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Veröffentlicht am 09.01.2018

Wissenswertes über die "Königin der Alpen"

Die Zirbe
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INHALT
Mit ihrem Buch “Die Zirbe“, das im Athesia-Tappeiner Verlag erschienen ist, stellen die Autoren Sigrid Thaler Rizolli und Heinrich Gasteiger einen bemerkenswerten Baum vor, der schon seit vielen ...

INHALT
Mit ihrem Buch “Die Zirbe“, das im Athesia-Tappeiner Verlag erschienen ist, stellen die Autoren Sigrid Thaler Rizolli und Heinrich Gasteiger einen bemerkenswerten Baum vor, der schon seit vielen Jahrhunderten geschätzt und als Königin der Alpen bezeichnet wird. Sie präsentieren in ihrem Werk eine gelungene Zusammenstellung von viel Wissenswertem, zahlreiche nützliche Tipps und 99 Rezeptideen für das allgemeine Wohlbefinden, Schönheit und natürlich zum Kochen.

MEINE MEINUNG
Schon die ansprechende optische Aufmachung des Buchs ist sehr gelungen und ein richtiger Hingucker. Die vielen stimmungsvollen Fotos machen neugierig auf die Zirbe und ihre vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten im Alltag. Neben den Fotos von verwendeten Zutaten, den verschiedenen zubereiteten Rezepten und appetitanregenden Genuss-Gerichten finden sich auch sehr stimmungsvolle Bilder der Zirbe in der Natur. Alles wirkt sehr natürlich und authentisch, und so macht es einfach Spaß, sich die Bilder anzuschauen und im Buch zu stöbern.
Dem 221 Seiten starken Buch, das insgesamt 6 thematische Abschnitte umfasst, ist ein Vorwort, Inhaltsverzeichnis und eine Rezeptliste vorangestellt; am Ende findet sich ein übersichtliches Register sowie eine Kurzvorstellung der beiden Autoren.
In verschiedenen Abschnitten erfährt man zu unterschiedlichen Themenbereichen eine ganze Fülle von Informationen, wie zum Beispiel über den Lebensraum und die Botanik der Zirbe, altes Volkswissen zur Verwendung des Zirbenholzes sowie wissenschaftliche Forschungsergebnisse über ihre besonderen Eigenschaften auf den Menschen. Zudem erhält man viele nützliche Tipps, wie man Vitalstoffe der Zirbe im Wohnbereich (z.B. zur Verbesserung der Schlafqualität) aber auch allgemein zur Förderung der Gesundheit einsetzen kann. Hierbei wird unter anderem auf ihren Einsatz in der Silvo-, Gemmo-, Aromatherapie und beim Räuchern eingegangen. In einem weiteren Abschnitt stellen uns die Autoren eine bunte Mischung an interessanten Heil- und Wohlfühlrezepten für Wellness, Hausapotheke und Naturkosmetik vor.
Man merkt, dass die beiden Autoren sich hervorragend auskennen: so ist Sigrid Thaler Rizzolli Biologin, Kräuterspezialistin und Leiterin verschiedener Kräuterakademien und Heinrich Gasteiger ein innovativer Spitzenkoch sowie erfolgreicher Kochbuchautor. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Erläuterungen sind fundiert, gut recherchiert und recht allgemeinverständlich gehalten, so dass auch Laien damit etwas anfangen können. Sehr gut gefallen hat mir, dass stets auf eine praxisnahe Umsetzung der Rezepte geachtet wurde und zunächst wissenswerte Grundlagen bei den umfangreichen Anleitungen für die Hausapotheke oder Naturkosmetik erklärt wurden. So möchte man am liebsten gleich einiges ausprobieren.
Sehr gelungen ist auch der Abschnitt der Zirbe-Genussrezepte, der den außergewöhnlichen „Küchenneuling mit Potential“ für die Küche derart ansprechend vorstellt, dass allein das Lesen schon zum Genuss wird.
Die Zubereitung der Gerichte ist gut beschrieben und nicht allzu aufwendig. Neben einer Zutatenliste, Angaben zu Portionenzahl und Zubereitung gibt es zu jedem Rezept in einem abgesetzten Bereich einige nützliche, kulinarische Tipps, wie z. B. einige Vorschläge zur Verfeinerung oder Alternativen zu den Zutaten. Die Rezepte sind originell, lecker und vor allem relativ leicht nachzumachen. Bei der Vielzahl an Rezeptvariationen mit der Zirbe als Zutat sollte eigentlich für jeden Geschmack das Richtige dabei sein. Einziges Problem ist jedoch die Beschaffung der so außergewöhnlichen Zutat der „Königin der Alpen“, die in Deutschland leider noch nicht sehr verbreitet ist.

FAZIT
Dieses umfangreiche und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitete Buch über den Wunderbaum Zirbe ist rundum gelungen und für alle Interessierten äußerst empfehlenswert.
Mit vielen ansprechenden Fotos, wissenswerten Informationen und nützlichen Tipps nimmt man das Buch einfach gerne in die Hand, lässt sich beim Durchblättern von den vielen Anwendungen inspirieren und bekommt richtig Lust darauf, einiges auszuprobieren.

Veröffentlicht am 06.01.2018

Die unermüdlichen „Knallfrösche“ von Coalwood

Rocket Boys. Roman einer Jugend.
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INHALT
Als der russische Weltraumsatellit Sputnik im Jahr 1957 als heller Fleck am Himmel auftaucht, ist der 14jährige Homer Hickam als einer der wenigen im trostlosen Bergarbeiterort Coalwood in West ...

INHALT
Als der russische Weltraumsatellit Sputnik im Jahr 1957 als heller Fleck am Himmel auftaucht, ist der 14jährige Homer Hickam als einer der wenigen im trostlosen Bergarbeiterort Coalwood in West Virginia vollauf begeistert. „Sonny“, wie er von den meisten genannt wird, beschließt, eigene Raketen zu bauen und gründet mit seinen Freunden einen Raketenclub, die „Big Creek Missile Agency". Sein großer Traum ist es, einmal wie sein großes Idol der Raketeningenieur Wernher von Braun den Weltraum zu erobern und als Weltraumingenieur in Cape Canaveral zu arbeiten. Eine einzigartige Möglichkeit, der dem Niedergang geweihten Zechenstadt Coalwood zu entkommen und einer verheißungsvollen Zukunft entgegen zu sehen. Während Sonnys unnahbaren Vater alles andere als begeistert von den Raketenbauversuchen ist und als Zechenleiter seinen Sohn lieber in seiner geliebten Zeche arbeiten sehen möchte, unterstützt seine clevere Mutter ihn in seiner Leidenschaft.

MEINE MEINUNG
Homer Hickam hat mit „Rocket Boys – Roman einer Jugend“ einen wundervollen, größtenteils autobiographischen Roman über seine Jugenderinnerungen geschrieben, der zugleich ein faszinierendes Stück Zeitgeschichte wiedergibt. Einen besonderen Reiz bekommt der Roman durch die Tatsache, dass Hickam es als einfaches Bergarbeiterkind tatsächlich geschafft hat, seinen Lebenstraum zu erfüllen und Weltraumingenieur bei der NASA in Huntsville geworden ist. Der Autor ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, der es versteht, den Leser auf eine unnachahmlich warmherzige, humorvolle und oftmals selbstironische Art zu unterhalten. Einfühlsam und mit viel Charme beschreibt er seine Jugend in der tristen amerikanischen Bergarbeiterstadt Coalwood, gibt einen hervorragenden Einblick in eine engstirnige und vom Kalten Krieg geprägte 50er-Jahre-Gesellschaft Amerikas und lässt uns Leser so in Sonnys bewegtes Leben eintauchen.
Schon bald beginnt man mit den Rocket Boys zu fiebern, wie sie gegen zahllose Widerstände ankämpfen, sich mit Enthusiasmus und unglaublicher Beharrlichkeit ihrem Raketenprojekt widmen und so trotz aller Misserfolge ihrem Traum schrittweise näher kommen. Man freut sich über jede noch so kleine moralische und praktische Unterstützung durch Menschen, die an sie glauben, und feiert ihre Fortschritte enthusiastisch mit. Während der Bergbau und die Zukunft von Coalwood dem Untergang geweiht sind, werden die „Knallfrösche“ und ihre Erfolge allmählich zum einzigen Lichtblick vieler Bergleute.
Neben unglaublich witzigen Anekdoten schildert Hickam auch berührende und nachdenklich stimmende Episoden. Von ganz alltäglichen Themen wie Familienzwistigkeiten, Sonnys erster großer Liebe, Beschreibungen des Zusammenlebens der Menschen an einem Ort, deren Alltag fast ausschließlich von der Zeche bestimmt wird, werden auch seine schwierige Beziehung zu seinem Vater, tiefe Enttäuschungen und menschliche Tragödien aufgegriffen.
Abgerundet wird das Ganze durch herrlich ausgearbeitete, sehr lebensnahe Charaktere vom liebenswerten Protagonisten Sonny über seine tollen Freunde, seine außergewöhnliche Mutter Elsie, dem gutherzigen Schlosser Bykovski bis hin zur engagierten Lehrerin Mrs. Riley, denen die Rocket Boys ihren größten Erfolg, Goldmedaille beim "National Science Fair", zu verdanken haben. Im Epilog erhält der Leser zum stimmigen Ausklang noch eine kurze Zusammenfassung, über den weiteren Werdegang von Sonny und seinen Freunden.

FAZIT
Ein ganz besonderes Lesevergnügen – wundervoll geschrieben, mit äußerst liebenswerten Charakteren und eine berührende Geschichte über das Erwachsenwerden, die zugleich Mut macht, trotz aller Widrigkeiten für seine Chancen im Leben zu kämpfen und seine Träume zu verwirklichen!
Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 30.12.2017

Der Todesmeister von Berlin

Der Todesmeister
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INHALT
In der Spree ist die Leiche eines jungen Mädchens mit Folter- und Missbrauchsspuren aufgefunden worden. Bei dem Mordopfer handelt es sich um die Nichte des Berliner Justizsenators. Viktor von Puppe, ...

INHALT
In der Spree ist die Leiche eines jungen Mädchens mit Folter- und Missbrauchsspuren aufgefunden worden. Bei dem Mordopfer handelt es sich um die Nichte des Berliner Justizsenators. Viktor von Puppe, gerade erst aus dem Innenministerium zum Berliner LKA gewechselt, muss nun in diesem brisanten Fall mit großer öffentlicher Aufmerksamkeit ermitteln. Keine leichte Aufgabe für ihn und seine Kollegen, denn offenbar ist man in den höheren Kreisen weniger an einer Aufklärung der Hintergründe als an einem schnellen Abschluss des Falls interessiert. Als dann aber im Darknet ein Video auftaucht, in dem eine junge Frau auf grauenvolle Weise zu Tode gequält wird, steht für das Ermittlerteam fest, dass sie einen perversen Serientäter fassen müssen. Kein leichtes Unterfangen, werden sie doch immer wieder regelrecht ausgebremst...

MEINE MEINUNG
Thomas Elbel kann auch hervorragend Thriller schreiben, das hat der vielseitige Autor mit seinem neuesten Werk „Der Todesmeister“ bewiesen, das zugleich den äußerst gelungenen Auftakt einer neuen, vielversprechenden Thriller-Reihe darstellt und im Moloch Berlin angesiedelt ist.
Mit schnellen Perspektivwechseln und geschickt gewählten Cliffhangern sorgt der Autor für reichlich Tempo und einen rasanten Spannungsaufbau. Obwohl der sehr clever konstruierte Kriminalfall thematisch an sich nichts weltbewegend Neues bietet, ist man als Leser schon nach wenigen Abschnitten völlig gefesselt. Die bisweilen schonungslose und sehr drastische Schilderung einiger Szenen ist allerdings nichts für zartbesaitete Leser.
Atmosphärisch dicht und sehr anschaulich werden die verschiedenen, während der Ermittlungen aufgesuchten Schauplätze eingefangen. Auch Elbels lebendiger, mitreißender Schreibstil konnte mich wieder begeistern.
Interessant und vielschichtig sind die etwas unkonventionellen, aber trotzdem sympathischen Charaktere des Ermittler-Trios angelegt, die sicher im Laufe der Thriller-Reihe mit ihrer eigenwilligen Art und gewissen Geheimnissen aus ihrem Privatleben noch für so manche Erheiterung und Überraschung sorgen werden. Vor allem Viktor von Puppe, als cleverer Kriminalist aus allerbester Kinderstube, der mit einer ganz eigenen Agenda einen Jobwechsel zum LKA angestrebt hat und sich erst noch ins Team einfügen muss, oder der coole, recht derbe Sprüche klopfende Ken, der das Herz am rechten Fleck hat, haben mir auf Anhieb sehr gut gefallen. Etwas länger dauert es, bis man die sehr unnahbare, taffe und stets schlecht gelaunte Begüm besser kennen lernt und mit ihr warm wird.
Sehr fesselnd sind auch die Einblicke in die beängstigende Gedankenwelt des gestörten Täters und Rückblenden in seine Kindheit, mit denen wir in eingeschobenen Kapiteln konfrontiert werden.
Elbel ist es hervorragend gelungen, den Spannungsbogen seines fesselnden Falls durch unerwartete Wendungen stets bis zum Zerreißen gespannt zu halten. Für Abwechslung und Unterhaltung sorgen einige amüsante Verwicklungen der Charaktere. Zum Ende hin bekommt der Leser durch eine geschickte Zuspitzung der Ereignisse ein unglaublich packendes, nervenaufreibendes Finale und einen stimmigen Abschluss zu lesen. Auch wenn einige Entwicklungen in der Handlung vorhersehbar waren, blieb der Täter für mich sehr lange im Dunkeln, so dass die Auflösung für mich eine echte Überraschung war.
Mit seinem Epilog setzt Elbel noch einmal einen äußerst überraschenden Schlusspunkt, der uns auf eine baldige Fortsetzung der Thriller-Reihe hoffen lässt!

FAZIT
Ein gelungenes Thrillerdebüt mit einem sehr unkonventionellen Ermittler-Team. Ein wirklich packender, lesenswerter Page-Turner!

Veröffentlicht am 12.06.2026

Eine berührende Geschichte über Verlust und Neubeginn

Eine Maus namens Merlin
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MEINE MEINUNG
Mit seinem Debüt „Eine Maus namens Merlin“ ist Simon Van Booy ein herzerwärmender Wohlfühlroman gelungen, der mit erfrischender Leichtigkeit von Einsamkeit, schmerzlichen Verlusten und der ...

MEINE MEINUNG
Mit seinem Debüt „Eine Maus namens Merlin“ ist Simon Van Booy ein herzerwärmender Wohlfühlroman gelungen, der mit erfrischender Leichtigkeit von Einsamkeit, schmerzlichen Verlusten und der Bedeutung der kleinen, oft unscheinbaren Momente im Leben erzählt. Zugleich macht er deutlich, dass Neuanfänge selbst im hohen Alter möglich sind. Feiner Humor, zart verwobene Melancholie und ein hoffnungsvoller Ausklang verbinden sich zu einer angenehm entschleunigenden und wunderbar einfühlsamen Erzählung.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 83-jährige Witwe Helen Cartwright, die nach sechzig Jahren in Australien in ihren Geburtsort nahe Oxford zurückkehrt und dort sie ein kleines, möbliertes Haus bezieht. Helens Alltag erschöpft sich in immer gleichen Routinen, geprägt von selbstgewählter Einsamkeit, Resignation und dem bewussten Verdrängen schmerzhafter Erinnerungen an die Menschen, die sie verloren hat – fast so, als warte sie nur noch auf das Ende ihres Lebens. Doch das unerwartete Auftauchen einer kleinen, zutraulichen Maus in ihrem Haus durchbricht diese Erstarrung und bringt Bewegung in ihr zurückgezogenes Leben.

Zunächst empfindet Helen die Anwesenheit des kleinen Wesens noch als lästige Störung und setzt alles daran, es möglichst schnell wieder loszuwerden. Doch notwendige Besorgungen im Tierhandel, in der Bibliothek und im Eisenwarenladen führen sie Schritt für Schritt aus ihrer Isolation heraus und lassen sie erneut mit anderen Menschen in Kontakt treten.

Mit seinem einfühlsamen Erzählstil zeichnet Van Booy Helens zögerlichen Wandel gekonnt nach. Allmählich wächst ihr die kleine Mitbewohnerin, die sie Merlin nennt, ans Herz. Die ungewöhnliche Freundschaft schenkt ihrem eintönigen Alltag nicht nur Struktur, sondern auch neue Bedeutung. Eindringlich zeigt der Autor in seiner berührenden Geschichte auf, wie wichtig Menschlichkeit, Nähe und das Gefühl, gebraucht zu werden, für ein erfülltes Leben sind. Mit feinem Humor und viel Feingefühl erzählt er in episodischen Rückblicken auf Helens früheres Leben und eröffnet dabei berührende Einblicke in ihre innere Welt und ihre bemerkenswerte Persönlichkeit.
Mit seiner hochbetagten Protagonistin hat der Autor einen bemerkenswert vielschichtig angelegten Charakter geschaffen. Anfangs verschlossen und spröde, gewinnt sie zunehmend an Tiefe und Wärme, sodass sie einem schnell ans Herz wächst und sorgt zum Ende hin sogar für einige überraschende Momente.
Trotz der insgesamt ruhigen Handlung gelingt es Van Booy, den Spannungsbogen spürbar zu verdichten und die Geschichte mit einem stimmigen, nachdenklichen Schluss ausklingen zu lassen.

ZUM HÖRBUCH
Schauspielerin Frauke Poolman ist eine eindrucksvolle  Umsetzung dieses zauberhaften Wohlfühlromans gelungen. Mit angenehmer Stimme und ihrem ruhigen Vortrag zieht sie uns mühelos in die leicht melancholische Geschichte hinein. Von beschaulichen Momenten, über feine Ironie bis hin zu humorvollen Episoden versteht sie es, die unterschiedlichen Stimmungen durch variierendes Sprechtempo und nuancierte Betonung lebendig einzufangen. Dabei gelingt es ihr immer wieder, uns ein sanftes Schmunzeln zu entlocken.

Insgesamt überzeugt Poolman mit einer exzellenten Lesung, die ein ebenso unterhaltsames wie herzerwärmendes Hörerlebnis bietet.

FAZIT
Eine stille, berührende Wohlfühlgeschichte über Einsamkeit, Verlust, die Magie unerwarteter Begegnungen und späte Neuanfänge.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.05.2026

Ein berührender Roman

Pina fällt aus
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MEINE MEINUNG

In ihrem neuen Roman "Pina fällt aus" erzählt die deutsche Autorin Vera Zischke eine bewegende, mitunter nachdenklich stimmende, aber zugleich warmherzige Geschichte über Inklusion, Fürsorge, ...

MEINE MEINUNG

In ihrem neuen Roman "Pina fällt aus" erzählt die deutsche Autorin Vera Zischke eine bewegende, mitunter nachdenklich stimmende, aber zugleich warmherzige Geschichte über Inklusion, Fürsorge, Abhängigkeit und Vertrauen. Vielschichtig setzt sie sich mit der Frage auseinander, wie sich aus einer nachbarschaftlichen Notgemeinschaft, die sich erst im Ausnahmezustand zusammenfindet, langsam ein echter Zusammenhalt und ein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln kann.

Im Mittelpunkt steht die alleinerziehende Mutter Pina, die seit Jahren für ihren 20‑jährigen, autistischen Sohn Leo eine aufopfernde Stütze ist, bis sie plötzlich auf der Straße zusammenbricht und ins Krankenhaus eingeliefert wird. Leo lebt in einer eigenen, streng strukturierten Ordnung und ist auf verlässliche Abläufe angewiesen, damit seine Welt nicht aus den Fugen gerät. Mit Pinas Ausfall bricht von einem Moment auf den anderen ein fein abgestimmtes, vertrautes System zusammen, das nicht nur Leos Alltag geregelt, sondern auch ihre gemeinsame kleine Welt zusammengehalten hat.
Sehr anschaulich und einfühlsam zeigt die Autorin, wie stark Pinas Alltag von Selbstverzicht und der Fürsorge für ihren Sohn geprägt war. Sie lebt wie auf einem Drahtseil, auf dem Schuld, Verantwortung, Liebe und Erschöpfung sich in einem dauerhaften, oft unbewusst verschobenen Kräfteverhältnis vermischen. Rückblickend wird deutlich, dass Pina sich fast vollständig nach Leos Eigenarten, seiner vertrauten Routine und Sicherheit richtete, sodass kaum noch Raum für ihre eigenen Bedürfnisse und ihr eigenes Leben übrigblieb. Zischke erzählt ihre Geschichte mit großer Wärme, viel Feingefühl und Leichtigkeit, der die teils ernsten Themen nicht überdeckt, sondern ihnen Raum gibt. Durch ihren lebendigen Schreibstil und zahlreiche humorvolle, teils fast komisch bis chaotisch anmutende Episoden gelingt es ihr, uns trotz der emotionalen Dichte zu fesseln. Die Geschichte wirkt dabei nie überladen, sondern bleibt nah am Alltag, an den kleineren, doch gerade deshalb so markanten Momenten, die sich oft entscheidend auswirken. Durch Pinas medizinischen Notfall sehen sich die drei so unterschiedlichen Bewohner der Hausgemeinschaft mit eine ungewohnten Situation konfrontiert, aus denen heraus sie sich zunächst zögerlich, dann aber immer entschiedener dazu aufgerufen fühlen, für Pina einzuspringen und sich um den alleingelassenen Leo zu kümmern.

Ob nun die junge, rebellische und sehr distanziert wirkende Zola, die hochbetagte, vom Leben gezeichnete Inge oder der schüchterne, in sich gekehrte Wojtek – alle drei haben ihre ganz eigenen Probleme, Enttäuschungen und Verletzungen. Nach anfänglicher Unsicherheit wachsen sie Schritt für Schritt in ihre neue verantwortungsvolle Rolle hinein, stellen sich den ungewohnten Herausforderungen und lernen, füreinander einzustehen und als Gemeinschaft für Leo da zu sein.

Die Betreuung von Leo erweist sich als anstrengend, manchmal komisch bis chaotisch und stets anspruchsvoll, denn es verlangt Geduld, Flexibilität, Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft, sich zu öffnen und Grenzen neu zu definieren. Mit viel Empathie und dem richtigen Gespür für Zwischentöne schildert Zischke diesen Prozess in all seinen Höhen und Tiefen sehr glaubwürdig. Er verläuft keineswegs reibungslos und harmonisch, sondern ist von Zweifeln, Fehlern, Überforderung, Missverständnissen und kleinen, aber bedeutsamen Erfolgserlebnissen geprägt. Dabei entstehen schrittweise Vertrautheit, ein unausgesprochenes Verständnis und ein Gefühl von Gemeinschaft, das über die eigentliche Aufgabe, Leo zu betreuen, weit hinausgeht.

Faszinierend ist es mitzuerleben, wie Leo nicht nur den Alltag dieser so unterschiedlichen Charaktere verändert, sondern auch ihren Blick auf sich selbst nachhaltig beeinflusst und sie dazu bringt, bislang unentdeckte, überraschend verletzliche, aber auch mutige Seiten an sich zu entdecken.

Mit einer gelungenen Mischung aus scharfer Beobachtung, Einfühlungsvermögen und feinem Humor zeichnet Zischke ein lebendiges und authentisches Bild dieser zunächst eher zufälligen Zweckgemeinschaft. Dabei gelingt es ihr hervorragend, die komplexen menschlichen Beziehungen und alltäglichen Dynamiken des Zusammenlebens in ihren vielfältigen Facetten einzufangen und zugleich die Widersprüche, Nähe und Distanz, Fürsorge und Grenzen aufzuzeigen.

Äußerst gelungen zeichnet Zischke ihre verschiedenen Figuren in ihrer Vielschichtigkeit, ohne sie zu idealisieren. Die Bewohner der Hausgemeinschaft werden mit ihren Widersprüchen, Stärken, Schwächen und Verletzlichkeiten sehr facettenreich und lebensnah darstellt. Glaubwürdig und einfühlsam stellt sie dar, wie jeder einzelne im Verlauf der Geschichte einen individuellen Prozess der Selbstfindung und persönlichen Weiterentwicklung durchläuft. Besonders überzeugend und respektvoll hat Zischke Leo als hochkomplexe, eigenständige Figur ausgearbeitet. Mit klar umrissenen Bedürfnissen, festen Routinen und einer sehr eigenen Wahrnehmung der Welt nimmt er eine zentrale Rolle im Roman ein. Gekonnt zeigt die Autorin auf, wie stark Menschen mit Autismus an feste Strukturen,  klare Regeln und verlässliche Abläufe gebunden sein können, die oft von Dritten als „merkwürdig“, „schwierig“ oder „unverständlich“ abgetan werden. Faszinierend ist es, wie Zischke uns einen nüchternen, zugleich einfühlsamen Einblick in Leos Alltag, seine Strategien zum Umgang mit Veränderungen und seine eigene Art, die Welt zu erfassen, gewährt.  

Neben turbulenten Alltagsgeschehnissen der Hausgemeinschaft rückt wiederholt auch Pinas Perspektive im Krankenhaus als ruhiger Gegenpol in den Fokus. Sehr eindrücklich thematisiert Zischke die Erschöpfung, die verborgene Belastung und Schuldgefühle, mit denen pflegende Angehörige oft konfrontiert sind. 

Sie macht sehr anschaulich deutlich, wie schwer es ist, eigene Grenzen überhaupt noch zu erkennen, wenn das Leben Jahr um Jahr fast ausschließlich auf die Bedürfnisse eines anderen ausgerichtet ist. Zugleich wirft sie die unausgesprochene Frage auf, wie viel ein einzelner Mensch tragen kann, ohne sich selbst zu verlieren oder zu zerbrechen.

Am Ende gelingt ein sehr stimmiger, realistischer Ausklang dieses bewegenden Romans, der nicht übertrieben idealisiert, aber zugleich hoffnungsvoll bleibt.  Die Geschichte zeigt uns auf wundervolle Weise, welche Kraft in kleinen, alltäglichen Gesten der Unterstützung, Aufmerksamkeit und Offenheit steckt, und regt nachhaltig zum Nachdenken über Inklusion, Mitmenschlichkeit, Gemeinschaft, Fürsorge sowie Krankheit, Behinderung und das Anderssein an.

FAZIT

Ein bewegender, warmherziger Roman über Fürsorge,  Inklusion, Erschöpfung und das langsame Wachsen von Gemeinschaft – mit vielschichtigen, lebensnahen Figuren und mit großer Empathie und feinem Humor erzählt.
Eine klare Leseempfehlung für alle, die sich für empathische, lebendig gezeichnete Alltagsgeschichten, komplexe Figuren und sensible Themen interessieren. 

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