ganz neue, fürchterlich echte Bedeutung. Denn sogleich bekommt die 25-Jährige ihr Abenteuer und ihr Leben eine ungeahnte Wendung. Der Golem ist erwacht und wütend. Schneller als Ophelia diese ungeheuerliche Tatsache verarbeiten kann, treffen sie ein: merkwürdige Agenten, die der jungen Touristin nicht nur allerhand kryptische Fragen stellen, sondern sie auch in Gewahrsam nehmen.

Einar und sein Team sind die Ersten am „Unfallort“ und haben alle Hände voll damit zu tun, die Erinnerungen der zahlreichen ZeugInnen zu verändern. Nur der Auslöser des ganzen Dramas wird von dem Zauber verschont – vorerst. Denn sie hat geschafft, was jahrhundertelang niemand geschafft hat: Sie hat einen mörderischen Golem befreit und auf die Stadt losgelassen. Aber wie? Und warum? Als wäre die Auflösung dieses Rätsels und die Suche nach dem riesigen Relikt nicht bereits genug Belastung für die Agency, soll er, gerade er, den Babysitter für die Menschenfrau spielen. Dabei ist Einar definitiv der Falsche für einfühlsame Verhöre, empathische Interaktionen und Menschen …

„Verbotene Liebe“ ist Band eins der neuen urbanen Romantasy-Reihe „The Prague Chronicles“ von B. E. Pfeiffer, in der uns die Autorin in die geschichtsträchtigen Pragerstraßen führt, auf die Spuren uralter Magie und eines außer Kontrolle geratenen, seit jeher gefürchteten Golems. Die Story geht sofort los, sodass wir erst mit voranschreitendem Verlauf zumindest die eine oder andere Information über die widernatürlichen Gegebenheiten präsentiert bekommen. Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, was uns die Studentin und den Wandler näherbringt und ihre Reaktionen, ihr Abwägen sowie ihr Verhalten greifbarer erscheinen lässt. Während sich Ophelia trotz FreundInnen und Familie rastlos, nie gänzlich zugehörig fühlte, mit Neugier, Intelligenz und Wissensdurst ausgestattet ist, die ganze Situation in einem Wirbel aus Unglauben, Angst und kribbelnder Euphorie betrachtet, hat Einar schnell die Nase voll. Seit zehn Jahren ist er Teil der Shapeshifter Agency und schwor sich, niemals wieder einem Menschen zu vertrauen. Doch auch innerhalb seinesgleichen hat er Schwierigkeiten, Gefühle zuzulassen und sein Team, für das er die Verantwortung trägt, wirklich an sich heranzulassen.

Je mehr Hintergründe sich über das Mysterium »Golem« und Ophelias Rolle in dem Ganzen auftun, je mehr Parteien ins Spiel kommen, die irgendetwas und die Wienerin suchen, je häufiger sich die Einheit der Erinnerungsrestrukturierung in Kampf und Flucht wiederfindet, umso stärker pulsiert Mehr zwischen Einar und Ophelia. Aber wie dieser Anziehung nachgehen, wenn am Ende nur einer mit der Erinnerung zurückbleibt? „The Prague Chronicles“ folgt einem einfachen, aber schnellen Erzähltempo, sodass auf wenigen Seiten viel passiert und es kaum Gelegenheit gibt, in einem Augenblick zu verweilen und (emotionale) Entwicklungen zur Gänze nachvollziehen oder -spüren zu können. Dafür warten hier und da originelle Elemente, die der Story einen frischen Touch verleihen, Wendungen sowie romantische und spaßige Momente. Vor allem die actionreichen Ereignisse tragen die Handlung, die insgesamt eher oberflächlich bleibt, wobei die verschiedenen AgentInnen um Einar – Cass, Koa, Faolan und Imara inklusive des Vorgesetzten Crimson – einen wohligen Zusammenhalt vermitteln und den Trope Found-Family bedienen. Diese Nebenfiguren sind theoretisch – heißt gemessen an der Kürze des Buches – ausreichend involviert und machen aufgrund ihrer Individualität Lust, mehr über sie zu erfahren. Die Intensivierung der Romance-Komponente verlagerte mMn den Fokus der Geschichte und den von Einar, verschob auch Dialoge und Monologe in eine seichtere, kitschigere Richtung. Für meinen Geschmack war gerade der Umschwung des Wandlers – von Distanz und Abneigung zu Anbetung und großen Gefühlsbekundungen – viel zu abrupt, aber Einars Zerrissenheit und Ophelias geheimnisvolle Verbindung zur magischen Welt, die Frage, wer etwas vom Wüten des Golems hat und ob es eine Zukunft für dieses ungleiche Couple geben kann, halten das Interesse beständig aufrecht.

Fazit: Mir fehlte es insgesamt und überall an Tiefe, dennoch basiert „The Prague Chronicles: Verbotene Liebe“ auf einer guten Idee und hält eine kurzweilige, seichte Romantasy bereit.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.04.2026

Hier lohnt es sich, dranzubleiben.

When Shadows Darken the Sun
0

Eine High-Fantasy Welt, magische Spiele, die über Macht und Zukunft entscheiden, Rivals-to-Lovers meets Forbidden Love, Schatten gegen Licht – das „The Day and Night Duet“ von Nina Schilling weckte sofort ...

Eine High-Fantasy Welt, magische Spiele, die über Macht und Zukunft entscheiden, Rivals-to-Lovers meets Forbidden Love, Schatten gegen Licht – das „The Day and Night Duet“ von Nina Schilling weckte sofort mein Interesse!

Alle dreißig Jahre entscheidet ein magisches Turnier darüber, wer über den Dritten Hof befehligen darf – das Volk des Tages oder das der Nacht. Von Geburt an werden die ThronerbInnen auf diesen Wettkampf – auf diesen einen Moment – vorbereitet. Werden getriezt, gebrieft, trainiert und einer unbeschwerten Kindheit, Normalität und Leichtigkeit beraubt. Dass nach dem Sieg sogleich eine Hochzeit anberaumt ist, erfüllt zumindest den Primus des Nachthofes eher mit Zuversicht als mit Schrecken.
Während seine Kontrahentin alles dafür tun wird, das Himmelsamulettes endlich zurück in ihre Heimat zu holen, wird Nox nichts unversucht lassen, die Herrschaft über das Dritte Reich zu verteidigen …

Das positive vorweg: Nina Schilling hat ein gutes Worldbuilding geschaffen, in dem wir auf Traditionen, düstere Gefahren und einen mythologischen Hintergrund stoßen. Auch kam das Schattenreich, in dem wir uns bewegen, sehr atmosphärisch zur Geltung. Schnell werden wir mit der hier größten Bedrohung konfrontiert: nebelverhüllten Alpträumen und den perfiden Intrigen des Nachthofes.
Dass Nox sein Augenmerk von Anfang an auf Cass, eine einfache Zofe, legt, eine taffe, kämpferische Kriegerin, die ihn fortan mehrfach überrascht, ihm, einem Mitglied des Adels, die Stirn bietet, amüsiert, beeindruckt und irritiert den unnahbaren Primus gleichermaßen. Denn sein Fokus sollte auf Diana liegen, darauf, ihre Schwächen vor dem Beginn der Spiele auszukundschaften, sie einzuschätzen. Cass stellt sich selbstlos vor die Erbin des Lichthofes, schreckt nicht vor der Schattenarmee zurück und hat nur wenig Sympathie für den gegnerischen Primus übrig. Doch dann zeigt er Seiten, die nicht zu seinem Auftreten, seinem Ruf, seinem Stand passen – und wo Distanz herrschen soll, schleicht sich Neugier ein. Ein Anflug von Vertrauen. Eine prickelnde Anziehung … Aber nichts kann etwas an ihrer Herkunft, an ihrer Pflicht, an ihrem Ziel ändern …

Zwischen Argwohn, Rivalität, Zeitdruck und Trauer baut sich die Romance langsam auf, wird von Geheimnissen überschattet, die letztlich jedes Gefühl von Geborgenheit auszulöschen vermögen. Was sich zwischen Cass und Nox entwickelt sorgt für Unterhaltung, spritziges Geplänkel und funkensprühendes Verlangen. Beide Charaktere erhielten Tiefe, eine berührende, vor Einsamkeit und Verantwortung triefende Vergangenheit und ebenso viele unerwartete Wesenszüge wie Motivationen; zeigen sich stark, nahezu entspannt und sind im Inneren doch so verletzlich. Der Druck, der auf ihnen lastet, ist spürbar – die Erwartungen eines ganzen Volkes, die bohrenden Blicke von König und Königin.
Deutlich arbeitete die Autorin den weiter wachsenden Zwiespalt, das emotionale Chaos, die Frage, was werden könnte, wenn … heraus. Schafft melancholische Nuancen inmitten der eleganten Dunkelheit.
Toll eingebunden waren die Nebenfiguren nebst der loyalen Freundschaften und die besondere Verbindung zwischen den jeweiligen tierischen Gefährten. Sowohl die Schattenpanther als auch die Lichtwölfe sind ein präsenter Teil des Geschehens und weitaus mehr als bloße Sidekicks.

Weniger überzeugend war der Aufbau – der langatmige Einstieg, die Ereignisse, die erst weg vom angepriesenen Kampf samt der Gründe hierfür führen, zahlreiche Erklärungen und ausführliche Monologe, die beständig Spannungen dämpfen und dem Vorankommen im Wege stehen. Zusätzlich schien es als hätten sich des Öfteren Wiederholungen eingeschlichen; von diesem Punkt abgesehen mochte ich den Stil der Autorin, der gefühlvoll und malerisch, dabei jedoch schnörkellos war.
Weit nach der Hälfte gewinnt das Turnier – inklusive Plottwists – endlich an Relevanz, entfacht Tempo und Euphorie, offenbart grausame Strategin und hält gleichermaßen Action, Emotionen wie ein imposantes, alles veränderndes Finale bereit.
Trotz aller Kritik an „When Shadows Darken the Sun“ werde ich „And Midnight Fades to Dawn“ – dem Finale des eher bedachten „The Day and Night Duets“ – eine Chance geben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2026

Weit von RomCom, Small-Town-Charme und Feel-Good entfernt

Ein Buchclub zum Verlieben
0

„Ein Buchclub zum Verlieben“ wird als warmherziger Feel-Good-Roman angepriesen, aber hinter dem Cover versteckt sich davon ebenso wenig wie der versprochene Smalltown-Charm. Ehrlich – diese Geschichte ...

„Ein Buchclub zum Verlieben“ wird als warmherziger Feel-Good-Roman angepriesen, aber hinter dem Cover versteckt sich davon ebenso wenig wie der versprochene Smalltown-Charm. Ehrlich – diese Geschichte könnte in jeder Großstadt, jedem Dorf, jeder beliebigen Gemeinde spielen, denn abgesehen von Arthurs Haus erhält das Setting keine besondere Betrachtung.

Meiner Ansicht nach spiegelt auch der Klappentext nicht das wider, was uns Lucy Gilmore präsentiert. Zwar beginnt die Handlung mit Sloane und ihren Begegnungen mit Arthur McLachlan, doch die Bibliothekarin steht bis zum Schlussakt nur für diesen ersten Abschnitt im Vordergrund. Denn das plötzliche Fernbleiben des mürrischen, ruppigen Griesgrams zieht einen Rattenschwanz nach sich, der nicht nur zur Gründung eines kleinen Buchclubs – mit Treffpunkt in Arthurs staubigen Wänden – führt, sondern zu einigen Bekanntschaften, aus denen über die Wochen Freundschaften werden. Zusammenkünfte, die für jede/n nach und nach eine eigene Bedeutung erhalten.

Maisey ist die neugierige Nachbarin von gegenüber, die über alles, was vor ihrer Tür passiert, Bescheid weiß. Die Mittvierzigerin wird von der Angst vor dem Alleinsein geplagt, kämpft, wie ihre neue Freundin Sloane, mit etlichen Unsicherheiten und ist zugleich eine aufgeschlossene, fürsorgliche und manches Mal schräge Persönlichkeit, die dringend aufhören muss, sich stets und ständig kleinzuhalten und zurückzunehmen. Dass ihre Wochenhighlights jemals daraus bestünden, mit dem alten McLachlan über hochtrabende Literatur zu fachsimpeln, seine Unhöflichkeiten lächelnd zu erdulden und eine zusammengewürfelte Gruppe Fremder zu bekochen, ist selbst für die professionelle Wahrsagerin eine unerwartete Wendung ihres tristen, stets zurückgewiesenen Daseins.

Tha! Von wegen, seine Meinung würde Sloane in ihrem kleinen Club fehlen, nein, lediglich seine Erfahrungen als Krankenpfleger sind vonnöten. Ausgerechnet bei DEM Schrecken der Bibliothek. Aber trotzdem schätzt Mateo das Angebot, wird durch die Treffen frisch motiviert und inspiriert. Zum Verdruss von Lincoln, der weiß, wie unstet Mateo ist, wie schnell er das Interesse an Dingen, Jobs und Menschen verliert. Hauptsache nicht tun, was seine Mutter erfreut, wofür er bestimmt ist, sich gegen Druck und das Festlegen stemmen.

Tagelang hat er vor dem Haus seines Großvaters ausgeharrt, bis ihn Maisey regelrecht hineingezogen hat, in das Tohuwabohu von Arthurs Anwesen, in dem Melancholie und Wehmut genauso deutlich in der Luft liegen wie der Geruch unzähliger Klassiker. Greg wäre nicht hier, hätte er es seiner Mutter nicht versprochen, hätte das Krankenhaus nicht angerufen. Und trotz dass ihm der Alte ständig klarmacht, wie unerwünscht er ist, fühlt sich Greg nicht danach, zurückzugehen, in sein auf Eis gelegtes Leben.
Außerdem muss er unbedingt herausfinden, wieso diese drei Menschen freiwillig und ohne Bezahlung Zeit mit seinem unfreundlichen, gemeinen und viel zu ehrlichen Großvater verbringen.

Mittzwanzigerin Sloane liebt Geschichten, Struktur und hat eine sie erfüllende Anstellung in einer Bücherei. Zusätzlich wartet die junge Frau mit einem perfekten Verlobten samt dessen perfekter Familie auf. Dabei ist Sloane Parker tief im Herzen einsam. Unsicher. Noch immer in Trauer und ohne Rückhalt von ihren Eltern. Gerade Arthur McLachlan bringt ihre vermeintlich stabile Welt, ihre nie ganz fest gewordenen Überzeugungen, ihre Emotionen aus dem Gleichgewicht – in dem er mit seinen unverblümten, forschen und selten herzlichen Worten den Nagel auf den Kopf trifft und – ohne es zu wollen – vier Personen in sein Haus lässt, die einander genauso sehr brauchen wie Arthur die Gesellschaft des Buchclubs.

Auch Dreh- und Angelpunkt Arthur McLachlan erhält genauere Betrachtung und wenn er sich auch als klischeehafter Grumpy-Granddad gibt, so stecken in ihm so viele Gefühle. So viel Traurigkeit, Verbitterung – und plötzlich auch wieder Hoffnung und Lebenswille.

„Ein Buchclub zum Verlieben“ ist eine Geschichte über Einsamkeit, gebrochene Menschen, Ängste und Vergebung. Über die Konsequenzen und die Narben, die Verluste, Erwartungen und das Leben selbst hinterlassen. Und eine, in der neben dem sich neu auch das Zusammenfinden im Fokus steht. Aller Unterschiede und Fehler, aller schlechten Tage und Tränen, aller Differenzen zum Trotz.
Gilmore legt Wert auf eigensinnige, gar charakterlich wundersame, verlorene Menschen, was tatsächlich mehrfach für Situationskomik und Witz sorgt. Auch den Aufbau empfand ich theoretisch als passend, um die Mitglieder dieser Gemeinschaft kennenzulernen und vor allem: um sie zu verstehen. Ihren Ballast mit ihnen zu tragen.
Ungünstig: Sobald ein neuer Abschnitt beginnt, heißt, ein/e andere/r ProtagonistIn im Zentrum der Betrachtung steht, fallen vorherige Handlungsstränge inklusive aufgeworfener Konflikte und begonnener Ereignisse/Entscheidungen hinten runter. Leider ist der Plot auch nicht zur Gänze logisch, wirkt des Öfteren undurchsichtig verworren und nicht zu Ende gedacht, was wahrscheinlich vorrangig an dem »zu viel von allem« liegt. Die eine oder andere „Fügung/Figur/Erkenntnis“ wird plump und unrealistisch mitten hineinplatziert – was den Eindruck zur Folge hat, dass der Autorin plötzlich etwas (wieder) eingefallen ist.

Klingt jetzt erstmal nach keiner Empfehlung, oder? ABER – selbst wenn sich zusätzlich zu den erwähnten kritischen Punkten auch noch Fehler in den Text geschlichen haben und der Roman – mMn fälschlich – als Feel-Good | Wholesome vermarktet wird – ist der Kern dieser eher melancholischen, in großen Teilen schwermütigen Found-Family-Story doch ersichtlich und relevant. Stilistisch verfolgen wir das nachdenklich stimmende Geschehen in einem schnörkellosen, einfachen Ton. Die Fragen nach Gemeinsamkeiten, Verknüpfungen und Hintergründen sowie die Identifikationsmöglichkeiten mit den einzelnen Schicksalen machen es leicht, interessiert zu bleiben.

Gespickt mit der Liebe zum geschriebenen Wort, mit Nostalgie und Zuversicht ist dieser Roman nicht nur den einsamen Herzen gewidmet. Sondern allen Menschen. Denn niemand weiß wirklich, was der andere fühlt. Nicht, bis wir hinsehen. Uns die Zeit nehmen, um zuzuhören.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.03.2026

Unterhaltsame Story, originelle Idee

A Killer Crush
2

Es ist ein Dienstagabend, als sich Jamie Prescott und Laurie Hamilton auf den Weg machen, um an einer Speed-Dating-Veranstaltung teilzunehmen – nicht in der Hoffnung, DEN Mann fürs Leben, dafür genügend ...

Es ist ein Dienstagabend, als sich Jamie Prescott und Laurie Hamilton auf den Weg machen, um an einer Speed-Dating-Veranstaltung teilzunehmen – nicht in der Hoffnung, DEN Mann fürs Leben, dafür genügend Stoff zu finden, über den sich die Freundinnen/Mitbewohnerinnen später beim gemütlichen Essen auslassen können.
Jamie, die sich als zukünftige Lehrerin von Genretheorie zudem von ihren Zweifeln und ihrer Dissertation – die die Schnittpunkte von Romcoms und Slasherfilmen behandelt – abzulenken versucht, ahnt nicht, dass sie in dieser Nacht – schick gestylt – all ihr Wissen über Filme und klischeehafte Abläufe brauchen wird. Und dass sie am Ende überzeugter denn je davon ist, dass Mord, Gemetzel und dramatische Liebesbeweise nur auf der Leinwand zum Lachen bringen. Denn wer will schon selbst die Hauptrolle in einer abgefuckten Slasher-Romance einnehmen?

„A Killer Crush“ ist ein … ungewöhnlicher, origineller Roman, in dem Shailee Thompson einen Mix aus konträren Genres hinlegt, der auf schräge Art funktioniert und trotz kritischer Anmerkungen meinerseits amüsante Stunden beschert.
Jedes Kapitel wird von einem verdrehten Zitat eingeleitet, das ebenso oft zum Schmunzeln bringt wie die im Verlauf aufgegriffenen Anspielungen zu klassischen Filmen, Jamies analytische Bewertungen einzelner Situationen und die Freundschaft zwischen ihr und Laurie, die im Übrigen bei mir Star-Status erreichte. Im Fokus steht jedoch ganz klar die Erzählerin, die nun lieber außen vor statt mittendrin wäre. Denn das Speed-Dating nimmt recht früh eine ungeahnte Wendung, die Blut bringt und Opfer, psychische Wunden und Traumata hinterlässt. Es folgen Stunden, in denen Jamie versucht, mit ihrem Wissen über die typischen Plotabläufe von Slashern und romantischen Komödien die restlichen TeilnehmerInnen und sich selbst am Leben zu halten. Aber nicht alle sind von ihrer Rolle und den Regeln – „Sag nie ‚Bin gleich wieder da‘“, „Renne niemals die Treppe nach oben!“, „Kein Sex!“, „Aufteilen ist eine ganz blöde Idee!“ – überzeugt. Zusätzlich spaltet Misstrauen die Gruppe, während das Fehlen von Handys, Schlüssel-Codes, Licht und waffentauglichen Gegenständen die Panik anschwellen lässt. Auch der labyrinthische Club, die Leichen, dunkelrotschimmernde Schlieren und Pfützen treiben die Hysterie konstant in die Höhe.

Shailee Thompson greift das Geschehen anschaulich auf, der Stil ist hierbei ziemlich locker, leider auch sehr ausschmückend, was Nonsens, verschachtelte Monologe und Anekdoten aus Jamies Leben betrifft. Heißt: Obgleich „A Killer Crush“ in einem ironischen, von Sarkasmus unterlegten Ton erzählt wird, Skurrilität und eine Art Komik nicht zu kurz kommen, driftet der Verlauf immer wieder in Längen und sich wiederholende, gar zur Stagnation tendierende Abläufe. Gleichzeitig weckt die Autorin aber recht schnell den Drang, mitzufiebern, gemeinsam mit den Übrigen darüber zu rätseln, wer und was hinter dem Massaker steckt. Und wie sie hier rauskommen.

Es kommt zu einigen überraschenden Wendungen, temporeichen Szenen, intelligenten Gesprächen und (Lösungs-)Versuchen, zu allerhand Verlusten und ja – selbst reichliches Schmachten, eine Prise Spice und ein Potpourri diverser Gefühle sind vorhanden. Gerade Angst, Verzweiflung und Geilheit dominieren diese Dating-Night, die wohl niemand jemals wieder vergessen wird.
Das Ende? Das ist stimmig. Die in der Auflösung liegende (psychopathische) Komplexität hatte ich zumindest SO nicht vermutet.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 05.02.2026

Konnte nicht überzeugen, schade.

Empire of Whispers and Shadows
0

„Empire of Whispers and Shadows“ von Ursa Jaumann ist Band eins einer Dilogie, die uns in eine japanisch inspirierte, von einem Monarchen regierte und von Plagen heimgesuchte Welt entführt. Uns in gefährliche ...

„Empire of Whispers and Shadows“ von Ursa Jaumann ist Band eins einer Dilogie, die uns in eine japanisch inspirierte, von einem Monarchen regierte und von Plagen heimgesuchte Welt entführt. Uns in gefährliche Prüfungen und Intrigen, in eine Geschichte voller Tod und Leidenschaft trägt.
Seit die alten Götter vor knapp 200 Jahren ausgelöscht wurden, herrscht der Gottkaiser über das Reich, das nur noch dank ihm und seiner mystischen Kräfte existiert. Damit das Volk sicher bleibt, werden Gezeichnete eliminiert, bevor sie zu einer Bedrohung werden können, oder von seiner sorgsam erwählten Schattenarmee exekutiert. Denn, so heißt es, jene mit einem Sternenmal hätten Teile seiner Macht gestohlen …

Saya wird im Haus des Flüsterns und der Schatten zu einer Waffe ausgebildet – sieben Prüfungen trennen sie jetzt noch von der Chance, eine Assassine des Kaisers zu werden. Dann muss sie zehn Jahre überstehen, bis sie endlich frei sein, ihre eigenen Pläne verfolgen und Rache an all jenen nehmen kann, denen sie dieses Schicksal zu verdanken hat.
Dass ihr gerade Teno als Partner zugeteilt wird, um die letzten Aufgaben zu absolvieren, treibt die junge Kriegerin an die Grenzen ihrer Selbstbeherrschung, ist er doch der erste Name auf ihrer Todesliste. Teno, der ihre Zieheltern verraten hat. Teno, der ihren Weg aus Gewalt und Verlust, aus Schmerz und Einsamkeit geebnet hat …

Nach einem interessanten Prolog verfolgen wir die Handlung aus wechselnder Perspektive, was uns die gegenwärtige Situation sowie die sich im Verlauf wandelnden Gefühle, gewonnenen Erkenntnisse und individuellen Ziele näherbringt. Teno, der seine Ausbildung absolvieren will, um zu bekommen, was ihm zusteht, ist von der Aussicht, mit einer zierlichen Frau, die ihn hasst, zusammenarbeiten zu müssen, nicht begeistert. Aber sie loszuwerden ist gegen die Regeln … Und schon bald wird beiden klar, dass ihnen nicht nur die Zeit im Nacken sitzt …
Wir erhalten einen vorstellbaren Eindruck von Mingoku – Hauptstadt und Sitz des Gottkaisers. Jaumann bedient sich japanischer Begrifflichkeiten und Gebaren, lässt die Straßen genauso detailliert aufleben wie die etlichen Kampf- und Fluchtszenen. Dennoch konnte mich der Assassinen-Aspekt nicht überzeugen. Saya, die sich Gewissen und Mitgefühl, ihren Glauben, bewahrt hat, agiert mehrfach impulsiv und zögernd, unbedacht. Im Verlauf werden ihre Vergangenheit und ihr persönlicher Umgang mit ihren Taten zwar feinfühlig aufgegriffen, bestärken jedoch den Eindruck, dass sie zu gelähmt für dieses Dasein ist. Tenos Präzision und Kalkül hingegen werden relativ schnell von den Gefühlen zu seiner Mitstreiterin torpediert. Nichtsdestotrotz unterhält die Rivals-to-Lovers-Romance mit spritzigen Schlagabtauschen, einer knisternden, wenn auch vorhersehbaren Anziehung und offenen Gesprächen.

Zugegeben: Wirklich viel Gutes kommt nicht mehr. Meiner Meinung nach verliert sich die Story viel zu oft in Nebensächlichkeiten, in Monologen, Abwägen und Lücken, was Interesse und Spannung vehement erstickt. Das komplette Worldbuilding bleibt flach – sowohl den fantastischen, den politischen als auch den mythologischen Aspekt betreffend. Auch Nebenfiguren fungieren lediglich als Schemen. Ebenso enttäuschend und wirr: die Aufgaben, die Saya und Teno von ihren MeisterInnen zugespielt bekommen (sollten). Hierzu erhaschen wir knappe Erwähnungen, manchmal eine unkoordinierte Suche nach Hinweisen und abrupte Zeitsprünge, die es schwer machen, (in diesem Bereich) den Überblick zu behalten.
Leider muss ich auch sagen, dass ich „Empire of Whispers and Shadows“ insgesamt nicht fesselnd oder atmosphärisch geschrieben fand. Der Stil war sehr einfach gehalten und abgesehen von den Details, die das Setting hervorhoben, fehlte es mir an Relevanz, Fokus, Struktur und Klarheit. Viele Worte, die kaum etwas preisgeben. Selbst die kleinen Spannungsspitzen, zarte Überraschungsmomente oder der Hauch von Misstrauen täuschen nicht über Langatmigkeit und Längen hinweg.
Eine Geschichte, die ohne Frage auf einer interessanten Idee basiert, jedoch nicht überzeugen konnte.

Außerdem empfehle ich dem Verlag eine zweite Korrekturrunde, um fehlende oder doppelte/falsche Worte auszumerzen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere