Kurzweilige Romantasy, der es an Tiefe fehlt.
The Prague ChroniclesNach einer Trennung nimmt die Wiener Kunststudentin Ophelia die Chance wahr, endlich nach Prag zu reisen. Als sie im Garten der Prager Burg einen Golem entdeckt, nutzt sie die Gelegenheit, um ihm ihre ...
Nach einer Trennung nimmt die Wiener Kunststudentin Ophelia die Chance wahr, endlich nach Prag zu reisen. Als sie im Garten der Prager Burg einen Golem entdeckt, nutzt sie die Gelegenheit, um ihm ihre Sehnsucht anzuvertrauen – plötzlich bekommt der Satz „Sei vorsichtig mit deinen Wünschen!“ eine ganz neue, fürchterlich echte Bedeutung. Denn sogleich bekommt die 25-Jährige ihr Abenteuer und ihr Leben eine ungeahnte Wendung. Der Golem ist erwacht und wütend. Schneller als Ophelia diese ungeheuerliche Tatsache verarbeiten kann, treffen sie ein: merkwürdige Agenten, die der jungen Touristin nicht nur allerhand kryptische Fragen stellen, sondern sie auch in Gewahrsam nehmen.
Einar und sein Team sind die Ersten am „Unfallort“ und haben alle Hände voll damit zu tun, die Erinnerungen der zahlreichen ZeugInnen zu verändern. Nur der Auslöser des ganzen Dramas wird von dem Zauber verschont – vorerst. Denn sie hat geschafft, was jahrhundertelang niemand geschafft hat: Sie hat einen mörderischen Golem befreit und auf die Stadt losgelassen. Aber wie? Und warum? Als wäre die Auflösung dieses Rätsels und die Suche nach dem riesigen Relikt nicht bereits genug Belastung für die Agency, soll er, gerade er, den Babysitter für die Menschenfrau spielen. Dabei ist Einar definitiv der Falsche für einfühlsame Verhöre, empathische Interaktionen und Menschen …
„Verbotene Liebe“ ist Band eins der neuen urbanen Romantasy-Reihe „The Prague Chronicles“ von B. E. Pfeiffer, in der uns die Autorin in die geschichtsträchtigen Pragerstraßen führt, auf die Spuren uralter Magie und eines außer Kontrolle geratenen, seit jeher gefürchteten Golems. Die Story geht sofort los, sodass wir erst mit voranschreitendem Verlauf zumindest die eine oder andere Information über die widernatürlichen Gegebenheiten präsentiert bekommen. Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, was uns die Studentin und den Wandler näherbringt und ihre Reaktionen, ihr Abwägen sowie ihr Verhalten greifbarer erscheinen lässt. Während sich Ophelia trotz FreundInnen und Familie rastlos, nie gänzlich zugehörig fühlte, mit Neugier, Intelligenz und Wissensdurst ausgestattet ist, die ganze Situation in einem Wirbel aus Unglauben, Angst und kribbelnder Euphorie betrachtet, hat Einar schnell die Nase voll. Seit zehn Jahren ist er Teil der Shapeshifter Agency und schwor sich, niemals wieder einem Menschen zu vertrauen. Doch auch innerhalb seinesgleichen hat er Schwierigkeiten, Gefühle zuzulassen und sein Team, für das er die Verantwortung trägt, wirklich an sich heranzulassen.
Je mehr Hintergründe sich über das Mysterium »Golem« und Ophelias Rolle in dem Ganzen auftun, je mehr Parteien ins Spiel kommen, die irgendetwas und die Wienerin suchen, je häufiger sich die Einheit der Erinnerungsrestrukturierung in Kampf und Flucht wiederfindet, umso stärker pulsiert Mehr zwischen Einar und Ophelia. Aber wie dieser Anziehung nachgehen, wenn am Ende nur einer mit der Erinnerung zurückbleibt? „The Prague Chronicles“ folgt einem einfachen, aber schnellen Erzähltempo, sodass auf wenigen Seiten viel passiert und es kaum Gelegenheit gibt, in einem Augenblick zu verweilen und (emotionale) Entwicklungen zur Gänze nachvollziehen oder -spüren zu können. Dafür warten hier und da originelle Elemente, die der Story einen frischen Touch verleihen, Wendungen sowie romantische und spaßige Momente. Vor allem die actionreichen Ereignisse tragen die Handlung, die insgesamt eher oberflächlich bleibt, wobei die verschiedenen AgentInnen um Einar – Cass, Koa, Faolan und Imara inklusive des Vorgesetzten Crimson – einen wohligen Zusammenhalt vermitteln und den Trope Found-Family bedienen. Diese Nebenfiguren sind theoretisch – heißt gemessen an der Kürze des Buches – ausreichend involviert und machen aufgrund ihrer Individualität Lust, mehr über sie zu erfahren. Die Intensivierung der Romance-Komponente verlagerte mMn den Fokus der Geschichte und den von Einar, verschob auch Dialoge und Monologe in eine seichtere, kitschigere Richtung. Für meinen Geschmack war gerade der Umschwung des Wandlers – von Distanz und Abneigung zu Anbetung und großen Gefühlsbekundungen – viel zu abrupt, aber Einars Zerrissenheit und Ophelias geheimnisvolle Verbindung zur magischen Welt, die Frage, wer etwas vom Wüten des Golems hat und ob es eine Zukunft für dieses ungleiche Couple geben kann, halten das Interesse beständig aufrecht.
Fazit: Mir fehlte es insgesamt und überall an Tiefe, dennoch basiert „The Prague Chronicles: Verbotene Liebe“ auf einer guten Idee und hält eine kurzweilige, seichte Romantasy bereit.