Profilbild von bookloving

bookloving

Lesejury Star
offline

bookloving ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit bookloving über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.12.2017

Der Todesmeister von Berlin

Der Todesmeister
0

INHALT
In der Spree ist die Leiche eines jungen Mädchens mit Folter- und Missbrauchsspuren aufgefunden worden. Bei dem Mordopfer handelt es sich um die Nichte des Berliner Justizsenators. Viktor von Puppe, ...

INHALT
In der Spree ist die Leiche eines jungen Mädchens mit Folter- und Missbrauchsspuren aufgefunden worden. Bei dem Mordopfer handelt es sich um die Nichte des Berliner Justizsenators. Viktor von Puppe, gerade erst aus dem Innenministerium zum Berliner LKA gewechselt, muss nun in diesem brisanten Fall mit großer öffentlicher Aufmerksamkeit ermitteln. Keine leichte Aufgabe für ihn und seine Kollegen, denn offenbar ist man in den höheren Kreisen weniger an einer Aufklärung der Hintergründe als an einem schnellen Abschluss des Falls interessiert. Als dann aber im Darknet ein Video auftaucht, in dem eine junge Frau auf grauenvolle Weise zu Tode gequält wird, steht für das Ermittlerteam fest, dass sie einen perversen Serientäter fassen müssen. Kein leichtes Unterfangen, werden sie doch immer wieder regelrecht ausgebremst...

MEINE MEINUNG
Thomas Elbel kann auch hervorragend Thriller schreiben, das hat der vielseitige Autor mit seinem neuesten Werk „Der Todesmeister“ bewiesen, das zugleich den äußerst gelungenen Auftakt einer neuen, vielversprechenden Thriller-Reihe darstellt und im Moloch Berlin angesiedelt ist.
Mit schnellen Perspektivwechseln und geschickt gewählten Cliffhangern sorgt der Autor für reichlich Tempo und einen rasanten Spannungsaufbau. Obwohl der sehr clever konstruierte Kriminalfall thematisch an sich nichts weltbewegend Neues bietet, ist man als Leser schon nach wenigen Abschnitten völlig gefesselt. Die bisweilen schonungslose und sehr drastische Schilderung einiger Szenen ist allerdings nichts für zartbesaitete Leser.
Atmosphärisch dicht und sehr anschaulich werden die verschiedenen, während der Ermittlungen aufgesuchten Schauplätze eingefangen. Auch Elbels lebendiger, mitreißender Schreibstil konnte mich wieder begeistern.
Interessant und vielschichtig sind die etwas unkonventionellen, aber trotzdem sympathischen Charaktere des Ermittler-Trios angelegt, die sicher im Laufe der Thriller-Reihe mit ihrer eigenwilligen Art und gewissen Geheimnissen aus ihrem Privatleben noch für so manche Erheiterung und Überraschung sorgen werden. Vor allem Viktor von Puppe, als cleverer Kriminalist aus allerbester Kinderstube, der mit einer ganz eigenen Agenda einen Jobwechsel zum LKA angestrebt hat und sich erst noch ins Team einfügen muss, oder der coole, recht derbe Sprüche klopfende Ken, der das Herz am rechten Fleck hat, haben mir auf Anhieb sehr gut gefallen. Etwas länger dauert es, bis man die sehr unnahbare, taffe und stets schlecht gelaunte Begüm besser kennen lernt und mit ihr warm wird.
Sehr fesselnd sind auch die Einblicke in die beängstigende Gedankenwelt des gestörten Täters und Rückblenden in seine Kindheit, mit denen wir in eingeschobenen Kapiteln konfrontiert werden.
Elbel ist es hervorragend gelungen, den Spannungsbogen seines fesselnden Falls durch unerwartete Wendungen stets bis zum Zerreißen gespannt zu halten. Für Abwechslung und Unterhaltung sorgen einige amüsante Verwicklungen der Charaktere. Zum Ende hin bekommt der Leser durch eine geschickte Zuspitzung der Ereignisse ein unglaublich packendes, nervenaufreibendes Finale und einen stimmigen Abschluss zu lesen. Auch wenn einige Entwicklungen in der Handlung vorhersehbar waren, blieb der Täter für mich sehr lange im Dunkeln, so dass die Auflösung für mich eine echte Überraschung war.
Mit seinem Epilog setzt Elbel noch einmal einen äußerst überraschenden Schlusspunkt, der uns auf eine baldige Fortsetzung der Thriller-Reihe hoffen lässt!

FAZIT
Ein gelungenes Thrillerdebüt mit einem sehr unkonventionellen Ermittler-Team. Ein wirklich packender, lesenswerter Page-Turner!

Veröffentlicht am 12.04.2026

Ein leiser Roman über Liebe und Verzicht

Meine Berge bist du
0

MEINE MEINUNG
Der neue, tief berührender Roman „Meine Berge bist du“ vom italienischen Autor Francesco Vidotto ist eine leise, poetische Erzählung über Liebe, Loyalität, Verzicht und die schmerzhafte Kunst ...

MEINE MEINUNG
Der neue, tief berührender Roman „Meine Berge bist du“ vom italienischen Autor Francesco Vidotto ist eine leise, poetische Erzählung über Liebe, Loyalität, Verzicht und die schmerzhafte Kunst des Loslassens, deren Stärke weniger aus der Handlung als aus ihrer eindringlichen Stimmung, der poetischen Sprache und der inneren Wahrhaftigkeit entsteht, mit der Vidotto seine Figuren zeichnet.
Im Zentrum steht der alte Guido Contin, genannt Cognac, der mit seiner Katze Moglie zurückgezogen in den Bergen lebt und in einer Mappe mit handgeschriebenen Briefen den kostbarsten Schatz seines Lebens hütet. Diese an die Berggipfel der Gegend gerichteten Briefe enthalten die gesammelten Erinnerungen eines Manns namens Onesto. Nach und nach erfahren wir aus seinen geheimnisvollen Botschaften an die Berge mehr über Onestos Vergangenheit, seine Kindheit und enge Verbundenheit mit seinem Zwillingsbruder Santo sowie seine geheime Seelenpein, die er keinem gegenüber aussprechen kann. Als sich beide Brüder in die junge Celeste verlieben, gerät ihr enges Verhältnis gefährlich ins Wanken, und so entscheidet Onesto sich trotz seiner Gefühle für Celeste für den Verzicht, um seinen Bruder nicht zu verlieren. So werden die Gipfel zu stummen Zeugen einer großen Liebe, die nie gelebt werden durfte. Vor der eindrucksvollen Kulisse der Dolomiten entfaltet sich eine fein nuancierte, verhängnisvolle Dreiecksgeschichte voller schmerzlicher Tragik, Verzicht, Selbstaufgabe, Schuldgefühlen, Einsamkeit und stiller Sehnsucht. Vidotto erzählt seine Geschichte ohne pathetische Überhöhung, äußerst feinfühlig, mit leisen Tönen und eindrucksvoller Poesie. Die reduzierte, dialogarme Erzählweise, ihre einfache Klarheit und rhythmische Wiederholung verleihen dem Roman eine beeindruckende, melancholische Dichte. Der bildstarke und dennoch ruhige, prägnante Schreibstil passt sehr gut zur rauen Bergwelt, die mit ihren verborgenen Waldpfaden, schroffen Hängen, unberechenbaren Wetterumschwüngen und dem Licht- und Schattenspiel eindrucksvoll die Brüchigkeit der komplexen Beziehungen und das Innenleben der Figuren widerspiegeln. Deutlich spürbar ist dabei auch die enge Naturverbundenheit des aus den Dolomiten stammenden Autors.
Gekonnt Vidotto zeigt auf, dass Stärke nicht im Festhalten, sondern oft im Loslassen liegt. So lernen seine Figuren, nicht der Last der Vergangenheit zu erliegen und alles verloren zu geben, sondern hoffnungsvoll sic h dem Ungewissen und den eigenen Emotionen zu öffnen. Mutig vollziehen sie einen leisen inneren Aufbruch, indem sie beschließen, nicht länger gegen das eigene Herz - ein gelungener Ausklang für diesen wundervollen Roman!

FAZIT

Ein feinsinniger, melancholischer Roman über Liebe, Loyalität und Verzicht, der ohne großen Spannungsbogen mit atmosphärischer Bergkulisse, starker Bildsprache und einer berührenden Liebesgeschichte überzeugt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.03.2026

Vererbte Schatten – Eindrucksvolles Finale der vielschichtigen Familiensaga

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
0

MEINE MEINUNG
Nach ihrem bemerkenswerten Debüt „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und der Fortsetzung „Bei euch ist es immer so unheimlich still“ legt die deutsche Autorin Alena ...

MEINE MEINUNG
Nach ihrem bemerkenswerten Debüt „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und der Fortsetzung „Bei euch ist es immer so unheimlich still“ legt die deutsche Autorin Alena Schröder nun mit „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ den Abschluss ihrer Trilogie vor, in dem sie die Fäden ihrer generationenübergreifenden Familiensaga kunstvoll zusammenführt. Erneut begegnen wir vertrauten Protagonisten aus den Vorgängerbänden, die hier unter einem neuen erzählerischen Blickwinkel beleuchtet werden.
Hinter dem langen, anfangs rätselhaft wirkenden Titel, dessen Bedeutung sich erst im Verlauf erschließt, entfaltet Schröder eine einfühlsam erzählte, berührende Familiengeschichte, die um die familiären Hintergründe, komplexen Verwicklungen und sorgsam gehüteten Geheimnisse der Familie Borowski kreist. Zudem greift die Autorin erneut auf ihre vertrauten Motive wie Selbstfindung, elterliche Schuld und die Nachwirkungen generationenübergreifender Traumata zurück.
Im Mittelpunkt der auf zwei Zeitebenen angelegten Handlungsstränge stehen zwei faszinierende junge Frauen, ihre Lebensentscheidungen und unterschiedlich geprägten Lebenswege: Zum einen im Berlin der Gegenwart von 2023 die Enkelin von Evelyn Borowski, die 34-jährige, mit ihrem Leben hadernde Hannah und zum anderen die 14-jährige Marlen aus Demmin, die in den Wirren der Nachkriegszeit von 1945 im Haus der Künstlerin Wilma Engels in Güstrow Zuflucht findet und sich in der entstehenden DDR unter großen Entbehrungen ein neues Leben aufbaut.
In Rückblenden zeichnet Schröder mit großer Empathie und psychologischem Feingefühl die prägenden Stationen ihrer Figuren nach.
Obwohl beide Erzählperspektiven rasch ihren Reiz entfalten, überzeugt vor allem der historische Handlungsstrang im mecklenburgischen Güstrow rund um Marlen, Wilma und dem ehemaligem Kindermädchen Burgel. Die Szenen im zerstörten Nachkriegsdeutschland sind atmosphärisch dicht, emotional aufgeladen und mitreißend erzählt. Dagegen wirkt die Berliner Gegenwartshandlung mit der Lebenskrise der nach Sinn suchenden Hannah bisweilen etwas konstruiert und erreicht nicht die gleiche erzählerische Tiefe.
Im Verlauf verdichtet Schröder die Erzählstränge zunehmend, setzt unerwartete Wendungen und enthüllt nach und nach lange verdrängte Geheimnisse. Am Ende führt sie die Geschichte zu einem stimmigen, emotional überzeugenden Abschluss.
Lose verbunden sind die beiden Zeitebenen durch ein während der NS-Zeit verschollene Gemälde, auf das der Romantitel anspielt. Dieses Kunstwerk, über dessen Vergangenheit und Herkunft die Großmutter beharrlich geschwiegen hatte, zieht sich wie ein roter Faden durch Hannahs Familiengeschichte. Mit ihm wird geschickt die Thematik des „Leben auf Leinwand“ als Projektionsfläche von Schuld, Hoffnung, Schweigen, Erinnerung und die Frage nach Aneignung und Erbe beleuchtet. Zwar ist die Auflösung des Rätsels um das Gemälde dramaturgisch schlüssig und symbolisch konsequent umgesetzt, doch wirkte diese auf mich etwas zu erzwungen, um völlig zu überzeugen.
Die Stärke des Romans liegt insbesondere in der Figurenzeichnung. Schröders Frauenfiguren sind mit ihren Stärken, Verletzlichkeiten und widersprüchlichen Entscheidungen vielschichtig und glaubhaft gezeichnet. Schröder versteht es, ihre inneren Konflikte und Entwicklungsprozesse so zu erzählen, dass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Besonders gelungen ist das psychologisch stimmige Porträt der jungen Hannah, einer labilen, von Selbstzweifeln geplagten Frau, die zwischen Loyalität, Abhängigkeit und Selbstbehauptung, Nähe und Selbstschutz schwankt. Erst im Loslösen von familiären Erwartungen und der Konfrontation mit der eigenen Geschichte findet sie einen neuen inneren Frieden.
Auch Marlen durchläuft einen eindrücklichen Prozess der Emanzipation. So erleben wir ihre Entwicklung von der verletzlichen Überlebenden zum selbstbestimmten Charakter, der den Mut aufbringt, sich aus einem Leben voller unausgesprochener Zwänge und Abhängigkeiten zu befreien und einen eigenen Weg zu beschreiten.
Weniger überzeugend sind einige der Nebenfiguren wie Hannahs WG-Mitbewohner Justus oder die Vorzeigefamilie von Hannahs Vater Martin, die allzu deutlich als Kontrast zu Hannah angelegt sind und klischeehaft überzeichnet wirken.
Diese kleinen Schwächen und die etwas vorhersehbare Handlung schmälern nur wenig den insgesamt positiven Gesamteindruck dieser Romantrilogie, der mit viel Feingefühl, feinen Nuancen und erzählerischer Balance das Spannungsfeld zwischen Erinnerung und Gegenwart, Schuld und Selbstbestimmung ausleuchtet.
FAZIT
Ein berührender Abschluss der eindringlich und atmosphärisch dicht erzählten Familiensaga über die Macht von Erinnerung, das Schweigen zwischen Generationen und den schwierigen Weg zur Selbstbefreiung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2026

Zwischen Idylle und Intrige - Ein beeindruckendes Debüt

Down Cemetery Road
0

MEINE MEINUNG
Mit seinem bereits 2003 erschienenen Debütroman „Down Cemetery Road“ hat Mick Herron einen fesselnden Auftakt seiner Krimireihe um die Oxforder Privatdetektivin Zoë Boehm vorgelegt. Schritt ...

MEINE MEINUNG
Mit seinem bereits 2003 erschienenen Debütroman „Down Cemetery Road“ hat Mick Herron einen fesselnden Auftakt seiner Krimireihe um die Oxforder Privatdetektivin Zoë Boehm vorgelegt. Schritt für Schritt führt er uns in eine beklemmende Welt voller Verrat, Machtspielen und verdeckten Interessen, bis sich der zunächst scheinbar konventionelle Fall zu einem packenden Spionagethriller verdichtet.
Deutlich lässt dieses Debüt schon die unverwechselbare Handschrift seiner späteren Erfolge erkennen, die sich durch einen clever komponierten Plot, subtilen Sarkasmus und Herrons unbestechlichem Blick auf das Abgründige hinter einer harmlosen bürgerlichen Normalität auszeichnen.
Im Mittelpunkt steht mit Sarah Tucker eine Protagonistin, die interessanter Weise weder Polizistin noch Detektivin ist, sondern eine frustrierte Hausfrau in unglücklicher Ehe mit einem erfolgreichen Investmentbanker. Als während einer Dinnerparty in einem Oxforder Vorort ein Haus in der Nachbarschaft in die Luft fliegt und ein kleines Mädchen spurlos verschwindet, beginnt sie auf eigene Faust die Hintergründe zu dem Unglück zu ermitteln. Ihre obsessive Suche nach dem verschwundenen Kind und der Wahrheit führt sie nichtsahnend immer tiefer in ein undurchsichtiges Netz aus Geheimdiensten, korrupten Beamten und skrupellosen Agenten, bis sie selbst ins Fadenkreuz gerät.
Nach einem behutsamen Einstieg, der zunächst die verschiedenen Charaktere einführt und eine besonders unheilvolle Atmosphäre heraufbeschwört, versteht es Herron hervorragend, die Spannung schrittweise aufzubauen und uns bis zur letzten Seite zu fesseln. Schon bald muss Sarah als unbedarfte Ermittlerin erkennen, dass hinter den glänzenden Fassaden der beschaulichen Oxforder Bürgerlichkeit nichts so ist wie es zunächst scheint. Ein undurchsichtiges wie mächtiges Geflecht aus dunklen Machenschaften, staatlichen Vertuschungen und stillschweigender Komplizenschaft wird erkennbar, das zu allem bereit ist, um eine politisch-militärische Intrige zu decken. So wandelt sich der Plot zusehends in eine feine, sehr entlarvende Satire auf die Mechanismen Macht und Bürokratie sowie die Selbstzufriedenheit und Gleichgültigkeit bürgerlicher Existenzen.
Herrons präziser, ironisch geschärfter Schreibstil besticht durch trockenen Humor, pointierte Wortspiele und feinstes britisches Understatement. Mit raffinierten Tempo- und Perspektivwechseln steigert er die Dramatik der komplexen Geschehnisse und verdichtet die Atmosphäre zu einem düsteren, beklemmenden Panorama herauf.
Besonders eindrücklich gelingt Herron die Zeichnung seiner Hauptfigur Sarah Tucker, die keine klassische Ermittlerin ist, sondern mit ihrer rastlosen Suche nach Antworten ihrer Unzufriedenheit mit ihrem Leben und inneren Leere entfliehen möchte. Ihre hartnäckigen Nachforschungen sind weniger kriminalistischer Natur als Ausdruck einer Auflehnung gegen Demütigung und Angepasstheit und der Sehnsucht, ihrem faden Leben wieder einen Sinn zu geben. So wird sie zu eine unbeirrbaren, moralisch angetriebene Ermittlerin wider Willen, die mehr entdeckt als sie je wissen wollte und die immer mehr über sich selbst hinauswächst.
Nach zahlreichen überraschenden Wendungen, falschen Fährten und spannungsreichen Actionszenen kulminiert die Geschichte in einem dramatischen Showdown, der psychologisch wie dramaturgisch überzeugt.
FAZIT
Ein intelligenter, atmosphärisch dichter Spannungsroman, der ebenso fesselt wie nachdenklich stimmt. Gekonnt verbindet Herron packende Unterhaltung mit feiner Gesellschaftsanalyse und einem vielschichtigen Figurenporträt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.02.2026

Ein origineller, fesselnder Whodunit

Tod zur Teestunde
0

MEINE MEINUNG
Anthony Horowitz hat mit „Tod zur Teestunde“ erneut eine fesselnde Fortsetzung seiner Krimireihe um seine Protagonistin Susan Ryeland eine ehemalige Londoner Lektorin vorgelegt.
Obwohl dieser ...

MEINE MEINUNG
Anthony Horowitz hat mit „Tod zur Teestunde“ erneut eine fesselnde Fortsetzung seiner Krimireihe um seine Protagonistin Susan Ryeland eine ehemalige Londoner Lektorin vorgelegt.
Obwohl dieser dritte Band an die Vorgänger „Die Morde von Pye Hall“ und „Der Tote aus Zimmer 12“ anknüpft, lässt sich die Geschichte auch ohne Vorkenntnisse genießen und besticht durch einen faszinierenden, raffiniert verschachtelten Plot. Horowitz beweist hierbei wieder sein außergewöhnliches Talent für anspruchsvolle, vielschichtige Whodunits, in denen er geschickt typische Elemente klassischer Kriminalgeschichten und Anspielungen auf die großen Werke der Goldenen Krimi-Ära einfließen lässt.
Mit seinem lebendigen Schreibstil und pointiertem britischen Humor gelingt es Horowitz hervorragend, uns von Beginn an in den Bann zu ziehen.
Wie bereits bei den Vorgängern gliedert sich die Handlung in zwei gekonnt miteinander verwobene Erzählstränge. In der Gegenwart folgen wir der wieder nach London in ihr altes Leben zurückgekehrten Lektorin Susan Ryeland, die einen heiklen Lektoratsauftrag annimmt, um wieder in der Verlagswelt Fuß zu fassen. Sie soll das Manuskript von Eliot Crace redigieren, der den letzten Fall des berühmten Meisterdetektivs „Atticus Pünd“ ganz im Stil des verstorbenen Autors Alan Conway geschrieben hat. Als Enkel der berühmten Kinderbuchautorin Miriam Crace, die vor Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben kam, hat Eliot in seinem eigenen Roman offenbar geschickt Hinweise auf den mutmaßlichen Mord an seiner Großmutter versteckt. Nach und nach wird Susan bei ihren hartnäckigen Nachforschungen in einen Strudel aus alten Familiengeheimnissen und Intrigen und schließlich sogar in einen mysteriösen Todesfall hineingezogen, bei dem sie bald selbst unter Verdacht gerät.
Der zweite Erzählstrang - mit dem fiktiven Kriminalroman als „Buch-im-Buch“-Element - führt ins Jahr 1955 nach Südfrankreich, wohin der berühmte Ermittler Atticus Pünd von einer reichen Dame eingeladen wird, die kurz darauf auf ihrem Landgut Marble Hall tot aufgefunden wird. In dem passagenweise enthüllten Manuskript aus der Feder des jungen Autors entfaltet sich ein von Gier, Familienzwist und verdeckten Motiven geprägter, klassischer Whodunit, der ganz in der Tradition der berühmten Autoren der goldenen Krimi-Ära verfasst ist.
Äußerst fesselnd ist es, Susan bei ihren Befragungen zu begleiten, die eine Vielzahl von Verdachtsmomenten und verwobenen Beziehungen enthüllen. Die vielen versteckten Hinweise im Manuskript, anspielungsreichen Wendungen und clever konstruierten Finten laden zum Miträtseln ein, und so ist es bei diesem literarischen Puzzle eine große Herausforderung, die raffiniert ineinander verschränkten Zusammenhänge zwischen fiktiven und realen Geschehnissen auszuloten.
Besonders überzeugend ist Susan Ryeland als sympathische und clevere Protagonistin voller subtiler Zwischentöne gezeichnet, deren persönliche Entwicklung und einfühlsame Art zu ermitteln mir sehr gut gefallen hat. Auch die zahlreichen Nebenfiguren sind vielschichtig und mit feinem Humor charakterisiert.
Das britische Flair, die unterschiedlichen atmosphärisch dichten Settings im modernen London oder nostalgisch angehauchten Südfrankreich der 1950ger sowie die Vielzahl interessanter Charaktere sorgen zudem für ein höchst abwechslungsreiches Leseerlebnis. Besonders gelungen sind auch die aufschlussreichen Einblicke in die Buchbranche, stets gewürzt mit amüsanten Seitenhieben auf die Verlagswelt.
Sehr versiert steigert Horowitz in seiner komplexen Geschichte die Spannung mit einem geschickten Spiel von Sein und Schein und mit unseren Erwartungen bis zum packenden Finale. Die schlüssige Auflösung erfolgt klassisch in bester Agatha-Christie-Manier bei der alle Verdächtigen zusammenkommen und die Hintergründe und Motive nachvollziehbar offen gelegt werden. Trotz vereinzelter Vorahnungen konnte mich Horowitz dennoch überraschen und so lässt er seinen Roman mit einem runden, befriedigenden Abschluss ausklingen.
FAZIT
Ein spannender, origineller und unterhaltsamer Whodunit mit einem raffiniert angelegten Plot, der sowohl Fans der Reihe als auch Liebhaber anspruchsvoller klassischer Kriminalromane begeistern wird.
Eine warmherzige, humorvolle und gelungene Hommage an das traditionelle britische Krimi-Genre!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere