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Veröffentlicht am 22.11.2018

Schöne Susanna

Der Hexenjäger
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Susanna ist todtraurig. Ihre geliebte Mutter ist verstorben und die Umstände ihres Todes sind nicht ganz klar. Ist sie als Schlafwandlerin vom Dach gestürzt oder hat sie sich in ihrer Melancholie selbst ...

Susanna ist todtraurig. Ihre geliebte Mutter ist verstorben und die Umstände ihres Todes sind nicht ganz klar. Ist sie als Schlafwandlerin vom Dach gestürzt oder hat sie sich in ihrer Melancholie selbst gerichtet. Im Jahr 1484 würde letzteres dazu führen, dass die gute Margarethe kein christliches Begräbnis bekäme. Der Prior des anliegenden Klosters Bruder Heinrich, der ein Kindheitsgefährte der Mutter war, überzeugt sich, dass ein Begräbnis gerechtfertigt ist. Doch bald schon bekommt er Zweifel, kann Margarethe nicht doch dem Hexenwahn verfallen gewesen sein. Und wenn es der Mutter so ging, wie kann es dann der Tochter anders gehen.

Heinrich Kramer, der später als Verfasser des Hexenhammers in die Geschichte eingeht, zeigt sich hier als in seiner Jugend verschmähter rachsüchtiger Priester, der mit seinem Amt und seinen Gelüsten hadert und dafür die Schuld bei den Frauen sucht. Nachdem er die verstorbene Margarethe nicht mehr erreichen kann, wird deren Tochter Susanna zum Objekt seiner Missgunst, seiner unterdrückten Wollust, seinen schmierigen Gedanken. Die Situation der hübschen Susanna ist keine besonders komfortable. Ihr Bruder soll sich eine Frau nehmen und dann ist für sie kein Platz mehr im Elternhaus. Doch soll sie deshalb irgendwen ehelichen, den ihr Vater bestimmt, der ihr selbst aber zuwider ist? Mit den zunehmenden Ekel auslösenden Avancen des Priesters wird es auch nicht besser.

Mit seinem Hexenhammer wollte der Heinrich Kramer eine erste Welle der Hexenverfolgungen auslösen. Doch erst nach seinem Tod kam es zu einer Vielzahl von grausamen Hexenjagden. Dennoch wird mit diesem Buch die Perfidität eindringlich beschrieben, mit der die Inquisitoren gegen die vermeintlichen Hexen vorgingen, wie unschuldigen Frauen das Wort im Mund herumgedreht wurde, wie sie unter Folter zu Geständnissen gezwungen wurden oder unmögliche Prüfungen bestehen sollten. In heutiger Zeit beinahe unvorstellbar mit welcher Gemeinheit und Grausamkeit gegen Schwächere vorgegangen wurde. Aber leider nur beinahe, denn auch heute noch ist die Phantasie mancher Verbrecher grenzenlos, wenn es darum geht andere zu schädigen und zu verunglimpfen. Zwar ist die Geschichte der schönen Susanna nur eine Geschichte, doch sie kann geeignet sein, die Überzeugung zu wecken oder zu stärken, dass Offenheit und Toleranz doch die bessere Lebensgrundlage bietet.

Veröffentlicht am 21.11.2018

Wanna play?

Hades
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Zwei fast tote Kinder werden ihm einfach so vor die Füße geworfen. Hades merkt schnell, dass sie tatsächlich noch leben und obwohl er selbst nicht gerade immer auf Seiten des Gesetzes steht, hat Hades ...

Zwei fast tote Kinder werden ihm einfach so vor die Füße geworfen. Hades merkt schnell, dass sie tatsächlich noch leben und obwohl er selbst nicht gerade immer auf Seiten des Gesetzes steht, hat Hades ein Herz. Er nimmt das Mädchen und seinen Bruder bei sich auf. Aufgrund ihrer Traumatisierung entwickeln sich die Kinder zu etwas eigenartigen Erwachsenen, die erstaunlicherweise bei der Polizei ihren Mann bzw. ihre Frau stehen. Zu ihnen stößt Frank Bennett als neuer Partner für Eden. Schon bald haben sie ihren ersten gemeinsamen Fall, in dem gleich mehrere Tote gefunden werden.

Bennett und Eden finden zunächst nicht wirklich zusammen. Eden scheint häufig ihr eigenes Süppchen zu kochen und auch Frank Bennett hat eine Vergangenheit, über die er sich nicht übermäßig breit auslässt. Mehr jedoch als Eden ist es jedoch Eric, der Bennett Steine zwischen die Beine wirft. Und doch müssen sie sich zusammenraufen, schließlich müssen weitere Morde verhindert werden.

Da hat sich schon ein sehr spezielles Team gefunden. In Rückblenden über ihre Vergangenheit im Hause Hades erfährt man einiges über die Kindheit und Jugend von Eden und Eric, was zwar zum Verständnis beiträgt, aber doch die Frage aufwirft, ob das alles so richtig sein kann. Gleichzeitig entwickelt der Fall eine Brisanz, die einen schütteln lässt. Einem jeden ist doch das eigene Leben am nächsten, kaum zu begreifen, wie weit manche dafür gehen.

Ein neuer Star am Krimi-Himmel ist Candice Fox. Die Australierin hat mit ihrer Archer & Bennett Trilogie etwas Besonderes geschaffen. Skurrile Ermittler und ein spezieller in Teilen durchaus humorvoller Schreibstil führen dazu, dass man in die Lektüre förmlich eintauchen kann. Auch wenn der Fall gegen Ende hin etwas aus dem Blickfeld gerät, ist das Beziehungsgeflecht zwischen den Ermittlern so geschickt geknüpft, dass man in keinem Moment das Interesse verliert. Schön, dass die nächsten Bände schon aufs Lesen warten.

Veröffentlicht am 20.11.2018

Bildung

Befreit
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Sie unterrichten ihre Kinder daheim, schließlich ist das Ende nah und die Schulen sind sowieso von anderen Mächten infiltriert. So ungefähr denken die Eltern der jungen Tara und die streng gläubigen Mormonen ...

Sie unterrichten ihre Kinder daheim, schließlich ist das Ende nah und die Schulen sind sowieso von anderen Mächten infiltriert. So ungefähr denken die Eltern der jungen Tara und die streng gläubigen Mormonen ziehen ihre Kinder in den abgeschiedenen Bergen Idahos groß. Doch Taras Großmutter hat einen anderen Blick auf die Welt und die älteren Geschwister haben die Schule wenigstens noch kennen gelernt. Zwar genießt Tara das Leben in den Bergen, dennoch merkt sie, dass ihr etwas fehlt. Als kleine Freiheit darf sie im Kirchenchor singen und an Theateraufführungen teilnehmen. Künftig möchte sie gerne Chorleiterin werden, doch dazu braucht sie einen Studienabschluss.

Hat man eine vermeintlich normale Kindheit durchlaufen, fällt es doch schwer, sich in Taras Welt hineinzuversetzen. Dort werden Menschen gemieden, Nahrungsmittel für die drohende Apokalypse gehortet, die Hilfe von Ärzten bei Geburt und Krankheit abgelehnt. Die Mutter gilt als Naturheilerin und Hebamme. Der Vater lässt die Kinder auf seinem Schrottplatz und seiner kleinen Baufirma arbeiten lange bevor Kinder arbeiten sollten. Zwar haben sie die grandiose Berglandschaft, die Natur und die Familie. Doch sie leben ohne Absicherung in großer Gefahr insbesondere bei Unfällen oder Krankheiten. In einer Welt, in der Frauen nichts zu sagen haben, bei Grausamkeiten schweigen und wegsehen. In einer Welt, in der Männer meinen, alles sei ihnen unter dem Deckmäntelchen des sogenannten Wohls der Familie erlaubt.

Als die inzwischen 17jährige Tara beginnt, für die Aufnahmeprüfung zum College zu büffeln, öffnet sich ihr nach und nach eine ganz andere Welt. Sie beginnt zu hinterfragen, was in ihrer Familie vorgeht. Und auch wenn es sehr lange dauert, bis sie sich gegen einige Familienmitglieder auflehnen kann, so macht sich Tara doch auf den Weg in die Welt verschiedener Universitäten, in die Welt der Bildung. Was für Jugendliche mit einem bildungsnäheren Hintergrund einfach eine Ablösung vom Elternhaus ist, ist für Tara die Entdeckung einer anderen Welt. Zwar auch eine Befreiung von den krankhaften Verhaltensweisen in der Familie, aber damit nicht nur eine Ablösung sondern eine Trennung. Doch Tara geht ihren Weg der Bildung und der Befreiung, auch wenn es einen teilweisen Verzicht auf den Familienrückhalt bedeutet. Sie ist anständig, obwohl sie gebildet ist.

Mit starken Worten schildert die Autorin ihren eigenen Weg zur Bildung, der von Schmerzen und Rückschlägen geprägt, doch in Richtung Freiheit durch die freie Lehre führt.

Veröffentlicht am 19.11.2018

Crime New York

Freak City / Hexenkessel
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Patsys Ehe ist zerbrochen. Mit ihrem neuen Freund Milo will sie einen Neuanfang wagen. Obwohl ihrem Ex-Mann das überhaupt nicht recht ist, soll auch ihre 6jährige Tochter Christie mit von der Partie sein. ...

Patsys Ehe ist zerbrochen. Mit ihrem neuen Freund Milo will sie einen Neuanfang wagen. Obwohl ihrem Ex-Mann das überhaupt nicht recht ist, soll auch ihre 6jährige Tochter Christie mit von der Partie sein. Doch so ein Neuanfang will finanziert werden und deshalb steigt Patsy mit ihrem Freund in einer fremden Wohnung ein und gemeinsam stehlen sie Geld und Schmuck. Und dann geht alles schief. Zur gleichen Zeit soll Pearl, der Jobs für andere übernimmt, in einem Restaurant einen Kredit eintreiben. Auch dies läuft alles andere als glatt.

Zwei Ereignisse, die erstmal nichts miteinander zu tun haben und doch irgendwie einen Zusammenhalt haben müssen. Patsys Traum von einem Neubeginn, der sich nach und nach in Luft auflöst. Und der Privatermittler ohne Lizenz, Pearl, der manchmal auch Kredite betreut. Irgendwie scheinen sich die Begebenheiten zu umkreisen, ohne zunächst Berührungspunkte zu finden. Doch es sieht so aus als würden die Kreise immer enger. Bleibt schließlich nur noch ein Punkt, ist ein Treffen eigentlich unausweichlich.

Mit schnellen Szenenwechseln beginnt diese neue Reihe von relativ kurzen Krimis, mit Fällen, die in sich abgeschlossen sind. Allerdings lässt der Verlauf dieses ersten Bandes vermuten, dass es möglicherweise einen gewissen Rahmenzusammenhang zwischen den Bänden geben wird. Hauptsächlich in Dialogen entfaltet sich die Handlung, was dem Roman viel Drive gibt. Wie bei einem Film mit kurzen Schnitten verlangt das Buch Aufmerksamkeit, ist aber auch sehr schnell zu lesen. Dabei werden die beiden Handlungsstränge geschickt aufeinander zu geführt und es gibt einige Überraschungsmomente. Einzig vermisst man ein wenig das Drumherum, den Hintergrund. Bei einer derartig schnell verlaufenden Handlung, kann dieser nur in knappen Worten umrissen werden. Dennoch gefällt dieser actionreiche Krimi vor einem düsteren New York, der Stadt in der nichts unmöglich ist, nicht einmal das Verbrechen.

Veröffentlicht am 18.11.2018

Zeitenumspannend

Paris
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Paris eine Stadt von Welt, eine Stadt der Geschichte und mit Geschichte.

Über Jahrhunderte erzählt dieser Roman von Familien der einfachen Leute, des Adels, des Handwerks. Beginnend mit dem Bau der ...

Paris eine Stadt von Welt, eine Stadt der Geschichte und mit Geschichte.

Über Jahrhunderte erzählt dieser Roman von Familien der einfachen Leute, des Adels, des Handwerks. Beginnend mit dem Bau der Freiheitsstatur, die bekanntlich nach New York verschenkt wurde, und des Eiffelturms kann man das Leben einiger handelnder Personen und ihrer Familien vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis ins Jahr 1960 verfolgen. Meit gelegentlichen Ausflügen in die fernere Vergangenheit werden geschichtlich wichtige Zeiten umrissen, in denen sich die beschriebenen Familien gelegentlich näher kommen als sie später zugeben wollen. Und immer wieder geht es um Paris, eine Weltstadt, die manchmal behäbig scheint, manchmal altmodisch und dann doch fortschrittlich und modern.

Stadtgeschichte, Weltgeschichte eingebettet in eine fesselnde Romanhandlung. Vielfältige Informationen, beginnend mit Details zum Bau der vorher erwähnten baulichen Berühmtheiten, die in keinem Moment langweilig werden, machen dieses Buch zu einem historischen Roman, den man gerne weiter empfiehlt. Mit intelligenten Worten formuliert der Autor die Erzählung der Stadt. Unterschiedlichste Charaktere buhlen um die Gunst des Lesers. Die Meisten wecken dabei große Sympathien, wenn auch nicht jede Handlung verständlich wird, so lässt sich doch vieles nachvollziehen. Zeiten des Aufbruchs folgen auf den Niedergang, Glück und Lied wechseln sich ab. Paris - die Stadt der vielen Wahrzeichen und der großen Geschichte bleibt bestehen.

Ein hervorragend recherchierter Roman, den man sicher häufiger als einmal lesen kann.