Miriam Georg kann es einfach - ein gelungener Auftakt zum neuen zweiteiligen Roman
SturmlandMit ihrem neuesten Buch entführt die Autorin den Leser zunächst wieder nach Hamburg, bevor es dann nach Norderney und Borkum geht. Die Geschichte spielt 1860. Cora, eine Frau in den 30ern, bewirbt sich ...
Mit ihrem neuesten Buch entführt die Autorin den Leser zunächst wieder nach Hamburg, bevor es dann nach Norderney und Borkum geht. Die Geschichte spielt 1860. Cora, eine Frau in den 30ern, bewirbt sich -ohne dass es ihre Eltern und sonst jemand weiss- auf eine Stelle als Gouvernante. Sie kommt aus einer Reedersfamilie und verbirgt ganz offensichtlich etwas. Nachdem sie für die lungenkranke 10jährige Tochter Emmi des Architekten Alexander Klaasen engagiert wird, geht es auch schon nach Norderney. Alexander wird dort die Bauarbeiten am Konversatorium beaufsichtigen, während seine übrige Familie in Hamburg bleibt. Auf der Insel ist es zu der Zeit sehr rau und auch die Unterkünfte sehr spartanisch, jedoch ist die Luft für Emmi - so sagt man- sehr gut. Nachdem Cora und Emmi bei einem Unwetter auf See bei einem Ausflug fast ums Leben gekommen sind, engagiert Alexander den jungen Fischer Onnen als Beschützer. Zunächst mögen sich Cora und Onnen überhaupt nicht, denn er ist wortkarg und eher stoffelig, zudem kann er weder lesen und schreiben, aber nach und nach entspinnt die Autorin hier ihre Geschichte rund um die Beiden. Dabei gibt es so einige Personen, die dabei eine Rolle spielen und es sind wirklich so einige Handlungsstränge. Diese sind aber wieder so gekonnt miteinander verwoben, dass man als Leser überhaupt keine Probleme hat dem zu folgen. Miriam Georg nimmt den Leser immer weiter mit ins Inselleben, in die Geheimnisse der einzelnen Protagonisten, insbesondere von Cora und Onnen und es dauert lange, bis man dem Geheimnis von Cora überhaupt auf die Spur kommt. Durch die Beschreibungen des Insellebens, der armen Bevölkerung gegenüber den betuchten Gästen, den Problemen sich auf der Insel zu versorgen, bei Krankheiten sich keinen Arzt leisten zu können oder dann auch noch mit Quacksalbern konfrontiert zu werden, das wird alles detailreich und sehr kompetent dargestellt. Hier sieht man genau, wie viel die Autorin für das Buch auch recherchiert hat. Interessant fand ich das Thema Seenotrettung, das ebenfalls eine Rolle spielt und dass es seinerzeit gar keine gab und wie dazu auch unterschiedliche Meinungen in der Bevölkerung existierten.
Insgesamt ein atmosphärisch und sprachlich sehr gelungener erster Teil. Ganz besonders hat mir natürlich auch die schöne Liebesgeschichte gefallen, die überhaupt nicht kitschig war und sich auch zart entwickelte und wirklich zu Herzen ging. Jetzt heißt es zum Glück nicht allzu lange warten auf den nächsten Teil. Ich fiebere ihm schon sehr entgegen. Von mir -wie bei allen Büchern von Miriam Georg- eine ganz klare Leseempfehlung.