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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2018

Klassik im neuen Gewand

Der Fall Moriarty
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In "Der Fall Moriarty" interpretiert Anthony Horowitz die Ereignisse von Holmes und seinem Gegenspieler Moriarty, der bei Conan Doyle nur zweimal die Ehre hatte, bis er endgültig die Reichenbachfälle hinabstürzte ...

In "Der Fall Moriarty" interpretiert Anthony Horowitz die Ereignisse von Holmes und seinem Gegenspieler Moriarty, der bei Conan Doyle nur zweimal die Ehre hatte, bis er endgültig die Reichenbachfälle hinabstürzte und so ein mehr oder weniger würdiges Ende fand, neu. Allerdings fungiert hier Holmes eher als Randfigur, die zunächst einmal für einige Jahre weg vom Fenster ist, sprich: vermisst ist. Auch sein Freund Dr. Watson steht nicht im Mittelpunkt: nein, dieser gebührt dem Erzähler, dem nach eigenen Worten eher mittelmäßigen New Yorker Detektiv Chase, der - wie soll es anders sein - von Scotland Yard unterstützt wird.

Ich bewundere Horowitz wirklich sehr für seine Fähigkeit, sprachlich - schwuppdiwupp - ins 19. Jahrhundert einzutauchen: er tut dies wirklich ungeheuer atmosphärisch. Ich kann die Detektive in ihren klassischen Outfits mit Lupe und weiterer Ausrüstung praktisch neben mir spüren, wie sie mich mitnehmen und durch den Fall führen. Horowitz versucht nicht, Doyle zu kopieren, vielmehr nimmt er den Faden auf und schafft eine eigenständige Variante, die viel mehr ist als eine reine Interpretation des Stoffes.

Ja, das Lesen hat ganz klar Spaß gemacht und mich in die Welt der Detektivromane des ausgehenden 19. Jahrhunderts versetzt. Warum ich dennoch nicht hellauf begeistert bin? Nun, ein paar Längen gab es dann doch, die ganz klar auf Kosten der Spannung gingen und mir ein bisschen die Lust am Weiterlesen nahmen. Nicht endgültig, nein, eher mal so zwischendurch war ich des Lesens müde, trotzdem fand ich immer wieder hinein und empfehle das Buch daher auch Freunden der klassischen Kriminalliteratur, des herkömmlichen Detektivromans von Herzen weiter.

Veröffentlicht am 27.07.2018

Dies könnte der Auftakt zu einer wahrhaft inspirierenden Reihe sein

Engelskalt
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einer Reihe mit Potential, die durch die Ermittler, die sozusagen für sie zuständig sind, getragen wird - ausgesprochen vielschichtige und detailliert ausgearbeitete Charaktere sind es. Und da es ein skandinavischer, ...

einer Reihe mit Potential, die durch die Ermittler, die sozusagen für sie zuständig sind, getragen wird - ausgesprochen vielschichtige und detailliert ausgearbeitete Charaktere sind es. Und da es ein skandinavischer, genau: norwegischer Autor ist, der dieses Buch, diese "angehende" Reihe geschaffen hat, haben sie natürlich ein ordentliches Päckchen zu tragen, was ihre physische Konstitution anbelangt.

Kommissar Holger Munch soll den Mord an einem kleinen Mädchen auflösen und möchte seine Kollegin Mia dabeihaben, obwohl hauptsächlich sie daran Schuld trägt, dass seine so vielversprechend erscheinende Spezialeinheit aufgelöst wurde. Er findet sie auf einer einsamen Insel - und es kommt jetzt noch doller - wo sie sich umbringen wollte. Naja, norwegische Krimis sind eben starker Tobak: das weiß man schon seit Anne Holt und vor allem seit Jo Nesbø - und Samuel Bjørk steht ihnen diesbezüglich wahrlich in nichts nach, wenn auch auf seine ganz besondere, ureigene Weise. Mia springt über ihren eigenen - depressiven - Schatten und vertieft sich in die Ermittlungen: Dank ihr gibt es einen Fingerzeig der ganz besonderen Art: es gibt möglicherweise mehr Opfer. Also heißt es, die Suche flink auszudehnen....

Und daran tut das Team gut, denn der Fall wird sehr persönlich und fordert Mia und Holger Munch auf verschiedenste Art und Weise.

Samuel Bjørk schreibt packend, ja fesselnd, auch wenn der Akzent, den er auf seine Ermittler legt, ab und an ein klein wenig auf Kosten der Krimihandlung geht. Auch wenn dies ein ausgesprochen dickes Buch ist, werden gelegentlich Details, die aus meiner Sicht relevant für die jeweiligen Kriminalfälle sind, einfach ausgelassen. Auf der anderen Seite gibt es wieder Aspekte, die aus meiner Sicht um einiges zu ausführlich geschildert werden.

Trotzdem: Sie werden den Thriller der besonderen Art nicht aus der Hand legen, bevor Sie ihn ausgelesen haben, denn Samuel Bjørk schreibt wirklich mitreißend, die Inhalte sind ungewöhnlich - zumindest in Teilen. Ein besonderer Autor mit ganz besonderen, charismatischen Ermittlern. Hoffentlich lesen wir mehr davon!

Veröffentlicht am 27.07.2018

Der Weg zurück

Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz
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Eine indischstämmige Fotografin, die ein aufsehenerregendes, ja dramatisches Fotos schießt, bei dem sie einen Selbstmörder bei dessen Sturz von einer Brücke abgelichtet hat, ist die Protagonistin dieses ...

Eine indischstämmige Fotografin, die ein aufsehenerregendes, ja dramatisches Fotos schießt, bei dem sie einen Selbstmörder bei dessen Sturz von einer Brücke abgelichtet hat, ist die Protagonistin dieses Romans. Klingt skandalträchtig und reißerisch, ist es aber gar nicht.

Im Gegenteil, es ist ein eher ruhiger, dabei aber ungemein vielschichtiger Familienroman ungewöhnlicher Art, mit der ein oder anderen Wendung zu viel, dabei jedoch aufgrund dem Blick der Autorin fürs Ungewöhnliche, aber auch für das Analytische durchaus lesenswert. Amina ist nämlich als Hochzeitsfotografin tätig, eine Gratwanderung auf ihrem Weg zwischen Tradition und ... nunja, nicht gerade Innovation, aber doch Neuem. Als ihr Vater im Sterben liegt, begibt sie sich zurück: auf eine Suche nach Wurzeln, nach dem Vergangenen und wir, die wir sie dabei begleiten dürfen, erfahren durchaus Spannendes.

Ein wenig umständlich, ein wenig verwinkelt: daher kein Lieblingsbuch, aber durchaus eines, das ich Freunden geheimnisvoller Familiengeschichten gerne weiterempfehle!

Veröffentlicht am 27.07.2018

Mein Freund, der Baum

Baumwelten
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... ist in diesem Falle nicht, wie einst Alexandra schlagerstark verkündete, tot. Nein, er lebt und zwar wie! Hier zumindest ist ihm ein ganzes Buch gewidmet - ein riesiger Bildband,

Um Bäume und um Wälder ...

... ist in diesem Falle nicht, wie einst Alexandra schlagerstark verkündete, tot. Nein, er lebt und zwar wie! Hier zumindest ist ihm ein ganzes Buch gewidmet - ein riesiger Bildband,

Um Bäume und um Wälder im deutschsprachigen Raum, die der österreichische Fotograf Conrad Amber liebevoll abgelichtet hat, geht es hier: besondere, alte, riesige Bäume und eindrucksvolle Waldgebiete - sie stehen hier im Fokus. Über die Qualität der Bilder mag man geteilter Meinung sein: vielleicht ist es nicht das allerwertvollste künstlerische Format, in dem hier gearbeitet wurde, doch der Autor hat mit Empathie gearbeitet und sein Herzblut hier hineingesteckt - diesbezüglich also ein sehr persönliches Buch.

Und es ist ja auch nicht gerade ohne, nach diesen Riesen zu fahnen: die ausgesprochen angewandte Recherche- und Forschungsarbeit ist in diesem Falle also definitiv nicht zu unterschätzen. Bäume als Persönlichkeiten, als Wesen - so stellt Conrad Amber sie vor und für meinen Geschmack hätte er hier ruhig mehr in die Vollen gehen können, für meinen Geschmack ist es dann doch zu sachich gehalten. Das Buch enthält genaue Angaben über die Bäume und Wälder - man kann sie also leicht ausfindig machen und selbst "besuchen" - doch das geht ganz klar auf Kosten ihrer geheimnisvollen Kraft und Mystik, die dem Leser ja durchaus versprochen wird.

Ein Buch also, das zwar interessant ist, aber nicht ganz hält, was es verspricht. Wem soll man es bloß empfehlen. Biologen oder anderen Naturwissenschaftlern? Dafür ist dann doch zu wenig Sachlich-Fachliches enthalten. Liebhabern der Sagen und Märchenwelt? Auch nicht so ganz. Vielleicht am besten Naturfreunden, die mit einem offenen Herzen durchs Leben und sich gerne die Besonderheiten der Natur anschauen und den Anregungen des Autors bei der nächsten Gelegenheit folgen. Wobei - so richtig geeignet als Reiseführer ist dieser an die drei Kilo schwere Bildband definitiv nicht!

Veröffentlicht am 27.07.2018

Abgründe tun sich auf

Nebelkind
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Bei den Mordermittlungen um einen leitenden Mitarbeiter der Asylbehörde tun sich alsbald Abgründe auf - nichts ist mehr so, wie es war oder schien. Ist die Gattin, die ein ordentliches Päckchen zu tragen ...

Bei den Mordermittlungen um einen leitenden Mitarbeiter der Asylbehörde tun sich alsbald Abgründe auf - nichts ist mehr so, wie es war oder schien. Ist die Gattin, die ein ordentliches Päckchen zu tragen hatte, tatsächlich die Täterin? Und was hat der Halbbruder des Opfers mit dem Ganzen zu tun? Aber es gibt auch noch weitere, unerwartete Baustellen, mit denen die Ermittler und natürlich die Leser konfrontiert werden.

Durchaus spannend, wenn auch nicht unbedingt dramatisch gestalten sich die Ermittlungen in diesem Fall, der zur Abwechslung mal nicht in Stockholm, sondern in Norrköping, einer kleineren Stadt im mittelschwedischen Östergötland angesiedelt ist. Die junge schwedische Autorin Emelie Schepp schreibt eindringlich und originell, wenn auch mit Längen, gerade wenn es darum geht, Charaktere einzuführen. Man erfährt über das durchaus vielschichtige Team der Ermittler so einiges und obwohl es definitiv kleiner ist als bspw. das A-Team bei Arne Dahl, hätte hier ein wenig Dahlscher Pragmatismus kein bisschen geschadet. Wobei die Dynamik dennoch ausgesprochen treffend beschrieben ist, vor allem die Rolle der jungen Staatsanwältin Jana Berzelius sowohl innerhalb des beruflichen Umfelds als auch im Fall selbst. Soziale Differenzen, gesellschaftspolitische Probleme und die Asylpolitik sind Themen, die eine Rolle spielen, Themen, die gerade jetzt auch in Deutschland, ja, überall in Europa von brennender Relevanz sind und eine Reflexion der diesbezüglichen Situation im eigenen Umfeld geradezu bedingen.

Ein brennend aktueller Krimi, dessen Autorin ihre Begabung der Figurenbeschreibung ein wenig zu sehr in den Vordergrund rückt, wodurch die Schilderungen stellenweise zu umständlich werden und an Spannung einbüßen. Auch wenn der Rezipient einen langen Atem braucht, lohnt sich die Lektüre dieses Krimis - denn das ist Emelie Schepps Werk aus meiner Sicht viel eher als ein Thriller - mit etlichen Alleinstellungsmerkmalen definitiv!