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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.04.2018

Berührende Mischung aus Trauer, Verlust und Humor

Bis zum Himmel und zurück
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„Meine Eltern waren in der Trauer abgetaucht, nicht zusammen sondern jeder für sich. (…) Der Schmerz hatte sie überrollt, und jetzt waren sie zerbrochen.“

Katja ist Drehbuchautorin. Katja musste einiges ...

„Meine Eltern waren in der Trauer abgetaucht, nicht zusammen sondern jeder für sich. (…) Der Schmerz hatte sie überrollt, und jetzt waren sie zerbrochen.“

Katja ist Drehbuchautorin. Katja musste einiges durchmachen und geht das Leben nun entsprechend reserviert an. Sie lebt so vor sich hin, ohne sich groß etwas zu wagen, für mutige Aktionen hat sie schließlich ihre Drehbücher. Und es gibt da Ratko, einen Mann in ihrem Leben, den sie jedoch nicht ihren Freund nennt, der ihre Gutmütigkeit ausnützt. Nun soll Katja ausgerechnet ein Drehbuch zu einer Familienserie schreiben, obwohl sie doch zu ihrer eigenen Familie seit Jahren keinen Kontakt hatte. Doch plötzlich tauch Jella auf, eine Halbschwester, von der sie nie wusste. Und Jellas Halbbruder Joost, mit dem Katja nicht verwandt ist, der doch so schöne grüne Augen hat… Und Katja beginnt, ihren bisherigen reservierten Lebensstil zu überdenken.

Junks Schreibstil gefällt mir sehr gut. Der Roman wird aus Katjas Sicht erzählt, die auch über sich selbst lachen kann und eine ziemlich sarkastische Art hat. Immer wieder gibt es Rückblicke in Katjas Kindheit, die teils sehr emotional sind. Es wird sehr gut beschrieben, wie ein Tod eine Familie komplett auseinanderreißen kann. Alle Beteiligten bleiben für sich allein und müssen einen Weg finden, damit umzugehen. Junk beschreibt sehr gut, wie man sich nach dem Verlust eines Nahestehenden fühlt. Jedoch kamen mir manchmal all die Schicksalsschläge etwas überspitzt vor. Die Geschichte wird sehr gefühlvoll und mit einem guten Mix an Gefühlen und Humor erzählt. Alles in allem eine berührende Geschichte.

Veröffentlicht am 24.03.2018

Der Frühstücksklassiker

halb zehn - das Frühstückskochbuch
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Das Buch überzeugt mit seiner tollen Aufmachung: Hard Cover, in einem rosa-lila Farbton gehalten, mit goldener Aufschrift. Die Qualität des Drucks und der Seiten ist sehr gut. Zu jedem Rezept gibt es ein ...

Das Buch überzeugt mit seiner tollen Aufmachung: Hard Cover, in einem rosa-lila Farbton gehalten, mit goldener Aufschrift. Die Qualität des Drucks und der Seiten ist sehr gut. Zu jedem Rezept gibt es ein Bild, das jeweils wirklich gelungen ist. Das Buch beginnt mit ein paar allgemeinen Worten zum Frühstück und genießen und leitet dann über in die verschiedenen Kapitel. Hier finden sich Brot bzw. Gebäck, Hefegebäck und süßes Gebäck, Sandwiches etc., Rezepte mit Eiern, Pancakes, Waffeln, Müsli und Porridge, sowie diverse Aufstriche und Marmeladen und zu guter Letzt Getränke. Mein Lieblingsteil und der von dem ich schon am meisten Rezepte ausprobiert habe ist ganz klar der Müsli bzw. Porridge Teil. Der klassische Hafer Porridge und auch der Amarant-Quinoa Porridge sind einfach und überzeugen. Der Kokosmilchreis mit Mango erinnert mich an das Dessert im Asia Restaurant (positiv gemeint), schmeckt selbst gemacht aber noch besser. Die Backrezepte habe ich bisher noch nicht probiert (aktuell habe ich nicht so oft Zeit für ein ausgiebiges Frühstück), das kommt aber im nächsten Urlaub dran. Einige Rezepte im Buch enthalten Fleisch oder Fisch, dies kann man jedoch meistens gut abwandeln (für Vegetarier). Dieses Buch bleibt sicher ein Klassiker in unserer Küche und ich kann es ganz klar empfehlen.

Veröffentlicht am 11.03.2018

Ein musikalisches Romandebüt

Nackt über Berlin
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Jannik ist sechzehn, ein großer Liebhaber klassischer Musik, und er ist schwul, was bisher keiner weiß. Wie die meisten sechzehnjährigen zofft er sich regelmäßig mit seinen Eltern, die ihm Vorschriften ...

Jannik ist sechzehn, ein großer Liebhaber klassischer Musik, und er ist schwul, was bisher keiner weiß. Wie die meisten sechzehnjährigen zofft er sich regelmäßig mit seinen Eltern, die ihm Vorschriften machen. Außerdem ist er verliebt in seinen guten Freund Tai, einen Vietnamesen den man nur mit einer Kamera in der Hand kennt. Tai filmt alles und jeden, der ihm über den Weg läuft. Scheinbar zufällig entdecken die beiden den Schuldirektor Lamprecht eines Tages sturzbetrunken und beschließen kurzerhand, ihn in seiner eigenen Wohnung gefangen zu halten. Und so nimmt die Geschichte seinen Lauf. Eigentlich wollten sie Lamprecht nur zwei Tage gefangen halten, aber es kommt anders… Und nach und nach zweifelt Jannik, ob es wirklich Zufall war, dass sie den Schuldirektor einfach so „gefunden“ haben. Nebenbei kommt er Tai näher. Und so entfaltet sich eine Geschichte, zahlreiche Zusammenhänge werden klar, es kommt zu einer Beichte des Schuldirektors…

Zwei Handlungsstränge erzählen einmal aus der Sicht von Jannik und einmal aus der Sicht des Schuldirektors. Die Sprache ist teils ordinär, sarkastisch gehalten, der Schreibstil flüssig. Das Besondere an diesem Buch war für mich vor allem die klassische Musik: Ranisch schafft es, die Musik in seinem Buch lebendig werden zu lassen. Er hat eine Gabe, die Musikstücke so wunderbar zu beschreiben, dass man, wenn man diese kennt, sie beim Lesen automatisch hört. Mozarts Requiem spielt eine Hauptrolle, aber auch Tchaikovsky (wie Jannik von Tai auch liebevoll genannt wird) kommt regelmäßig vor. Ich kann mir jedoch nur schwer vorstellen wie das Buch auf Menschen wirkt, die mit klassischer Musik nichts anfangen können.

Axel Ranisch hat ein Buch über das Erwachsen werden, Beziehungen, „coming out“ und über die Musik geschaffen. Fazit: ein brillanter Debütroman der Lust auf mehr macht.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Spannender Krimi mit zahlreichen Protagonisten

Die Eishexe
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Die vierjährige Linnea wird in Fjällbacka vermisst. Sie ist vom elterlichen Hof spurlos verschwunden. Nach einer groß angelegten Suchaktion, bei der ganz Fjällbacka mitsucht, wird sie schließlich tot aufgefunden. ...

Die vierjährige Linnea wird in Fjällbacka vermisst. Sie ist vom elterlichen Hof spurlos verschwunden. Nach einer groß angelegten Suchaktion, bei der ganz Fjällbacka mitsucht, wird sie schließlich tot aufgefunden. Der Fall erinnert an einen ähnlichen Mord, der sich dreißig Jahre vorher zugetragen hat. Auch damals war ein vierjähriges Mädchen vom selben Hof ermordet worden. Die beiden wurden an derselben Stelle im Wald gefunden. Der Fall von damals wurde nie gänzlich geklärt. Doch wie hängen die beiden Morde zusammen? Gibt es überhaupt einen Zusammenhang?

Für mich war dies der erste Läckberg Krimi. Drei verschiedene Handlungsstränge und zahlreiche Protagonisten machen den Einstieg schwer. Nach ca. 150 Seiten bin ich in der Erzählung „angekommen“ und verstand, wie alles zusammenhing. Die Autorin springt zwischen drei Zeitebenen recht hin und her: Schweden im 17. Jahrhundert, vor dreißig Jahren und in der Gegenwart. Erst am Schluss wurde mir klar, wie der Erzählstrang aus dem 17. Jahrhundert dazu passt. Diesen hätte es nicht unbedingt gebraucht, ich fand ihn aber spannend.

Der Schreibstil ist sehr flüssig. Die Geschichte fand ich außerordentlich gut durchdacht. Die Protagonisten waren mir durchaus sympathisch. Die wichtigsten sind wohl die verschiedenen Polizisten und Polizistinnen aus Fjällbacka, und auch Erica, die Frau eines Polizisten und ihres Zeichens Schriftstellerin. Das Buch ist spannend aufgebaut und wird nie langweilig. Die Auflösung war für mich nicht vorhersehbar. Neben den Ermittlungen um den Mord werden noch zahlreiche zwischenmenschliche Themen behandelt. Die Autorin schafft es, auch aktuelle Themen mit einzubeziehen. So gibt es auch in Fjällbacka syrische Flüchtlinge, denen die Integration nicht unbedingt leicht gemacht wird und die viel Hass erfahren müssen. Am Schluss gibt es für diese nach einer sehr schweren Zeit jedoch eine Art Happy End.

Ein Stern Abzug gibt es von mir, weil ich durch die zahlreichen Ebenen und vielen Protagonisten recht lange gebraucht habe, um mich zurecht zu finden.

Veröffentlicht am 08.02.2018

Männer und Gefühle

Die Herzen der Männer
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Butler wagt sich bei diesem Buch an die Beziehung zwischen Vätern und Söhnen, Rollenverteilung und Sexismus. Missbrauch, sowohl emotional als auch körperlich, spielt in dem Buch eine zentrale Rolle. Das ...

Butler wagt sich bei diesem Buch an die Beziehung zwischen Vätern und Söhnen, Rollenverteilung und Sexismus. Missbrauch, sowohl emotional als auch körperlich, spielt in dem Buch eine zentrale Rolle. Das Buch ist grob in 3 Abschnitte geteilt: 1962 im Camp Chippewa in Wisconsin, 1996 im Stardust Supper Club und schliesslich 2019 im Whiteside Pfadfinder Reservat, wie das Camp Chippewa mittlerweile genannt wird. Nelson Doughty ist der zentrale Protagonist des Buches. Als wir ihn kennenlernen ist er dreizehn, ein Pfadfinder und der Signaltrompeter im Camp Chippewa. Er ist ernst, zielstrebig und hat klare Moralvorstellungen. Leider ist er auch eher unbeliebt, wird von den anderen gehänselt und hat keine Freunde. Oder, wie ihm selbst im Laufe des ersten Abschnitts klar wird, die einzige Person die es mit ihm je gut gemeint hat war seine Mutter. Sein Vater ist ein frustrierter Mann der die Familie nach Jahren des Missbrauchs schliesslich verlässt.

Die Erzählung springt ins Jahr 1996, wo wir Nelson eher als stillen Zuschauer wiedersehen. Über Umwege erfahren wir, was seitdem mit Nelson passiert ist. Im Stardust Supper Club trifft sich Nelson mit einem alten Bekannten Jonathan und dessen Sohn Trevor. Die Beziehung von Trevor und seinem Vater ist in vielerlei Hinsicht ähnlich zu der von Nelson und seinem Vater. Nelson scheint sich in Trevor wiederzuerkennen, da beide ähnliche Moralvorstellungen haben. Und so scheint Trevor schliesslich Nelson und seiner militärischen Karriere nachzueifern.

In 2019 erzählt letztlich Sarah, Trevors Frau, als alleinerziehende Mutter ihre Sicht der Dinge. Sie fährt mit ihrem Sohn Thomas zurück ins Pfadfinderlager, wo Nelson mittlerweile als Leiter fungiert. Hier schliesst sich der Kreis. Die Themen sind nun aktueller denn je: Waffen, Sexismus, Patriotismus und Ausländerfeindlichkeit katapultieren uns direkt ins Amerika des 21. Jahrhunderts. Sehr interessant ist der Standpunkt einer Frau auf diese Dinge. Sarah hat es als einzige Frau im Camp nicht unbedingt einfach.

Butler hat einen sehr interessanten Zugang zu diesem Thema gefunden. Mir gefällt, wie er es schafft, Nelsons Geschichte über 3 verschiedene Zeitpunkte so komplett zu erzählen. Ohne es wirklich anzusprechen behandelt er die Beziehung zwischen Vater und Sohn, zwischen Männern als Freunden und die Rolle des Mannes in unserer Gesellschaft. Ein sehr gut geschriebenes und wichtiges Buch, dessen Themen aktueller nicht sein könnten.