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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.09.2018

Teamgeist nicht nur als Klischee sondern realistisch vermittelt

Arlo Finch (1). Im Tal des Feuers
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Ich bin kein wirklicher Leser von Fantasy-Büchern, und habe daher auch gezögert, ob ich dieses Buch mit meinem Sohn lesen soll, vor allem da er erst 8 Jahre alt ist und die Hauptperson in diesem Buch schon ...

Ich bin kein wirklicher Leser von Fantasy-Büchern, und habe daher auch gezögert, ob ich dieses Buch mit meinem Sohn lesen soll, vor allem da er erst 8 Jahre alt ist und die Hauptperson in diesem Buch schon 12. Aber er wollte so gern, und ich hab mich von ihm und den tollen Reviews für die englische Ausgabe überreden lassen.

Und es nicht bereut, denn die Geschichte hat mich wirklich begeistert! Der Fantasy-Aspekt um die Wesen aus der Welt hinter den Long Woods war zwar der Dreh- und Angelpunkt des Buches, und taucht kontinuierlich auf, aber trotzdem schilderte der überwiegende Teil das 'normale' Leben von Arlo Finch. Oder zumindest so normal wie es sein kann, wenn der Vater sich vor der Regierung in China versteckt und man nun mit Mutter und Schwester beim kauzigen Onkel in einem Bergdorf unterkommen muss, wo es noch nichtmal Internetempfang im Haus gibt. Dafür gibt es tolle Freunde und die örtliche Ranger-Truppe, der sich Arlo begeistert anschließt.

Für mich war das mal ein ganz neues aber auch spannendes Thema, das ich aus eigener Erfahrung gar nicht kenne und selbst aus Filmen kenne ich Pfadfinder nur ein bißchen. Am stärksten in Erinnerung blieb mir da der kleine Junge aus dem Disney-Hit "Oben", oder ein paar Folgen der "Paw Patrol", die meine Kinder begeistert schauen.
Ranger sind wohl eine spezielle Art von Pfadfindern, die es in bergigen Gegenden gibt. Die aber genauso gewisse Fertigkeiten zum 'Überleben in der Wildnis' erlangen müssen und nach abgeschlossener Prüfung ein Abzeichen bekommen. Doch sie lernen vor allem Teamgeist dort, und das war in diesem Buch nicht nur so ein Klischee und idealisiert dargestellt, sondern richtig differenziert und realistisch ausgearbeitet. Dass man sich in einem Team nämlich durchaus mal uneins sein kann, sei es eine Abstimmung zum Neubau eines Schlittens oder sei es welche Richtung im Wald die Truppe beim Wettkampf einschlagen soll. Es gibt auch Streits, oder Ängste, aber am Ende halten sie zusammen, was sich als sehr wichtig erweisen soll. Diese Darstellung des Zusammenhalts hat mir sehr gut gefallen.

Ebenso gut fand ich den Aufbau des Spannungsbogens. Es gibt schon im ersten Kapitel einen Ausblick auf die mystische Welt, als Arlo zum ersten Mal Cooper begegnet. Das steigert sich kontinuierlich, es tauchen immer mal wieder Gestalten auf, die die Sache spannend machen - bis es zum Finale kommt.
Ich konnte das Buch dann auch gar nicht mehr aus der Hand legen, und habe nach den ersten Kapiteln zusammen mit meinem Sohn den Rest dann in einem Rutsch alleine weitergelesen.
Ich war anfangs ja unsicher, ob das überhaupt schon was für ihn wäre, oder er lieber noch 2 Jahre warten soll. Ich glaube aber schon, dass er es jetzt schon lesen kann. Es wird zwar auch mal dramatisch, aber nicht mehr als bei Harry Potter in den ersten beiden Büchern. Und vor allem ist der Schreibstil sehr angenehm und gut verständlich.

Zudem gibt es immer mal wieder ein paar Illustrationen, die die wichtigsten Dinge/Gestalten veranschaulichen. Und trotzdem sie nur schwarz/weiß sind, kann man das Feuer im "Tal des Feuers" regelrecht spüren, das ist richtig gut gezeichnet worden! Das Cover ist übrigens einsame Klasse (und viel besser als das vom englischen Original). Man kriegt ein Bild von den 3 Haupt-Charakteren; und der Titel, die Schnipslichter (oder sind es gar Wische?) und auch das blonde Geistermädchen sind erhaben und zu erfühlen. Fühlt sich toll an, das Buch in der Hand zu haben.

Am Ende gibt es einen kleinen Ausblick auf den 2. Teil, der fix auf unserer Leseliste steht!

Veröffentlicht am 22.09.2018

Tante Fia wächst das Chaos übern Kopf

Die drei Magier - Geheimnis im Geisterwald
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Die Wünsche meines Sohnes wurden erhört, gleich im 2. Teil spielt der kleine Bruder Linus eine sehr viel größere Rolle! Vielleicht ist das auch ein Mitgrund, wieso er diesmal glatte 5 Sterne vergibt.

Auch ...

Die Wünsche meines Sohnes wurden erhört, gleich im 2. Teil spielt der kleine Bruder Linus eine sehr viel größere Rolle! Vielleicht ist das auch ein Mitgrund, wieso er diesmal glatte 5 Sterne vergibt.

Auch mir hat der 2. Teil noch besser gefallen als der erste. Vor allem auch deshalb, weil hier die 3 Magier richtig was zu tun bekommen um ein Waldmonster zu fangen. Und wenn sie denken die Mission ist erfüllt, geht es doch noch weiter. Am Ende fand ich als Erwachsene den Zusammenhalt der Geister sehr sehr schön. Ich kann zwar nicht behaupten, dass sich Kinder sofort immer 100% auch so verhalten wenn sie derlei lesen, aber Schaden kann es auch nicht. Und wenn sie nur oft genug davon hören oder lesen fäbrt das sicher auch auf ihre eigenes Verhalten ab.

Die Zeichnungen sind wieder mal reichlich und vor allem sehr niedlich. Absolut passend für die Zielgruppe, genauso wie der Sprachstil. Klare verständliche Sprache, hier und da auch mal kleinere Zickereien. Also auch mal was zum Schmunzeln. Und die Kapitellänge ist ebenfalls optimal!

Veröffentlicht am 14.09.2018

3in1 - Roman, kleine Zauberschule, Activity-Buch

Die Magischen Sechs - Mr Vernons Zauberladen
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Ich war neugierig aber auch skeptisch als ich sah, dass der Schauspieler Neil Patrick Harris nun auch Bücher schreibt. Und dann sogar Kinderbücher! Über Zauberer! Noch überraschter war ich, dass ich in ...

Ich war neugierig aber auch skeptisch als ich sah, dass der Schauspieler Neil Patrick Harris nun auch Bücher schreibt. Und dann sogar Kinderbücher! Über Zauberer! Noch überraschter war ich, dass ich in der Autorenbeschrebung zum Buch las, das Harris selbst als Zauberer tätig ist, und sogar Präsident der Academy of Magical Arts war. Na da schau her, was der alles kann.

Ich weiß nicht, ob Neil Patrick Harris als Zauberer gut ist. Aber Kinderbücher schreiben, das kann er wirklich! Und zwar auf eine sehr erfrischende Weise. Ich fand es toll, wie der Autor am Anfang und am Ende (und manchmal auch ganz plötzlich zwischendurch) mit den Lesern redet, sie zum Lesen animiert - und am Schluss dann aber auch dazu auffordert, jetzt mal an die frische Luft zu gehen und zu spielen, bis sie dann bald den 2. Band lesen können.

Die Geschichte an sich ist ebenfalls sehr unterhaltsam, witzig (Fidibus!), auch lehrreich (nicht allen Kindern geht es so gut wie uns), und mit einem tollen spannenden Showdown versehen. Meinem Sohn hat das 2. Kapitel am besten gefallen, in dem in einer Rückblende erzählt wird wie Carter seine Eltern verlor und dann die nächsten Jahre mit seinem Onkel Sly verbrachte.

Zwischendrin werden mehrfach Zaubertricks zum nachmachen erklärt. Finde ich eine wundervolle Idee! Mein Sohn hat erst kürzlich zum Geburtstag einen Zauberkasten bekommen, und kann damit nun sein Repertoire aufpeppen. Auch kleine "Buchstaben"-Rätsel für die Kinder sind eingebaut. Es ist also ein sehr aktives Buch.

Die Illustrationen (mindestens 1 pro Kapitel) gefielen uns auch. Einziger kleiner Kritikpunkt ist an manchen Stellen die Wortwahl, die nicht immer ganz kindgerecht war. Wobei ich nicht weiß, ob das jetzt am Autor oder am Übersetzer lag. Aber mehrfach musste ich meinem Sohn einige Wörter erklären, weil sie entweder 'altertümliche' Dinge beschrieben die man heute nicht mehr kennt (es wird auch nie so ganz klar, in welcher Zeit das Buch eigentlich spielt - anfangs denkt man das alles spielt vor 100 Jahren; oder vielleicht doch in der heutigen Zeit??) oder einfach keine umgangssprachlichen Wörter, wie z.B. "das seichte Ende des Pools". Hätte man auch mit "flach" übersetzen können.

Dennoch haben sowohl ich als auch mein Sohn am Schluss die volle Punktzahl für dieses klasse gemachtes Buch vergeben. Den zweiten Teil werden wir uns ganz sicher auch kaufen!

Veröffentlicht am 13.09.2018

Wer "Friends" liebte, wird auch dieses Buch mögen...

Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
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Ich habe das Buch innerhalb von 2 Tagen ausgelesen, und bin jetzt eigentlich traurig, dass ich die Welt von Anni und ihren Freunden und Schülern so schnell 'verlassen' musste. Ich habe sie gern auf ihrem ...

Ich habe das Buch innerhalb von 2 Tagen ausgelesen, und bin jetzt eigentlich traurig, dass ich die Welt von Anni und ihren Freunden und Schülern so schnell 'verlassen' musste. Ich habe sie gern auf ihrem Weg ein Stück begleitet.

Die Idee, die Protagonistin eine Lehrerin sein zu lassen und an eine Brennpunktschule zu versetzen, hört sich zwar vielleicht so an als würde das Buch auf der "Fack ju Göthe"-Welle mitschwimmen, aber ich las ein Buch in diesem Setting tatsächlich erst zum 2. Mal (das andere Mal war die 'Frau Freitag'-Reihe). Für mich war das also neuartig, vor allem aber sehr interessant. Über die Entstehung des Schüler-Musicals zu lesen fand ich ebenso gut. Schade, dass es sowas damals an meiner Schule noch nicht gab.

Die Geschichte spielt in Hamburg, und die Stadt (samt ihren Stadtteilen, Besonderheiten, Kiezlokalen, Alster & Elbe, Dom, Planten un Blomen, ihrem Dialekt und ihren Unikaten) kommt sehr häufig vor, was ich extrem gut fand. Ich kenne Hamburg nicht so gut, aber hatte wirklich das Gefühl mit Anni dort zu sein.

Bei der Wohnsituation von Anni, Nele, Kai und Sebastian musste ich unwillkürlich an die Serie "Friends" denken! Sie gehen beieinander ein und aus, die Mädels kochen meist das Essen für alle, bei den Jungs wird TV geschaut, sie unternehmen privat viel zusammen und wenn man mal Chips verkrümelt ist das überhaupt nicht schlimm (besonders da musste ich an die Szene mit Joey und Rachel denken, wo Rachel Spaghetti auf den Boden von Joeys Apartment kleckert). Ich liebe "Friends", und so fühlte ich mich auch mit den vieren hier gleich so richtig wohl! (Ich fand es dann nur etwas verwunderlich, als Anni und Sebastian mal sagen, dass ihre Freundschaft ja gar nicht so eng ist, sie sind eher Bekannte. Nachbarn halt. Fand ich gar nicht!)

Die Angewohnheit, bei Tchibo unnütze Dinge zu kaufen ist mir ebenfalls nicht fremd, wobei ich immerhin sagen kann, dass ich keinen der von Anni aufgezählten Dinge je gekauft habe. Da besteht bei mir ja wohl noch Hoffnung, oder?

Und dann war da ja noch die Liebesgeschichte. Hach ja, die fand ich auch wunderschön. Als Leser weiß man ja schon recht früh wie es enden wird, wie es einfach enden muss! Aber bis dahin haben wir Anni einfach gern beobachtet!

Achtung: kleiner SPOILER
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Einzig die Selbstzerfleischung von Anni, dass sie an der ALS soo vieles falsch gemacht hat, fand ich ein bißchen übertrieben. Ich fand nämlich gar nicht, dass sie so viele Fehler gemacht hat, ganz im Gegenteil!
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Ich hätte ja fast nur 4,5 Sterne gegeben, aber dann wurde ich am Ende, bei der Rede von Heaven-Tanita, genauso emotional wie Anni. Für mich ein Zeichen, dass ich voll drin steckte in der Geschichte, und mitgerissen wurde. Mehr geht nicht, und daher verdienterweise die Bestnote!

Es war bereits mein 2. Roman von Petra Hülsmann, und weitere werden definitiv folgen!

Veröffentlicht am 11.09.2018

Wunderbare Liebesgeschichte aus Berlin

Mein (nicht ganz) perfektes Leben
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Nach Lesen der Kurzbeschreibung war ich unschlüssig, ob ich schon wieder ein Buch lesen wollte, in dem eine junge lebenslustige Frau einen Grummelbär aus der Reserve locken musste um ihn von seinem Glück ...

Nach Lesen der Kurzbeschreibung war ich unschlüssig, ob ich schon wieder ein Buch lesen wollte, in dem eine junge lebenslustige Frau einen Grummelbär aus der Reserve locken musste um ihn von seinem Glück zu überzeugen. Das habe ich doch schon so oft gelesen, auch dieses Jahr schon mehrfach.
Die guten Bewertungen und ein kurzer Blick ins Buch haben mich dann doch dazu bewogen, das Buch zu probieren. Und es hat sich gelohnt. Sehr sogar!
Das Buch war witzig, flott, an keiner Stelle wirklich realitätsfern. Die Autorin lässt ihre Hauptpersonen natürlich auch ihre Gedanken und Gefühle äußern, aber zum Glück in genau dem richtigen Maß, und keineswegs so oft wiederholend dass es nervt oder langweilt.
Und so sympathisch wie Lila und Fred waren mir schon länger kein Wirbelwind und Brummbär mehr.

Ich konnte mich einfach sehr gut in beide hinein versetzen, ihre Art und Weise nachvollziehen. Ich war begeistert von Lilas positiver Einstellung allem gegenüber, auch wenn ich selbst wohl nicht nach der Devise leben könnte "es wird sich schon was ergeben". Etwas gewundert hat mich dann ja doch, dass sie trotzdem einen Lebensplan verfolgt, das passte eigentlich gar nicht zu ihrer spontanen und offenen Art. Es passte aber sehr wohl zu ihren bisherigen Erlebnissen im Leben und war damit durchaus nachvollziehbar. Ich verstand, wonach sie sich sehnte. Ich bin aber trotzdem voll auf der Seite ihrer Mutter, als sie ihr eine Weisheit mit auf den Weg gibt, die Alfred Lord Tennyson schon mit "It is better to have loved and lost than never to have loved at all." perfekt ausdrückte.

Freudig überrascht war ich dann von der Wendung, dass es plötzlich Fred war, der Lila rumkriegen musste, und nicht umgekehrt. Ob es ihm schließlich gelingt, möchte ich hier nicht verraten... Sein Kompliment, dass er jetzt wieder eine ganze Palette von Farben braucht um seine Gefühle auszudrücken, finde ich jedenfalls ganz wunderbar!

Zu guter letzt muss ich auch noch erwähnen, dass es mir auch außerordentlich gut gefallen hat, wie die Autorin Berlin als Schauplatz so oft eingebunden hat. Bei jeder Nennung von Straßen, Plätzen, S-Bahnlinien kam ein bißchen Heimatgefühl bei mir auf (obwohl ich bisher nicht wusste, dass Spandau so einen schlechten Ruf hat).