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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.05.2018

Platz da, der Deutsche klärt das schon!

Das Grab unter Zedern (Ein-Leon-Ritter-Krimi 4)
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Leon Ritter ist Gerichtsmediziner in einem Touristenort an der Küste Frankreichs. Obwohl er Deutscher ist, ist er voll in dem Ort und an seiner Arbeitsstelle integriert, auch wenn der Chef der Kriminalpolizei ...

Leon Ritter ist Gerichtsmediziner in einem Touristenort an der Küste Frankreichs. Obwohl er Deutscher ist, ist er voll in dem Ort und an seiner Arbeitsstelle integriert, auch wenn der Chef der Kriminalpolizei ihn nicht leiden kann, weil er mit der Stellvertreterin des Chefs liiert ist, was der gerne selbst wäre. Als eines Tages ein Mann aus dem Gefängnis entlassen wird, den die Leute für den Mörder seiner Tochter halten, schlagen die Wellen der Empörung hoch, besonders, als dann mehrere Morde geschehen. Die Polizei hat dazu ihre Theorien, von denen sie bei den Ermittlungen auch nicht abweicht, nur Leon Ritter ist anderer Meinung und stellt eigene Nachforschungen an, die nicht nur ihn in Lebensgefahr bringen.

Das Buch ist routiniert geschrieben und könnte zwischendurch auch als Reiseführer herhalten, eigentlich wird kein Klischee der schönen Landschaft ausgelassen. Das ist kein Problem, denn wer zu Frankreichkrimis greift, erwartet das wohl auch. Vielleicht ist es eine persönliche Vorliebe, aber ich erwarte dann allerdings nicht, dass sich die Klischees auch auf die Personen beziehen. Die Polizei ist mit Ausnahme der Freundin Ritters völlig inkompentent, genauso auch der Gerichtsmediziner, der Ritter zur Seite gestellt wird. Mir ist dieses Bashing der französischen Polizei durch deutsche Autoren schon öfter aufgefallen, gerade wenn ein deutscher Protagonist die Hauptrolle spielt, der natürlich alles klärt. Ritter ist nicht nur megakompetent, sondern auch der Lieblingsgast in seinem Lieblingscafé. Dass er eigentlich die meisten Leute, inklusive der Tochter seiner Freundin, extrem herablassend behandelt, soll wohl von seiner Coolness zeugen. Der Fall selbst war interessant, hätte aber gern weniger abrupt enden dürfen.

Veröffentlicht am 13.05.2018

Mutter und Sohn

Nachtwild
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Joan ist die Mutter eines vierjährigen Jungens, Lincoln. Gern verbringt sie die Nachmittage mit ihm im Zoo, und auch heute ist einer dieser Nachmittage. Kurz vor Schließung des Zoos streben sie auf den ...

Joan ist die Mutter eines vierjährigen Jungens, Lincoln. Gern verbringt sie die Nachmittage mit ihm im Zoo, und auch heute ist einer dieser Nachmittage. Kurz vor Schließung des Zoos streben sie auf den Ausgang zu, doch plötzlich fallen Schüsse und Joan sieht die ersten Toten auf den Wegen liegen. Alles, woran sie denken kann, ist, sich mit ihrem Sohn in Sicherheit zu bringen, und deshalb sucht sie ein Versteck. Die Zeit vergeht, es wird dunkel, sie bemerkt zwei Attentäter, doch die Polizei kommt nicht. Und jetzt?

Ehrlich, diese Frage habe ich mir zum Schluss dann auch gestellt. Aus der Sache hätte man so viel rausholen können, so viel fingernägelkauende Spannung, aber Tatsache ist, es war zu 90 Prozent megalangweilig. Wahrscheinlich lesen Mütter dieses Buch einfach anders, können sich besser in Joan reinversetzen, aber mir ging dieses ewige Abschweifen der Gedanken der Frau total auf die Nerven. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt lang habe ich sie regelrecht gehasst, sie war so von sich eingenommen und ihre Gedanken bewegten sich auf Wegen, die ich nicht nachvollziehen konnte. Die ständigen Beschreibungen von Lincoln, die Mutter-Sohn-Nähe ließ bei mir eigentlich nur das Bild einer alten (sie ist über 40) Helicoptermutter aufkommen und ich konnte es schon nicht mehr hören: Lincolns Haut, sein Geruch, seine Festigkeit oder Weichheit oder was weiß ich alles. Schön, dass die eine gute Beziehung haben, aber es langweilt. Leider nahm das viel zu viel Platz ein. Viel lieber hätte ich mehr über Robby, einen der Amokschützen gehört, dem einfach nur ein paar Tassen im Schrank fehlten, um zu verstehen, was er da echt abzieht. Oder über Caitlyn, das nette, tapfere Mädchen, selbst Mrs Powell erschien mir interessanter als Joan mit ihrem ganzen gedanklichen Gelaber. Richtig gut jedoch waren die Leser, herausragend hierbei Barnaby Metschurat, der den wirren, etwas unterbelichteten Robby so genial brachte, dass man ihn direkt vor sich sehen konnte. Schade, dass eben jene anderen Protagonisten so wenig Raum bekamen. Das Buch wird durch die Sprecher um einen ganzen Punkt aufgewertet, ansonsten könnte man es völlig abhaken.

Veröffentlicht am 05.05.2018

Hexensohn

Wie man die Zeit anhält
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Thomas Hazard ist ein außergewöhnlicher Mann. Nicht, dass er im ersten Moment groß beeindrucken würde, aber er hat eine Gabe - oder ist es ein Fluch? Er altert so langsam, dass er jetzt - im Alter von ...

Thomas Hazard ist ein außergewöhnlicher Mann. Nicht, dass er im ersten Moment groß beeindrucken würde, aber er hat eine Gabe - oder ist es ein Fluch? Er altert so langsam, dass er jetzt - im Alter von 439 Jahren - eher wie ein Vierzigjähriger aussieht. Er hat Hexenprozesse erlebt, William Shakespeare kennengelernt, ist mit Captain Cook auf Reisen gegangen. Seinetwegen ist seine Mutter als Hexe getötet worden und die einzige Liebe, die er je zugelassen hat, endete tragisch. Dann fand ihn die Gesellschaft der Albas, Leute, die sind wie er. Ihr Anführer unterstützt ihn und verlangt dafür drei Sachen: 1. Niemals (mehr) verlieben, 2. Alle acht Jahre umziehen und die Identität wechseln, 3. ihresgleichen aufsuchen und in die Gesellschaft holen. Es kommt, wie es kommen muss: Tom verliebt sich wieder und stellt alles in Frage.

Einerseits war es schon eine interessante Grundidee. Jemand, der so viele Leben und Zeiten erlebt hat, kann sicher aus einem reichen Erfahrungsschatz greifen. Und einige der historischen Berichte waren auch gut erzählt. Doch irgendwie blieb alles recht banal und jedes Mal lief es darauf hinaus, dass Tom Kopfschmerzen hat und er scheußlich deprimiert ist. Auch irgendwo verständlich, aber auf Dauer nicht sehr spannend. Ebenso wenig spannend war der Schluss der Geschichte, bei der man nicht das Gefühl hatte, der Autor hätte sich groß Gedanken gemacht, eher, dass er nicht wusste, wie er die Sache lösen sollte. Als ob der Anführer der Albas selbst die Drecksarbeit erledigen würde. Überhaupt war die Alba-Gesellschaft in meinen Augen nicht gut durchdacht, weder gab es Informationen darüber, wie sie sich überhaupt halten konnte noch wie sie an all ihre Daten kamen. Und puff, alle Probleme, die vorher existierten, wurden mit Glückskekssprüchen aus der Welt geschafft. Glückskekssprüche gibt es allgemein zuhauf in diesem Buch, wer auf so was steht, dem wird es sehr gefallen.

Veröffentlicht am 25.04.2018

Unter Londons Straßen

Oscar Wilde & Mycroft Holmes - Folge 14
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Mycroft Holmes, die graue Eminenz hinter der Englischen Regierung und verantwortlich für die Sonderkommandos des Oscar Wilde, wird plötzlich direkt aus dem Diongenes Club entführt. Wilde, die "Nichte" ...

Mycroft Holmes, die graue Eminenz hinter der Englischen Regierung und verantwortlich für die Sonderkommandos des Oscar Wilde, wird plötzlich direkt aus dem Diongenes Club entführt. Wilde, die "Nichte" Holmes', Wheeler und ein paar Kanonenfutterleu... Fachleute folgen einem geheimnisvollen Brief, der ihnen erklärt, was sie tun müssen, um Holmes wiederzubekommen: Sie müssen unter den Katakomben Londons in ein Labyrinth begeben und etwas bergen, das dem Kidnapper mehr als wichtig ist. Dabei sind selbstauslösende Fallen und ungeheure Monster nicht die einzigen Gefahren, die sie bestehen müssen.

Und wieder eine wirklich großartige Idee - und auch mal wieder fast großartig an die Wand gefahren. Nicht gar so spektakulär miserabel wie die meisten der vorhergehenden Folgen, aber auch hier möchte man sich gern und oft an den Kopf fassen. Leute, Hörbuchschreiber, habt ihr überhaupt einen Funken Logik am Leib? Und warum zieht ihr bitte einige Episoden in diesem Teil so lang, obwohl sie überhaupt nicht weiterbringen, nur um zum Schluss festzustellen: Ups, Zeit geht uns aus, wie legen mal einen Schleier des Vergessens über die Rückweg und Gefahren, machen einfach mal so weiter, die Hörer werden das schon schlucken. Ja, geschluckt habe ich. Weil es mich traurig macht, dass eine einst so vielversprechend angefangene Serie teilweise so lieblos behandelt wird. Drei Punkte gibt's, weil mich die Idee mal wieder begeistern konnte, die Leute wie üblich top gesprochen/gespielt haben und weil ich die Hoffnung nicht aufgebe, dass es wieder besser wird. Die ersten Folgen haben ja bewiesen, dass es möglich ist.

Veröffentlicht am 15.04.2018

Mords-AG

Der Jahrbuchcode
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Die Jahrbuch-AG ist für all diejenigen, die es versäumt haben, sich rechtzeitig in den coolen AGs anzumelden. So finden sich Niklas, Lilly, Philipp und Eltis in ebenjener wieder und stellen sich auf eine ...

Die Jahrbuch-AG ist für all diejenigen, die es versäumt haben, sich rechtzeitig in den coolen AGs anzumelden. So finden sich Niklas, Lilly, Philipp und Eltis in ebenjener wieder und stellen sich auf eine langweilige nebenschulische Beschäftigung ein. Doch schon bald kommen sie einer seltsamen Sache auf die Spur: In sämtlichen Jahrgangsbüchern, die ihnen zur Verfügung gestellt wurden, taucht in der Klasse 10c immer derselbe Junge auf, der scheinbar nie altert. Ist das Photoshop? Ein Trick, macht sich jemand lustig? Bei ihren Recherchen dazu kommen sie schnell zu dem Schluss, dass es auf jeden Fall etwas ist, das nichts mit Spaß zu tun hat. Jemand hat ein Geheimnis, und dieses will er um jeden Preis wahren - selbst um den Preis, zum Mörder zu werden.

Erst einmal: Es ist wirklich eine kurzweilige und vor allem auch spannende Lektüre, und ich mochte eigentlich auch die Protagonisten. Allerdings fehlte mir zu oft die Logik, und damit meine ich nicht mal das übernatürliche Element, das wirklich dezent im Hintergrund lauert. Aber es gab so viele Dinge, die nicht zusammenpassten. Warum sollte jemand dafür sorgen, dass die restlichen Jahrgangsbücher nicht zu finden sind, wenn man doch eh schon über 20 Jahre besitzt? Wer sorgte für die Ratte im Spind und vor allem warum? Angst einjagen? Da gab es durchaus beängstigerende Situationen. Wer sollte von den Recherchen des Journalisten wissen und diesen vor allem ständig im Auge behalten? Warum einen "fiesen" Mitschüler einführen und dann kaum noch erwähnen? Das ständige Hin und Her der Perspektiven, teilweise mitten im Satz wirkte manchmal wirklich störend. Trotzdem wiederhole ich, dass das Lesen Spaß gemacht hat und mit einem vernünftigen Lektor hätte aus dem Buch ein großer Wurf im Jugendkrimibereich werden können.