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Veröffentlicht am 15.01.2019

Über Vorurteile und den Zusammenhalt im Ausnahmezustand

Kascha und der große Schnee
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Die Sinti-Familie Natzweiler hat sich Ende der 70er Jahre in einem Dorf im Norden Westdeutschlands sesshaft auf einem Hof niedergelassen. Die eingeschworene Dorfgemeinschaft gewährt Fremden keinen Zutritt, ...

Die Sinti-Familie Natzweiler hat sich Ende der 70er Jahre in einem Dorf im Norden Westdeutschlands sesshaft auf einem Hof niedergelassen. Die eingeschworene Dorfgemeinschaft gewährt Fremden keinen Zutritt, und schon gar nicht Zigeunern. Egal was passiert ist, diese sind schuld, ihnen ist nicht zu trauen und überhaupt geht man ihnen besser aus dem Weg. Und als ob es damit nicht genug wäre, hat die junge Kascha ganz alltägliche Sorgen: erster Liebeskummer, ihre große Schwester will ausziehen und ihr Opa liegt im Sterben.
Und dann kommt die große Schneekatastrophe (die es 1978/79 wirklich gegeben hat) und wirbelt alles durcheinander. Was noch recht harmlos mit einer etwas ungemütlichen Wetterlage beginnt, entwickelt sich dann doch über Nacht rasch zur Ausnahmesituation, als der Schnee bis an die Fenster reicht. Der Text und das Geschehen fesselten mich völlig. In Lesepausen kam es mir oft vor, als würde ich selbst aus den Schneemassen auftauchen – so bildlich ist die Schilderung.
Als Zigeuner das „einfache“ Leben gewohnt, kann das, was für alle anderen nun zum Problem wird, relativ einfach gelöst werden: der Ofen spendet Wärme und ermöglicht das Kochen, Kerzen spenden Licht. Dies bringt sie in die komfortable Situation den anderen aus dem Dorf damit, als auch mit praktischer Hilfe wie bei dem Versorgen des Viehs, Hilfe anzubieten, die zwar erst zögerlich, aber angenommen wird.
Dadurch werden sie endlich auch als Teil der Dorfgesellschaft akzeptiert.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und die Schilderungen, aus Kaschas‘ Sicht, mit sehr viel Schalk und Augenzwinkern gewürzt.
Und trotzdem bleibt genug Stoff zum Nachdenken, über Vorurteile anderen gegenüber und ob es immer erst einer Naturkatastrophe bedarf, um näher aneinander zu rücken und den Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe sowie Unterstützung zu stärken. Damit ist das Buch auch in heutiger Zeit sehr aktuell.
Ich konnte dieses Buch kaum aus der Hand legen so gefesselt war ich von Schreibstil und Handlung und habe es dementsprechend auch in recht kurzer Zeit ausgelesen. Das spricht für das Buch und dafür gibt es von mir eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 15.01.2019

Los, auf die Suche nach Schätzen!

Der Schatzsucher
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Fabian Kahl, bekannt aus der Sendung „Bares für Rares“ berichtet in diesem Buch in mehreren Kapiteln über seinen Werdegang, Erlebnisse sowie positive als auch negative Erfahrungen. Dadurch wirkt das Buch ...

Fabian Kahl, bekannt aus der Sendung „Bares für Rares“ berichtet in diesem Buch in mehreren Kapiteln über seinen Werdegang, Erlebnisse sowie positive als auch negative Erfahrungen. Dadurch wirkt das Buch nicht beschönigt, sondern macht es sehr authentisch.
Die Liebe zum „Alten“ wurde ihn durch seine Eltern quasi in die Wiege gelegt und auch gefördert. Und dennoch ließen sie es ihm frei, eigenes Lehrgeld mit verschiedenen Projekten zu sammeln, bis er am Ende doch in die Fußstapfen des Vaters tritt.
Beeindruckt hat mich die Fairness mit der er die angebotenen Artikel beurteilt als auch den Anbietern gegenüber tritt. Selbst bei Fehlkäufen sucht er dabei die Schuld bei sich, anstatt dem Anbieter Betrug zu unterstellen. Dies mag naiv klingen, sorgt jedoch perspektivisch für breite Akzeptanz und eine gewisse Seriosität.
Experten-Tipps am Ende eines jeden Kapitels runden das Ganze ab. Sie geben dem Buch eine tolle Struktur und wie ich finde, wertvolle Hinweise. Auch wenn nicht jeder Gemälde etc. kaufen oder damit handeln möchte, schadet es nicht, diese Information mal gehört zu haben. Wer diese Passage nicht mag, kann sie ja überspringen.
Das Hörbuch hat mich sehr begeistert, was unter anderem auch daran liegt, das der Autor dieses Buch selbst spricht (wodurch dem ausgebildeten Sprecher gewöhnten Hörbuchhörer möglicherweise jedoch vielleicht einige akustische Abstriche entstehen). Oft kamen mir bei den Schilderungen eigene Erinnerungen hoch.
Ich kann dieses (Hör)Buch jedem an Trödel und alten Schätzen interessierten nur empfehlen.

Veröffentlicht am 15.01.2019

Eine hilfreiche Unterstützung für jeden der sich darauf einlässt!

Emotionale Stresskompetenz
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Vorab – dieses Buch kann man nicht „nebenbei“ lesen. Um wirklich den Inhalt richtig erfassen und für sich auch anwenden zu können, sollte man sich die Zeit nehmen, die man dafür braucht und damit wird ...

Vorab – dieses Buch kann man nicht „nebenbei“ lesen. Um wirklich den Inhalt richtig erfassen und für sich auch anwenden zu können, sollte man sich die Zeit nehmen, die man dafür braucht und damit wird es zu einer wertvollen Unterstützung zur Steigerung der eigenen Lebensqualität. Das Prinzip ist überraschend einfach. Erkennt man erst einmal die Grundlagen der Entstehung des positiven und negativen Stresses und seiner Auswirkungen auf den Körper und Psyche, ist es mit diesen Kenntnissen auch möglich dem negativen entgegen zu wirken. Leider ist man in seinen Ansichten und Gewohnheiten zu fest gefahren, um mal quasi über den Tellerrand hinaus zu blicken. Dabei ist es möglich seine Sichtweise zu ändern.
Sehr interessant sind die Aha-Erlebnisse, die man beim Lesen hat, wenn man sich in den Beispielen selbst erkennt.
Viele praktische Übungen und weiterführende Tipps und Ratschläge runden dieses Buch sinnvoll ab.
Mir hat es sehr geholfen und einige Dinge konnte ich gut in mein Leben einfügen. Auch Veränderung beginnt mit dem ersten Schritt – und dafür ist dieses Buch eine sehr geeignete Unterstützung!

Veröffentlicht am 10.01.2019

Wieviel Leid kann ein Mensch ertragen?

Manche Engel sterben früh
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Dieses Buch hat mich sehr gefesselt, so dass ich es in knapp 2 Tagen (die Feiertage machten es möglich) ausgelesen und mich auch im Nachgang noch sehr beschäftigt hat. Ruths glückliche Kindheit mit einem ...

Dieses Buch hat mich sehr gefesselt, so dass ich es in knapp 2 Tagen (die Feiertage machten es möglich) ausgelesen und mich auch im Nachgang noch sehr beschäftigt hat. Ruths glückliche Kindheit mit einem Stiefvater, der wie ein Vater für sie ist, endet jäh mit der Geburt ihrer Halbschwester Christin. Für ihre Mutter Gudrun ist sie fortan Luft – sie vergisst Ruth‘s Geburtstag und Einschulung. Es hat mir fast das Herz zerrissen, hoffnungsvoll das Kind vor mir zu sehen, hoffend bis zur letzten Sekunde – und dann so enttäuscht zu werden. Was würde man anders tun, als die Schuld bei sich zu suchen – oder bei der unerwünschten Schwester. Diese entwickelt sich zu einer verwöhnten Göre, die Ruth zusätzlich das Leben erschwert. Als einzigen Ausweg sieht Ruth die Flucht zu ihrer Tante (der Mutter ihrer Schwester) nach Berlin, wo es ihr gelingt ein bescheidenes, aber friedliches und eigenes Leben aufzubauen. Und plötzlich steht Christin vor der Tür: verwahrlost, zerlumpt, abgemagert und drogenabhängig – und sie bestiehlt Ruth, die ihr deshalb nicht ein zweites Mal öffnet. Das nächste was Ruth erfährt ist die Nachricht über das Auffinden eines unbekannten toten Mädchens: Christin. Ruth erhält deren letzte Habseligkeiten, darunter ein Tagebuch. Nach dem Lesen macht sie sich schwere Vorwürfe, Christin die Tür nicht ein zweites Mal geöffnet zu haben – in dem Tagebuch steht Christin‘s Geschichte ...
Das Schicksal von Ruth, aber auch Christin, hat mich berührt. Egal was Ruth versucht, sie kann sich nicht von ihrer Schwester befreien. Und noch über den Tod hinaus sorgt sie bei Ruth für schwere Schuldgefühle. So grausam und gefühlskalt die Mutter – so hilfreich ist der gute Freund aus Kindertagen - gemeinsam mit ihm schafft Ruth es ihren Stiefvater aufzuspüren, der von Gudrun ebenso gedemütigt, hintergangen, verletzt und betrogen wurde, wie Ruth.
Ich möchte nicht die Geschichte nacherzählen – ein jeder der sich dafür interessiert sollte sie selbst lesen und sich ein eigenes Bild machen. Neben „Alptraum“ ist es Margarethe van Marvick wieder gelungen eindringlich eine erschütternde Geschichte zu erzählen, deren Hoffnung auf Besserung immer wieder durch einen neuen Schicksalsschlag erschüttert wird aber dessen Protagonistin doch nicht daran zerbricht. Ein Buch, das noch lange nach dem Lesen in einem nachwirkt!

Veröffentlicht am 05.01.2019

Tolle (fiktive!) Story um das Mysterium Bernsteinzimmer

MI-SIX: Operation Bernsteinzimmer
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Nachdem ich schon einige Bücher mit Handlungen aus bzw. um den zweiten Weltkrieg gelesen habe, beeindruckt mich diese Geschichte dadurch, dass hier der Schwerpunkt auf der Rettung der Kunstgegenstände ...

Nachdem ich schon einige Bücher mit Handlungen aus bzw. um den zweiten Weltkrieg gelesen habe, beeindruckt mich diese Geschichte dadurch, dass hier der Schwerpunkt auf der Rettung der Kunstgegenstände liegt. Im Hinblick auf das große Leid der Menschen, mag dies etwas kurzsichtig gedacht sein, jedoch liegt der Wert dieser Dinge ja vor allem in der Unwiderbringlichkeit eines Teils der (deutschen) Geschichte.
Der Titel und auch der Covertext suggerieren eine Spionagehandlung, jedoch war ich angenehm überrascht, das hier nicht das Agentenspiel im Vordergrund steht, sondern die verzweifelten Versuche Kunstgegenstände vor dem Verlust zu retten – auch wenn die Beweggründe dafür recht unterschiedlicher Natur sind. Eingebettet ist das Ganze in das tragische Schicksal der Vertriebenen, die Not der Menschen, die Hoffnung auf Flucht und Überleben. Ungeschönt werden auch die Grausamkeiten des Krieges sowie das irrationale Beharren der Befehlshaber dargestellt. Und natürlich darf auch eine Liebesgeschichte nicht fehlen.
Das Buch liest sich sehr flüssig und durch die kurzen Abschnitte wird ein rascher Szenenwechsel bewirkt, der das Buch sehr kurzweilig hält. Anfangs hatte ich mit den vielen (realen) handelnden Personen der verschiedenen Organisationen etwas meine Probleme – jedoch hat der Autor bereits diesen Hinweis aufgenommen, ein Personenverzeichnis einzufügen. Sehr zum Verständnis tragen auch die vorangestellten Übersichtskarten bei, zu denen ich im Verlauf der Geschichte immer mal wieder zurück blätterte.
Das Mysterium Bernsteinzimmer zieht sich durch das ganze Buch und ich stellte es mir schon aufgrund des Umfangs von Anfang an sehr schwierig vor, dies überhaupt sichern zu können. Es werden viele Fährten gelegt, die mit den tatsächlichen Vermutungen übereinstimmen. Trotzdem überrascht das Ende, was alles zu einer schönen Geschichte macht.
Von mir gibt es für dieses Buch eine klare Leseempfehlung!