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Veröffentlicht am 22.06.2020

Ein interessantes Worldbuilding, das mehr geboten hätte

Four Dead Queens
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Four Dead Queens war mal wieder eines dieser Young Adult Fantasy Bücher, um das ich bereits nach dem Erscheinen des englischen Originals herumgeschlichen bin. Als ich dann gesehen habe, dass die deutsche ...

Four Dead Queens war mal wieder eines dieser Young Adult Fantasy Bücher, um das ich bereits nach dem Erscheinen des englischen Originals herumgeschlichen bin. Als ich dann gesehen habe, dass die deutsche Übersetzung nicht lange auf sich hat warten lassen, musste ich es einfach lesen.

Der Einstieg in die Geschichte ist mir sehr leicht gefallen. Das ist einerseits dem angenehmen, flüssigen Schreibstil der Autorin zu verdanken, andererseits aber auch der sehr verständlichen Einführung in das Worldbuilding, dessen Regeln wir bereits vor Beginn der eigentlichen Handlung erfahren. Es geht um Quadra, ein Land, das in vier Königreiche aufgeteilt ist und von vier verschiedenen Königinnen regiert wird, die gemeinsam in einem Palast leben. Die vier Reiche könnten nicht unterschiedlicher sein: In Archia steht das schlichte Leben und der Ackerbau im Vordergrund, in Toria der Handel an der Küste, in Ludia das Vergnügen, Kunst und Musik und in Eonia die neusten Technologien und das fortschrittliche Leben. Damit hat die Autorin eine sehr interessante Grundlage geschaffen, die viel Potenzial gehabt hätte, das Land mit seinen vielen Unterschieden näher zu beleuchten.

Die Story wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Auf der einen Seite lernen wir das Palastleben durch die Augen der vier Königinnen näher kennen und erfahren, dass jede von ihnen ein Geheimnis hat. Auf der anderen Seite wird die Handlung abwechselnd aus der Sicht der Protagonistin Keralie erzählt, die aus Toria stammt und sich durch mehr oder weniger zwielichtige Geschäfte durchs Leben schlägt. Ihr neuster Auftrag ist es auch, der ihren Handlungsstrang mit dem der vier Königinnen verbindet. Nachdem sie dem aus Eonia stammenden Boten Varin Erinnerungschips gestohlen hat, erfährt sie nicht nur, dass die vier Königinnen ermordet wurden, sondern wird durch dieses Wissen selbst teil des Mordkomplotts und schwebt in Lebensgefahr. Mit der Unterstützung von Varin versucht sie sich aus dem Schlamassel zu befreien und die Sache aufzuklären, doch nach und nach muss Keralie feststellen, dass es sich um eine grössere Verschwörung handelt, als sie zunächst angenommen hat.

Ich muss leider zugeben, dass mich der Plot letztendlich nicht ganz so packen konnte, wie es ich es nach der Einführungen des interessanten Worldbuildings erhofft hatte. Vermutlich lag es einfach daran, dass es sich um einen Einzelband handelt und das die Möglichkeiten für die Ausführlichkeit eines Plots einschränkt. Ich hatte das Gefühl, dass dadurch das Potenzial, das die vier unterschiedlichen Königreichen geboten hätten, nicht voll ausgeschöpft werden konnte. Bis auf Eonia, deren Technologie für den Plot eine Relevanz hat, werden die anderen drei Königreiche nur am Rande erwähnt und man erfährt nicht wirklich etwas darüber, was es bedeutet, in den jeweiligen Königreichen zu leben.
Das Erzähltempo ist sehr flott und dadurch rast man nur so durch die Geschichte. Das hat das Lesen einerseits sehr kurzweilig gemacht, aber auch dazu geführt, dass die Protagonisten nie lange an einem Ort verweilen. Die Geschichte fokussiert sich weniger auf die Entwicklung der Charaktere, sondern vielmehr auf das Vorantreiben des Plots.
Keralie war mir als Protagonistin sympathisch, ebenso wie die vier Königinnen, über die ich gerne noch mehr erfahren hätte. Varin war okay, blieb aber bis zuletzt eher blass. Insgesamt blieb aber verständlicherweise aufgrund der begrenzen Seitenzahl zu wenig Zeit, die Charaktere ausführlich auszuarbeiten, ohne dass es auf Kosten des Plots gegangen wäre.

Fazit:
Four Dead Queens ist eine Young Adult Fantasy Geschichte, die mit einem interessanten Worldbuilding und einem spannenden, actiongeladenen Plot punktet. Dennoch wurde in meinen Augen nicht das volle Potenzial ausgeschöpft, das die Idee grundsätzlich geboten hätte. Dieser Einzelband ist als kurzweilige Lektüre für zwischendurch zu empfehlen, gerade wenn man nicht unbedingt Wert auf Charakterentwicklung, sondern eher auf eine spannende Handlung legt. Von mir gibt es 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 22.05.2020

Unterhaltsam & gut recherchiert

Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden
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Gleich vorneweg muss ich zugeben, dass ich bei diesem Buch voreingenommen war. Und das deshalb, weil ich denselben Beruf ausübe wie die Autorin. Aber genau aus diesem Grund war ich gerade so gespannt auf ...

Gleich vorneweg muss ich zugeben, dass ich bei diesem Buch voreingenommen war. Und das deshalb, weil ich denselben Beruf ausübe wie die Autorin. Aber genau aus diesem Grund war ich gerade so gespannt auf dieses Buch, das schon lange auf meiner Wunschliste gestanden hat.

Lori Gottlieb hat eine beachtliche und abwechslungsreiche Karriere hinter sich. Ursprünglich war sie TV-Produzentin bei mehreren berühmten amerikanischen Fernsehserien, bis sie aufgrund ihrer Recherche für eine Arztserie mit der Arbeit von echten Ärzten in Berührung gekommen ist und gemerkt hat, dass sie selbst gerne in diesem Bereich tätig sein wollte. Aus diesem Grund hat sich Gottlieb dazu entschlossen, ihren ursprünglichen Beruf an den Nagel zu hängen und Medizin zu studieren. Eine mutige Entscheidung, wenn man bedenkt, dass sie damals bereits in ihren 30ern war (wenn ich es richtig in Erinnerung habe). Während des Medizinstudiums hat sie dann aber gemerkt, dass sie sich doch eher für Psychologie interessiert und ihr Fachgebiet noch einmal gewechselt, bis schliesslich in der Psychotherapie gelandet ist. Das alles hat sie noch dazu als alleinerziehende Mutter unter einen Hut gebracht.

Gottlieb hat bereits mehrere Bücher geschrieben und dieses hier befasst sich einerseits mit Patientinnengeschichten aus ihrer Tätigkeit als Psychotherapeutin, und andererseits mit Anekdoten aus ihrer eigenen Therapie, die sie nach einer Trennung von ihrem Ex-Freund in Anspruch genommen hat. Dabei ist die Autorin erfrischend ehrlich und zögert auch nicht damit, ihre eigenen Schwächen in den Mittelpunkt zu stellen, was ich äusserst sympathisch fand. Denn ich habe manchmal auch den Eindruck, dass Patientinnen den Eindruck haben, wir Therapeutinnen seien eine Art Übermensch, die immer alles im Griff haben. Und das dem nicht so ist und jeder Mensch mal professionelle Hilfe in Anspruch nehmen kann und sollte, finde ich eine sehr wichtige Botschaft.

Das Buch ist insgesamt sehr unterhaltsam geschrieben und bereits nach wenigen Kapiteln habe ich mich in vielen Szenen wiedererkannt, die Gottlieb aus ihrer beruflichen Tätigkeit beschrieben hat. Sehr positiv fand ich, dass ich das erste Mal ein Sachbuch aus dem Bereich der Psychotherapie gelesen habe, das wirklich sehr gut recherchiert war und adäquat abbildet, was in der Therapie vor sich geht und welche Theorien in den Behandlungen herangezogen werden, weil sie evidenzbasiert sind. Bis auf einen kleinen Schnitzer, bei dem zwei Begriffe nicht ganz richtig übersetzt wurden (es heisst ich-dyston und ich-synton und nicht ich-syntonisch und ich-dystonisch), war ich wirklich erfreut über das realistische Bild unserer psychotherapeutischen Arbeit, das Gottlieb hier dargestellt hat. Bei vielen ihren Aussagen musste ich sogar schmunzeln, weil sie genauso gut von mir stammen könnten.

Nichtsdestotrotz gab es aber auch ein, zwei Schwächen, die ich an dieser Stelle erwähnen muss. Das war zum einen der fehlende rote Faden, der dazu geführt hat, dass ich gegen Ende des Buches allmählich ein bisschen mein Interesse an der Handlung verloren habe. Vielleicht ist aber mein Interesse auch dadurch verflogen, weil mir so vieles bekannt vorkam und es für mich deshalb weniger "aufregend" ist, einen Einblick in die Arbeit einer Psychotherapeutin zu bekommen. Da kann ich natürlich nicht mit Sicherheit beantworten. Bei mir hat aber dieses Gefühl, dass ich unbedingt weiterlesen möchte, gefehlt.
Ein weiterer kleiner "Kritik"punkt bezog sich bei mir auf die therapeutische Arbeit von Gottlieb, hinter der ich nicht immer ganz stehen konnte. Obwohl sich der narzisstische John zu meinem Lieblingspatienten aus dem Buch entwickelt hat (und das wahrscheinlich deshalb, weil er mir in meiner praktischen Tätigkeit bisher selbst schon so oft begegnet ist), war ich manchmal erstaunt darüber, was Gottlieb ihm alles durchgehen lässt. Würde mich ein Patient mit einer Prostituierten vergleichen, zu der er jede Woche hingeht, oder mir sagen, dass ich "Fick-Mich"-Stiefel trage, dann hätte ich ihn schon längst damit konfrontiert, dass mir das zu weit gehen würde. Und das darf man bei Narzissten trotz ihrer leichten Kränkbarkeit auch mal machen ;).

Eine letzte Überlegung, die bei mir entstanden ist, war die Frage, inwiefern sich dieses Buch negativ auf Gottliebs Arbeit auswirken könnte. Ich finde es gut und wichtig, dass sie darauf hingewiesen hat, dass wir Therapeut
innen selbst alles andere als perfekt sind und es auch für uns gilt, dass wir "vielleicht mal mit jemandem darüber reden sollte", aber gleichzeitig verrät sie doch sehr viel Privates über sich, dass ihre ganzen Patientinnen lesen können. Mir persönlich wäre damit ehrlich gesagt nicht sehr wohl. Aber das ist wahrscheinlich eher eine Entscheidung, die sie für sich persönlich treffen musste.

Fazit:
In "Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden" erzählt Lori Gottlieb aus ihrer beruflichen Tätigkeit als Psychotherapeutin und teilt gleichzeitig Anekdoten mit uns, als sie sich selbst nach einer Trennung in eine Therapie begeben hat. Das Buch ist erfrischend ehrlich und schildert auf sehr realitätsgetreue Weise die Arbeit von uns Psychotherapeut
innen. Wer einen Einblick in diese Tätigkeit bekommen will, ist hier richtig. Obwohl das Buch kurzweilig ist, hat mir aber insgesamt ein roter Faden gefehlt, der mich dazu gebracht hätte, das Buch unbedingt weiterlesen zu wollen. Dennoch ein empfehlenswertes Buch, dem ich 3.5 Sterne vergeben kann.

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Veröffentlicht am 09.06.2019

Ein zu komplexes Worldbuilding

Witchmark. World Fantasy Award für den besten Fantasy-Roman des Jahres 2019
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Witchmark ist ein Buch, auf das ich ohne die Netgalley Lesechallenge wohl nicht aufmerksam geworden wäre. Im Fokus des Buches steht einerseits eine Art magische Kriminalgeschichte, bei der der Protagonist ...

Witchmark ist ein Buch, auf das ich ohne die Netgalley Lesechallenge wohl nicht aufmerksam geworden wäre. Im Fokus des Buches steht einerseits eine Art magische Kriminalgeschichte, bei der der Protagonist Miles Singer - der selbst magische Fähigkeiten besitzt - einen ungewöhnlichen Mordfall aufklären will. Die Art und Weise dieses Mordfalls hat mich sehr an Bücher wie "Die Flüsse von London" oder "Das Labyrinth von London" (resp. die Alex Verus Reihe) erinnert. Beide Bücher konnten mich nicht so richtig vom Hocker hauen und so erging es mir auch bei Witchmark, weshalb ich nun zur Überzeugung gelangt bin, dass magische Kriminalgeschichten wohl einfach nicht meins sind. Für Fans der beiden anderen Reihen - die es ja zum Glück zu genüge gibt! - kann ich aber Witchmark aber wärmstens empfehlen.

Neben dieser Kriminalgeschichte verbirgt sich andererseits noch mehr in Witchmark und zwar ein ziemlich komplexes Fantasy-Worldbuilding, bei dem ich bis zuletzt Mühe hatte, richtig zu verstehen, wie es funktioniert. Man wird von Anfang an mit Begriffen wie "Sekundäre" und "Sturmsänger" oder "Unsichtbare" konfrontiert, ohne so richtig zu wissen, was dahinter steckt. Und obwohl man insbesondere durch die Familienmitglieder von Miles und die Geschichte ihrer übernatürlichen Fähigkeiten nach und nach mehr über die Magie und ihre Hintergründe erfährt, hatte ich bis zum Schluss Mühe, das Gesamtbild zu sehen und alle Stränge zu einem logischen Ganzen zu verbinden. Ich weiss nicht, ob die Welt tatsächlich zu komplex ist oder ob es mir neben der Kriminalgeschichte einfach zu viel war, die ganzen magischen Hintergründe zu verstehen, aber irgendwie stand ich am Ende immer noch vor einer ganzen Reihe Fragezeichen.

Was mich im Buch sehr positiv überrascht hat, ist die (für mich) unerwartete LGBT+ Liebesbeziehung. Ich fand zwar die Entstehung der Beziehung etwas hastig, aber die Umsetzung der Gefühle und der Liebe der beiden gleichgeschlechtlichen Charaktere war äusserst authentisch umgesetzt und hat mich zu einem grossen Fan des Pairings werden lassen. Für diesen Aspekt gibt es von mir einen grossen Pluspunkt für das Buch.

Ansonsten verläuft der Plot eher ruhig und ist dadurch stellenweise etwas langatmig, endet dann aber in einem actiongeladenen Showdown, bei dem der Protagonist Miles eine ganz besondere Rolle übernimmt.

Fazit:
Witchmark ist eine Mischung aus einer magischen Kriminalgeschichte und einer komplexen Fantasywelt, die für mich leider nur schwer verständlich war. Ich bin vermutlich einfach nicht der Typ für diese Art von Büchern, kann es aber Fans von "Die Flüsse von London" oder "Das Labyrinth von London" weiterempfehlen. Das Buch war ganz okay, wird mir aber (bis auf die positiv hervorzuhebende LGBT+ Beziehung) vermutlich nicht so lange in Erinnerung bleiben, deshalb gibt es von mir 3,5 Sterne.

Veröffentlicht am 21.01.2019

Verstörender Einblick, leider jedoch ohne Spannungsbogen

YOU – Du wirst mich lieben
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Ich gebe zu: Vor der Erscheinung der Netflix-Serie habe ich noch nie etwas von dieser Bücherreihe gehört. Und die Serie war auch der Hauptgrund, weshalb ich das Buch überhaupt lesen wollte. Hier und da ...

Ich gebe zu: Vor der Erscheinung der Netflix-Serie habe ich noch nie etwas von dieser Bücherreihe gehört. Und die Serie war auch der Hauptgrund, weshalb ich das Buch überhaupt lesen wollte. Hier und da habe ich auf diversen Social Media Plattformen bereits vernommen, dass die Geschichte nicht ohne sein sollen und - ironischerweise - gerade Stalking durch ebendiese Social Networks ein grosses Thema sein soll. Ansonsten habe ich mich relativ unvorbereitet auf das Buch eingelassen.

Der Einstieg fiel mir aufgrund des Schreibstils am Anfang nicht leicht, denn man liest von Beginn an Joes Gedankengänge nahezu ungefiltert und muss erst einmal damit warm werden, was alles in seinem Kopf vor sich geht, ohne davon überrollt zu werden. Die Gedanken werden vor allem in der "Du"-Form geschrieben, wobei damit jeweils Beck gemeint ist. Obwohl der Schreibstil sehr gewöhnungsbedürftig ist, fand ich ihn im späteren Verlauf dann doch sehr geeignet, um aufzuzeigen, mit welcher Besessenheit Joe Becks Leben verfolgt, nachdem sich die beiden eher zufällig in der Buchhandlung kennengelernt haben, in der Joe arbeitet.
Obwohl es keine objektiv nachvollziehbaren Gründe dafür gibt, ist Joe seit dem ersten Blickkontakt mit Beck davon überzeugt, dass sie die Liebe seines Lebens ist und sie ihn ebenfalls will. Nachdem sie den Laden verlassen hat, nimmt seine Obsession eine ganz neue Dimension an und Dank Twitter & Co gelingt es ihm innerster kürzester Zeit mehr über Beck und ihr Leben herauszufinden. Natürlich ahnt Beck von alldem nichts und postet munter weiter ihre Gedanken in die Welt hinaus.
Es bleibt allerdings nicht bloss bei Cyber-Stalking, denn Joe hat es sich zur Aufgabe gemacht, Beck auch physisch zu verfolgen und mehr über ihr Leben zu erfahren. Es gelingt ihm sehr bald nicht nur einen heimlichen Zugang zu ihrer Wohnung, sondern auch zu ihrem Email-Konto zu erhalten, so dass ihm dadurch praktisch nichts mehr verborgen bleibt. Leider gehört dazu auch der Umstand, dass Beck so etwas wie einen Freund hat - eine Sache, die Joe natürlich gar nicht akzeptieren kann. Er weiss: Wenn er Beck jemals rumkriegen möchte, dann muss er den anderen Mann aus dem Weg schaffen. Und um das zu erreichen, schreckt er vor keinem Mittel zurück.

Bis hierhin vergehen ungefähr ein Drittel des Buches und trotz anfänglicher Startschwierigkeiten, konnte mich die Autorin durch die unbeschönigte Schilderung von Joes verstörender Gedankenwelt als Stalker in ihren Bann ziehen. Anfangs war ich auch wirklich geschockt, was in Joes Kopf alles vor sich geht, aber irgendwann habe ich mich daran gewöhnt, so dass der zweite Drittel begann, zäh zu werden. Die Story geht immerzu so weiter, wie sie angefangen hat, ohne dass etwas Nennenswertes passiert und ich mich unweigerlich fragen musste: Passiert hier auch mal etwas?
Die Autorin verzichtet darauf, weder Joe, noch Beck, noch sonst irgendeinen Nebencharakter dem Leser sympathisch zu machen, so dass mich deren teilweise tragischen Schicksale (an denen meistens Joe die Schuld trägt), emotional nicht richtig berührt haben. Das ist grundsätzlich nichts Negatives, aber dennoch hat mir mit der Zeit irgendein spannender Aufhänger gefehlt, der dazu geführt hätte, dass ich unbedingt weiterlesen muss. Irgendwann habe ich einige Seiten nur noch quer gelesen, weil Joes Gedanken immer gleich geblieben sind und mich nicht mehr beeindrucken konnten. Ein Spannungsbogen blieb schliesslich bis zuletzt aus und das Buch endet so abrupt, das es mir vermutlich nicht lange in Erinnerung bleiben wird.

Fazit:
Ich würde "You" nicht als Thriller bezeichnen, denn damit wird die Erwartung nach einer packenden Handlung geschürt, die in meinen Augen nicht erfüllt werden konnte. Das Buch ist wohl eher als Charakterstudie einzuordnen, das nicht nur Einblick in die verstörende Gedankenwelt eines Stalkers gibt, sondern auch aufzeigt, wie leicht man über Social Media Informationen über fremde Personen sammeln kann. Der Schreibstil ist unverblümt und ungefiltert und lässt den Leser die Besessenheit des Protagonisten spüren. Insgesamt ein innovatives Buch, das mal was etwas anderes ist, mich aber aufgrund des fehlenden Spannungsbogens leider nicht gänzlich überzeugen konnte. Von mir gibt es deshalb 3.5 Sterne.

Veröffentlicht am 05.01.2019

Solider Auftakt mit Luft nach oben

Revenge. Sternensturm (Revenge 1)
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Vorneweg: Ich bin ein grosser Fan der Lux-Mutterserie, auf der dieses Spin-Off basiert. Ich habe die Bücher vor einigen Jahren regelrecht verschlungen und bin erst dadurch ein grosser Fan der Autorin geworden. ...

Vorneweg: Ich bin ein grosser Fan der Lux-Mutterserie, auf der dieses Spin-Off basiert. Ich habe die Bücher vor einigen Jahren regelrecht verschlungen und bin erst dadurch ein grosser Fan der Autorin geworden. Als ich gehört habe, dass JLA eine neue Reihe im Lux-Universum schreiben wird, war ich einerseits natürlich gespannt und hoch erfreut, andererseits hatte ich nach der grandiosen Lux-Reihe entsprechend hohe Erwartungen an das Buch, die leider nicht ganz erfüllt werden konnten.

Die Geschichte in Revenge handelt einerseits von Luc, einem Origin, der bereits in der Lux-Reihe seiner Erwähnung findet. Er spielt dort meines Wissens nach keine riesige Rolle, hat sich aber damals durch seine Art schnell in die Herzen der Fans geschlichen. Mir ging es nicht ganz so, für mich war er einfach eine Randfigur, die mit den Hauptcharakteren interagiert hatte. Ich mochte ihn zwar, aber wäre nicht schon früh ein Spin-Off mit ihm angekündigt worden, wäre er bei mir vermutlich schnell wieder in Vergessenheit geraten.
Dem Origin gegenüber steht natürlich eine weibliche Protagonistin: Evie. Sie ist ein scheinbar normales Mädchen, das zur High School geht und sich eines Nachts mit ihrer besten Freundin Heidi ins "Vorbote" schleicht - einem Club, in dem sich Gerüchten nach auch Lux aufhalten. Es dauert nicht lange, bis sie auf Luc trifft, der von Anfang an eine gewisse Faszination für Evie zu hegen scheint. In der ganzen ersten Hälfte hatte ich befürchtet, dass es sich um eine platte Insta-Lovestory handelt, doch der Schein trügt und nach und nach erfährt man, dass zum Glück noch mehr dahinter steckt, als man als Leser anfangs vermutet.
Evie kommt durch den Abend im Club mit der Welt der Lux in Berührung, nicht zuletzt dadurch, dass Luc einen sehr engen Kontakt zu der Alienrasse hegt und scheinbar auch krumme Geschäfte mit ihnen tätigt. Gleichzeitig treibt aber auch ausserhalb des Clubs irgendein Bösewicht sein Unwesen. Immer wieder verschwinden Menschen, hauptsächlich junge Frauen, auf unerklärlicherweise. Einige Zeit später werden sie tot aufgefunden. Den Leichen fehlen jeweils die Augen und sie sehen aus, als wären sie durch einen heftigen Stromschlag gestorben. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass ein oder mehrere Lux die Täter sind. Und nun gilt es herauszufinden, wer hinter dem Bösen steckt. Denn das weiss nicht mal Luc, der in der Welt der Aliens ansonsten bestens vernetzt und informiert ist.

Die Handlung war für meinen Geschmack, insbesondere in der ersten Hälfte des Buches, sehr dünn. Es passiert gar nicht so viel, abgesehen davon, dass die beiden Hauptcharaktere sich anschmachten. Luc und Evie wirken dabei wie Abziehbildchen von Daemon und Katy aus der Mutterserie - und das fand ich extrem schade und war bis zuletzt mein Hauptkritikpunkt. JLA hat sich bei der Charakterisierung in meinen Augen nicht sehr viel Mühe gegeben und den beiden Protagonisten fehlt es nicht nur an Eigenheiten (die sie insbesondere von ihren "Vorgängern" abheben), sondern auch eine gewisse Tiefe und Vielschichtigkeit. Luc ist zwar etwas zahmer als Daemon, aber gerade bei Evie konnte ich (bis auf ihre persönliche Vorliebe für Cola) kaum Charakterzüge entdecken, die sie einzigartig gemacht hätten. JLA setzt dem Ganzen die Krone auf, indem Luc sich den Spitznamen "Peaches" für Evie ausdenkt und sie während des gesamten restlichen Buches so nennt, wohlwissend, dass Evie davon genervt ist und ihn mehrfach darum bittet, dies sein zu lassen. Na, klingelt es da bei wem? Exakt das gleiche hat Deamon auch mit Katy in der Lux-Reihe gemacht, indem er sie "Kitten" genannt hat. Da hätte die Autorin für meinen Geschmack etwas mehr Kreativität beweisen können, gerade wenn sie eines ihrer Universen "recycelt" und es sich dadurch ersparen kann, eine neue Welt erschaffen zu müssen. Das bedeutet für mich nämlich nicht, dass man die Charaktere auch recyceln muss.

In der zweiten Hälfte bessert sich die Situation dann etwas. Es geschieht ein unerwartete Plot Twist der etwas über Evies Vergangenheit und ihrer Verbindung zu Luc und den Lux verrät, den ich so nicht habe kommen sehen. Ab diesem Zeitpunkt konnte mich das Buch etwas mehr begeistern, denn endlich wurde es durch eine grosse Enthüllung ein bisschen interessanter. Der Schlussteil endete dann, wie man es von JLA gewohnt ist, mit einem eher kurzen Showdown, der schnell abgehandelt ist. Dadurch, dass nicht alle Geheimnisse aufgeklärt wurden, ist mein Interesse für die Fortsetzungen aber geweckt.

Fazit:
Für Fans der Lux-Mutterserie ist "Revenge - Sternensturm" sicher ein Muss, nicht zuletzt dadurch, dass es ein kurzes Wiedersehen mit einem alten Bekannten gibt, das mein Fan-Herz höher schlagen liess. Man sollte jedoch nicht mit zu hohen Erwartungen an das Buch herangehen, denn an die Lux-Reihe ist dieses Buch für mich nicht herangekommen. Grund dafür war die teilweise etwas dünne Story und die Protagonisten, die wie Abziehbildchen der Hauptcharaktere aus Obsidian gewirkt haben. Es handelt sich um einen soliden Reihenauftakt, der mich aber nicht vollends überzeugen konnte. Für die Fortsetzungen bleibt noch Luft nach oben und ich hoffe, dass JLA da wieder etwas mehr Kreativität beweist. Aufgrund des überraschenden Plot Twists, der mich dann doch noch begeistern konnte, vergebe ich dem Buch trotz einiger Schwächen 3,5 Sterne.