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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.04.2018

Deutsche Serienmörder

Totmacher 1
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Serienkiller gibt's nur in den USA, glaubt man. Oder? Tatsächlich ist auch die deutsche Kriminalgeschichte voll von ihnen, und dieses Buch beschäftigt sich mit einem Teil davon, wobei das Hauptaugenmerk ...

Serienkiller gibt's nur in den USA, glaubt man. Oder? Tatsächlich ist auch die deutsche Kriminalgeschichte voll von ihnen, und dieses Buch beschäftigt sich mit einem Teil davon, wobei das Hauptaugenmerk auf die Zeit knapp nach dem zweiten Weltkrieg liegt und bis in die siebziger Jahre reicht. Dabei werden nicht die bekannten Mörder zum hundertsten Male neu aufgewärmt, sondern tatsächlich die eher unbekannteren "Bestien" aufbereitet, ihre Taten gelistet und - sofern bekannt - ihre Herkunft und Entwicklung. Natürlich geht's dabei nicht sonderlich in die Tiefe, aber das soll es auch nicht, schließlich ist das kein Psychogramm der Mörder.

In diesem Buch geht's um:
- den Frauenmörder von Osnabrück
- den Totmacher vom Niemandsland
- den Killer vom Schwarzen Markt
- den Mörder vom Habichtswald
- die Hamburger Taximorde
- den Würger mit dem Fahrrad
- den Kindsmörder von Landshut
- den Teufel vom Perlacher Forst
- den nächtlichen Spaziergänger
- den Mittagsmörder
- den Vampir von Nürnberg
- den Würger von Braunschweig

Alles eher Boulevardschlagzeilen, doch dahinter stehen erschütternde Verbrechen und Opfer, die Grausames durchmachen mussten. Eine Lektüre, die echt zum Teil mitnimmt.

Veröffentlicht am 21.04.2018

Fehden und Drachen

JACKABY - Die verschwundenen Knochen
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Etwas stimmt nicht mit dem Kätzchen der edlen Lady, die Jackaby und dessen Assistentin Abigail um Hilfe bittet: hat sich doch der Mäusefänger in einen Fisch verwandelt und die Katzenbabys haben Flossen. ...

Etwas stimmt nicht mit dem Kätzchen der edlen Lady, die Jackaby und dessen Assistentin Abigail um Hilfe bittet: hat sich doch der Mäusefänger in einen Fisch verwandelt und die Katzenbabys haben Flossen. Jackaby nimmt sich der Sache an, doch dann gerät das ein wenig in Vergessenheit. In Gad's Valley wird nicht nur ein fast vollständiges Saurierskelett ausgegraben, auch seltsame Todesfälle verlangen die Aufmerksamkeit der Detektive des Übernatürlichen. Abigail ist nicht traurig, New Fiddleham zu verlassen. Einesteils, weil sie die Tochter eines Archäologen ist, andererseits ist da noch ein gewisser Hundsgestaltwandler, der seit ihrem letzten Fall in dieser Gegend wohnt.

Ich kann mich dem allgemeinen Tenor, dass dieses Buch schlechter ist als das erste, nicht anschließen. Sowohl den Fall als auch das Drumherum mit den Ausgrabungen und die Fehde der beiden Archäologen fand ich interessant, und gelangweilt habe ich mich auch nicht. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich fast zwei Drittel des Buches brauchte, bevor ich dahinterkam, worum es geht, dabei hätte es von Anfang an klar sein können, aber das lag an meiner Unaufmerksamkeit, nicht an der Lektüre. Jedenfalls hat mich auch der zweite Band der Reihe gut unterhalten können und ich bin gespannt, ob der Fall, der hier angeschnitten wurde, dort gelöst wird.

Veröffentlicht am 12.04.2018

Houston, wir haben ein Problem!

Hidden Legacy - Das Erbe der Magie
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Eine Welt wie die unsrige. Wie überall gibt es die Mächtigen, die die Politik als persönlichen Spielplatz ansehen, in dem Fall die Häuser der mächtigsten Magier, und diejenigen, die als Bauern auf dem ...

Eine Welt wie die unsrige. Wie überall gibt es die Mächtigen, die die Politik als persönlichen Spielplatz ansehen, in dem Fall die Häuser der mächtigsten Magier, und diejenigen, die als Bauern auf dem Spielfeld hin- und hergeschoben werden. Nevada Baylor ist fünfundzwanzig, Ermittlerin in einem kleinen, aber feinen Familienunternehmen und vertritt die Meinung, dass es besser ist, unter dem Radar der Reichen und Mächtigen zu agieren. Das ändert sich abrupt, als sie den Auftrag bekommt, einen gefährlichen Feuermagier ausfindig zu machen, der ganz Houston in Schutt und Asche legen will. Um den einen Teufel zu stellen, muss sie sich mit einem anderen verbünden - Connor "Mad" Rogan, einem Ex-Soldaten und erwiesenermaßen Schlächter vieler Menschen.

Und mit dem letzten Satz sieht man auch schon mein Problem, das ich mit dem Buch hatte. Mad Rogan ging mir dermaßen auf den Senkel, dass ich gehofft hatte, irgendwer lässt ihm mal einen Bus auf den Schädel fallen. Leider war er für auf Schädel fallende Busse verantwortlich. Bevor man mich missversteht: Das Buch ist genial (und eine Frechheit, dass es nur als ebook existiert), in der typisch mega coolen Art und Weise von Ilona Andrews geschrieben. Grandioser Weltenaufbau, perfekt unperfekte Heldin. Der Vorteil an ihr ist, dass zwar beim Auftauchen von Rogan beinahe ihr Höschen aus dem Fenster fliegt, aber die Betonung liegt zum Glück noch bei beinahe. Ich hasse es, wenn ein Kerl nur auftauchen muss und egal, was er macht(e), zum Beispiel die Heldin kidnappen und foltern (!!!), dass die sich dann verliebt. Das ist krank und so was will ich auch von meinen Lieblingsautoren nicht lesen müssen. Natürlich will ich wissen, was in Band 2 passiert, aber wenn es nach mir geht, dürfte sich Nevada nie mit diesem kranken Typen einlassen. Ihre Rede am Schluss hat sehr gut deutlich gemacht, was mit ihm nicht stimmt, und sein Abgang hat es auch noch mal bewiesen. Wer jetzt schon wieder bei diesem Typen dahinschmachtet, mit dem stimmt definitiv auch irgendwas nicht.

Veröffentlicht am 11.04.2018

Mir ist was Komisches passiert

Die Herrenausstatterin
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Wenn man zum Zahnarzt geht, erwartet man nicht, dass etwas Aufregendes passiert. Oder Außergewöhnliches, es sei denn, man sieht das Behandeln der Zähne als solches. Doch Katja passiert etwas - oder jemand. ...

Wenn man zum Zahnarzt geht, erwartet man nicht, dass etwas Aufregendes passiert. Oder Außergewöhnliches, es sei denn, man sieht das Behandeln der Zähne als solches. Doch Katja passiert etwas - oder jemand. Der Zahnarzt, Jakob. Denn sie verlieben sich, heiraten, ziehen zusammen. (In der Reihenfolge.) Ein normales Leben - er Zahnarzt, sie Übersetzerin, doch dann ist er weg. Jakob. Erst geistig, dann passiert ihm was Komisches, er wird überfahren. Natürlich kommt er nicht als Geist zurück, das macht Doktor Blank. Und weil Doktor Blank nur von Katja gesehen wird, klingelt eines Tages ein Feuerwehrmann.

Auch zwei Tage nach Beenden des Buches weiß ich eigentlich nicht genau, was mir Leky mit der Geschichte sagen möchte. Aber obwohl dieses Buch weit vor dem Okapi geschrieben wurde, ist hier schon die großartige Erzählweise der Autorin zu erkennen. Sie berichtet von völlig absurden Sachen in einer Art Poesie, die Groteskes mit bitterem Leid verknüpft und im nächsten Moment voller Überraschung auflachen lässt. Die Meisterin banaler Genialität hat es ein weiteres Mal geschafft, mir ein kurzweiliges Lesevergnügen in einem mir fremden Genre zu bereiten.

Veröffentlicht am 05.04.2018

Dryaden und Elfenblut

Stella Montgomery und die bedauerliche Verwandlung des Mr Filbert
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Stella Montgomery kennt ihre Eltern nicht und lebt, seit sie denken kann, bei ihren drei Tanten, die alles andere als fürsorglich oder gar wohlwollend sind. Meistens auf sich allein gestellt, durchstreift ...

Stella Montgomery kennt ihre Eltern nicht und lebt, seit sie denken kann, bei ihren drei Tanten, die alles andere als fürsorglich oder gar wohlwollend sind. Meistens auf sich allein gestellt, durchstreift sie das Hotel in dem englischen Badeort, in welchem sie leben und bereist lesend mithilfe eines Atlas' die Welt. Versteckt hinter hohen Pflanzen im Wintergarten des Hotels, bemerkt sie eines Tages, dass der uralte Mister Filbert etwas in einem Pflanzentopf versteckt. Neugierig holt sie das winzige Päckchen hervor - nicht ahnend, dass sie damit die Aufmerksamkeit eines teuflischen Professors und seiner kriminellen Spießgesellen auf sich zieht. Der Professor geht für das, was er will, über Leichen und so gerät Stella in das Abenteuer ihres Lebens (und Überlebens), bei dem die sonderbare Verwandlung des Mister Filbert noch eines der harmloseren Dinge ist, die passieren.

Man befindet sich sofort mit Stella in diesem Wintergarten, in diesem Hotel, wird von ihren furchtbaren Tanten abgekanzelt, von der Zofe der Tanten in einer Tour herumgezerrt und verbal angegriffen. Kein schönes Leben für ein kleines Mädchen, kein Wunder, dass sie versucht, sich Freiräume zu schaffen. Der Schreibstil entwickelt einen altmodischen Charme und gepaart mit den Beschreibungen des englischen Küstenorts in (vermutlich) den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts und Zeichnungen, die einige Szenen gekonnt wiedergeben, ist das ein nahezu perfektes Kinderabenteuer. Warum es nicht die volle Punktzahl erreicht? Mir war es ein bisschen zu viel Run & Hide und zu wenig der erwarteten Magie, auch der Showdown verpuffte zu schnell meiner Meinung nach. Trotzdem ist das eine Reihe, von der ich hoffe, dass sie fortgesetzt wird, zumal hier Wert auf Zusammenhalt von Kindern gelegt wird ohne erhobenen Zeigefinger und keiner der sympathischen Protagonisten in irgendeiner Form Superheldenfähigkeiten besitzt. Vielversprechend!