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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.09.2018

Ines Fox ist unterwegs zu neuen Gefahren

Seekoller
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Achtung, Ines Fox ist wieder unterwegs! Das bedeutet für einen oder mehrere Charaktere eigentlich immer den Tod, was sonst. Auch im dritten Band der Reihe müssen Leute im schönen Konstanz am Bodensee dran ...

Achtung, Ines Fox ist wieder unterwegs! Das bedeutet für einen oder mehrere Charaktere eigentlich immer den Tod, was sonst. Auch im dritten Band der Reihe müssen Leute im schönen Konstanz am Bodensee dran glauben.

Ines hat diesmal ganz offiziell Urlaub, was es ihrer neugierigen Nase noch einfacher macht, sich einzumischen, wo sie nicht sollte. “Seekoller” ist zwar nicht der erste Band, der den rothaarigen Hundeliebhaber und Schokofan ins Ausland führt, allerdings geht es diesmal so weit weg wie noch nie.

Auch aufgrund Ines’ großer Reise haben alte, liebgewonnene Charaktere hier etwas weniger Auftrittszeit als vielleicht früher. Dafür gibt es ein neues Highlight: auf englisch geführte Gespräche, die von Christiane Kördel auf deutsch niedergeschrieben wurden. Das liest sich jetzt seltsam, ist aber im Buch absolut grandios gelöst, ist es nicht?

Wer sich das Gefühl von Sommerurlaub auch im Spätherbst noch nicht nehmen lassen will, dem sei “Seekoller” wärmstens empfohlen. Und keine Sorge: Ines, die ihrem Bauch oder auch bestimmten Gegenständen gerne eine Stimme verleiht, lässt sich auch beim dritten Abenteuer (noch) nicht von ihrem bodenständigen Freund Dr. Frieder bremsen, der natürlich wieder als “Stimme der Vernunft” mit dabei ist.

Veröffentlicht am 26.09.2018

Ein Strudel aus Eifersucht, Scham und Verzweiflung

Vier.Zwei.Eins.
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Die Basisstory ist schnell erzählt: Ein junges glückliches Pärchen wird Zeuge einer Straftat die vor Gericht geht. Das Ereignis und sein Rattenschwanz werfen Laura und Kit ziemlich aus der Bahn. Die Entwicklung ...

Die Basisstory ist schnell erzählt: Ein junges glückliches Pärchen wird Zeuge einer Straftat die vor Gericht geht. Das Ereignis und sein Rattenschwanz werfen Laura und Kit ziemlich aus der Bahn. Die Entwicklung der Ereignisse hinterlässt vor allem bei Laura Spuren, die sich auch mit Beth, dem Opfer anfreundet.

Die Ereignisse damals werden von Kit und Laura als Rückblick geschildert, abwechselnd mit Episoden aus der Gegenwart. 15 Jahre sind seit Prozessende vergangen. Jeder der vier Hauptbeteiligten (die drei genannten und der Täter) verarbeitet die Dinge anders, vieles bleibt ungesagt.

Man hätte die Geschichte auch ganz anders aufbauen können, aber Erin Kelly entschied sich dafür, die jeweiligen Blickwinkel und Gedanken sehr eindringlich und ungefiltert auf den Leser einprasseln zu lassen. Man kann dem Erzählten nun glauben oder misstrauen, kann jedoch kaum die wahren Abgründe und Verstrickungen der ganzen Geschichte selbst erfassen.

Am Ende ist alles soweit stimmig und auch realistisch, wenn es auch einiges an Überraschungsmomenten gibt. Der Fokus liegt voll darauf, die widersprüchlichen Gefühlswelten der vier Hauptcharaktere zu zeigen, vier Beteiligte und vier Sichtweisen von ein und derselben Zeitspanne. Die psychischen und gesellschaftlichen Folgen kommen voll zum Tragen und beeinflussen einerseits die Denkweise der Protagonisten, erfassen aber auch den Leser überaus eindringlich.

Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? Welchen Grund hätte er oder sie dafür, zu lügen? Ein Strudel aus Eifersucht, Scham und Verzweiflung durchzieht das ganze Buch und scheint übermächtig zu werden. Auch wenn manche Abschnitte etwas langatmig wirken, ist es doch eine Kunst, diese Menschen so exakt und ausführlich beschreiben zu können. Ihre Gedanken und Gefühle sind beinahe greifbar und am Ende des Thrillers hat man das Gefühl, sie wirklich zu kennen.

Veröffentlicht am 08.09.2018

Einer für alle, alle für einen

Slow Horses
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Aus großartigem Thrill zum Einstieg, der einen atemlos zurücklässt, wird danach ein eigenwilliger britischer Geheimdienst-Krimi. Um das Buch weiterhin zu genießen, darf man da dem Anfang nicht zu sehr ...

Aus großartigem Thrill zum Einstieg, der einen atemlos zurücklässt, wird danach ein eigenwilliger britischer Geheimdienst-Krimi. Um das Buch weiterhin zu genießen, darf man da dem Anfang nicht zu sehr hinterhertrauern. Die Geschichte die dann beginnt ist gut, unterhaltsam und dreht sich um (ehemalige) Mitglieder des Geheimdienstes die alle auf ihre Art Fehler machten und dafür aufs Abstellgleis, ins Slough House, kommen.

Zwischen den aktuellen Entwicklungen um einen politischen Entführungsfall stehen die abgehalfterten Top-Agenten im Fokus. Mit viel Gefühl und Ausdauer zeichnet der Autor die so unterschiedlichen Charaktere, die wenig gemeinsam haben und dennoch alle im gleichen Boot sitzen. Er zeigt anschaulich, dass auch die von außen schroff und professionell wirkenden Persönlichkeiten so ihre Päckchen zu tragen haben, ohne um Mitleid zu buhlen.

Als der MI5 der Gruppe in Slough House ein misslungenes Manöver anhängen will, werden die mittlerweile demoralisierten und gelangweilten “Slow Horses” eine Einheit wider Willen. Sie graben ihre lange nicht benötigten Fähigkeiten und ihren Spürsinn aus und wehren sich dagegen, die Pläne des MI5 hinzunehmen, wie sie das bisher taten.

Eine kleine Gruppe von Musketieren rebelliert gegen den übermächtigen Agenten-Apparat. Somit nimmt der Krimi nach Vorstellung aller gegen Mitte des Buches mehr Fahrt auf und kann mit der einen oder anderen kleinen Wendung durchaus überraschen.

Veröffentlicht am 21.08.2018

Forscher Mallorca-Krimi zwischen Geschichte und Moderne

Die Blutfinca
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Die Hauptfigur in diesem atmosphärisch gelungenen Mallorca-Krimi ist Marc Renner, deutscher Ex-Kriminaler und nun Restaurantbesitzer auf der spanischen Insel. Renner ist sympathisch und extrem cholerisch ...

Die Hauptfigur in diesem atmosphärisch gelungenen Mallorca-Krimi ist Marc Renner, deutscher Ex-Kriminaler und nun Restaurantbesitzer auf der spanischen Insel. Renner ist sympathisch und extrem cholerisch zugleich. Innerhalb kurzer Zeit durchläuft er viele zum Teil gegensätzliche Emotionen.

Langweilig ist es mit Renner nie. Zwischen der modernen Zeit und alten Erzählungen gefangen stolpert er mitten in einen Kriminalfall. Im kleinen Ort Cala Pi geht ein Mörder um, Frauen verschwinden und ihre Leichen tauchen blutlos wieder auf.

Renner wird als Zeuge in die Sache hineingezogen und nach anfänglicher Skepsis ermittelt er zusammen mit den spanischen Kollegen. Luca Péron von der Policia Local und Renner verstehen sich auf Anhieb gut und auch der Comisario der Policia Nacional, Arturo Miller, taut im Lauf der Ermittlungen auf. Das ungleiche Gespann heftet sich an die Fersen des Mörders. Der aktuelle Fall entpuppt sich als komplexe, weit in die Vergangenheit reichende Verwicklung. Ein Krimi voll Blut, Aberglaube, Leidenschaft und tiefer Trauer.

Veröffentlicht am 12.08.2018

Stimmungsvoller Lokalkrimi mit Gesellschaftskritik

Brunnenleich
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Kulinarischer und sprachlicher Lokalkolorit machen diesen Franken-Krimi zu einem sehr vergnüglichen Leseabenteuer. Ermittler Richard Levin bekommt es nicht nur mit einer Leiche zu tun, sondern gleich auch ...

Kulinarischer und sprachlicher Lokalkolorit machen diesen Franken-Krimi zu einem sehr vergnüglichen Leseabenteuer. Ermittler Richard Levin bekommt es nicht nur mit einer Leiche zu tun, sondern gleich auch noch mit einer neuen Vorgesetzten. Maximilia Frohn, in vergleichsweise jungen Jahren schon Kriminalrätin, muss sich in ihrer neuen Dienststelle Coburg erst noch geografisch wie zwischenmenschlich zurechtfinden.

Viel Zeit bleibt dafür nicht, denn der Fall der Leiche im Brunnen hält beide auf Trab. Durch langwierige Befragungen und Recherchen ergibt sich ein verwirrendes Bild. Ist die Tote wirklich diejenige für die sie sie halten? Zudem war sie nicht alleine in Coburg. Und dann wird auch noch ein Stadtrat in die Sache mit hineingezogen, der sich alleine schon durch sein schmieriges Verhalten verdächtig macht.

Ilona Schmidt entfaltet behutsam eine Geschichte der menschlichen Schwächen, die Macht und Ohnmacht gegenüberstellt und kritische Fragen aufwirft. Wie “fair” ist unser Rechtssystem? Trifft es immer “die Richtigen”? Und hat unsere Gesellschaft manchmal doch Anteil daran, ob jemand schlussendlich zum Verbrecher wird?