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Veröffentlicht am 30.11.2018

YouTuberin

Unter Wasser
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Beim letzten Fall ist nochmal alles halbwegs gut ausgegangen. Hauptkommissar Adam Danowski ist wieder bei der Fallanalyse. Meta Jurkschat und Finzi sind wieder zusammen. Und Meta hat sogar die Leitung ...

Beim letzten Fall ist nochmal alles halbwegs gut ausgegangen. Hauptkommissar Adam Danowski ist wieder bei der Fallanalyse. Meta Jurkschat und Finzi sind wieder zusammen. Und Meta hat sogar die Leitung einer Sondereinheit erhalten, in welche sie ihre beiden ehemaligen Partner anfordert. Es könnte für Danowski also ein schöner Ausflug mit seiner Tochter in ein nahegelegenes Erlebnisbad werden. Jäh gestört wird die Badefreude jedoch als sich ein Tumult an einer der Rutschen ereignet und währenddessen die junge YouTuberin Billi Swopp aus dem Schwimmbad entführt wird. Danowski, der sein Mundwerk nicht zurückhalten kann, wird beinahe von der Polizei Schleswig-Holsteins verhaftet, hätte ihn nicht ein Kollege erkannt.

Die YouTuber sind schon ein Völkchen für sich. Mit ihren vermeintlich authentischen Kanälen geben sie Ratschläge für alle Lebenslagen, mit coolen Bilden und manchmal gerappt. Gerade der richtige Fall für Adam Danowski. Seine Töchter sind genau im richtigen Alter, um sich in der YouTuber-Szene auszukennen, obwohl sie natürlich keine Fans sind. Und so kommt Danowski bald auf die Idee, die ganze Entführung könnte vorgetäuscht sein, weil die Klicks auf Billis Kanal sinken und sich so kein Geld verdienen lässt. Doch kann er der jungen Frau wirklich unterstellen, sie würde für den schnöden Mammon wirklich die ganze Welt an der Nase herumführen?

In seinem fünften Fall hat Hauptkommissar Danowski sein Leben immerhin so halbwegs im Griff, auch wenn sich mal wieder alles eintrübt. Durch seine Töchter hat er seinen Kollegen einiges voraus, was die YouTuber und ihre Sprache angeht. So kann er sich zwar gut in Billi hineinversetzen, doch ob das in Bezug auf ihr Verschwinden immer hilfreich ist, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Und doch ist der Ausflug in die inszenierte Welt der Internetstars und Sternchen sehr interessant und wirkt sehr glaubhaft. Man kann sich gut vorstellen, dass es tatsächlich so ablaufen könnte. Wenn auch zu Beginn die Elbe etwas langsam durch die Stadt fließt und diesmal die Entwicklungen im persönlichen Umfeld etwas zurückhaltend gestaltet sind, so ist der leicht humorige Tonfall sehr angenehm und das gewählte Thema aktuell und überzeugend.

Veröffentlicht am 30.10.2018

Die große Liebe

Der Abgrund in dir
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Rachels übergriffige Mutter stirbt, ohne der Tochter zu sagen, wer ihr Vater ist. Ihre Unwissenheit versetzt Rachel in große Unruhe. Sie versucht Näheres herauszufinden. Allerdings reichen die wenigen ...

Rachels übergriffige Mutter stirbt, ohne der Tochter zu sagen, wer ihr Vater ist. Ihre Unwissenheit versetzt Rachel in große Unruhe. Sie versucht Näheres herauszufinden. Allerdings reichen die wenigen Hinweise nicht. Daher beauftragt Rachen den Privatdetektiv Brian. Dieser gibt relativ ehrlich zu, die Chance, den Vater zu finden, sei äußerst gering. Rachels Leben entwickelt sich weiter. Bis zu einer Katastrophe auf Haiti, über die sie vor Ort berichtet, arbeitet sie als erfolgreiche Journalistin. Sie heiratet und während der gesamten Zeitspanne hat sie sporadischen Kontakt zu Brian. Als sie während einer Life-Schaltung aus Haiti zusammenbricht, verliert sie Job und Ehemann. Nur Brian hält zu ihr.

Sie bilden ein seltsames Paar: Rachel und Brian. Ihr fällt es zunehmend schwerer, die Wohnung zu verlassen. Er ist häufig geschäftlich auf Reisen. Dennoch läuft alles bestens, bis zu einem bestimmten Tag….

Nach der Lektüre der ersten paar Seiten, denkt man, das Buch beginnt mit einem Abschluss, der doch irritiert. Erst danach lernt man insbesondere Rachels Hintergrund kennen. Sehr ausführlich wird von ihrer Jugend, der Suche nach dem Vater und ihren beruflichen Erfolg und späterem Scheitern berichtet. Erst wenn die Erzählung an einem Scheitelpunkt anlangt, werden die wahren Ereignisse erhellt. Bis zu diesem Punkt, der erst nach der Hälfte des Romans erreicht wird, wirkt die Handlung wie eine lange und ziellose Einleitung. Da logischerweise unklar ist, wo es hinführt, bräbt sich fast unweigerlich der Gedanke ein, man könnte seine Zeit auch mit einer anderen Beschäftigung verbringen.

Erst mit dem Wendepunkt nimmt die Geschichte Fahrt auf und wird mächtig spannend. Es entwickelt sich ein ausgefuchster Plan, der überrascht und mit seiner Frechheit besticht. Allerdings bleibt die Frage, ob die vorgelagerte Story nicht wesentlich straffer formuliert werden könnte. So ist es zwar etwas mühsam, den ersten Teil zu überstehen, dennoch lohnt sich das Durchhalten sehr, da sich schließlich ein Bravourstückchen entwickelt, das man ungerne verpasst hätte.

Veröffentlicht am 26.10.2018

48 Stunden

Slow Horses
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Nach und nach sind sie zum Slough House gekommen. Eine Abteilung des Service zwar, doch eine, deren Funktion nicht richtig greifbar ist. Bei dem letzten Neuzugang handelt es sich um River Cartwright. Mit ...

Nach und nach sind sie zum Slough House gekommen. Eine Abteilung des Service zwar, doch eine, deren Funktion nicht richtig greifbar ist. Bei dem letzten Neuzugang handelt es sich um River Cartwright. Mit seinem letzten Einsatz hat der die halbe Stadt lahmgelegt und auch noch den Falschen erwischt. Zwar handelte es sich um eine Übung. Aber Fehler ist Fehler und Fehler, die viele Menschenleben kosten könnten, dürfen noch nicht einmal während Übungen gesehen. River mag seine neuen Kollegen nicht, obwohl diese sich in einer ähnlichen Situation befinden. Mit Widerwillen arbeitet er an der Überwachung einer Zielperson. Die Entführung eines pakistanisch-stämmigen Jugendlichen könnte für die Agenten des Slough House die Chance sein, sich zu rehabilitieren.
Eine Abteilung der Entsorgten, der Weggelobten, ein Chef, der undurchsichtig seines Amtes waltet, ein geheimnisvoller Entführungsfall, der in kein Schema passt. Ein Opfer, zu dessen Rettung sich viele aufmachen und doch zunächst scheitern. Wie langsam entschlüsselt wird, wer welche Rolle spielt, wer welche Ziele verfolgt, wie Fäden zusammen gehalten werden und schließlich alles an seinem Platz ist. Lauter gute Ideen schmücken diesen ersten Band um die „Insassen“ des Slough House. Doch leider will der Funke nicht so recht überspringen. Manche Schilderungen erscheinen zu sachlich und zu distanziert. Zu subtil verfolgt der Autor den Wunsch, dem Leser seine Gedanken beinahe unmerklich unterzuschieben. Mitunter wirkt es so als säßen unbeteiligte Dritte in einem Club und erzählten bei einer Zigarette von fernen Ereignissen. Ortswechsel ohne große Erklärungen führen zum Teil zu Verwirrung. Erst in der zweiten Hälfte des Buches wird das Bild klarer und die Logik hinter den Ereignissen entfaltet sich. Dann erst kommt Spannung auf, wie man es bei einem Krimi wünscht.
Es mag vielleicht der persönlichen Situation des Lesers geschuldet sein, dass sich der Reiz dieses Romans nicht so recht offenbaren wollte, denn wie bereits erwähnt, die verarbeiteten Ideen sind bemerkenswert originell, doch weitere Ermittlungen müssen die Agenten des Slough House alleine anstellen. Einer Verfilmung, die vielleicht eher die wünschenswerten Spannungselemente enthalten würde, wird gerne entgegen gesehen.

Veröffentlicht am 02.09.2018

Väter und Töchter

Shylock
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Der reiche Kunstsammler Strulovitch hat es nicht leicht mit seiner 16jährigen Tochter Beatrice. Ihren Jahren voraus ist sie in die Kreise älterer und etwas dekadent lebender Reicher geraten. Und nun ist ...

Der reiche Kunstsammler Strulovitch hat es nicht leicht mit seiner 16jährigen Tochter Beatrice. Ihren Jahren voraus ist sie in die Kreise älterer und etwas dekadent lebender Reicher geraten. Und nun ist sie auch noch mit einem Fußballer durchgebrannt. Das schlägt dem Faß nun wirklich den Boden aus. Strulovitch sucht Rat bei seinem Zufallsbekannten Shylock, der verwitwet ebenfalls von seiner Tochter entfremdet ist. Mehr als alles andere will Strulovitch erreichen, dass seine Tochter wieder bei ihm und ihrer kranken Mutter ist. Einfach wird das allerdings nicht, denn die junge Frau ist doch sehr gewitzt.

Zum 400. Todestag des großen Barden William Shakespeare wurde mit der Veröffentlichung einer Reihe von Romanen begonnen, mit denen bekannte Schriftsteller einige der Werke des Meisters in der heutigen Zeit nachempfunden haben. Eine wunderbare Ehrung für den einzigartigen Dichter. Howard Jacobson hat sich dabei des „Kaufmanns von Venedig“ angenommen. Mit eleganter Sprache gibt er die Gespräche zwischen Strulovitch und Shylock wieder, die an ihren Familien zweifeln und verzweifeln. Wie sollen sie Shylock, verwitwet, und Strrulovitch, dessen Frau nach einem Schlaganfall ans Bett gefesselt ist, mit ihren Töchtern umgehen. Zwischen ihnen ihre Freiheit lassen und dem sie helikopterartigen Beschützen schwanken sie, ohne ein Gleichgewicht zu finden. Wie soll ein Vater da seinen Weg finden?

Eine tolle Idee, die einen veranlasst, sich zunächst noch einmal etwas mit der originalen Geschichte zu beschäftigen, um sich der Interpretation des Autors zuwenden zu können. Man versucht sich in die Denkweise von Strulovitch und Shylock hineinzuversetzen, sich am Witz der Geschichte zu erfreuen und die gelungene Übertragung der Story in die heutige Zeit zu würdigen.
Zwar wird es jeder heutige Autor schwer haben, es mit Shakespeares Original aufzunehmen, aber dennoch gibt der vorliegende Roman viel und erinnert auf wunderbare Weise an den großen Meister, dessen Werke es jederzeit verdienen wieder gelesen zu werden.


Veröffentlicht am 04.08.2018

Marrakesch

Niemals
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Obwohl sich Jenny Aaron trotz ihrer Blindheit gut in ihrer Umgebung orientieren kann, hat sie sich mit ihrer Behinderung nicht abgefunden. Über eventuelle Behandlungsmöglichkeiten und über noch einige ...

Obwohl sich Jenny Aaron trotz ihrer Blindheit gut in ihrer Umgebung orientieren kann, hat sie sich mit ihrer Behinderung nicht abgefunden. Über eventuelle Behandlungsmöglichkeiten und über noch einige Themen will sich Jenny während eines Aufenthaltes in Schweden Klarheit verschaffen. Etwas überrascht ist sie von dem Angebot, zur Abteilung zurückzukehren. Zwar würde sich damit ihr sehnlichster Wunsch erfüllen, aber kann sie den Job überhaupt noch ausüben? Natürlich kann Jenny Aaron nicht ablehnen und gemeinsam mit ihren ehemaligen Partner Pavlik übernimmt sie einen Fall, der sie in große Gefahr bringt.

In ihrem zweiten Auftritt muss Jenny Aaron abwägen, inwieweit sie ihre Tätigkeit trotz ihrer Sehbehinderung ausüben kann. Gleichzeitig erweist sich der Fall als äußerst knifflig, immer mehr Bezüge zu ihrer Vergangenheit und alten Fällen tauchen auf. Hin und hergerissen zwischen der Sorge um ihre Gesundheit und ihrem Willen, die Ermittlung zum Abschluss zu bringen, schwebt Jenny Aaron häufig in Gefahr, sich zu viel zuzumuten.

In diesem intelligent komponierten Thriller wird sachkundig über das Leben mit einer Sehbehinderung geschrieben. Man bewundert Aaron wie sie es gelernt hat, das Sehen mit anderen Sinnen zu ersetzen. Fast wirkt sie wie eine Frau mit Superkräften. Gerade wenn sie als Polizistin sich gegen Verbrecher behaupten muss, erscheint es beinahe unglaublich, wie sie das alles schafft. Gleichzeitig fordert der Fall sie außerordentlich, um ihr hier folgen zu können, wird in die Vergangenheit zurückgeblendet. Mitunter ist man doch etwas erstaunt, welche Befugnisse die Abteilung hat. Heutzutage wundert man sich zwar manchmal über gar nichts mehr, aber man fragt sich schon, ob es nicht doch etwas zu weit geht. Durch die zwar interessante Beschäftigung mit dem Umgang mit der Blindheit und die erläuternden Rückblenden geht allerdings die Spannung ein wenig verloren. Und so kleinteilig der Verlauf der Untersuchung beschrieben wird, so plötzlich und schnell kommt die Auflösung.

Dieser kluge Kriminalroman erfordert aufmerksames Lesen und bietet informative Unterhaltung.