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Veröffentlicht am 03.05.2026

Tod eines Taubenzüchters

Schräge Vögel – SOKO Zwergsäger
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Außer ihrer Liebe zu Vögeln haben der pensionierte Pathologe Harald, die alleinerziehende Mutter Sabine, Student Thilo und Altphilologin Katja nicht besonders viel gemeinsam. Ein gemeinsam gelöster Mordfall ...

Außer ihrer Liebe zu Vögeln haben der pensionierte Pathologe Harald, die alleinerziehende Mutter Sabine, Student Thilo und Altphilologin Katja nicht besonders viel gemeinsam. Ein gemeinsam gelöster Mordfall hat sie aber zu Freunden gemacht. In Anna Täubers Cozy-Krimi "Schräge Vögel - SoKo Zwergsäger" ermittelt das ungleiche Quartett ein weiteres Mal. Denn Haralds Kumpel und Schrebergartennachbar gerät unter Mordverdacht, als ein Taubenzüchter tot auf seinem Grundstück gefunden wird. Die beiden Männer hatten sich heftig gestritten. Klar, dass die übrigen Freunde Harald nicht im Stich lassen, wenn er die Unschuld seines Freundes beweisen will.

Wie schon der erste Band um die Abenteuer der Hobby-Ornithologen am Chiemsee lebt das Buch von den sehr unterschiedlichen und durchaus eigenwilligen Charakteren. Die Protagonisten haben sich zusammengerauft, zwischen dem grantelnden Harald und dem vegan lebenden und politisch stets korrekten Thilo ist eine Freundschaft entstanden, die am Anfang des ersten Bandes ausgeschlossen schien. Katja, die zwar mit lateinischen Zitaten um sich werfen kann, deren Sozialkompetenz aber noch deutlich ausbaufähig ist, macht vorsichtige Schritte auf ihre irische Kollegin zu, in die sie sich heimlich verliebt hat. Und auch für Sabine ist trotz Doppelbelastung mit pubertierendem Sohn und pflegebedürftiger Mutter ein bißchen Romantik drin.

Vor allem aber geht es natürlich um Vögel - die wildlebenden und die, die als Zuchttiere Tausende von Euros wert sein konnen. Wo es um viel Geld geht, können sich auch schon mal Abgründe auftun - Doping im Taubensport ist da nur ein Beispiel. An Verdächtigen mangelt es den Hobby-Detektiven nicht, schwieriger ist es schon die zuständigen professionellen Ermittler von ihren Überlegungen zu überzeugen. Dass Harald gerne so tut, als sei er immer noch im Dienst der Polizei, hilft da nicht wirklich.

"Soko Zwergsäger" steht dem ersten Band nicht da. Liebenswerter Cozy-Krimi, in dem nicht nur die Vögel schräg sind.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Trautes Heim, Glück allein?

Tödliches Angebot
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Wer in attraktiven Großstädten mit einem recht hohen betuchten Bevölkerungsanteil in jüngster Zeit auf Wohnungssuche war, weiß - das ist Psychostress pur. Wie die Suche nach einer eigenen Immobilie ist, ...

Wer in attraktiven Großstädten mit einem recht hohen betuchten Bevölkerungsanteil in jüngster Zeit auf Wohnungssuche war, weiß - das ist Psychostress pur. Wie die Suche nach einer eigenen Immobilie ist, kann ich mir da nur vorstellen. In Marisa Kashinos Psychothriller "Tödliches Angebot" hat dieser Stress, wie der Titel bereits verrät, fatale Folgen.

Ich-Erzählerin Margo hat klare Vorstellungen von der Zukunft mit Ehemann Ian: Ein harmonisches Familienleben im Eigenheim in einem der guten Vororte Washingtons, mit Zugang zu guten Schulen. Ein Leben, wie sie es in ihrer eigenen Kindheit nicht hatte. Für diesen Traum ist sie bereit, notfalls über Leichen zu gehen. Und das ist keinesfalls symbolisch gemeint.

Seit 16 Monaten leben Margo und Ian in einer kleinen Mietwohnung, mehr als ein Dutzend mal sind sie im Bieterkrieg um Immobilien gescheitert. Die Enge in der Wohnung, die Enttäuschung nach jedem gescheiterten Gebot, die immer lauter tickende biologische Uhr der fast 38-jährigen Margo - das geht nicht spurlos an dem Paar vorbei. Doch dann erfährt Margo von einem Haus, das wie die Erfüllung all ihrer Träume erscheint. Für sie ist klar - sie muss es haben.

Margo lässt jegliche Skrupel fahren, stalkt die Besitzer, schnüffelt in ihrer Vergangenheit herum, ein bißchen Erpressung muss sein. Kein Wunder, dass bei so viel Ablenkung die Arbeit in einer PR-Agentur leidet. Steht Margo demnächst ohne Job und ohne Traumhaus da, womöglich auch ohne Ehemann, der, wie der Fund eines heimlichen Zweithandies verrät, eine Geliebte hat? Zugegeben, Ian geht Margo gerade gewaltig auf die Nerven, aber sie möchte doch nicht ihre wunderbaren Schwiegereltern verlieren?

Margo ist eine Frau, die von einem normalen Leben in immer tiefere Abgründe abdriftet und kein Nein als Antwort akzeptiert. Ihr Kampf um das Traumhaus schlägt jede erfolgreiche PR-Kampagne und wird mit harten Bandagen geführt. Doch hat sich Margo mit ihren Plänen in eine Sackgasse verrannt, oder wird ihr erträumter Lebensentwurf gelingen? Das soll hier natürlich nicht verraten werden, aber als künftige Immobilienbesitzerin am Rande des totalen Zusammenbruchs ist "Tödliches Angebot" nicht nur eine spannend-unterhaltsame Ablenkung für alle, die gerade auf der Suche nach einer neuen Bleibe sind. Zur Nachahmung nicht empfohlen!

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Meinung oder Nachricht?

Erzählen, was ist
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Mit dem Titel ihres Buches "Erzählen, was ist" hat Karin Eigendorf ja ein bißchen das Spiegel-Motto abgekupfert. Sei´s drum - ich war neugierig auf das Buch, bin vielleicht mit einer anderen Erwartungshaltung ...

Mit dem Titel ihres Buches "Erzählen, was ist" hat Karin Eigendorf ja ein bißchen das Spiegel-Motto abgekupfert. Sei´s drum - ich war neugierig auf das Buch, bin vielleicht mit einer anderen Erwartungshaltung rangegangen als andere Leser*innen. Mich hätte etwa interessiert, wie es ist, "nur Krise" zu machen statt die gesamte journalistische Themenvielfalt, die Journalisten etwa als Korrespondenten in einem Land oder einer Region abdecken. Oder - sie hat ja den Vergleich aus dem eigenen Berufsleben - eine Überlegung über die Unterschiede, die sich aus der Arbeit als Auslandskorrespondentin versus "Fallschirmjournalistin" ergeben - also immer dann einfliegen, wenn plötzlich geballtes Interesse an einem Land ist, dort aber nicht den Alltag zu leben.

Statt dessen ist neben Autobiographie auch ein gutes Stück Selbstrechtfertigung ihrer Art der Berichterstattung im Zentrum des Buches. Über ihr jüngeres Ich als Abiturientin schreibt Eigendorf, sie habe als Jugendliche ein gewisses Sendungsbewusstsein gehabt. Mein Eindruck beim Lesen: Das gilt nicht nur für die 18 oder 19 Jahre alte Eigendorf. Entsprechend zwiespältig mein Eindruck am Ende des Buches.

Natürlich ist es interessant, über Eigendorfs Arbeit und Selbstverständnis als Krisen- und Kriegsreporterin zu lesen. Es bedeutet, die eigene Komfortzone zu verlassen und - bei aller Sicherheitsplanung - sich auf Ungewisses und Unabwägbares einzulassen. Es bedeutet Begegnungen mit Menschen in Extremsituationen, deren Sicherheit nach Sendung des Materials ebenfalls bedacht werden muss. Das wird gerade in den Artikeln zu Afghanistan eindrücklich gezeigt.

Zwischen Nahost und Afghanistan, Ukraine und Russland gerät die Schilderung der diversen Krisengebiete und -hintergründe naturgemäß oberflächlich. Ausführlich beschreibt Eigendorf, warum sie berichtet, wie sie berichtet - und da kommt dann der Teil, der sowohl Selbstrechtfertigung wie auch ein beißen Selbstgerechtigkeit enthält.

Jeder Journalistenschüler, jeder Volontär lernt gleich zu Beginn, wie wichtig die Trennung von Kommentar und Nachricht ist. Berichten was ist - das bedeutet eben nicht, die eigene Meinung in einem Nachrichtenbeitrag rauszustellen. Dafür ist der Kommentar als Meinungsbeitrag da.

Ihr werde ja regelmäßig Parteinahme, zu emotionale Berichterstattung vorgeworfen, tritt Eigendorf die Verteidigung nach vorn an. Und lässt sich ausführlich darüber aus, warum sie nicht an "neutrale" Berichterstattung glaubt. Die Gegenargumente - Fragen der Glaubwürdigkeit, gerade in einer Zeit daueraufgeregter Selbstdarstellungen in sozialen Medien, in denen es nur um Meinung und wenig um Fakten geht - kommen kaum vor.

Veröffentlicht am 31.01.2026

Schatten der Vergangenheit

Die weiße Nacht
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Dass Anne Stern historische Romane um starke Frauenfiguren und mit einer ordentlichen Würze Spannung kann, hat sie mit ihrer Reihe um die Hebamme Hulda Gold im Berlin der 1920-er Jahre bewiesen. Berlin ...

Dass Anne Stern historische Romane um starke Frauenfiguren und mit einer ordentlichen Würze Spannung kann, hat sie mit ihrer Reihe um die Hebamme Hulda Gold im Berlin der 1920-er Jahre bewiesen. Berlin ist auch die Kulisse einer neuen historischen Krimireihe, deren Auftaktband "Die weiße Nacht" ist. Diesmal führt Stern ihre Leser*innen allerdings in die Berliner Trümmerlandschaft des Jahres 1946.

Lou Faber, eine junge Fotografin, sucht die Ästhetik inmitten der Zerstörung. Wenn sie Glück hat, kann sie auch das eine oder andere Bild an eine Frauenzeitschrift verkaufen, aber wovon die - ursprünglich wohl großbürgerliche - junge Frau eigentlich ihr Einkommen bestreitet, bleibt letztlich unklar. Bei einer ihrer Fotorecherchen findet sie auf einem Trümmergrundstück die Leiche einer jungen Frau.

Die Tote ist ein Fall Kommissar Alfred König der Berliner Polizei, der in seinem beruflichen Umfeld teils mit Dilettanten, die im Schnellkurs zu Polizisten gemacht werden, zu tun hat, oder aber mit Beamten, die auch schon in Nazi-Deutschland bei der Polizei - und nur allzu oft auch in der NSDAP - waren. Auch König hat lange mitgemacht. Doch als er als Mitglied eines Polizeiregiments in Belarus an Massakern teilnehmen sollte, verweigerte er den Befehl und kam in Lagerhaft.

Auch Lou Faber, die einer der Weißen Rose nachempfundenen Widerstandsgruppe angehörte, wurde während des Krieges verfolgt. Doch anders als die meisten ihrer Freunde hat sie überlebt. König traut sie zunächst nicht, doch trotz gegenseitigen Widerwillens diskutieren sie den Fall, tauschen Hinweise aus und ermitteln gewissermaßen gemeinsam. Dabei kommt Lou der Wahrheit schneller näher, als sie ahnt.

Die Autorin hat wie bei ihren anderen Romanen wieder ausgiebig recherchiert - das Buch enthält zahlreiche historische Details und spiegelt die Atmosphäre eines bitterkalten Winters zwischen schnell verdrängter Vergangenheit und ungewisser Zukunft. Beim Lesen ahnt man früher als die Ermittler die Zusammenhänge zwischen Nazi-Verbrechen und einer Rache an damals Verantwortlichen.

Angesichts der vielen Mitläufer, Wegschauenden und Opportunisten im nationalsozialistischen Deutschland scheint es allerdings fast schon unglaubwürdig, dass sich hier gleich zwei Lichtgestalten zusammenfinden, die "Nein" gesagt haben. Die ganz überwiegende Mehrheit der Deutschen im Dritten Reich waren nun einmal keine Scholls oder von Moltkes. Und beim Umgang mit dem Thema Schuld, Verdrängung und Aufklärung hätte es vielleicht nicht geschadet, eine Hauptfigur mit mehr Ambiguität zu haben, auch wenn sie nicht die Sympathiepunkte eines Protagonisten aus dem Widerstand hat.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Südtiroler Wintersportkrimi

Am Hang des Todes
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Ein wenig passt Lenz Koppelstätters neuer Südtirol-Krimi mit seinem Protagonisten Commissario Grauner ja als Begleitlektüre zur Winterolympiade. Denn der Wintersport, Ehrgeiz und Leistung um jeden Preis ...

Ein wenig passt Lenz Koppelstätters neuer Südtirol-Krimi mit seinem Protagonisten Commissario Grauner ja als Begleitlektüre zur Winterolympiade. Denn der Wintersport, Ehrgeiz und Leistung um jeden Preis spielen auch hier eine Rolle. Ein romantisches Hütten-Wochenende des Ehepaares Tappeiner/Saltapepe bekommt schnell eine neue Wendung, als bei einem wichtigen Abfahrtslauf ein Skitalent ums Leben kommt. Schnell stellt sich heraus - kein Sturz, sondern ein Schuss war die Todesursache. Also Ermitteln statt Hütten-Idylle.

Der Dorfklatsch scheint durchaus hilfreich, denn so lernen Grauner - frisch von seiner Weltreise zurück - und seine Kollegen über eine schon seit langem bestehende Fehde zwischen den Eltern des Toten, die eine Skihütte betreiben, und dem Betreiber eines Ökobauernhofs, dessen Wald gegen dessen Willen für die Abfahrtstrecke abgeholzt wurde. Und dessen Sohn, ein großes Skitalent, nach einer positiven Dopingprobe die Hoffnungen auf einen Platz im Nationalteam aufgeben musste. Dadurch hatte das jetzige Mordopfer Chancen, zum Stern am Skihimmel aufzusteigen.

Doch ist wirklich alles so einfach? Natürlich nicht. Grauner und Co müssen sicher geglaubte Annahmen revidieren, es bleibt nicht bei einem Toten. Und überhaupt ist alles ganz anders, als es auf den ersten Blick erscheint.

Im Südtiroler Team grummelt es ein wenig, unausgesprochenes Konkurrenzdenken macht sich vor allem zwischen Grauner und Saltapepe breit. Überhaupt, das Reisen hat den Commissario verändert. so sehr er das Wiedersehen mit den geliebten Kühen genießt. Die Mentalitäts- und Temperamentsunterschiede des Ermittlerteams sorgen wie in den Vorgängerbänden für eine humorige Note.

Gleichzeitig scheint es ein wenig, als hetze der Autor ein wenig durch den Fall, nehme sich etwas weniger Zeit für die Befindlichkeiten zwischen Kuhstall und Polizeirevier - vielleicht, weil mit dem nunmer elften Band nicht nur vieles auserzählt ist, sondern auch die Lust auf den Viechbauer-Commissario nicht mehr so groß? Zumal Koppelstetter ja schon längst eine zweite Reihe begonnen hat? Im Vergleich zu den Vorgängerbänden scheint mir dieser Grauner ein wenig abzufallen. Ein lesenswerter Südtirol-Krimi ist das Buch trotzdem

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