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Veröffentlicht am 09.01.2019

Vorhersehbare Geschichte, stereotype Charaktere und alles in allem ein etwas altbackener Roman

Wenn nicht jetzt, wann dann?
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Der Klappentext des Romans klingt eigentlich nach einer heiteren Liebeskomödie rund um die Hochzeitsplanerin Elizabeth Baumgarten.
Liz ereilt allerdings schon zu Beginn des Romans ein folgenschwerer Fahrradunfall, ...

Der Klappentext des Romans klingt eigentlich nach einer heiteren Liebeskomödie rund um die Hochzeitsplanerin Elizabeth Baumgarten.
Liz ereilt allerdings schon zu Beginn des Romans ein folgenschwerer Fahrradunfall, durch den sie über einen längeren Zeitraum mit einem kompliziert gebrochenen Bein im Krankenhaus bleiben muss. Ihr Aufenthalt dort wird ihr allerdings von dem geschiedenen Arzt Dr. Friedrich versüßt, der ihr morgens sogar den Kaffee ans Bett serviert.
Die Geschehnisse rund um die Hochzeitsagentur "Hochzeitsfieber" ereignen sich sodann mit der 64-jährige Annemarie Hummel. Sie ist seit mehreren Jahren Witwe, eher schüchtern und ohne Selbstbewusstsein und hat seit Jahren sehr zurückgezogen gelebt. Die Witwenrente hat sie als Bäckerin von Hochzeitstorten im Auftrag von Liz aufgebessert. Als Liz im Krankenhaus ist, springt Annemie für sie in der Agentur ein und mausert sich bald selbst zur beliebten mütterlichen Hochzeitsplanerin, die sich insbesondere um die Hochzeit der Juwelierstochter Nina Winter kümmert und dabei von deren Vater und dessen Bruder umgarnt wird.
Ich hatte mich gewundert, dass der Schwerpunkt des Romans ein ganz anderer war, als ich mir vorgestellt hatte und bin dann auf eine Buchbeschreibung gestoßen, die bis auf die Altersangabe von Annemie viel treffender ist und den Inhalt des Buches besser beschreibt:

"Annemie ist fast sechzig und hat sich viel besser gehalten, als sie selbst glaubt. Wenn sie die Handtücher nach Farben geordnet hat und die Teppichfransen parallel liegen, dann zaubert sie in ihrer kleinen Küche ausgefallene Hochzeitstorten. Sie arbeitet für Liz, die mit ihrer Agentur Hochzeiten im großen Stil ausrichtet. Ein geordnetes Leben, bis eine folgenreiche Verwechslung Annemie und den Vater einer Braut einander näherbringt. Das Chaos beginnt, und plötzlich ist alles ganz anders!"

Das Buch handelt insofern von drei unterschiedlichen Frauen: Annemie, die unglücklich verheiratet war und seit Jahren einsame Witwe ist, Liz, die von ihrem Zukünftigen betrogen wurde und sich nur noch beruflich um die Ehe schert und Nina, die ohne Mutter aufgewachsen ist und von der perfekten Hochzeit träumt.
Die einzelnen Handlungsstränge sind dabei wenig überraschend vorhersehbar und die Charaktere doch eher stereotyp gezeichnet.

Meiner Meinung nach ist der Roman eher für ältere Frauen, die sich mit Annemie identifizieren können, da der Großteil des Romans von ihr handelt, oder für romantische Frauen, die sich mit der Planung ihrer eigenen Hochzeit beschäftigen.
Mir war der Roman zu trivial und aufgrund der älteren, sehr hilflos und eingeschüchtert wirkenden, altmodischen Tortenbäckerin Annemie zu bieder.

Veröffentlicht am 20.07.2018

Hilfreich, wenn man Band 1 kennt, mir war der Thriller zu sehr von den Traumas der Protagonisten geprägt und zu komplex

Schwarzer Engel
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"Schwarzer Engel" ist der zweite Band einer Serie um die Elitepolizistin Colomba Caselli. Den ersten Fall "In der Finsternis" habe ich nicht gelesen, weshalb mir leider viele Hintergrundinformationen zur ...

"Schwarzer Engel" ist der zweite Band einer Serie um die Elitepolizistin Colomba Caselli. Den ersten Fall "In der Finsternis" habe ich nicht gelesen, weshalb mir leider viele Hintergrundinformationen zur Ermittlerin, aber auch zu ihrem Kompagnon Dante Torre, gefehlt haben, die aber zum besseren Verständnis der Aufklärung des aktuellen Falls hilfreich sind.

Colomba Caselli ist nach einer Suspendierung gerade wieder in den Polizeidienst zurückgekehrt und wird mit dem mutmaßlichen Terroranschlag auf den Erste-Klasse-Waggon des Schnellzugs aus Mailand konfrontiert. Alle Passagiere des Wagens wurden mit Giftgas getötet.
Bei den Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat, die der "Islamische Staat" (IS) für sich proklamiert, kommt es in einem arabischen Viertel zu einem missglückten Einsatz, weshalb Caselli erneut suspendiert wird.
Sie ermittelt auf eigene Faust weiter und wird dabei von Dante Torre unterstützt. Dieser ist als Kind elf Jahre in einem Silo eingesperrt aufgewachsen, wo er von einem Vater ohne Gesicht gequält wurde. Die Jahre haben ihn geprägt. Er kann Menschen lesen, Wahrheiten erkennen und ihre Lügen durchschauen wie kein zweiter und ist deshalb als eine Art Profiler für die Polizeiarbeit eine große Hilfe. Er hatte Colomba aufgrund seiner eigenen Erfahrungen und seiner daraus resultierenden Fähigkeiten bei einem Entführungsfall geholfen, der in Band 1 der Reihe behandelt wurde.

Dante zweifelt daran, dass es sich bei dem Giftgaseinsatz um einen islamistischen Terroranschlag handelt. Colomba und Dante jagen stattdessen einer (Masken-)Frau hinterher, die wie Dante eine traumatische Kindheit hatte und sich auf einem Rachefeldzug befindet.

Der Beginn des Thrillers, der Anschlag auf den Zug und die daran anschließende Schießerei in Rom haben mich gepackt, danach habe ich allerdings die Übersicht über den Kriminalfall und dessen Aufklärung verloren. Die Szenenwechseln erfolgen sehr schnell, so dass ich Probleme hatte mit den Schritten von Colomba und Dante mitzuhalten. Das lag vor allem darin begründet, dass ich die beiden Charaktere, deren persönliche Geschichte für den aktuellen Fall so wichtig sind, erst mühevoll kennenlernen musste. Es gibt zwar einige Rückblicke auf den ersten Band der Reihe, aber einfacher wäre es, wenn man den ersten Teil gelesen hätte. Darüber hinaus wird der Leser nämlich noch mit einer ganzen Reihe an weiteren handelnden Personen im Verlauf des Romans konfrontiert. Dazu kommen Verschwörungstheorien, die Mafia, der Kalte Krieg zwischen Ost und West, FSB-Killer, Tschernobyl und ein nicht unerheblicher Medikamentenkonsum, der die Sinne der Protagonisten trübt.

Ich empfand den Thriller, insbesondere die Polizeiarbeit und den komplexen, weit in die Vergangenheit reichenden, Hintergrund der Tat zu konstruiert. Mir war nicht nachvollziehbar, warum die Behörden, bis auf unsere Helden Colomba und Dante, an einen Terroranschlag glauben wollten und die Ermittlungen bald einstellten. Die suspendierte Colomba ermittelte dagegen weiter und konnte trotzdem auf die Unterstützung ihrer "Amigos" setzen. Die Summe der Charaktere - sowohl Colomba als auch Dante, aber auch Täter selbst - sind vom Leben gezeichnet und von ihren Posttraumatischen Belastungsstörungen geprägt. Für mich ist das Aufeinandertreffen dieser gebeutelten und psychisch labilen Protagonisten zu viel für einen Roman gewesen und lassen die ganze Geschichte auf mich unglaubwürdig erscheinen.

Ich muss ehrlich zugeben, dass mir "Schwarzer Engel" zu unübersichtlich und komplex war, ich nicht ahnen konnte, welche Schritte folgen würden und ich blind einer suspendierten Ermittlerin und ihrem traumatisierten Freund hinterher stolperte. Für mich kam deshalb kaum Spannung auf und auch das Ende mit einem Cliffhanger, der den geneigten Leser zwingt, Band 3 zu lesen, hat mir ohne einen befriedigenden Abschluss für Band 2 zu finden, nicht gefallen.

Veröffentlicht am 18.05.2018

Zum besseren Verständnis sollte man "Sturmhöhe" gelesen haben - so packte mich Roberts Suche nach Alicia nicht

Alicia verschwindet
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Alicia und Robert sind seit zehn Jahren Freunde. Als Robert kurz vor der Verlobung mit seiner Freundin Rovena steht, ist Alicia plötzlich verschwunden. In ihrer Wohnung hinterlässt sie offenbar absichtlich ...

Alicia und Robert sind seit zehn Jahren Freunde. Als Robert kurz vor der Verlobung mit seiner Freundin Rovena steht, ist Alicia plötzlich verschwunden. In ihrer Wohnung hinterlässt sie offenbar absichtlich ihren Lieblingsroman "Sturmhöhe" von Emily Bronte. Robert begibt sich daraufhin in Sorge auf die Suche nach ihr und erhält von Personen, die er nach Alicia fragt, weitere Hinweise in Form von drei Fotos. Die Suche Roberts wird zu einer Art Schnitzeljagd, die ihn durch England führt.

Der Roman ist ungewöhnlich aufgebaut, indem Robert seine Suche nach Alicia, die ihm so viele Rätsel aufgibt, an einem Abend einem "Doktor" erzählt, aus dessen Ich-Perspektive der Roman verfasst ist. Robert gehört der englischen Upperclass an, was sich auch in seiner Sprache niederschlägt. Anfangs fand ich den Schreibstil in Form einer Nacherzählung der Ereignisse befremdlich. Er wurde für mich erst aufschlussreich, als auch Alicia ihre Sicht der Geschichte dem "Doktor" erzählte.

"Alicia verschwindet" ist ein kurzer, schnell zu lesender Roman über die Liebe und welche Tricks von Nöten sein können, um dem Schicksal bzw. Liebesglück etwas auf die Sprünge zu helfen. Robert begibt sich nicht nur auf eine spielerisch von Alicia initiierte Suche nach seiner Freundin, deren Verschwinden er sich nicht erklären kann, sondern gelangt auch durch die Gespräche mit "Doktor" zu für ihn überraschenden Erkenntnissen über sich selbst und seine Beziehungen.

Der Roman ist originell, jedoch für Leser, die sich nicht unbedingt mit klassischer englischer Literatur auskennen und Romane von Edgar Allan Poe und insbesondere Emily Brontes "Sturmhöhe" nicht gelesen haben, zumindest im ersten Teil der Geschichte zu undurchsichtig. Die Anspielungen und Parallelen zu "Sturmhöhe" konnte ich so nicht erkennen, weshalb mir sicher viele Pointen und Doppeldeutigkeiten entgangen sind. Der raffinierte Kern des Romans blieb mir damit verborgen und "Alicia verschwindet" nur einer von vielen Romanen über eine Freundschaft aus der Liebe wird. Wer insofern die Symbolik zwischen den Zeilen begreifen möchte, sollte "Sturmhöhe" gelesen haben.
Weder im ersten Teil, der von Robert erzählt wird, noch im zweiten Teil, der von Alicia erzählt wird, erhält man Einblick in deren Gefühlswelt. Ich konnte ihr Suchen und Finden der Liebe deshalb nicht nachvollziehen, der Roman erreichte mich emotional nicht.

Veröffentlicht am 21.04.2018

Vorhersehbare, flache Handlung, kindische Protagonisten und fehlendes Flair des Herrschaftshauses Anfang des 19. Jahrhunderts

Eine Liebe in Blackmoore
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Kate Worthington, genannt Kitty, ist 17 Jahre alt und träumt davon, ihrer Familie, insbesondere ihrer anstrengenden Mutter, für die sie sich in Gesellschaft schämt, zu entfliehen. Ihre Mutter möchte sie ...

Kate Worthington, genannt Kitty, ist 17 Jahre alt und träumt davon, ihrer Familie, insbesondere ihrer anstrengenden Mutter, für die sie sich in Gesellschaft schämt, zu entfliehen. Ihre Mutter möchte sie dagegen schnellstmöglich verheiraten und hat dafür auch schon einen heiratswilligen Herren gefunden. Kate weigert sich. Sie hat sich geschworen, nie so wie ihre Mutter und ihre Schwestern zu werden, möchte ihre Freiheit behalten und niemals heiraten. Ihr Ziel ist es, mit ihrer Tante nach Indien zu gehen.

Kates beste Freunde sind die Geschwister Sylvia und Henry Delafield, die jeden Sommer im Herrenhaus ihres Großvaters, Blackmoore, verbringen. Diesen Sommer lädt Henry ohne das Einverständnis seiner Mutter, die den schlechten Rufen der Worthington-Frauen kennt, nach Blackmoore ein. Kate ist euphorisch, hat sie doch nach den Erzählungen Henrys schon seit Jahren von einem Aufenthalt in Blackmoore im Heidemoor geträumt. Ihre Mutter lehnt diesen zunächst ab, lässt Kate nach einer Abmachung aber doch fahren. Kate hat ihrer Mutter das Versprechen abgenommen, dass sie bei Ablehnung von drei Heiratsanträgen, die sie in Blackmoore bekommen soll, frei ist, um nach Indien zu reisen.

Der Roman spielt im Jahr 1820 im Norden Englands und handelt vom Kampf einer jungen Frau für Unabhängigkeit und Freiheit.
Kate fühlt sich wie ein Vogel, gefangen in einem goldenen Käfig. Schon als 14-Jährige hat sie sich nach einem einschneidenden Erlebnis geschworen, niemals zu heiraten. Von der Freizügigkeit ihrer Mutter und Schwestern abgestoßen und durch die Erkenntnis, der lieblosen Ehe ihrer Eltern fühlt sie sich darin weiterhin bestärkt.

Kate oder Kitty, wie sie von allen bis auf Henry trotz mehrfachen Insistierens genannt wird, ist ein anstrengender Charakter. Mit ihren 17 Jahren wirkt sie noch jünger als sie eigentlich ist, wie ein Trotzkopf, der hohe Erwartungen und Ansprüche an sich und andere hat, aber eigentlich doch nicht so recht weiß, was sie will.
Zunächst träumt sie von einem Besuch in Blackmoore, dem traumhaften Anwesen der Delafields, das ihr Henry von Jahren als Modell nachgebaut hatte. In Blackmoore ist sie schnell ernüchtert, als sie feststellt, unerwünscht zu sein und als einziger Gast in einem anderen Flügel untergebracht wird. Von den anderen Besucher - auch von den männlichen Gästen - von denen sie sich eigentlich die Heiratsanträge erwartet hat - wird sie nicht ernst genommen. Sie setzt bald schon alles daran, ihre Mutter zu überlisten und nach Indien zu gelangen. Ihr treuer Freund Henry soll dabei der Ausweg aus ihrem Schlamassel sein...

Nach den guten Bewertungen des amerikanischen Originals hatte ich mir einen charmanten Roman der Regency-Zeit erhofft. Die Handlung ist allerdings denkbar flach, simpel und enttäuschend vorhersehbar. Kate wird zu überspitzt dargestellt und mutiert dadurch unweigerlich zur Nervensäge, die stur auf ihrer eigenen Meinung beharrt. Andere verurteilt sie, ohne sie vorher kennengelernt zu habe und zieht sich bei Konflikten zurück. Durch ihre Fluchten durch Fenster und Geheimgänge verhält sie sich unreif und kindisch.

Die Autorin wiederholt sich in vielen Floskeln, weshalb mich auch der Schreibstil nicht überzeugen konnte. Die ständigen Wiederholungen von "Kate statt Kitty", die Metaphern der Vögel oder wie Henry sich durch das Haar streift, wirken für mich wie Lückenfüller für eine fehlende interessante Handlung. Dagegen hätte das Setting im 19. Jahrhundert in dem herrschaftlichen Anwesen Blackmoore viel anschaulicher und mit mehr Detailliebe beschrieben werden können, um dem Roman selbst mit einer simplen Handlung noch Flair zu verleihen.

Aufgrund des Alters der Protagonistin und ihres entsprechenden Verhaltens würde ich den Roman eher dem Genre Young Adult zuordnen, obwohl er durch die Beschreibung eher eine charmanten, romantischen Roman in historischem Ambiente verspricht.

Veröffentlicht am 14.04.2018

Anstrengender Roman, der sich in zu vielen Details verliert, dass die Meerjungfrau nur eine untergeordnete Rolle spielt

Die letzte Reise der Meerjungfrau
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"Denn eine Meerjungfrau ist ein höchst unnatürliches Wesen und ihr Herz ohne Liebe."

1785 erhält der verwitwete Kaufmann Jonah Hancock von seinem Kapitän ein Mitbringsel aus Übersee: eine tote Kreatur, ...

"Denn eine Meerjungfrau ist ein höchst unnatürliches Wesen und ihr Herz ohne Liebe."

1785 erhält der verwitwete Kaufmann Jonah Hancock von seinem Kapitän ein Mitbringsel aus Übersee: eine tote Kreatur, seiner Ansicht nach nach eine Meerjungfrau, die er gegen ein Schiff eingetauscht hat. Der Kapitän ist überzeugt davon, dass Hankock mit ihr ein Vermögen machen kann. Hankock ist kein Schausteller, da die Geschäfte aber ohnehin schlecht laufen, macht sich Hankock die Neugier und Faszination der Londoner Gesellschaft zu nutze und vermarktet die "Meerjungfrau" gewinnbringend in einem Kaffeehaus. Die Meerjungfrau wird in London zu einer Sensation.

Mrs. Chapell, die Inhaberin eines florierenden Bordells, wird auf das Spektakel aufmerksam und mietet die "Meerjungfrau", um Kunden in ihr Etablissement zu locken. Hankock ist entsetzt über das Treiben in dem Bordell und hält den Ort nicht für den richtigen Platz für seine Meerjungfrau, weshalb er sie für eine große Summe verkauft. Über Mrs. Chapell lernt Hankock die Kurtisane Angelica kennen und verliebt sich in sie. Angelica hält sich trotz ihres Status als "Hure" für etwas Besseres und verlangt von Hankock eine eigene Meerjungfrau.
Unerwartet kehrt Hankocks Kapitän im Gegensatz zu der grotesken ersten Variante mit einer lebendigen Meerjungfrau zurück, die dann in einer unterirdischen Grotte gefangen gehalten wird.

Der Roman spielt Ende des 18. Jahrhunderts im georgianschen London und ist wirklich originell geschrieben. In einer sehr bildhaften Sprache die Imogen Hermes Gowar die damalige Zeit und die Vielfalt der skurrilen Personen näher.

Für meinen Geschmack waren die Beschreibungen von Örtlichkeiten und Personen allerdings zu detailreich und überzogen, dass sie eine Handlung überlagerten und den Roman sehr in die Länge gezogen haben.

"Sein Atem stinkt so faulig wie ein Fliegenschrank mit einer lang vergessenen Scheibe Speck drin. [...] An diesem Mann stinkt nicht nur der Mund, auch seine Kleider, nach Spülwasser und saurer Milch, nach der Bratensoße einer Pastete, die ihm aufs Hemd gespritzt ist, und sein Körper riecht so abstoßend wie ein Tier, das zu lange in einem winzigen Bau gelebt, sich im eigenen Schweiß und Dreck gewälzt hat."

Auch die Dialoge der Damen in dem Etablissement empfand ich als zu langweilig und für die Handlung nicht förderlich.
Hankock ist ein eher blasser Charakter, während die Frauen überwiegend unsympathisch dargestellt werden. So fällt es schwer, sich auch nur in irgendeine der Personen hineinzuversetzen.
Ich fand es allerdings interessant zu lesen, dass sich die Kurtisanen als "Schwestern im Dienste der Venus" freier fühlten, als sie es als Ehefrau gewesen wären. So wollte Angelica niemals nur "'Frau von' und 'Tante von', später dann 'Mutter von' sein."

"Die letzte Reise der Meerjungfrau" ist ein außergewöhnlicher Roman abseits des Mainstreams, der einerseits faszinierend, aber andererseits anstrengend zu lesen ist. Die Stimmung ist zunächst überschwänglich, das historische Treiben sehr lebhaft beschrieben. Die Atmosphäre wird im Verlauf aber zunehmend melancholischer.
Die Autorin ist eine fantastische Erzählerin, so dass man sehr anschaulich in das London der damaligen Zeit eintauchen kann und das Flair einer Stadt Ende des 18. Jahrhunderts spürt. Inhaltlich überzeugte mich der Roman um Prostitution, die Situation der Freudenmädchen in den Bordellen und einschlägigen Etablissements, die sich gezwungen sehen, für ihren Lebensunterhalt ihren Körper zu verkaufen nicht ganz. Die Autorin verliert sich für mich in zu vielen Details,weshalb mir ein roter Faden fehlte. Zudem wurde die Rolle der Meerjungfrau, die nur als Symbol für das gierige und rücksichtslose Streben nach mehr der Menschen steht, dem Titel nicht gerecht.