Sterbenswort
SterbenswortBereits im Prolog kann der Leser durch das gefesselte und im Dunkeln fixierte Kleinkind Mia deutlich erahnen, dass es sich hierbei um einen Thriller mit hohem Spannungsbogen handelt. Gleich danach, zu ...
Bereits im Prolog kann der Leser durch das gefesselte und im Dunkeln fixierte Kleinkind Mia deutlich erahnen, dass es sich hierbei um einen Thriller mit hohem Spannungsbogen handelt. Gleich danach, zu Beginn des eigentlichen Plots, erzählt Siegfried Langer von der schlimmen Begebenheit, die ihren langen Schatten über das gesamte Buch wirft. Ein Ereignis, das als Auslöser für Unglück, Leid, Tod und Verfolgung fungiert.
Der Autor startet in der Studienzeit der vier Protagonisten, die sich als Wohngemeinschaft nicht nur Haus, sondern als Paare auch das Bett teilen. An einem schicksalshaften Tag, dem Geburtstag eines Mitbewohners, eskaliert die Situation und es werden Geschehnisse ausgelöst, deren Tragweite keinem der jungen Menschen bewusst war. Das Leben aller Beteiligten wurde beeinträchtigt und die Verdrängung und das Vergessen waren nur solange möglich, bis plötzlich nach beinahe einem Jahrzehnt beunruhigende Dinge passieren. Gegenstände in der Wohnung sind plötzlich nicht mehr da, wo sie ursprünglich hingestellt wurden. Der totgeglaubte Mitbewohner schreibt plötzlich Nachrichten und nimmt Kontakt mit dem ehemaligen Freundeskreis auf. Drohungen werden ausgesprochen und die Situation spitzt sich immer mehr zu. Bis plötzlich alles völlig aus dem Ruder läuft …
Siegfried Langer gelingt es durch einen flüssigen Schreibstil, einem sehr guten Spannungsaufbau und vielen versteckten Hinweisen, den Leser bei der Stange zu halten. Bis zuletzt bleibt die Identität des mysteriösen Bedrohers im Dunkeln und bis zuletzt weiß man nicht mit Sicherheit, was damals tatsächlich passierte. Der Autor wechselt pro Kapitel und erzählt Episoden aus der Vergangenheit, während er im nächsten Part wieder die Gegenwart beleuchtet. Die Spannung wird konstant auf hohem Niveau gehalten – und letztendlich führen alle Fäden zusammen …
Langers Protagonisten sind gut ausgearbeitet. Er beleuchtet sowohl das soziale Umfeld wie auch charakterliche Eigenheiten der handelnden Personen und ermöglicht es dem Leser, sich in sie hinein zu versetzen. Die Ärztin Kathrin Voss wird als resolute, mit beiden Beinen im Leben stehende und vernunftgesteuerte Person geschildert, die nach der Trennung von ihrem Partner Axel ihre kleine Tochter Mia alleine erzieht. Ihr wird in diesem Buch die meisten Aufmerksamkeit zuteil. Heinrich Denk, Kathrins Lebensgefährte in der Studienzeit, wird als erfolgreicher Mann mit florierendem Unternehmen dargestellt. Verliebt in seine Frau Nina, einem um viele Jahre jüngeren Model, spielte er eine tragende Rolle in jener schrecklichen Nacht. Die extrovertierte Amelie Stutzkeis, damals mit Erik Stein liiert, veränderte sich auf tragische Weise. Aus dem jungen, fröhlichen und aufgeweckten Mädchen mit großen Plänen für die Zukunft wurde eine resignierte und ängstliche Frau, die Jahre damit zubrachte, das Geschehen zu verarbeiten. Letztendlich spielt Thomas Pfeiffer die tragischste Rolle in diesem Spiel – er als sensibelster und labilster Teil des unheilvollen Komplotts von Damals erlebte den tiefsten Fall. Sein Absturz führt ihn in die Isolation und Obdachlosigkeit und seine Schuldgefühle sind so massiv, dass es ihm nicht möglich ist, ein Leben „danach“ aufzubauen.
Siegfried Langer, von dem ich bislang noch kein Buch gelesen hatte, überraschte mich mit einem Thriller, der seinem Namen alle Ehre macht. Das Buch ist hochspannend geschrieben, die Handlung sehr gut konstruiert und meines Erachtens lückenlos und logisch aufgebaut. Fünf Berwertungssterne!