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Veröffentlicht am 13.04.2018

Eine amerikanische Betrachtung der Kochwelt und Gesellschaft.

Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens
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Dieser Roman beschreibt einen Lebenskreis, der mit der Kindheit Evas beginnt, dann von ihren Freunden und Bekannten erzählt, später sehen wir Eva als erfolgreiche Köchin wieder und erleben am Ende das ...

Dieser Roman beschreibt einen Lebenskreis, der mit der Kindheit Evas beginnt, dann von ihren Freunden und Bekannten erzählt, später sehen wir Eva als erfolgreiche Köchin wieder und erleben am Ende das Wiedersehen mit ihrer Mutter Cynthia.

Es schliesst sich ein Kreis, bei dem wir zwischendurch Eva zwar direkt aus den Augen verlieren, aber indirekt dreht sich alles um sie. Die anderen aufgeführten Figuren haben alle irgendeine Verbindung zu Eva. Diese Art von Romanaufbau finde ich sehr interessant, aber es bringt auch Längen mit sich.
Aus der Sicht der Hobbybäckerin Pat Prager zum Beispiel sehen wir Eva als Jurymitgleid bei einem Backwettbewerb. Dank Braque, die ungestüme Freundin, erleben wir gemeinsame Aktivitäten und Erlebnisse von Chiliwetten.


Der Autor zeigt Evas Leben und verbindet damit kulinarische Inhalte. Es beginnt mit ihrer speziellen Vorliebe für Chilis, die sie im Kleiderschrank züchtet. Die Chilis können gar nicht scharf genug sein. Schon früh entwickelt sie einen besonderen Geschmackssinn, der sie später ins Kochmetier führt. Ihr Vater Lars hat ihr diese Kunst wohl schon in die Wiege gelegt.
Eva arbeitet sich aus einfachen Verhältnissen hoch und macht sich mit ihren gewagten Kochkreationen von regionalen Produkten einen Namen in der Kochszene Nordamerikas. Sie hat eine besondere Art, ihre Mitmenschen einzuschätzen, die mich gut unterhalten hat. Aber Eva blieb mir trotz der vielen Ansichten durch Bekannte eigenartig fremd. Die vielen Wechsel der Personen haben mir den Zugang zum Buch eher erschwert.


Dabei gibt Stradal mit seinem lockeren und leichten Erzählfluss einen Einblick in die amerikanische Seele. Wie erleben Menschen, die als Mutter aufgeben, aber sich mit Weinkultur perfekt auskennen. Ein junges Mädchen, das schwanger wird und sich Geld für die Abtreibung erwettet. Es sind etwas ungewöhnliche Lebensverläufe, die Emotionen der Menschen werden jedoch nicht vollständig ausgeleuchtet.


Begleitend werden Rezepte und Gerichte im Roman eingearbeitet, die aber bei mir keinen großen Appetit geweckt haben. Es gibt Essenszusammenstellungen, die für den europäischen Gaumen nicht lecker klingen. Auch erscheint die Aufzählung verschiedener Tomatensorten zwar interessant, es gibt sie aber wohl nur auf dem amerikanischen Markt.
Außerdem kann ich nicht nachvollziehen, dass Eva die extreme Schärfe von Chilis nichts anhaben kann, sie aber dennoch einen ausgezeichneten Geschmackssinn haben soll. Das ist in sich schon ein Widerspruch.


Von diesem Roman hatte ich mir mehr versprochen als einen durchschnittlichen Unterhaltungswert. Dafür ist es interessant zu sehen, wie sich Evas Lebenskreis am Ende schliesst.

Veröffentlicht am 13.04.2018

ein spannender Krimi, bei dem man in menschliche Abgründe schauen kann.

Scherbenkind
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Nachdem "Blutopfer" mir unbeschreiblich gut gefallen hat, habe ich mich auf "Scherbenkind" gestürzt. Die psychologische Seite ist auch dieses Mal sehr ausführlich recherchiert und ausgearbeitet.

Man kann ...

Nachdem "Blutopfer" mir unbeschreiblich gut gefallen hat, habe ich mich auf "Scherbenkind" gestürzt. Die psychologische Seite ist auch dieses Mal sehr ausführlich recherchiert und ausgearbeitet.

Man kann die beiden Bücher unabhängig voneinander lesen, bekommt im ersten Band jedoch einiges über das Leben der allein erziehenden Kommissarin und ihrer Tochter mit.


Scherbenkind ist ein unvorhersehbarer Krimi, bei dem sich menschliche Abgründe auftun, die man nur schwer fassen kann. Man fiebert der Auflösung entgegen, die sehr logisch klingt und ist erstaunt über die anschaulich erklärten psychologischen Fälle. Mich hat diese Tiefe im Bereich von dissoziativen Störung jedoch verwirrt. Ich konnte die mit dieser Störung einhergehenden Handlungen nicht immer nachvollziehen. Zu groß war die Anzahl der abgesplitterten Persönlichkeiten in nur einer Person. Hier den Durchblick zu behalten, fiel mir wirklich schwer.
Anfangs vermutete ich ein Doppelleben von zwei Frauen und tippte auf Zwillinge. Die Situation stellte sich dann durch die psychologische Störung in anderer Ausprägung dar.

Verena hat mir wieder gut gefallen, sie zeigt unermüdlichen Arbeitseinsatz, lässt aber erneut die Grenze zwischen Beruflichem und Privatem ausser Acht. Auch ihr verbaler Schlagabtausch mit Staatsanwalt Triberg unterhält wieder gut, ihre gegenseitige Aversion ist unverändert und es schlagen negative Funken, wenn sie sich begegnen.
Die Charaktere aus dem Ermittlerteam wirken lebendig und sind gut gezeichnet, sie fügen sich angemessen in die Handlung ein, ohne die Spannung zu zerstören.
Auch der flüssige Schreibstil ist wieder wunderbar zu lesen, gerade die gekonnt dargestellte realistische Ermittlungsbeschreibung hat mir gut gefallen.

Womit ich aber ein Problem hatte, sind die besonderen Ausprägungen der dargestellten multiplen Persönlichkeitsstörung. Auch wenn ich die Erklärungen nachvollziehen konnte, gingen mir die Personen doch regelrecht durcheinander.


Für diejenigen Krimileser zu empfehlen, die sich mit psychischen Störungen auskennen. Ansonsten ein spannender Krimi, bei dem man in menschliche Abgründe schauen kann.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Nicht mein Fall

Britt-Marie war hier
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Auch wenn dieser Roman als Sonnenscheingeschichte ausgelobt wird, kann ich mich dem nicht anschließen.

Fredrik Backman schreibt in seinen Büchern stets über spezielle Charaktere, die ein wenig seltsam ...

Auch wenn dieser Roman als Sonnenscheingeschichte ausgelobt wird, kann ich mich dem nicht anschließen.

Fredrik Backman schreibt in seinen Büchern stets über spezielle Charaktere, die ein wenig seltsam anmuten und so ihre besonderen Macken haben. So erfindet er mit Britt-Marie eine pingelige, korrekte ältere Dame, die einem Putzteufel gleich durch das Buch geistert.
Auch wenn ich von ihr im wahren Leben doch genervt wäre, konnte ich mich ihr im Buch etwas annähern. Denn ich fühlte, wie sehr sie in ihrem Leben eine eigenverantwortliche Selbstverwirklichung vermisst hat. Als ihr die Traineraufgabe angeboten wird, greift sie zu. Mutig, denn von Fussball hat sie absolut keine Ahnung und so schlüpft sie in eine schwierige Rolle.
Nicht nur, dass ihr Fussball überhaupt nicht liegt, sondern auch die für sie fremde Umgebung mit lauten Kindern, unsauberen Verhältnissen und einer ungewohnten Mitbewohnerin stellt sie auf eine harte Probe.

Doch sie erkennt, dass in Borg durch die Finanzkrise den Bewohnern nicht mehr viel geblieben ist, außer ihrer Begeisterung für den Fussball. Langsam findet auch Britt-Marie Gefallen am Fussball und ihre bemutternde Art, wird ihr Rettungsanker. Sie wurschtelt sich mit Hilfe ihrer neuen Bekannten so durch, verliert auch ihre Putzwütigkeit etwas und man spürt den Wandel in ihr. Sie erkennt, was sie bisher im Leben vermisst hat und ist doch gefangen in alten gewohnten Mustern.

So weit, so gut!

Wenn mich die Geschichte auch interessiert hat, so fühlte ich mich durch den sehr einfachen Erzählstil an ein Jugendbuch erinnert. Die ewige Putzerei kam einer Zwangsneurose gleich und hat mich genervt, die Sprache ist mir zu sehr schlicht gefasst, die Dialoge klingen anspruchslos. Es gibt witzige Szenen und zum Ende versucht der Autor dem Ganzen z. B. durch die Erwähnung der Maslow´schen Bedürfnispyramide etwas mehr Tiefgang zu geben. Für mich hat dieser Roman 3 Sterne verdient.



Mit Britt-Marie erlebt man unerwartete Freundschaften, die sie auf ihrem Weg begleiten und etwas Schwung in ihr Leben bringen. Wie Menschen in ihren gewohnten Zwängen und Gewohnheiten gefangen sind, kann man hier gut nachempfinden.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Ein Roman, der betroffen macht

Die Unvollkommenheit der Liebe
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Dabei erfahren wir als Leser die Familienzusammenhänge, sehen die ärmliche Kindheit von Lucy und ihren beiden Geschwistern und erkennen, wie wenig Zeit ihre Eltern neben ihrer Arbeit für die Kinder hatten. ...

Dabei erfahren wir als Leser die Familienzusammenhänge, sehen die ärmliche Kindheit von Lucy und ihren beiden Geschwistern und erkennen, wie wenig Zeit ihre Eltern neben ihrer Arbeit für die Kinder hatten. Es wird deutlich, in der Familie herrschte ein rauher Ton, Schimpftiraden waren üblich und auch Schläge wurden zur Erziehung eingesetzt. Außerdem fehlte es an Nahrungsmitteln und so kam es, dass Lucy auch schon mal in Mülltonnen nach Essbarem suchen musste.

Dabei zeigt sich von Lucy das Bild einer Frau und Mutter, die immer noch an Ängsten leidet und vielleicht mal eine Therapie machen müsste. Die Mutter, obwohl selbst keine Übermutter, kritisiert ihre Tochter selbst im Krankenhaus und deren beruflichen Erfolg, sie ist Schriftstellerin, erkennt sie überhaupt nicht an. Sie kann mit dieser Art von Leben nichts anfangen und Lucy ist sich ihrer Persönlichkeit gar nicht richtig bewusst. Sie wirkt manchmal wie ein kleines Kind, das unsicherist und auf der Suche nach mütterlicher Liebe ist.

Doch ihre Mutter versteht diese Signale nicht, geht auch nicht mit besonderer Zuneigung und körperlichem Kontakt darauf ein. Statt dessen beschreibt sie einer Klatschzeitung gleich, die kaputten Beziehungen gemeinsamer Bekannter aus der Heimat und merkt dabei gar nicht, wie sie selbst in einer problematischen Ehe gefangen ist. Sie kann nicht aussprechen, was sie für ihre Tochter empfindet. Sie kann keine Nähe aufbauen. Sie interessiert sich nicht einmal für ihre Großtöchter.

Dabei stellt man sich immer wieder die Frage, ob zu den Misshandlungen durch den Vater auch noch Missbrauch im Spiel war.

Eine Schlüsselrolle kommt nach dem Krankenhausaufenthalt einer New Yorker Autorin namens Sarah Payne zu. Sie ist es, die Lucy zum Schreiben ermuntert.

Dieser Roman spricht Themen an, verschweigt aber die ganze Wahrheit, alles wird nur angedeutet, man ahnt mehr als man sicher weiß.

Sprachlich hat sich Strout hier kein Denkmal gesetzt. Sie, die sonst so brillant formuliert und poetisch erzählen kann, hat die Schreibleistung auf ein Mittelmaß zurückgefahren. Man ahnt mehr als man liest, so wird aus Bruchstücken ein ganzes Bild einer zerbrochenen Familie.


Dieser Roman hat mich betroffen gemacht, denn er zeigt, wie Menschen sich nicht
annähern können und Probleme nicht angesprochen werden. Solche Romane
bedrücken mich und mir fehlt hier etwas entscheidendes: die Aussprache.

Veröffentlicht am 01.04.2018

Ein Buch zum Abschalten und Entspannen, aber auch sehr klischeebelastet.

Sylt oder solo
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Die ersten beiden Teile dieser Buchreihe kenne ich nicht, doch die Protagonisten Nina und Jan werden mit den nötigen Details vorgestellt. Man erfährt, dass sie sich drei Jahre kennen und ein glückliche ...

Die ersten beiden Teile dieser Buchreihe kenne ich nicht, doch die Protagonisten Nina und Jan werden mit den nötigen Details vorgestellt. Man erfährt, dass sie sich drei Jahre kennen und ein glückliche Beziehung führen. Ihr Altersunterschied von 8 Jahren ist nicht eklatant, aber Nina hat als die Ältere so ihre Probleme mit der normalen Entwicklung des weiblichen Körpers jenseits der 40. Auch kann sie nicht hinnehmen, dass der normale Alltag in einer Beziehung sämtliche Fehler des anderen offen zeigt und so hasst sie zum Beispiel Jans Marotte, seine Kleidung oder Küchenutensilien nicht aufzuräumen. Von der anfänglichen romantischen Leidenschaft ist nicht mehr viel zu spüren und nun ist die Frage, ob noch genügend Liebe im Spiel ist, um die Beziehung aufrecht zu erhalten.


Claudia Thesenfitz punktet mit ihrem lockeren, anschaulichen und bildhaften Schreibstil, der sich sehr flüssig liest. Automatisch fühlt man sich direkt an den Schauplatz versetzt und erlebt die Nordsee bei Sonne und stürmischer See mit.

Die Hauptcharaktere empfinde ich etwas klischeehaft beschrieben, doch vielleicht liegt gerade darin der Unterhaltungswert, denn das Verhalten zeigt einige Parallelen zu dem, was man von sich selbst oder vom eigenen Personen-Umfeld kennt. Mich hat jedoch das Gejammere Ninas über ihr Altern etwas genervt und auch ihre Unsicherheit in Bezug auf die Beziehung mit Jan. Doch allmählich wird sie sich klar, was sie wirklich will und kämpft. Um was oder wen, muss man selbst beim Lesen herausfinden.



Insgesamt kann ich diesen Roman mit kleinen Abstrichen empfehlen. Die Geschichte unterhält gut, auch wenn sie etwas vorhersehbar ist und da sie den Leser direkt an den Nordsee-Strand bringt, bietet sie sich ideal für den nächsten Urlaub an. Wer eine leichte Sommergeschichte als Lektüre zum Abschalten und für zwischendurch sucht, kann hier bedenkenlos zugreifen.