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Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein erschreckend realistischer und temporeicher Thriller

Das Mona-Lisa-Virus
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Das Lächeln der Mona Lisa ist geheimnisvoll und unergründlich, wie eine Reihe von Ereignissen, die plötzlich auf der ganzen Welt zu schockierenden Meldungen führen. Bibliotheken mit wertvollen Kulturgütern ...

Das Lächeln der Mona Lisa ist geheimnisvoll und unergründlich, wie eine Reihe von Ereignissen, die plötzlich auf der ganzen Welt zu schockierenden Meldungen führen. Bibliotheken mit wertvollen Kulturgütern werden restlos niedergebrannt, Bienenvölker sterben einen unerklärlichen Tod und ein merkwürdiges Computervirus bringt die Medienwelt zum Erliegen. Fast zur gleichen Zeit wird ein Bus mit Schönheitsköniginnen entführt. Doch kaum sind sie weg, tauchen sie aufs Grausamste entstellt wieder auf, während die Tochter der Bostoner Neurologin Helen Morgan verschwunden bleibt. Vorfälle, die Experten in verschiedenen Ländern in Alarmbereitschaft hält und seltsame Verbindung zur Vergangenheit offenbaren.

„Das Mona Lisa Virus“ ist der dritte Thriller des deutschen Autors Tibor Rode, der wichtige Erfindungen und besondere Kulturgüter aus der Vergangenheit als Ausgangspunkt für verheerende Straftaten in der Gegenwart nutzt. War es in „Das Rad der Ewigkeit“ ein Perpetuum mobile, dessen Aussicht auf ewige Energie zu einer fatalen Verschwörung führt, ist es diesmal die Mona Lisa deren Schönheitsideal gleich eine ganze Reihe an Verbrechen ins Rollen bringt. Ein interessanter Plot, der durch die Verwendung von tatsächlich existierenden historischen Gegebenheiten und Persönlichkeiten sowie durch gut recherchierte Fakten in der Gegenwart sehr lebendig in Erscheinung tritt und dabei wissenswerte Details vermittelt. Hinzu kommen mehrere Handlungsstränge und die Darstellung der kriminellen Vorgänge aus verschiedenen Sichtweisen heraus, die in Verbindung mit den bereits erwähnten zwei Zeitebenen eine große Aufmerksamkeit vom Leser fordern. Deshalb dauert es einige Zeit, bis er es schafft, die unterschiedlichen Ereignisse und Personen in den richtigen Zusammenhang zu setzen und damit dem verhängnisvollen Geschehen in allen seinen Facetten und Auswirkungen zu folgen. Doch ist das erst einmal gelungen, wird er mit einem temporeichen und überaus dramatisch verlaufenden Thriller belohnt, dessen Spannungsbogen durchgängig auf einem hohen Level verbleibt. Da stört es nur wenig, dass der Urheber der grausam verübten Verbrechen bereits beizeiten identifiziert werden kann. Denn er ist nicht der Einzige, der für die stets spürbare Bedrohung verantwortlich ist. Ein flüssiger und bildreicher Schreibstil sowie unverwechselbare und teilweise nur schwer zu durchschauende Figuren tun ihr Übriges dazu, dass der Thriller nur schwer aus der Hand gelegt werden kann

Fazit:
Erschreckend realistisch und gut konstruiert präsentiert sich „Das Mona Lisa Virus“ seinen Lesern und weiß sie mit einem temporeichen Verlauf in seinen Bann zu ziehen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein berührender Roman mit viel Poesie und einer erschreckenden Wahrheit

Die Allee der verbotenen Fragen
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Was geschieht, wenn eine Frau auf ihre Jugendliebe trifft und bemerkt, dass die letzten Jahre ihres Lebens an ihr vorbeigegangen sind. Mit einem Mann verheiratet, den sie nicht liebt und einem Huhn in ...

Was geschieht, wenn eine Frau auf ihre Jugendliebe trifft und bemerkt, dass die letzten Jahre ihres Lebens an ihr vorbeigegangen sind. Mit einem Mann verheiratet, den sie nicht liebt und einem Huhn in der Tasche, das ihre einzige und beste Freundin ist, beschließt die inzwischen sechsunddreißigjährige Akelei ihren Gefühlen zu folgen. Sie heftet sich an die Spuren des Mannes, den sie noch immer liebt, und stört sich nicht an der Tatsache, dass er viel zu jung für ihre einstige Liebe ist. Eine Reise quer durch Deutschland nimmt ihren Lauf, die längst vergessene Geheimnisse ans Tageslicht spült und tief in eine Vergangenheit blicken lässt, die nicht nur Akelei einige böse Überraschungen beschert.

„Die Allee der verbotenen Fragen“ ist ein bewegender Roman, in dem Antonia Michaelis die Geschichte einer zarten Liebe erzählt, die durch fremde Schuld schwerwiegende Risse erfährt. Mit viel Gefühl, einer spürbaren Tiefgründigkeit und dem dazu passenden Humor geht sie dabei vor und überrascht ihre Leser mit einer ganz eigenen Art, den Dingen auf den Grund zu gehen. Deshalb erscheinen einige der Figuren ein wenig bizarr, während andere wiederum sehr bodenständig sind. Eine Mischung, die überaus unterhaltsam in Erscheinung tritt und durch regelmäßige Perspektivwechsel eine gewisse Unordnung beschert. Deshalb dauert es auch einige Zeit, bis das Durcheinander geordnet ist und sich Ereignisse aus der Gegenwart mit Vorfällen aus der Vergangenheit zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügen. Hinzu kommt, dass der verwendete Schreibstil viele bildhafte und poetische Elemente enthält, die den Leser tief berühren, während das Wissen über vergangenes Unrecht ihn wütend werden lässt.

Fazit:
Mit „Die Allee der verbotenen Fragen“ hat Antonis Michaelis einen ganz besonderer Roman geschrieben, der voller Gefühle, Gedanken und Handlungen ist. Ein Buch, bei dem sich der Leser Zeit nehmen sollte, um dessen Vielfalt zu genießen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

"City on Fire" - ein gradioser Großstadtroman

City on Fire
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Die siebzehnjährige Punkerin Samantha Cicciaro wird in der Silvesternacht des Jahres 1976 von einem Unbekannten im New Yorker Central Park niedergeschossen. Ein afroamerikanischer Lehrer findet die Schwerverletzte ...

Die siebzehnjährige Punkerin Samantha Cicciaro wird in der Silvesternacht des Jahres 1976 von einem Unbekannten im New Yorker Central Park niedergeschossen. Ein afroamerikanischer Lehrer findet die Schwerverletzte und sorgt dafür, dass sie in ein Krankenhaus kommt. Doch nicht nur er ist in dieser ereignisreichen Nacht in der schneebedeckten Metropole unterwegs. Auch sein Freund William, dessen Schwester Regan und ihr Ex-Mann Keith begehen die Jahreswende im Herzen der Stadt. Und dann sind da noch Sams bester Freund Charlie, ihr Vater Carmin, der Deputy Inspector Larry Pulaski und eine Handvoll weiterer Personen, die mehr oder weniger mit dem Verbrechen an der minderjährigen Verfasserin eines Underground-Magazins in Verbindung stehen. Doch das Schicksal von Sam ist nur ein kleines Teil in einem enormen Gefüge. Denn jeder der Figuren in diesem Roman hat seine eigene Geschichte, die von den Auswirkungen eines zunehmenden moralischen Verfalls geprägt ist und die während des legendären Stromausfalls im Juli 1977 seinen Höhepunkt erreicht.

„City on Fire“ ist ein Roman, der sich trotz eines beachtlichen Umfangs vor allem durch seine Realitätsnähe und die in ihm verwendeten sehr plastischen Figuren wunderbar liest. Bildliche Beschreibungen, viel Atmosphäre und die spürbare Verdorbenheit einer vom Bankrott bedrohten Stadt nehmen den Leser gefangen und lassen ihn nicht mehr ruhen, bis er weiß, wie sich das Schicksal letztendlich entscheidet. Dieses allerdings hat es nicht gut mit der maroden Weltmetropole gemeint und sie im Sommer des Jahres 1977 mit einem verheerenden Stromausfall in ihren Grundfesten erschüttert. Eine Katastrophe, die, genau wie die sieben Monate davor, aus der Sicht verschiedener Figuren heraus geschildert wird, deren Wege sich irgendwann kreuzen. Dabei ist es egal, ob der schwule Lehrer auf das schwer verletzte Punkermädchen trifft oder mit Williams Vater das Oberhaupt einer schwerreichen Bankiersfamilie verhaftet wird. Es gibt nur eine Handlung, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, während verschieden Familiengeschichten einen guten Einblick in unvergleichbare Milieus gewähren. Ergänzt wird das mit viel Leben und geschichtlichen Details untersetzte Handlungsgeflecht durch einige Bilder, handgeschriebene Briefe, Teile eines Punkmagazins oder auch E-Mails, die das Gefühl dieser Zeit neu aufleben lassen.

Fazit:
„City on Fire“ ist ein fulminanter Roman, der einen fantastischen Blick in die Schattenseiten einer Weltmetropole wagt und in das Leben von Menschen, die hier zu Hause sind. Ein geschichtlicher Rückblick, der verbunden mit schicksalhaften Ereignissen hervorragend unterhält.


Veröffentlicht am 15.09.2016

Fesselnde Unterhaltung mit einem FBI-Agenten, der einzigartig ist

Labyrinth – Elixier des Todes
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An einem stürmischen Juniabend hat es sich FBI Special Agent Aloysius Pendergast gerade erst mit einer Tasse Tee in seine Bücherei gemütlich gemacht, als ein Klopfen die Ruhe durchbricht. In der Annahme ...

An einem stürmischen Juniabend hat es sich FBI Special Agent Aloysius Pendergast gerade erst mit einer Tasse Tee in seine Bücherei gemütlich gemacht, als ein Klopfen die Ruhe durchbricht. In der Annahme einen späten Gast zu empfangen, öffnet sein Mündel Constance Green die Tür und stolpert prompt über einen Toten, der sich als Pendergasts Sohn Alban entpuppt. Eine sofort eingeleitete Verfolgungsjagd nach den Tätern bleibt ohne Erfolg und deshalb macht sich Pendergast mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit sofort daran, den Mördern auf die Spur zu kommen. Dabei tappt er in eine Falle und anstatt notwendige Informationen zu erhalten, wird er mit einem todbringenden Elixier infiziert. Von nun an sind seine Stunden gezählt und ein aussichtslos erscheinender Kampf um Leben und Tod nimmt seinen Lauf.

„Labyrinth - Elixier des Todes“ ist der vierzehnte Fall für den verschrobenen FBI Agenten Aloysius Pendergast, der mit viel Gespür für das Übel dieser Welt an die Aufklärung von Verbrechen geht. Äußerlich wie ein Edelmann gekleidet, widmet er sich vor allem Mordermittlungen, die besonders bizarr und außergewöhnlichen sind. Diesmal reichen seine Recherchen sogar weit in die Vergangenheit hinein und fördern dabei einige prekäre Dinge aus der Familiengeschichte zutage. Eine sehr persönliche Angelegenheit, die mit gewohnt vielen Wendungen, mit rasanten Szenen, interessanten Schauplätzen und makabren Details sowie mit einem schwächelnden Pendergast einhergeht, dessen zeitweilige Unzulänglichkeit von starken Nebenfiguren abgefangen wird. Doch trotz der Verlagerung auf mehrere Schultern überzeugt der aktuelle Fall erneut und so kommen alle Fans des exzentrischen FBI-Agenten auch diesmal voll auf ihre Kosten.

Fazit:
Fesselnde Unterhaltung im gewohnten Stil mit einem FBI-Agenten, der einzigartig ist.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein hochspannender Thriller, der tief in menschliche Abgründe blicken lässt

Post Mortem - Tränen aus Blut
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In einem Frankfurter Hotel wird die Leiche eines Mannes gefunden, der erschossen worden ist. Ein undurchsichtiger Fall, den die Interpol Agentin Emilia Ness übernimmt, die aufgrund eines laufenden Gerichtsprozesses ...

In einem Frankfurter Hotel wird die Leiche eines Mannes gefunden, der erschossen worden ist. Ein undurchsichtiger Fall, den die Interpol Agentin Emilia Ness übernimmt, die aufgrund eines laufenden Gerichtsprozesses bereits in der Rhein-Main-Metropole weilt und für die der Tote eine Nachricht hinterlassen hat. Doch wer er ist, das weiß Emilia erst einmal nicht.
Zur gleichen Zeit befindet sich der Profikiller Avram Kuyper auf dem Weg nach Oberaiching, wo sein Bruder Goran mit seiner Frau Nadja und den gemeinsamen Kindern auf dem Familienanwesen der Eltern lebt. Eine Nachricht auf seinem Anrufbeantworter hat ihn aufgeschreckt, in der sein Bruder ihn darum bittet nach Hause zu kommen, um sich an denen zu rächen, die sie getötet haben. Und tatsächlich ist der Hof der Familie leer und nur eine Blutspur im Stall zeugt davon, dass hier etwas Schreckliches geschehen ist.

„Post Mortem: Tränen aus Blut“ ist der erste Teil eines Thriller-Duos von Mark Roderick, in dem es um die Jagd nach einem perfiden Mörder geht, der über ein mächtiges kriminelles Netzwerk verfügt. Ein Pageturner, der den Leser nur so durch das Geschehen treibt, ihn mit brutalen Szenen und ausufernden Ängsten konfrontiert und mit einem Ermittlerpaar, das nicht gerade feinfühlig ist. Denn die Interpol-Agentin Emilia Kess und der Profikiller Avram Kuyper haben schon Einiges in ihrer beruflichen Laufbahn erlebt und wissen routiniert mit den Erscheinungsformen brutaler Verbrechen umzugehen. Doch auch sie haben eine feinfühlige Seite, die sich genau dann offenbart, wenn es um ihre Familien geht.

Erzählt wird die hochspannende Geschichte aus verschiedenen Perspektiven heraus, die in jedem Kapitel wechseln und an ihrem Ende mit Cliffhangern versehen sind. Deshalb fällt es unheimlich schwer, das Buch nur für einen Moment aus der Hand zu legen, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Ein gut zu lesender und flüssiger Schreibstil tut sein Übrigen, den Leser an das Buch zu fesseln und ihn erst dann aufatmen zu lassen, wenn die Jagd beendet ist. Denn obwohl „Tränen aus Blut“ der erste Teil eines Zweiteilers ist, ist die Handlung in ihm völlig abgeschlossen.

Fazit:
Ein Psychothriller, der tief in menschliche Abgründe blicken lässt und unheimlich spannend in Erscheinung tritt.