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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.09.2018

Helden aus dem Leben

Elbspiel
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Zum Inhalt:
Ein einst gefeierter Star, Arno Metzinger, möchte in der fiktiven norddeutschen Kleinstadt Kophusen den "Jedermann" aufführen. Die Rollen sollen an Laiendarsteller aus dem Ort verteilt werden. ...


Zum Inhalt:
Ein einst gefeierter Star, Arno Metzinger, möchte in der fiktiven norddeutschen Kleinstadt Kophusen den "Jedermann" aufführen. Die Rollen sollen an Laiendarsteller aus dem Ort verteilt werden. Die ganze Stadt ist in heller Aufregung. Doch plötzlich tauchen bedrohlich wirkende Marionetten und eine mumifizierte Frauenleiche auf. Will jemand die Aufführung sabotieren?
Der Kommissar Philip Goldberg nimmt die Ermittlungen auf, während seine Kollegen Peter und Hauke mit ihren privaten Problemen beschäftigt sind. Dabei muss Philip eigentlich auch mit eigenen Dämonen aus der Vergangenheit fertig werden.

Meine Leseerfahrung:
Der Schreibstil der Autorin ist sehr gradlinig und nüchtern, was den Roman äußerst flüssig lesen lässt. Nicole Wollschlaeger präsentiert einen spannungsgeladenen Prolog, kommt ohne Umschweifungen zu den Geschehnissen und liefert eine präzise und sachliche Ermittlungsarbeit ab. Schließlich kommt es am Ende zu einer befriedigenden Auflösung, wobei man als Leser in Bezug auf die Täterperson völlig überrascht wird.

Sofern man die ersten Bände nicht gelesen hat, braucht man ersteinmal Zeit, um alle Charaktere zu verinnerlichen und zu ordnen. Der Protagonist und seine Polizistencrew sind von Anfang an sympathisch und echt. Die Autorin schafft es, das Gefühlsleben jedes Einzelnen des Ermittlertrios dem Leser nahe zu bringen, so dass man mit ihnen leidet, mit ihnen lacht und auch mit ihnen ermittelt.

Mir persönlich war die "Liebesbeziehung" des Kollegen Hauke zu Sophie an manchen Stellen zu viel. Dagegen hätte ich mir einen ausgeprägteren Handlungsstrang hinsichtlich Goldberg und Magda gewünscht. Zudem ist mir die Rolle des Leon Kaiser in der gesamten Geschichte nicht wirklich begreiflich geworden.

Dennoch ist die Kriminalgeschichte insgesamt spannend und witzig zugleich, und kommt völlig ohne blutige Szenen oder einen klassischen Mord aus.

Fazit:
Sowohl die Hauptfiguren als auch die Nebenfiguren von Elbspiel wachsen dem Leser allmählich ans Herz und lassen ihn bei Auflösung des Falles aufgeregt mitfiebern. Die vorherigen Bände muss man nicht unbedingt gelesen haben, um in die Story rein zu kommen. Allerdings lässt das Elbfieber nicht los und macht Lust auf mehr. Wie gut, dass es bereits 2 Bände zu lesen gibt, während man sehnsüchtig auf Teil 4 der Reihe wartet. Ein Krimi mit lebensechten Helden!

Veröffentlicht am 16.08.2018

Ruhiger Thriller

Der Schatten
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Zum Inhalt :
Norah hat ihre Beziehung zu Alex beendet und zieht von Berlin nach Wien, um komplett neu zu starten. Dort hat sie eine unheimliche Begegnung mit einer alten Bettlerin, die ihr prophezeit, ...

Zum Inhalt :
Norah hat ihre Beziehung zu Alex beendet und zieht von Berlin nach Wien, um komplett neu zu starten. Dort hat sie eine unheimliche Begegnung mit einer alten Bettlerin, die ihr prophezeit, dass sie am 11. Februar einen Mann namens Arthur Grimm töten wird. Kurz darauf häufen sich mysteriöse Zufälle und ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit holt sie wieder ein.

Meine Leseerfahrung :
Ich hatte bisher noch nichts von Melanie Raabe in den Händen gehalten und hatte hohe Erwartungen, nachdem ich einige Rezensionen zu ihren bisherigen Thrillern gelesen hatte.
Die Autorin hat einen angenehmen leicht poetischen Schreibstil und baut die Spannung in diesem Thriller etappenweise auf. An einigen Stellen empfand ich den Handlungsverlauf allerdings als eher schleppend und war dankbar, dass die Kapiteln relativ kurz gehalten wurden.
Anfänglich wurde viel ausschweifend beschrieben, indem sich die Autorin der Stadt Wien im Winter und dem Tagesablauf der Protagonistin Norah widmet. Dadurch schafft sie allmählich eine düstere und beklemmende Atmosphäre, in der man als Leser sich plötzlich gefangen sieht, während sich die mysteriösen Ereignisse sich zuspitzen und immer bedrohlicher werden. Diese düstere Grundstimmung bleibt auch durchgehend erhalten, wobei die Spannung zunehmend auch durch die geheimnisvollen Charaktere erzeugt wird. Allerdings wird der Leser mit der Hauptfigur einfach nicht warm, da sie stets eine gewisse Distanz zu allen Dingen und Personen umgibt. Außerdem verbirgt sie ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit, dass nur stückchenweise enthüllt wird und die Spannung nicht wirklich vorantreibt. Lediglich gegen Ende des Romans beeindruckt ihre mutige und clevere Verhaltensweise, als alles aus den Fugen zu geraten scheint.
Zwischendurch gibt es zudem gedankliche Einschübe des Gegenspielers, die den Leser zum Miträtseln animieren. Dennoch wird nicht allzuviel verraten, so dass die Vermutungen wiederum ins Leere laufen. Schließlich gelangen alle Handlungsstränge doch noch zu einem zufriedenstellenden Abschluss.

Äußerst interessant fand ich bei diesem Thriller die Grundidee der Manipulation von Personen, die Bedeutung der Entscheidungsfreiheit eines Menschen, sowie die Mentalität der Hauptprotagonistin, jeder leidenden weiblichen Person auf Erden beistehen zu wollen.
"There is a special place in hell for women who don't help other women." - Ein Zitat, dass ich aus dieser Leseerfahrung definitiv mitnehmen werde.

Fazit:
"Der Schatten" von Melanie Raabe ist eine klare Leseempfehlung für Liebhaber des eher ruhigen und düsteren Psychothrillers. Beklemmend und mitreißend, eine gute Kombination für die spätabendlichen Lesestunden.

Veröffentlicht am 12.07.2018

Zum Mit rätseln...

Mädchen, Mädchen, tot bist du
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Zum Inhalt:
Innerhalb kurzer Zeit ereignen sich in Amsterdam Selbstmordfälle von drei Mädchen im Teenager-Alter. Dann kriegt Tess einen Brief: "Du bist die Nächste!" Schnell wird klar, dass ein Zusammenhang ...

Zum Inhalt:
Innerhalb kurzer Zeit ereignen sich in Amsterdam Selbstmordfälle von drei Mädchen im Teenager-Alter. Dann kriegt Tess einen Brief: "Du bist die Nächste!" Schnell wird klar, dass ein Zusammenhang besteht und die Selbstmorde inszeniert wurden. Tess stellt auf eigene Faust Nachforschungen an und begibt sich nichtsahnend selbst in Lebensgefahr.

Meine Leseerfahrung:
Ich hatte bisher noch nichts von dieser Autorin gelesen und war sehr gespannt auf diesen Jugendkrimi. Im Vorfeld fand ich insbesondere das einfach gehaltene Buchcover sowie den vielsagenden Titel des Romans sehr ansprechend. Die Leseprobe hatte mich ja bereits überzeugt und neugierig gemacht. Mel Wallis de Vries versteht es, den Leser durch ihre lockere und authentische Erzählweise mitzureißen. Die Erzählabschnitte mit den jeweiligen mutmaßlichen Selbstmordopfern lassen den Leser problemlos miterleben, was sich in den Mädchen innerlich abspielt. Zusätzlich gibt die Autorin Einblick in die Psyche des Täters durch clevere Erzähleinschübe aus dessen Sicht. So kann man als Leser miträtseln, um wen es sich hierbei handeln könnte.

Allerdings fehlt einem die Hauptfigur, an der man sich orientieren kann, denn die Ich-Erzähler sterben jeweils innerhalb weniger Kapitel. Schließlich lernt der Leser dann Tess kennen, die anders als ihre Vorgängerinnen die Geschehnisse hinterfragt und aktiv wird. Ich empfand das Ende hierbei viel zu konstruiert und abrupt. Die Auflösung des Täters überrascht und ist völlig unvorhersehbar. Der Leser wird nicht wirklich auf diese Täteroption vorbereitet bzw. gelenkt. Hinzu kommen einige ziemlich weit hergeholte Situationen bzw. Handlungen, die nicht wirklich zu den Charakteren passen. Meiner Meinung nach fehlt der Geschichte etwas Tiefe, wobei man aber auch nicht außer Acht lassen darf, dass es sich hier um einen Krimi für Jugendliche handelt. Daher ist auch die Kürze des Krimis nachvollziehbar.
Die Spannung hielt sich durchgehend konstant und hätte meines Erachtens durchaus noch mehr in die Länge gezogen werden können.

Fazit:
Die Geschichte der einzelnen Mädchen ist authentisch und aufrichtig erzählt. Die Autorin bedient sich dabei realitätsnah der Jugendsprache und schafft es, dass der Leser sich gänzlich in die Figuren hinein versetzen kann. Trotz des abrupt erscheinenden Endes ist das Buch dennoch sehr lesenswert, insbesondere für jugendliche Leser. Denn Mel Wallis de Vries greift hier höchst aktuelle Themen wie Mobbing und Zivilcourage auf, mit denen sich Jeder höchstwahrscheinlich einmal befasst hat bzw. befassen sollte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Erzählstil
  • Geschichte
Veröffentlicht am 04.06.2026

Schlecht umgesetzte Hommage an die Frauen

Das Mosaik der Frauen
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Zum Inhalt:
Der in den 70ern geflüchtete Syrer Said Mardini arbeitet mittlerweile als Dolmetscher und Übersetzer in Mannheim und veröffentlicht nebenbei arabischsprachige Literatur. Eines Tages bittet ...

Zum Inhalt:
Der in den 70ern geflüchtete Syrer Said Mardini arbeitet mittlerweile als Dolmetscher und Übersetzer in Mannheim und veröffentlicht nebenbei arabischsprachige Literatur. Eines Tages bittet ihn sein alter Freund Klaus, der ein angesehenes Krankenhaus leitet, sich um einen speziellen Patienten zu kümmern. Es handelt sich um einen schwerkranken Deutsch-Syrer namens Nadim Suri, der ebenfalls seinerzeit aus Syrien geflohen ist und Said persönlich kennenlernen möchte. Die beiden Männer treffen eine Abmachung. Nadim erzählt jeden Tag ein wenig über sein Leben. Ein Leben, das geprägt ist von Schicksalsschlägen, Veränderungen, vor allen Dingen aber von verschiedenen Frauen...

Meine Leseerfahrung:
Als großer Fan von Schamis Erzählkunst lese ich mittlerweile fast jedes Buch, was erscheint. Als Leser/in kann man sich sehr gut dabei entspannen und sich in viele verschiedene Erzählungen innerhalb von Erzählungen entführen lassen. Das ist nämlich das Besondere, was diesen Autor so ausmacht: Geschichten in Geschichten in Geschichten... Er ist der König der Abschweifungen, wenn man es so nennen möchte. Natürlich ist das nicht jedermanns Sache, manch einer möchte wahrscheinlich lieber eine geradeaus erzählte Story mit einem klaren roten Faden haben. Dann ist man bei Schami aber an der falschen Adresse.

Auch wenn ich seine Erzählstruktur sehr genieße, war ich bei "Das Mosaik der Frauen" doch ziemlich abgelenkt und öfter in meinem Lesefluss gestört, als mir lieb war. Dabei hat das Buch deutlich weniger Seiten als seine Vorgänger und dürfte schnell gelesen sein. Ich musste jedoch einige Male abbrechen und neu starten. Sehr unüblich für mich! Es liegt aber nicht nur an den zahlreichen Abschweifungen, sondern vor allem daran, dass mir die Frauen hier viel zu wenig die Hauptrolle spielen. Es soll ein Buch über die Frauen sein, eine Hommage oder sogar eine Ode an das weibliche Geschlecht. Doch der Erzähler hakt hier eine Liebesbeziehung nach der anderen ab - er scheint ja auch sonst kein Kind von Traurigkeit gewesen zu sein - und schildert, was er angeblich mit jeder Frau in seinem Leben dazugelernt hat. Jede Frau leuchtet hier kurz auf und übergibt die Bühne mit jedem neuen Kapitel an die Nächste. Selbst die eigene Mutter und die ach so geliebte und verstorbene Ehefrau kommen mE dermaßen zu kurz, dass man kaum eine Verbindung zu ihnen aufbauen oder mit Nadims Verlust mitfühlen könnte.

Im Großen und Ganzen habe ich mich als Frau an keiner Stelle angesprochen gefühlt. Vielmehr liest sich das Buch wie eine unterschwellige Anleitung für arabischstämmige Männer, wie sie Frauen zu behandeln haben. Was für uns als selbstverständlich wahrgenommen wird, scheint für arabische Sippen und Traditionen auch in der heutigen Zeit nicht zu gelten. Das mag ja für die arabische Kultur ein wichtiges Anliegen sein, mit solchen Büchern für Erneuerungen in den Köpfen zu kämpfen. Mich persönlich hat es stellenweise ermüdet, verärgert und auch gelangweilt. Wer hier ein feministisches Werk mit Empowerment-Elementen sucht, wird sicherlich enttäuscht sein.

Da ich die Literatur von Schami anders kenne und mehr Tiefgang von ihm gewohnt bin, kann ich dieses Buch nicht unbedingt empfehlen, weil es mE zu seinen Schwächeren gehört. Und da gibt es kaum welche...

Fazit:
"Das Mosaik der Frauen" schwächelt leider an völlig irrelevanten Abschweifungen, zu oberflächlichen Charakteren und einer Message, die auf dem Weg verloren geht. Ein Mosaik, das sich einfach nicht zusammensetzen lässt.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.02.2026

Schwächelnder Abschluss

A Steeping of Blood. A Tempest of Tea 2
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Zum Inhalt:
Nach dem blutigen Massaker an den Presseleuten verschwinden Menschen und Vampire von den Straßen. Arthie Casimir und ihre Crew sind währenddessen auf der Flucht vor den Männern des Monarchen. ...

Zum Inhalt:
Nach dem blutigen Massaker an den Presseleuten verschwinden Menschen und Vampire von den Straßen. Arthie Casimir und ihre Crew sind währenddessen auf der Flucht vor den Männern des Monarchen. Auch wenn überall Schrecken und Terror herrschen, lassen sie sich nicht einschüchtern und schmieden weiterhin Pläne, um den Regenten zu stürzen. Ihr nächster Schritt führt die Crew mit dem Schiff nach Ceylan, Arthies Heimat, wo sie nicht nur die verschwundenen Vampire, sondern auch Jins Eltern ausfindig machen wollen. Doch stehen sie auf der richtigen Seite und können sie die Machenschaften des Monarchen entlarven?

Meine Leseerfahrung:
Auch wenn reichlich Zeit zwischen beiden Bänden vergangen ist, bin ich sehr schnell in die Geschichte eingestiegen und war mittendrin im Geschehen.
Als ich das erste Mal die Crew im ersten Band kennengelernt habe, hatte ich ein Feeling wie bei den Krähen von Leigh Bardugo. Die Atmosphäre in der Teestube im Spindrift hatte es mir angetan und der Zusammenhalt zwischen den facettenreichen Charakteren hatte mich dermaßen gefesselt. In der Fortsetzung existiert die Teestube nicht mehr und die Charaktere haben sich gewandelt. Der Kampf gegen den Regenten geht weiter und führt Arthie bis zu ihrer ursprünglichen Heimat nach Ceylan. Einige Geheimnisse werden gelüftet, neue Personen tauchen auf und ein komplett neues Thema wie "Fetzer", mutierte Vampire, taucht auf. Ab da fühlte ich mich etwas verloren, da ich so etwas wie 'Supervampire' im Setting nicht erwartet hatte und als störend und unpassend empfand.

Die Autorin bleibt auch hier ihrer milden Erzählweise treu und kommt weitgehend ohne nennenswerte Gewalt oder Spice aus, als würde sie sich krampfhaft bemühen, kindgerecht zu schreiben und auch die junge Leserschaft abzuholen. Mir persönlich war es stellenweise zu cosy, obwohl die Geschichte an sich soviel Potenzial für mehr bietet. Damit mangelte es an der entscheidenden Spannung und Nervenkitzel, was eine bessere Bewertung hätte rechtfertigen können. Insgesamt fand ich die Fortsetzung recht unausgereift, was sich an den zum Teil albernen Dialogen, zu langatmig geschilderten Gedankengängen der Figuren und dem unbefriedigenden Abschluss der Story festmachen lässt.

Fazit:
"A Steeping of Blood" von Hafsah Faizal knüpft nahtlos an den Vorgänger an, wirkt aber trotz solidem Auftakt wenig ausgereift. Ein eher schwächelnder Abschluss für eine starke Fantasystory, die mit Faszination und Neugier der Leserschaft so groß gefeiert wurde.

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