Profilbild von MartinS

MartinS

Lesejury Star
offline

MartinS ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MartinS über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.05.2018

Die verrücktesten Überlebensstrategien der Tierwelt

Die Wespe, die sich Raupen als Sklaven hielt
0

Schon mal von Pseudacteon curvatus gehört? Oder Cymothoa exigua? Oder Ophiocordyceps unilateralis? Nein? Das wundert mich nicht. Vermutlich haben davon die wenigsten gehört oder gelesen, deswegen gibt ...

Schon mal von Pseudacteon curvatus gehört? Oder Cymothoa exigua? Oder Ophiocordyceps unilateralis? Nein? Das wundert mich nicht. Vermutlich haben davon die wenigsten gehört oder gelesen, deswegen gibt es wohl auch keine deutsche Bezeichnung für diese Lebewesen.
Um diese und andere geht es in Die Wespe, die sich Raupen als Sklaven hielt. Der Untertitel verrät schon mehr: Die verrücktesten Überlebensstrategien der Tierwelt. Und verrückt (und manchmal eklig) geht es in diesem unterhaltsamen, aber auch informativen Buch zu.
Pseudacteon curvatus ist eine Buckelfliegenart, die Ameisen aufschlitzt und ihre Eier unter den Ameisenpanzer legt.
Cymothoa exigua ist eine Meeresassel, das die Zunge von Fischen ersetzt (und wenn Cymothoa den Fisch verlässt, stirbt dieser…)
Ophiocordyceps unilateralis macht aus Ameisen Zombies (und ist eigentlich kein Tier sondern ein Pilz)
Daneben tummeln sich noch zahlreiche andere Überlebenskünstler mit ungewöhnlichen Formen der Fortpflanzung, Aufzucht, Nahrungssuche …
Manches ist eklig, manches unglaublich, aber erstaunlich sind sie alle.

Die Wespe, die sich Raupen als Sklaven hielt ist mehr als eine bloße Faktensammlung. Jedes Tier (und der Pilz) werden mit einer Zeichnung vorgestellt. Es gibt immer ein Problem und die Lösung der entsprechenden Tierart.
Als Beispiel greife ich zurück auf Cymothoa exigua:
Problem: Im offenen Meer herumzudümpeln ist gefährlich.
Die Lösung wurde hier bereits erwähnt …
Matt Simon gelingt es mit seinem humorvollen, manchmal auch flapsigen Schreibstil selbst unappetitliche Dinge unterhaltsam zu präsentieren, ohne dabei zu sehr ins Komödiantische abzudriften.
Man lernt auf spaßige Art viel über die Überlebensstrategien mehr oder weniger unbekannter Tiere und kann damit mit ungewöhnlichem Wissen angeben.
Ein Buch für diejenigen, die mehr über die Welt der Tiere wissen wollen und sich auch für die kleineren Vertreter der Fauna interessieren.

Veröffentlicht am 17.04.2018

Aussterben macht Spaß

Wie man ausstirbt
0

Ich weiß nicht, was ich erwartet habe. Ein Titel, der das Aussterben als nützlichen Tipp bezeichnet ist, kann ja nicht ernst gemeint sein. Nun ja… nach der Beendigung der Lektüre kam ich zu folgendem Ergebnis: ...

Ich weiß nicht, was ich erwartet habe. Ein Titel, der das Aussterben als nützlichen Tipp bezeichnet ist, kann ja nicht ernst gemeint sein. Nun ja… nach der Beendigung der Lektüre kam ich zu folgendem Ergebnis: geringer Informationsgehalt bei immens hohem Spaßfaktor. Ich will nicht sagen, dass man durch das Lesen nichts lernen kann, Allerdings sind einige Aussagen etwas fraglich oder werden nicht näher begründet. Spielt aber alles keine Rolle, wenn man sich amüsieren will. Dabei muss man wohl dem Übersetzer Lutz-W. Wolf danken, der auch hin und wieder ein paar Bemerkungen in den Fußnoten hinterlässt…zu den Fußnoten muss man grundsätzlich sagen, dass man sie lesen sollte. Sie haben zwar meist nichts mit dem Textteil zu tun, auf den sie sich beziehen, aber das interessiert keinen.
Die Texte sind kurzweilig und amüsant und auch die Fußnoten sind es.
Ich könnte zahlreiche Textpassagen wiedergeben, mit und ohne Fußnoten, aber ich kann mich nicht entscheiden, welche wohl die unterhaltsamste ist. Bei einigen konnte ich mir ein Lachen verkneifen, bei anderen nicht.
Übrigens (und auch das ist eine Nebensächlichkeit, die völlig uninteressant ist, denn die Texte sind auch witzig wenn man die entsprechenden Tiergruppen nicht mag) finden sich in Wie man ausstirbt nur Kolumnen über Fische, Reptilien (einschließlich diverser Dinosaurier und ähnlicher Wesen) und dem Dodo, dem Riesenfaultier und dem Mammut (schließlich geht es ja auch ums Aussterben). Das ist so, wird nicht weiter erklärt und spielt keine Rolle (wie so vieles in diesem Buch … und selbst das ist egal).
Fazit: Wer mal zwischendurch herzhaft Lachen will und Tiere mag, der wird mit diesem Buch seine Freude haben. Wer nützliche Tipps erwartet wird diese nicht finden…und wenn man ehrlich ist:
Will man wirklich wissen, wie man ausstirbt?

Veröffentlicht am 13.04.2018

Neue Erkenntnisse, unterhaltsam präsentiert

Warum Wale Fremdsprachen können
0

Katharina Jacob ist Wissenschaftsjournalistin mit besonderem Interesse für tierische Intelligenz und Mensch-Tier-Beziehungen.
Und davon handelt auch das Buch. Es werden nicht nur Tiere und ihre besonderen ...

Katharina Jacob ist Wissenschaftsjournalistin mit besonderem Interesse für tierische Intelligenz und Mensch-Tier-Beziehungen.
Und davon handelt auch das Buch. Es werden nicht nur Tiere und ihre besonderen Fähigkeiten vorgestellt, sondern auch die Menschen, denen wir diese Erkenntnisse verdanken.
Da wäre Randolf Menzel, der auch das Vorwort dieses Buchs schrieb. Der Schwerpunkt von Menzels Arbeit ist die neurowissenschaftliche Erforschung des Gedächtnisses. Sein Forschungsobjekt: Die Honigbiene
Dann lernen wir auch Irene Pepperberg kennen. Ihre Studien mit dem Graupapagei Alex gelten als ein Meilenstein der Sprachforschung. Alex’ Wortschatz sowie die gezielte Anwendung desselben haben zu einer Neubewertung der kognitiven Fähigkeiten von Vögeln geführt.
Und natürlich dürfen auch die Tiere nicht fehlen, die uns zeigen, dass der Mensch, dass der Mensch erst jetzt erkennt, dass er nicht die Krönung der Schöpfung ist, sondern anderen Wesen fast auf Augenhöhe begegnen muss.
Und so trifft man in Katharina Jakob nicht nur Menschenaffen, sondern zahlreiche andere Tiere, selbst solchen, denen man kaum besondere Fähigkeiten zugestehen möchte: Präriehunde, die bereits erwähnten Honigbienen, Tauben …
Die Welt der Tiere ist faszinierend. Katharina Jakob zeigt nur einen winzigen Ausschnitt, beschreibt leicht verständlich und zeigt die menschliche (manchmal auch etwas kuriose oder nerdige) Seite der Wissenschaftler, die Zeit und Herzblut in ihre Arbeit stecken.

Warum Wale Fremdsprachen können präsentiert leicht erklärte Wissenschaft, die dem einen vielleicht bekannt sein dürften, dem anderen weniger.
Und es geht nicht nur um Wale …
Für alle empfehlenswert, die mehr über die Mitbewohner unseres Planeten wissen wollen.

Veröffentlicht am 06.03.2018

Das letzte Einhorn war gestern...

In Kalabrien
0

Es gibt Fantasyepen, die strotzen vor Schlachten, Intrigen und fremden Welten. Orks, Trolle, Zwerge und Elfen bevölkern diese Welten und Magie ist allgegenwertig. Und dann gibt es Kalabrien…
Kalabrien ...

Es gibt Fantasyepen, die strotzen vor Schlachten, Intrigen und fremden Welten. Orks, Trolle, Zwerge und Elfen bevölkern diese Welten und Magie ist allgegenwertig. Und dann gibt es Kalabrien…
Kalabrien (italienisch Calabria; kalabresisch Calàbbria) ist die südlichste Region des italienischen Festlandes, sozusagen die Stiefelspitze. Berge, Wein und italienisches Temperament. Keine Zwerge, Elfen oder Trolle und die einzige Magie geht von der Landschaft selbst aus.
Und Kalabrien ist Schauplatz der neuesten Erzählung von Peter S. Beagle, der Mann, der 1968 „Das letzte Einhorn“ schrieb und das nicht zuletzt durch die Verfilmung zum Weltbestseller und Klassiker wurde.
Es ist ein poetisches Buch, eine Liebesgeschichte an das Einhorn, sanft erzählt und von einer faszinierenden Feinheit. Erzählt wird aus der Sicht (Claudio) Bianchis, der fast nur seine Tiere um sich hat bis das Einhorn sein Leben verändert. Das Leben des Bauern wird interessant und spannend, auch die Liebe findet den Weg zu ihm.
Die einzige Magie in Beagles Kalabrien ist die Existenz und das Wesen der Einhörner und diese zieht den Leser in den Bann.
„In Kalabrien“ ist ein romantisches Buch, verzichtet aber auf eine kitschige Darstellung der Einhörner. Durch Bianchis Sicht der Dinge wird das Einhorn vielleicht etwas verklärt (immerhin schreibt der Bauer auch Gedichte und das Einhorn bietet sehr viel Inspiration), aber niemals darf man erwarten, dass sich die stolzen Tiere über den Regenbogen hinwegheben oder dem Reiz einer Jungfrau erliegen.
Trotzdem lege ich das Buch jedem ans Herz, der Einhörner mag und einen Ausgleich zu epischen Fantasyschlachten sucht.
Das gelungene Cover passt perfekt zum Inhalt des Buches: Durch die Farben und die Motive wird die Romantik der Erzählung eingefangen, ohne zu sehr ins kitschige zu geraten.
Ich war kein Freund vom letzten Einhorn, aber La Signora hat mich in ihren Bann gezogen.

Veröffentlicht am 07.10.2022

Informatives Buch in interessanter Aufmachung

Hinab ins tiefe Blau
0

HINAB INS TIEFE BLAU ist nicht nur ein Buch, das Wissen verbreitet, es bereitet auch Spaß beim Lesen. Man blätterst du nicht von links nach rechts, sondern von oben nach unten. Es gibt keine Seitenzahlen, ...

HINAB INS TIEFE BLAU ist nicht nur ein Buch, das Wissen verbreitet, es bereitet auch Spaß beim Lesen. Man blätterst du nicht von links nach rechts, sondern von oben nach unten. Es gibt keine Seitenzahlen, nur Tiefenangaben in Meter, die zeigen, wo man gerade ist. Und je tiefer man kommt, desto dunkler wird es, vom kristallklaren Hellblau der Oberfläche bis zum Dunkelschwarz der Tiefsee. Und auf den Weg nach unten trifft der Leser das eine oder andere merkwürdige und unbekannte (und unerwartete) Wesen. Von manchen wird er nur den Namen erfahren, von anderen wird er etwas mehr erfahren. Einleitende Kapitel beschreiben die Tiefenzone, welche den Leser erwarten und dann trifft er nach und nach die Wesen des Meeres. Auch die Themen Umweltschutz/verschmutzung werden nicht ausgespart und man kann es wohl nicht oft genug erwähnen, wie schädlich Plastikreste nicht nur für die Bewohner des Meeres sind.
HINAB INS TIEFE BLAU ist ein Buch für die ganze Familie, das kindgerecht aufgemacht ist, aber auch dem Erwachsenen viel Wissenswertes bietet und auch zum Diskutieren einlädt. An Fachbegriffen wird nicht gespart (aber wer sich für das Meer interessiert wird sich daran nicht stören), aber niemand bleibt unwissend zurück. Hilfreich dabei sind natürlich auch die wunderschönen Illustrationen, welche den Ozean zum Leben erwecken.

Woran ich mich allerdings gewöhnen musste, was aber kein Nachteil des Buchs an sich ist: Würde man an einer beliebigen Stelle in irgendeinem Ozean oder Meer in die Tiefe tauchen … man würde nicht alle diese Tiere finden, da sie an unterschiedlichen Orten beheimatet sind.
Aber wie gesagt, daran gewöhnt man sich und wirklich störend ist es nicht.