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Veröffentlicht am 28.08.2018

Ein unglaubliches Leben – der Napalm Angriff und das Leben danach

Ins Herz gebrannt
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Kim Phuc war neun, als sie und ihre Familie im Vietnamkrieg 1972 den Napalm-Angriff erlebten. Ihre Haut fängt Feuer, die Kleider sind längst verbrannt, sie und ihre Geschwister laufen verzweifelt die Straße ...

Kim Phuc war neun, als sie und ihre Familie im Vietnamkrieg 1972 den Napalm-Angriff erlebten. Ihre Haut fängt Feuer, die Kleider sind längst verbrannt, sie und ihre Geschwister laufen verzweifelt die Straße Nummer 1 im Heimatort Trang Bang entlang, auf der Flucht vor dem Feuer. Der Journalist Nick Ut fotografiert die Szene – das Bild geht um die Welt. Ut war es, der Kim Phuc ins Krankenhaus fuhr und ihr so, zumindest auf Umwegen, das Leben rettete. Eine lange Leidensgeschichte folgt. Über 30% von Kims Körperoberfläche war verbrannt, nur knapp überlebte sie. Die Narben verursachen höllische Schmerzen, das unbeschwerte Leben das Kim kannte ist vorbei. Der Krieg geht noch mehrere Jahre weiter, die Familie verliert schließlich ihr gesamtes Hab und Gut. Südvietnam wird 1976 mit Nordvietnam im Kommunismus vereint. Kims lange Reise auf der Flucht vor dem Kommunismus beginnt. Durch den Napalm Angriff fühlt Kim sich von ihrer Religion allein gelassen und findet so zum Christentum – eine Religion, die fortan ihr Leben begleitet und teils sogar bestimmt.

„Ins Herz gebrannt“ ist Kim Phucs Biographie. Das Buch liest sich sehr flüssig. Kim erzählt in einfachem Ton, teils regelrecht naiv. Ihre Lebensgeschichte ist unglaublich faszinierend. Ich fand es sehr interessant, mehr über den Vietnamkrieg und ihre spezifische Situation und ihre Familie herauszufinden. Auch wie sie mit all den Schicksalsschlägen umging und immer wieder einen Weg fand, weiterzumachen, war sehr spannend zu lesen. Die Beschreibung ihrer medizinischen Probleme (allesamt Folgen der Verbrennungen) war ebenfalls interessant zu lesen. Obwohl sie sehr viel über das Christentum predigt und dies in jedem Kapitel eine große Rolle spielt, was für mich teils etwas übertrieben anmutete, fand ich das Buch sehr aufschlussreich. Kim Phuc hat unglaublich viel erlebt und überlebt – allein aus historischer Perspektive sollte man dieses Buch lesen. Ihre Ausdauer ist bewundernswert. Ein tolles und interessantes Buch, das ich wirklich jedem empfehlen kann, egal ob man nun gläubig ist oder nicht. Das „napalm girl“ und ihre Geschichte werde ich nie vergessen.

Veröffentlicht am 21.05.2018

Spannender Thriller, leider wenig echter Umwelt-Bezug

Das Eis
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Wir befinden uns im Jahr 2018. Ein Luxuskreuzfahrtschiff ist auf der Suche nach Eisbären in der Arktis. Doch die Tiere sind sehr selten geworden. Schlussendlich entschließen sie sich, in das gesperrte ...

Wir befinden uns im Jahr 2018. Ein Luxuskreuzfahrtschiff ist auf der Suche nach Eisbären in der Arktis. Doch die Tiere sind sehr selten geworden. Schlussendlich entschließen sie sich, in das gesperrte Gebiet nahe der Midgard Lodge zu fahren, wo kurz zuvor ein Eisbär gesichtet worden sei. Doch sie werden Zeuge eines viel gewaltigeren Schauspiels: das „Kalben“ des Gletschers, wodurch schließlich eine Leiche aus dem Eis freigegeben wird. Es handelt sich um Tom Harding, einen Umweltaktivisten, der drei Jahre zuvor bei einer Expedition verschollen ist. Er war damals zu zweit mit seinem Kollegen und Freund Sean Cawson auf Erkundungstour in Gletscherhöhlen, als bei einem Sturm eine Höhle zusammengestürzt ist. Sean hat überlebt. Nachdem die Leiche freigegeben wird, muss Sean sich endlich mit der Vergangenheit auseinandersetzen, und lernt dabei mehr als er sich je vorstellen hätte können…

Laline Paulls Schreibstil ist außerordentlich fesselnd, das Buch ist spannend geschrieben. Sie hat zweifellos ein sehr aktuelles Thema aufgegriffen. Leider ist das Thema Umwelt und Klimawandel in dem Buch jedoch nur zweitrangig. Zwar werden gewisse Fakten erwähnt, jedoch ist oft unklar ob es sich um wahre Fakten handelt, und diese werden meist nicht weiter ausgeführt. Von diesem Aspekt hatte ich mir mehr erhofft. Die Umweltaktivisten Tom und auch seine Freundin Ruth sind sehr realistisch dargestellt und ich konnte deren Frustration fast durch die Seiten spüren. Die Geschichte ist sehr gut durchdacht mit vielen Facetten und Überraschungen. Ein sehr gut geschriebener und spannender Thriller.

Veröffentlicht am 12.05.2018

Ein Viertel vor und nach der Wende

Skandinavisches Viertel
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Matthias Weber ist im skandinavischen Viertel in Ostberlin aufgewachsen und kehrt nun nach Jahren im Ausland dorthin zurück. Keiner kennt das Viertel so gut wie er. Als Kind lief er täglich durch das Viertel ...

Matthias Weber ist im skandinavischen Viertel in Ostberlin aufgewachsen und kehrt nun nach Jahren im Ausland dorthin zurück. Keiner kennt das Viertel so gut wie er. Als Kind lief er täglich durch das Viertel und dachte sich für viele Straßen alternative Namen aus. Doch sein Leben wurde überschattet von Verlusten, bereits in jungen Jahren. Seine Familiengeschichte ist trist. Matthias kehrt nun mehr zufällig ins Viertel zurück, als Makler, und kann fortan entscheiden, wer „würdig“ genug ist, in das Viertel zu ziehen.


Thorsten Schulz erzählt diesen tiefgründigen Roman abwechselnd in der Gegenwart und der Vergangenheit. Die Erzählstränge verschmelzen und ergänzen sich ausgezeichnet. Obwohl man sich von dem Titel vielleicht etwas anderes erwartet, erzählt Schulz mit einer beeindruckenden Sprache vom Aufwachsen in der DDR, von Familie, frühen Verlusten, Vertrauen bzw. Vertrauensbrüchen, Enttäuschungen, Geheimnissen, Alkohol, und vom Alleinsein. Insbesondere die Einblicke in die DDR waren für mich sehr spannend, teils hätte ich mir mehr Erklärung dazu gewünscht. Die Geschichte regt sehr zum Nachdenken an. Vieles wird nicht explizit erwähnt, die Interpretation bleibt dem Leser überlassen. Auch macht es traurig, wie wenig Matthias bzw. generell alle in seiner Familie aus Rückschlägen zu lernen scheinen. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich alles verstanden habe, was der Autor mit dem Roman sagen wollte. Das, was ich verstanden habe, hat mir wirklich gut gefallen. Ein sehr lesenswerter Roman.

Veröffentlicht am 02.05.2018

Kurz aber gut

Die Amerikanerin
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In der Nähe von Kapstadt wird am Sir Lowry’s Pass eine Leiche entdeckt: eine weiße Frau. Die Leiche ist durch Bleichmittel völlig unkenntlich gemacht, und es scheint niemand vermisst zu werden. Was ist ...

In der Nähe von Kapstadt wird am Sir Lowry’s Pass eine Leiche entdeckt: eine weiße Frau. Die Leiche ist durch Bleichmittel völlig unkenntlich gemacht, und es scheint niemand vermisst zu werden. Was ist passiert? Wer ist die geheimnisvolle Frau und was hat sie in Südafrika gemacht? Nachdem sich die ersten 72 Stunden kein Fortschritt in den Ermittlungen abzeichnet, wird der Fall schließlich Bennie Griessel übergeben. Dieser ermittelt mit seinem Partner Cupido.

Dies war mein erster „Griessel“ Krimi von Deon Meyer. Bisher hatte ich nur „Fever“ von ihm gelesen, was ich wahnsinnig toll fand. Auch diesmal hat Meyer nicht enttäuscht. Ich habe zwar eigentlich ein deutlich längeres Buch erwartet. Die Länge bzw. Kürze wird im Nachwort erklärt. Durch die Kürze des Buches geht einiges an den schönen, ausführlichen Beschreibungen Meyers verloren. Trotzdem gelingt es Meyer auch mit den Vorgaben, ein kürzeres Buch zu schreiben, den Leser zu fesseln und mit der Auflösung zu überraschen. Ein sehr schöner und temporeicher Krimi, den ich mit Freude gelesen habe.

Veröffentlicht am 08.04.2018

Berührende Mischung aus Trauer, Verlust und Humor

Bis zum Himmel und zurück
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„Meine Eltern waren in der Trauer abgetaucht, nicht zusammen sondern jeder für sich. (…) Der Schmerz hatte sie überrollt, und jetzt waren sie zerbrochen.“

Katja ist Drehbuchautorin. Katja musste einiges ...

„Meine Eltern waren in der Trauer abgetaucht, nicht zusammen sondern jeder für sich. (…) Der Schmerz hatte sie überrollt, und jetzt waren sie zerbrochen.“

Katja ist Drehbuchautorin. Katja musste einiges durchmachen und geht das Leben nun entsprechend reserviert an. Sie lebt so vor sich hin, ohne sich groß etwas zu wagen, für mutige Aktionen hat sie schließlich ihre Drehbücher. Und es gibt da Ratko, einen Mann in ihrem Leben, den sie jedoch nicht ihren Freund nennt, der ihre Gutmütigkeit ausnützt. Nun soll Katja ausgerechnet ein Drehbuch zu einer Familienserie schreiben, obwohl sie doch zu ihrer eigenen Familie seit Jahren keinen Kontakt hatte. Doch plötzlich tauch Jella auf, eine Halbschwester, von der sie nie wusste. Und Jellas Halbbruder Joost, mit dem Katja nicht verwandt ist, der doch so schöne grüne Augen hat… Und Katja beginnt, ihren bisherigen reservierten Lebensstil zu überdenken.

Junks Schreibstil gefällt mir sehr gut. Der Roman wird aus Katjas Sicht erzählt, die auch über sich selbst lachen kann und eine ziemlich sarkastische Art hat. Immer wieder gibt es Rückblicke in Katjas Kindheit, die teils sehr emotional sind. Es wird sehr gut beschrieben, wie ein Tod eine Familie komplett auseinanderreißen kann. Alle Beteiligten bleiben für sich allein und müssen einen Weg finden, damit umzugehen. Junk beschreibt sehr gut, wie man sich nach dem Verlust eines Nahestehenden fühlt. Jedoch kamen mir manchmal all die Schicksalsschläge etwas überspitzt vor. Die Geschichte wird sehr gefühlvoll und mit einem guten Mix an Gefühlen und Humor erzählt. Alles in allem eine berührende Geschichte.