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Veröffentlicht am 18.06.2018

Sehr spannender Auftakt

Der Alphabetmörder (Ein Grall-und-Wyler-Thriller 1)
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„Der Alphabetmörder“ von Lars Schütz hat 327 Seiten im ebook-Format, aufgeteilt in Teile A – G und Z in 85 Kapiteln.
Jan und Rabea, die LKA-Profiler, werden in den Westerwald gerufen. Dort werden in einem ...

„Der Alphabetmörder“ von Lars Schütz hat 327 Seiten im ebook-Format, aufgeteilt in Teile A – G und Z in 85 Kapiteln.
Jan und Rabea, die LKA-Profiler, werden in den Westerwald gerufen. Dort werden in einem Wildtiergehege die Leiche „A“ und in der Nähe die Leiche „B“ gefunden. Die Buchstaben wurden dilettantisch in die Haut tätowiert. Hauptkommissar Stüter ist nicht begeistert, „Profiler“ zu bekommen. Aber er hat wohl eher Angst davor, selbst von ihnen analysiert zu werden. Allerdings liegt das schon im Berufsbild von Fallanalytikern.
Der Westerwald ist Jans alte Heimat, aber er scheint nicht gern dorthin zurückzukehren. Dann erfährt er auch noch, dass Anita Ichigawa vom K11 Koblenz sie beide zu dem Fall hinzugezogen hat. Er kennt sie noch aus früheren Zeiten.
Es zeigt sich schnell, dass die beiden Toten eine Gemeinsamkeit haben. Bei der Befragung der Familien der Toten stellen sie fest, dass es einen Tatverdächtigen gibt. Francesco Zanetti hat das Buch „Buchstaben des Todes“ geschrieben und wollte es unbedingt veröffentlichen. Aber so einfach ist der Fall dann doch nicht gelöst.
Dann verschwindet Tugba, eine Deutschlehrerin. Damit passt sie auch wieder in das Schema des Täters. Jan lernt Tamara kennen und findet gegenüber von seinem Hotelzimmer das „Z“, was für ihn bedeutet, das letzte Opfer zu sein.
Zwischendurch gibt es kursiv geschriebene Kapitel aus Sicht des gefangen gehaltenen Opfers.
Durch seine diagnostizierte Hypersensibilität leidet Jan besonders an Tatorten, was seinen Beruf nicht einfacher macht. Auch das Wiedersehen mit seiner Schwägerin weckt alte Erinnerungen und Schuldgefühle, womit er nur sehr schwer umgehen kann. Für mich stellt er einen sehr einsamen, zerrissenen und traurigen Menschen dar.
Auch Rabea hat ihr persönliches Päckchen zu tragen, was man aber erst ansatzweise am Ende erfährt.
Stüter ist mir mit seiner teilweise ruppigen und sehr direkten Art ganz sympathisch. Er bringt die Sachen auf den Punkt, ohne großes Herumgerede.
Aus meiner Sicht waren Rabea und Jan in ihrer Funktion als Fallanalytiker nicht hilfreich bei der Aufklärung des Falles. Allerdings war das wohl auch nicht so gedacht.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es ist rasant und spannend geschrieben. Auch durch die unterschiedlichen Charaktere der Akteure und nicht vorhersehbare Handlungen bleibt die Spannung immer erhalten. Es ist in vieler Hinsicht eine tragische Geschichte mit unschuldigen Opfern, nicht nur bei den Toten.
Ein sehr gelungener Auftakt der Serie.

Veröffentlicht am 15.06.2018

Der Zug der Vergeltung rollt

Gleis der Vergeltung
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Lynn-Elisabeth von Raaben hat an ihrem Hochzeitstag ihren Verlobten verloren. Ihre Eltern haben einen ausgeprägten Standesdünkel und Benedikt war ihnen als Schwiegersohn nicht willkommen.
Jahre später ...

Lynn-Elisabeth von Raaben hat an ihrem Hochzeitstag ihren Verlobten verloren. Ihre Eltern haben einen ausgeprägten Standesdünkel und Benedikt war ihnen als Schwiegersohn nicht willkommen.
Jahre später lernt Lynn Tilda kennen und erfährt Unglaubliches über Benedikts Unfall. Die beiden schmieden einen perfiden Racheplan.
Die alten Schulfreunde Maarten, Hendrik und Annabelle haben ein altes Geheimnis, was immer zum Todestag ihres Freundes hoch kommt. Und Laura bekommt anonyme Drohungen und denkt, dass sie von Maarten kommen. Auch Corinna, Hendricks Frau, fühlt sich unwohl beim Besuch einer Kundin. Dann bekommt auch Annabelle Angst. Alle denken, dass es was mit ihrem Geheimnis zu tun hat.
Zwischendurch gibt es kursiv geschriebene Kapitel über Sie“, die 1965 beginnen. Mir war sehr lange nicht klar, um wen es dabei geht. Erst gegen Ende kommt etwa Licht ins Dunkel.
Es ist erschreckend, wie lieblos Lynn aufgewachsen ist. Man weiß auch hier lange nicht, was passiert ist, z.B. mit Yuri, der ertrunken ist. Sie hat auch fast keinen Kontakt mehr zu ihren anderen Geschwistern. Das liegt zum Teil auch daran, dass ihre Schwester Bernadette das Ebenbild ihrer gehassten Mutter ist.
Ich bin etwas schwer in das Buch eingestiegen. Es gibt Zeitsprünge von 1965 über 2010 zu 2017.
Außerdem unterschiedliche Arten der Überschriften, teils mit Namen und Datum, teils nur mit Namen oder auch anonym mit „Sie“. Auch sind die Abschnitte von Lynn in der Ich-Form geschrieben, die anderen nicht. In den Lynn-Kapiteln gibt es auch noch Sprünge zurück in ihre Kindheit. Man musste schon etwas aufpassen, gerade am Beginn des Buches. Danach ging es besser.

Insgesamt war es aber eine tolle Geschichte voller Leid, Kummer, Missbrauch und Lügen. Lynn ist jahrelang nicht über Benedikts Tod hinweg gekommen. Ihre Mutter ist immer noch furchtbar. Eine innige Beziehung hat sie zu ihrem Vater, der dement ist und in einem Pflegeheim lebt. Auch Maarten, Hendrik und Annabelle haben mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen.
Der Schreibstil war, wenn man sich eingelesen hatte, angenehm und ich kam recht schnell vorwärts.
Die Charaktere waren sehr gut beschrieben, man konnte sich in sie hineinversetzen und auch mit ihnen leiden.
Das Cover versprach schon eine grausame Geschichte, aber es kam doch alles noch schlimmer.

Veröffentlicht am 29.05.2018

Sehr gute Fortsetzung der Reihe

Das Grab unter Zedern (Ein-Leon-Ritter-Krimi 4)
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Das „Grab unter Zedern“ ist das 4. Buch mit Leon Ritter. Es hat 477 Seiten mit 86 Kapiteln.
Es ist zwar nicht unbedingt notwendig, die ersten Teile zu kennen, die Fälle sind in sich abgeschlossen. Aber ...

Das „Grab unter Zedern“ ist das 4. Buch mit Leon Ritter. Es hat 477 Seiten mit 86 Kapiteln.
Es ist zwar nicht unbedingt notwendig, die ersten Teile zu kennen, die Fälle sind in sich abgeschlossen. Aber die persönlichen Dinge um die Hauptakteure ziehen sich durch alle Bücher. Und natürlich lohnt es sich auch, sie zu lesen. Ich kann es nur empfehlen.

Mit dem Prolog gab es einen sehr traurigen Einstieg in das Buch, als ein Vater seine Familie erschoss.
In Le Lavandou wird Paul Simon, ein des Kindesmordes Verdächtiger, aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Polizei wird von höchster Stelle beauftragt, die Fakten nochmals genau zu prüfen, um stichhaltige Beweise zu finden. Es wird eine Bürgerwehr gegen Simon gebildet, um die sich die Polizei kümmern muss, obwohl sie auch von Simons Schuld überzeugt ist.
Die Tat geschah vor Leons Zeit, deshalb kann er die Sache etwas objektiver betrachten.
Dann wird am Strand ein Toter gefunden. Die Polizei geht von einem Unfall aus und untersucht die Sache nicht weiter. Aber Leon glaubt das nicht und versucht, mehr heraus zu finden.
Inzwischen will Simon auch seine Unschuld am Tod seiner Tochter beweisen und hat auch schon einen Verdacht.

Leon ist mit seiner ruhigen und bedächtigen Art ein sehr kompetenter Rechtsmediziner. Es ist bewundernswert, wie er mit der Arroganz des Polizeichefs umgeht und sich nicht provozieren lässt. Dann bekommt er auch noch von seinem Chef einen neuen Kollegen zugeteilt, von dem Leon befürchtet, dass es sein Nachfolger sein soll. Dr. Bodin lässt sich kaum blicken, verkauft aber Leon’s Untersuchungsergebnisse als seine. Ich halte ihn einfach nur für unfähig, uninteressiert und intrigant.

Es ist eine ziemlich dramatische Geschichte um ein vermutlich totes Mädchen, einen freigesprochenen Verdächtigen, einen Täter und der Beeinflussbarkeit der Menschen, die nur glauben, was sie sehen. Außerdem gibt es noch weitere Tote, die auf den ersten Blick gar nichts mit Allem zu tun haben. Der Fall gestaltet sich immer komplizierter, bis gegen Ende sind keine direkten Zusammenhänge zwischen den Opfern zu sehen.
Zwischendurch gibt es Kapitel aus Sicht einer Person, die glaubt, kleine Kinder retten zu müssen, deren Eltern sich immer streiten und sich nicht genug kümmern.

Schön finde ich die Beziehung zwischen Leon und Isabelle, auch Lilou geht gut damit um, obwohl sie im pubertären Alter ist.
Polizeichef Zerna ist immer noch so ein arroganter nach oben schleimender Mensch, der Leon nicht leiden kann und ihn gerne vorführt, indem er Leons Arbeit und die Ergebnisse erst einmal ignoriert. Und Masclau ist immer noch ein ungeduldiger, unsensibler Rüpel, der meist zu Zerna hält.

Es ist wieder ein sehr lesenswertes Buch mit vielen unterschiedlichen Charakteren und spannender Handung. Es lässt sich gut und flüssig lesen. Auch das Cover ist wie bei den Vorgänger sehr schön mit dem Lavendelfeld im Vordergrund und dem düsteren, unheilvollen Himmel.

Veröffentlicht am 23.05.2018

Amüsante Mordsgeschichte

Haberfeldtreiber
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Die kleine Gemeinde Obernstall ist erschüttert. Lupolenz, der Betreiber eines Bio-Labors, ist tot.
Liegt es daran, dass er einen Privatdetektiv beauftragt hat, um die Haberer zu enttarnen? Diese bestrafen ...

Die kleine Gemeinde Obernstall ist erschüttert. Lupolenz, der Betreiber eines Bio-Labors, ist tot.
Liegt es daran, dass er einen Privatdetektiv beauftragt hat, um die Haberer zu enttarnen? Diese bestrafen habgierige Leute, wie den Metzger Böhler, der Gammelfleisch verkauft. Aber was hatte Lupolenz zu befürchten? Er hat streng nach ökologischen Regeln gelebt, hat sogar den Müll der Nachbarn inspiziert, ob richtig getrennt wird. Ist er vielleicht auf etwas gestoßen?
Polizistin Sibylle Schwinghammer bekommt einen arroganten Traunstein Oberkommissar vorgesetzt, mit dem sie gnädiger Weise zusammenarbeiten darf. Dabei versucht sie, die Haberer aus der Sache herauszuhalten, sie ist sich sicher, dass diese nichts mit dem Mord zu tun haben. Aber ihr Vorgesetzter will diese auf jeden Fall zur Strecke bringen. Als die Haberer das erfahren, versuchen sie selbst, den Täter zu finden.
Es ergeben sich recht spannende Entwicklungen.
Die Bürgermeisterin will ihren Mann verlassen und bei ihrem Geliebten Fritz zu bleiben, was dem gar nicht gefällt. Die hinzugezogene Fallanalytikerin Natasha Polcek kennt Sibylles Geheimnis, aber welches? Und der arbeitslose Drucker Arlberger schmeißt mit Geld um sich.
Nebenbei ermittelt noch der Detektiv Goran Dedric, der den Haberern verdächtig nahe kommt.

Ich habe mich köstlich amüsiert bei der Vorstellung des von Rinderfilet träumenden Metzgers. Oder auch als ein Verdächtiger in einer von Spinnenweben besetzten Zelle sitzt und lautstark von den Polizisten Essen und einen Laptop verlangt, was er auch bekommt. Und sein sauteurer Anwalt muss warten, bis er seine Internetgeschäfte erledigt hat. Sehr lustig war auch, wie ein großer starker Kerl Angst vor der „Hexe“ Laura Endorfine hat.

Die Charaktere finde ich alle sehr interessant und auch auf unterschiedliche Art sympathisch. Die drei Haberer mag ich sehr, auch wenn Selbstjustiz nicht die feine Art ist.
Und am Ende gibt es sogar neue Beziehungskonstellationen.

Mir gefällt die Geschichte sehr gut und die dialektischen Bezeichnungen und Beschimpfungen sind super. Das Cover passt prime zur Geschichte.
Durch den einfachen Schreibstil lässt sich das Buch auch gut und flüssig lesen.

Veröffentlicht am 14.05.2018

Tolle Fortsetzung der Reihe

Mordtiefe
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Zu Beginn muss man sagen, dass es aus meiner Sicht wichtig ist, die ersten beiden Teile „Kalendermord“ und „Der Serbe“ gelesen zu haben, denn die Haupthandlung zieht sich durch alle Teile, auch wenn es ...

Zu Beginn muss man sagen, dass es aus meiner Sicht wichtig ist, die ersten beiden Teile „Kalendermord“ und „Der Serbe“ gelesen zu haben, denn die Haupthandlung zieht sich durch alle Teile, auch wenn es extra noch abgeschlossene Fälle gibt.
Wie gewohnt beginnt auch dieses Buch sofort spannend, indem Astrid aus ihrem Kanu heraus in die Tiefe gezogen wird. Sven wird an den Tatort gerufen und was die Taucher dort finden, ist grausam.
Auch hier kommt wieder der Kladicz-Clan ins Spiel. Stojan will den Mörder seines Bruders finden. Aber wahrscheinlich kommt es eher umgekehrt.
Pehling trifft sich weiter mit Karin, eine Gefahr scheint nicht für sie zu bestehen. Jedenfalls nicht von Pehling's Seite aus. Anders sieht es mit Stojan aus. Er wird zur Bedrohung.
Die Ermittler sind stark beschäftigt. Zum einen müssen sie im Fall der toten Frauen ermitteln, dann gibt es noch den Kladicz-Clan, der seine Tat Pehling anhängen will und dieser rächt sich wieder an Stojans Leuten.
Dass Sven ab und zu mal ausrastet, weil sich Pehling immer noch mit seiner Karin trifft und weil seine Mitarbeiter sogar leichte Sympathie für ihn hegen, weil er Mörder ermordet, kann ich schon verstehen. Aber Sven hört sich auch die Beschwerden seiner Mitarbeiter gegen ihn an und gibt Fehler zu, was ihn zu einem guten Vorgesetzten macht.
Man muss wirklich aufpassen, dass man nicht beginnt, Pehling zu mögen, er kann eigentlich ganz nett sein und schafft so manches Problem für die Polizei aus der Welt.
Auch in diesem Band setzt sich die grausame Metzelei fort, die nicht nur durch Pehling verursacht wird. Da frage ich mich schon, wie Menschen so etwas lesen können. Manche Stellen musste ich sogar überspringen.
Aber es ist eben eine wahnsinnig spannende Geschichte, die ebenso spannend geschrieben ist. Es kommt zu keiner Zeit zu langwierigen Szenen. Es ist ein sehr rasanter Schreibstil, der durch relativ kurze Kapitel noch untersetzt ist. Diese Kapitel sind aus Sicht der unterschiedlichen Personen oder Gruppen geschrieben, was das Lesen noch spannender macht.
Das Cover passe perfekt zur Story und wirkt sehr ansprechend.