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Veröffentlicht am 15.03.2018

Gut recherchierter Roman

Grandhotel Angst
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Um was geht es? Es ist das Jahr 1899. Das frisch verheiratete Paar Nell und Oliver, möchte seine Flitterwochen im Grandhotel Angst im italienischen Bordighera verbringen. Kaum angekommen, spürt Nell, dass ...

Um was geht es? Es ist das Jahr 1899. Das frisch verheiratete Paar Nell und Oliver, möchte seine Flitterwochen im Grandhotel Angst im italienischen Bordighera verbringen. Kaum angekommen, spürt Nell, dass sich Unheimliches an diesem Ort verbirgt. Es dauert nicht lange, da bemerkt sie Veränderungen an Oliver, die sie grübeln lassen. Wie gut kennt sie ihren Mann wirklich? Warum verhält er sich eigenartig, wenn er auf seine erste, verstorbene Frau Kate angesprochen wird? Und sieht Nell jemandem ähnlich, der früher einmal hier gewesen war? Das zumindest verrät der Gesichtsausdruck einer Angestellten, die kreidebleich wird, als sie Nell sieht. Die Anwohner des Ortes erzählen sich, dass eine alte Frau mit dem Namen Lucrezia, die vor einiger Zeit bei lebendigem Leibe verbrannte, das Grandhotel verfluchte. Ihr Portät hängt im Hotel. Und warum trifft sich Oliver mit zwielichtigen Geschäftspartnern? Als dann tatsächlich merkwürdige Dinge geschehen, bleibt Nell nichts anderes übrig als selbst Nachforschungen anzustellen, um nicht völlig den Verstand zu verlieren. Bis zwei Morde stattfinden, für die man Nell verantwortlich macht. Und so flieht sie ... fort von diesem Ort, fort von ihrem Mann, auf der Suche nach der Wahrheit.

Die Charaktere sind - jeder für sich - so einzigartig und durchdringend, dass ich das Gefühl habe ein Teil von ihnen zu sein. Nell ist mir unglaublich sympathisch. Sie wirkt auf mich sehr authentisch, mutig und neugierig. Manchmal wünsche ich mir, dass ich an ihrer Seite bin und gemeinsam all diese Momente erlebe. Auch die Angestellten des Hotels üben eine Faszination auf mich aus, dass ich noch lange über sie nachdenke nach meinen Leseeinheiten. Ich habe mir bei ihnen, den Nebencharakteren, allerdings mehr Tiefe gewünscht, mehr Erzählstränge.

Oliver ist ein interessanter Protagonist, da ich ihn nicht gut einschätzen kann. Erst nach und nach begreife ich manche tief verwurzelte Verworrenheit und finde Puzzleteile, die gut platziert sind.

Setting und Handlungsort gefallen mir sehr gut. Mich fesselt die Geschichte des Hotels, daher finde ich es schön, dass man auf den ersten Buchseiten einige Originalbilder findet.

Der Schreibstil ist atmosphärisch dicht und angenehm zu lesen. Dabei greift die Autorin auf so manche detaillierte Formulierung zurück, sodass man die Geschichte wie in einem Film vor dem inneren Auge abspielt.

Das Cover gefällt mir außerordentlich gut. Es lädt zum Träumen ein und lässt zugleich etwas Mysteriöses erahnen. Das Tor ist eine Augenweide mit den Verschnörkelungen im Gitter. Das Buch wäre mir überall aufgefallen.

Fazit: Ein gut recherchierter und beeindruckender Roman über ein Hotel, dessen Geschichte so eindrucksvoll wie unheimlich ist.

Veröffentlicht am 26.02.2018

Spannend und unvorhersehbar

Dein Tod komme
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Von der Autorin habe ich durch ihren Mann Jonathan Kellerman, der ebenfalls Autor ist, gehört. Es ist Wahnsinn, wie viele Bücher beide bereits veröffentlicht haben! Sie sind also alte Hasen im Geschäft, ...

Von der Autorin habe ich durch ihren Mann Jonathan Kellerman, der ebenfalls Autor ist, gehört. Es ist Wahnsinn, wie viele Bücher beide bereits veröffentlicht haben! Sie sind also alte Hasen im Geschäft, das merkt man auch.

Um was geht es? Rina Decker, Frau von Peter Decker - ein ehemaliger LAPD Detective und nun bei der örtlichen Polizei tätig -, stößt bei einem Waldspaziergang in Greenbury abseits des Wanderweges auf menschliche Überreste. Sie informiert unverzüglich ihren Gatten, der sich fortan mit seinem Kollegen Tyler McAdams diesem Fall widmet. Ziemlich schnell stellt man mögliche Verbindungen zu den Colleges im Umkreis her. Handelt es sich bei der Leiche um ein männliches oder weibliches Opfer? Bei den Ermittlungen werden schließlich weitere Leichen gefunden und man muss sich fragen, ob es wiederkehrende Motive gibt. Die Autorin liefert dem Leser (zu) viele Zeugen, potenzielle Verdächtige und Hinweise, die sie verkompliziert, um dadurch ein geschicktes Netz zu spinnen. Das Ende ist meiner Meinung nach etwas zu kurz geraten. Mir fehlt da der Oha!-Effekt.

Die Charaktere sind mir etwas zu oberflächlich geraten und nicht ausführlich genug beschrieben. Das beziehe ich nicht auf deren personenbezogene Merkmale, sondern darauf, dass mir das Gefühl vermittelt wird etwas verpasst zu haben, weil ich die vorherigen Teile nicht alle gelesen habe. Ich habe keine Entwicklung mitbekommen, was es schwer macht, die Personen gut einschätzen zu können. Etliche Andeutungen der Autorin sind mir schlichtweg zu vage formuliert. Rina wirkt auf mich ziemlich labil und wenig willensstark. Ihre innere Zerrissenheit spiegelt sich nach außen wider. Das merkt man an den Dialogen, die sie mit ihrem Mann führt. Wohingegen dieser doch stärkere Charakterzüge aufweist. Er ist selbstbewusst, konsequent, arbeitet autonom und zielorientiert und verfügt über eine Geduld, die für seinen Beruf sehr nützlich ist.

Der Schreibstil ist lebendig, flüssig und leicht verständlich. Die Autorin konnte mit prägnanten Sätzen sagen, was sie mit ihrer Story rüberbringen möchte. Allerdings ist weniger manchmal bekanntlich mehr. Die unzähligen (sicher gut gemeinten) Ausschweifungen ziehen das Ganze ziemlich in die Länge.

Das Cover schmeichelt den Augen. Es ist harmonisch, stimmig und bietet angenehme Farbwechsel. Zu sehen ist ein brauner Hirsch in einer winterlichen Landschaft. Alles in allem ist das Cover äußerst atmosphärisch.

Fazit: Ein Thriller, bei dem das (kurze) Ende (dennoch) nicht vorhersehbar ist.

Veröffentlicht am 21.02.2017

Solider Krimi mit Lokalkolorit

Spreewaldtod (Ein-Fall-für-Klaudia-Wagner 2)
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Ein Toter im Fließ stellt Kommissarin Klaudia Wagner vor eine neue Herausforderung. Dabei ist sie nach ihrem letzten spektakulären Fall noch psychisch angeschlagen und hat Probleme, mit ihrem verhassten ...


Ein Toter im Fließ stellt Kommissarin Klaudia Wagner vor eine neue Herausforderung. Dabei ist sie nach ihrem letzten spektakulären Fall noch psychisch angeschlagen und hat Probleme, mit ihrem verhassten Kollegen Demel zusammenzuarbeiten. Erste Spuren führen die beiden zu einem scheinbar korrupten Gurkenbauern, schließlich war der Tote ein Erntehelfer aus Rumänien. Aber bald gibt es eine weitere Leiche. Wer will diese Menschen aus dem Weg räumen? Klaudia droht in einem Strudel aus Intrigen unterzugehen ...

**

Hört das Herz eines Menschen auf zu schlagen, ist er nicht sofort in Gänze tot, auch wenn es so scheint. (Prolog)

Sie tat einen weiteren Schritt, eine Hand presste sich auf ihren Mund, auf ihre Nase. Panisch hob Dorina die Hände, zerrte an den Fingern. Der Schraubenschlüssel fiel ihr auf die Hände. (Auszug, S. 26)

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Klaudia Wagner kennen wir bereits aus dem ersten Band "Spreewaldgrab". Die Polizistin aus dem Ruhrpott ist immer noch nicht im Spreewald, ihrer neuen Heimat angekommen. Sie ist psychisch und physisch noch ziemlich angeschlagen - vor allem wegen ihres letzten Falles. Zeit zum Ausruhen bleibt ihr nicht, denn ein neuer Mordfall wartet bereits auf sie.

Die Leiche eines jungen rumänischen Erntehelfers wird in der Nähe von Lübbenau gefunden und dort aus dem Fließ gezogen. Auf Grund der Kopfverletzung wird vermutet, dass der Mann keines natürliches Todes gestorben ist. Ein weiteres Indiz für diese Schlussfolgerung ist die Tatsache, dass er sich am Vorabend in eine Schlägerei verwicklen ließ.

Zusammen mit ihrem Kollegen Demel, beginnt Klaudia ihre Ermittlungsarbeit und stößt nicht gerade auf offene Ohren. Sowohl die Bauern als auch die Erntehelfer verschweigen ihr etwas. Selbst die Freunde des Opfers verstecken sich hinter einer Mauer des Schweigens. Was verdammt nochmal ist hier los?

Als dann eine weitere Leiche gefunden wird, scheint das Chaos perfekt ...

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Die Charaktere sind gut ausgetüftelt und wirken sehr sympathisch. Es ist richtig spannend mitzuerleben, wie die beiden Streithähne Klaudia und Demel doch irgendwie miteinander umgehen können. Wie ein altes Ehepaar :)

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Der Schreibstil ist, wie im ersten Band, angenehm zu lesen. Nicht zu holprig, nicht zu kitschig, dafür abwechslungsreich. Die Zeichensetzung passt, Rechtschreibung und Grammatik auch. Der Stil der Autorin fühlt sich gut und lebendig an. Man kann sich mühelos in die Geschichte einfinden. Ich mag es persönlich lieber, wenn mit den Worten gespielt wird, aber das habe ich hier eigentlich auch nicht erwartet. Die Sätze in diesem Buch haben eine hohe Aussagekraft und waren daher flüssig zu lesen.

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Das Cover ist wieder rundum gelungen. Für mich als Berlinerin, die schon früh ihre Heimat verlassen musste, ist das ein kleines Zuckerherz und erfreut mich jedesmal, wenn ich es betrachte.

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Fazit: Unbedingt den ersten Teil vorher lesen. Man kommt nicht drumherum, wenn man einen roten Faden im zweiten Teil erkennen möchte. Oft wird nämlich auf den ersten Band Bezug genommen und daher im zweiten nur mit Andeutungen thematisiert. Deswegen ziehe ich einen Punkt bei der Bewertung ab. Jeder, der "Spreewaldgrab" nicht gelesen hat, dürfte mit "Spreewaldtod" an manchen Stellen seine Probleme haben. Ansonsten kann ich diesen soliden Krimi empfehlen an all Diejenigen, die Bücher mit Lokalkolorit mögen.

PS: Die Autorin kommt aus Datteln, das hat mich total überrascht, weil ich auch dort wohne. Irgendwie sympathisiere ich nun etwas stärker mit ihr :P

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Christiane Dieckerhoff, Jahrgang 1960, machte zunächst eine Berufsausbildung zur Kinderkrankenschwester, ist Mutter zweier erwachsener Kinder und lebt in Datteln. Sie schreibt vor allem aktuelle und historische Krimis.

Veröffentlicht am 24.04.2026

Unterhält und regt zum Diskutieren an

Black Ties and White Lies
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Was als prickelnde, fast schon absurd überzogene Prämisse beginnt, entwickelt sich zu einer Geschichte, die gleichermaßen fesselt wie irritiert. Eine Frau, die plötzlich unter dem Kommando des Bruders ...

Was als prickelnde, fast schon absurd überzogene Prämisse beginnt, entwickelt sich zu einer Geschichte, die gleichermaßen fesselt wie irritiert. Eine Frau, die plötzlich unter dem Kommando des Bruders ihres untreuen Ex steht – und dieser Mann kauft kurzerhand eine ganze Firma, nur um ihr näherzukommen? Lächerlich? Absolut. Und genau darin liegt zunächst der Reiz.

Der Einstieg knallt. Die erste Begegnung knistert vor Spannung, Übertreibung und einem Hauch von Seifenoper. Doch je tiefer man in diese Welt aus Macht, Verlangen und Inszenierung eintaucht, desto mehr beginnt das Konstrukt zu wanken. Was anfangs wie ein cleveres Spiel mit bekannten Romance-Tropes wirkt, verliert zunehmend an Glaubwürdigkeit. Entscheidungen erscheinen übereilt, Emotionen springen von einem Extrem ins nächste, und die Beziehung, die eigentlich das Herzstück sein sollte, wirkt stellenweise erstaunlich oberflächlich.

Dabei steckt im Kern so viel mehr: unterschwellige Eifersucht, unausgesprochene Sehnsüchte, ein Mann, der mehr fühlt, als er zugeben will. Und eine Frau, die sich verzweifelt dagegen wehrt, erneut verletzt zu werden. Gerade diese Dynamik hätte Tiefe verdient. Stattdessen wird sie oft von einer Flut körperlicher Anziehung überrollt, die schneller eskaliert, als es der Geschichte guttut. Die zahlreichen expliziten Szenen mögen für manche Leser ein Highlight sein, lassen aber wenig Raum für eine glaubwürdige emotionale Entwicklung.

Und doch kann man sich dem Ganzen schwer entziehen. Die Geschichte hat eine seltsame Sogwirkung. Vielleicht, weil sie genau weiß, welche Fantasien sie bedient – der mächtige, kontrollierende Mann, der alles riskiert, die Frau, die ihm widersteht, während zwischen ihnen längst ein gefährliches Spiel begonnen hat usw. bla blubb. Vielleicht auch, weil sie sich ihrer eigenen Übertreibung bewusst ist und diese fast genüsslich auskostet.

Besonders gelungen sind die kleinen Details am Rande: charmante Verweise auf andere Geschichten, spielerische E-Mail-Wechsel, die den Verlauf der Beziehung greifbarer machen, und Nebenfiguren, die für Momente echter Leichtigkeit sorgen. Gleichzeitig gibt es Szenen, die irritieren. Etwa wenn Grenzen überschritten werden und das Verhalten des männlichen Protagonisten eher kontrollierend als romantisch wirkt.

Persönliches Fazit: Am Ende bleibt ein widersprüchlicher Eindruck: eine Geschichte voller Potenzial, das nicht immer ausgeschöpft wird; voller Intensität, die manchmal zu schnell verpufft; voller Leidenschaft, die gelegentlich die Logik verdrängt. Vielleicht kein „gutes“ Buch im klassischen Sinne, aber zweifellos eines, das unterhält und zum Diskutieren anregt.

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Veröffentlicht am 08.04.2026

Verliert im Verlauf an Spannung

REM
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To be honest: Ich hab mehr erwartet. Lasst es mich kurz erklären:

Tatsächlich hat die Ausgangsidee etwas angenehm Düsteres: ein 4-jähriges Kind, das sich gegen das Einschlafen wehren soll, ein letzter ...

To be honest: Ich hab mehr erwartet. Lasst es mich kurz erklären:

Tatsächlich hat die Ausgangsidee etwas angenehm Düsteres: ein 4-jähriges Kind, das sich gegen das Einschlafen wehren soll, ein letzter Satz, der sich tief einprägt, und Jahre später ein Erbe, das alte Schatten wieder hervorholt. Das klingt nach einem richtig starken Thriller-Setup, stimmt's? Und die Geschichte legt zunächst auch vielversprechend los.

»Du darfst nicht einschlafen!«

Alysee trägt ihre Schuldgefühle wie ein ständiges Echo in sich, ihre Angst vor dem Schlaf wirkt greifbar, beinahe beklemmend. Auch sprachlich zieht einen der Text mühelos hinein, die Seiten fliegen dahin, und hin und wieder blitzen sogar Momente auf, die echtes Unbehagen erzeugen.

Doch dann passiert… nichts. Oder zumindest nichts, was den Puls nachhaltig beschleunigt.

Die Entwicklung wirkt stellenweise (über)konstruiert und driftet in Richtungen ab, die nicht immer ganz überzeugen. Anstatt die starke Grundidee weiter zu verdichten, verzettelt sich die Geschichte ein wenig und büßt dabei an Spannung ein. Man sitzt da, wartet auf den großen Knall, dieses typische „Noch-ein-Kapitel“-Gefühl. Ansätze davon sind da, werden aber nicht durchgehend ausgeschöpft, sodass am Ende weniger Nervenkitzel entsteht als erhofft.

Zum Schluss schlägt die Geschichte dann noch einmal eine völlig andere Richtung ein. Das ist zwar grundsätzlich gut gedacht, wirkt hier aber eher ungewohnt als wirklich überzeugend und lässt einen sogar etwas ratlos zurück.

Fazit: Eine clevere, düstere Plot-Idee mit einem gelungenen Start, die im Verlauf leider etwas an Klarheit und Spannung verliert. Insgesamt bleibt das Gefühl, dass hier noch mehr drin gewesen wäre – gerade mit Blick auf die hohen Erwartungen. Lest einfach mal rein und macht euch euer eigenes Bild.

PS: Das 5-stündige Audible-Hörspiel ist übrigens cool gemacht! Ich mochte die verschiedenen SprecherInnen, die musikalische Begleitung und die Sound-Effekte. Das war Kino für die Ohren. Sehr zu empfehlen!

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