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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2019

Eine Hommage an einen großen Künstler

Rudolf Schönwald
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Der österreichische Maler, Grafiker, Karikaturist, Zeichner und Staatspreisträger Rudolf Schönwald feierte im Juni 2018 seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass erscheint im Frühjahr 2019 ein opulenter ...

Der österreichische Maler, Grafiker, Karikaturist, Zeichner und Staatspreisträger Rudolf Schönwald feierte im Juni 2018 seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass erscheint im Frühjahr 2019 ein opulenter Bildband, der ihm und seinem Werk gewidmet ist.

Rudolf Schönwald ist 1928 als Kind einer jüdischen Familie gebo-ren. Dennoch katholisch getauft, verbringt er einige Jahre seiner Kindheit unter anderem in Salzburg. 1943 flieht er nach Budapest und wird von einem Pfarrer vor der drohenden Deportation gerettet. Schönwald kehrt nach dem Krieg nach Wien zurück und studiert an der Akademie für Bildende Künste. Sein Weggefährte, nicht nur in der Kunst sondern auch im gesellschaftspolitischen Engagement, ist Alfred Hrdlicka, mit dem er auch das Atelier teilt.

Mit ihrer beinahe schon grob zu nennenden bildhaften Szenerie, versuchen beide, ihre Traumata aus dem Nazi-Regime und die aktuelle Weltlage des Kalten Krieges zu verarbeiten.

Um das Schaffen von Rudolf Schönwald verstehen zu können, muss man sich mit seiner Herkunft und den Zuständen an der Akademie der Bildenden Künste beschäftigen. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind die antisemitischen Strömungen deutlich. Einige Professoren sind bereits illegale Nazis, die dann während der Diktatur die Akademie prägen: Leider verlieren nur wenige nach Kriegsende ihren Job, so dass vieles beim Alten bleibt. Künstler wie Schönwald oder Hrdlitschka kämpfen dagegen an.

Mehrere Autoren haben Schönwalds Leben und Werk betrachtet. Diese Essays sind hier zu lesen.

Aus dem reichen Schaffen sind zahlreiche bedeutende Arbeiten dargestellt und erläutert.

Viele Grafiken und Bilder wirken archaisch. Die Figuren eckig, vorherrschende Farben sind schwarz und rot.
In seinem Zyklus „Mahagonny“ aus den Jahren 1989-1999 wird es ein wenig bunter. Die Holzschnitte sind (hand)koloriert.

Gut gefallen mir auch die späten Kreidezeichnungen, die häufig Industriebauten und/oder Plätze wiedergeben.

Mehrere Jahre hindurch zeichnet er Comics und seine Frau Gilly Hillmayr (verstorben 1984) schreibt die Texte dazu.

Ein schönes Geschenk zum 90. Geburtstag für einen Künstler, der nicht so offensichtlich im Rampenlicht steht.

Veröffentlicht am 10.02.2019

Ein fesselnder Krimi, abseits des "Ballermann"-Images

El Gustario de Mallorca und der tödliche Schatten
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Sven Ruge, Journalist und Gastrokritiker, den man hier auf Mallorca nur „El Gustario“ nennt, hat seinen Wohnsitz nun auf der Insel aufgeschlagen. Allerdings muss er nun Aufträge an Land ziehen. Da kommt ...

Sven Ruge, Journalist und Gastrokritiker, den man hier auf Mallorca nur „El Gustario“ nennt, hat seinen Wohnsitz nun auf der Insel aufgeschlagen. Allerdings muss er nun Aufträge an Land ziehen. Da kommt ihm die „Tour de Menue“, an der sein Freund und Gastronom Manuel teilnimmt, gerade recht. Doch ausgerechnet jetzt, treffen einige seltsame Ereignisse zusammen: Manuel wird mit vergammelten Fisch beliefert, seine Küche wird abgefackelt und er selbst landet nach einem Autounfall im Krankenhaus.
Was geht hier vor? Ist Manuel ein so großer Konkurrent im kulinarischen Wettstreit, dass die Mitbewerber zu diesen drastischen Mitteln greifen müssen?
Sven macht sich auf die Suche nach den Urhebern. Dabei gerät er in wahrhaft brenzliche Situationen, denn hier ist nichts wie es scheint, und die Ursache der Anschläge sind in der Vergangenheit zu finden.

Meine Meinung:

Brigitte Lamberts ist wieder ein vielschichtiger Krimi gelungen, der die köstliche Kulinark der Insel vor ihren Lesern ausbreitet. Die Rezepte im Anhang lassen sich zur Einstimmung nachkochen.

Der Ausflug in die spanische Geschichte von 1936 lässt so manches aktuelle Ereignis in einem anderen Licht erscheinen. Anders als in anderen Ländern Europas ist der Bürgerkrieg in Spanien nach wie vor nicht wirklich aufgearbeitet. Noch immer gibt es Familien, die im Ungewissen über den Verbleib von Angehörigen leben. Die ihre Männer, Brüder oder Väter betrauern, aber keinen Ort für diese Trauer haben, weil die Vermissten in einem unbekannten Massengrab verscharrt worden sind.
Brigitte Lamberts ist es gelungen, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen. Gut gefallen haben mir die Rückblenden in das Jahr 1936.
Hier hätte ich mir im Anhang einen kurzen Abriss der Geschichte gewünscht. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Ich habe dann selbst nachgelesen, weil ich zuwenig über diese Zeit weiß.

Wie immer, geht es nicht nur um politische Weltanschauungen, sondern vorrangig um Macht und Geld.

Der Schreibstil ist gewohnt anschaulich, flott und flüssig. Es kommt kein bisschen Langeweile auf. Dieser Krimi hat mir sogar noch einen Hauch besser gefallen als der erste Band.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, der abseits des „Ballermann-Image“ der Insel angesiedelt ist. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 07.02.2019

fesselnd bis zur letzten Seite

Der Papiermörder
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Uwe Rademacher entführt seine Leser in die ehemalige Stadt der Schwerindustrie, die aktuell eine der höchsten Arbeitslosenraten Deutschlands hat, nach Duisburg.

Binnen vier Wochen werden vier Menschen ...

Uwe Rademacher entführt seine Leser in die ehemalige Stadt der Schwerindustrie, die aktuell eine der höchsten Arbeitslosenraten Deutschlands hat, nach Duisburg.

Binnen vier Wochen werden vier Menschen ermordet, die scheinbar in keinem Zusammenhang stehen. Der Profiler Jonathan Dawson und sein kleines Team werden mit den Ermittlungen beauftragt. Recht bald wird das einzig Gemeinsame, ein Zettel in deren Mund, mit einem Vers aus Novalis‘ „Hymnen an die Nacht“, entdeckt. Irritierend, dass der Vers ein klein wenig adaptiert wurde und die Todesart des nächsten Opfers bekannt gemacht wird. Nachdem der Hymnus aus zehn Strophen besteht, ist Dawson sicher, einen Serienmörder vor sich zu haben, der zehn Personen ermorden will.

Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn der Täter besitzt ein, wie Dawson aus den kaum vorhanden Spuren herausliest, ein äußerst intelligentes, wenn auch krankes Gehirn.

Wird es Jonathan Dawson und seinem Team gelingen, die Mordserie rechtzeitig zu stoppen?

Meine Meinung:

Ein Thriller, der es in sich hat! Vor allem, weil sowohl Jonathan Dawson als auch der Täter in der Ich-Form präsentiert werden. Kurz hatte ich den Verdacht, dass Dawson selbst in der Sache mit drinnen hängt. Man kann durch dieses Stilmittel sowohl in den Kopf von Dawson als auch in den des Täters schlüpfen.

Der Leser wird genauso wie die Polizei mehrmals in die Irre ge-führt. Fesselnd finde ich, dass wir Leser hier miträtseln können und auch nicht viel mehr wissen, als die Polizei. Der Showdown ist dann auch noch recht heftig.

Dawson, der zu Beginn ein wenig glatt und wie der strahlende Held daherkommt, macht den einen oder anderen Fehler, der ihm bzw. seinem Team beinahe das Leben kostet. Das macht ihn wieder menschlich.
Ein bisschen Klischee muss auch sein: Die toughe (und auch hüb-sche) Kollegin und der übliche Computer-Nerd, der kaum Schlaf braucht, ist genauso vorhanden, wie der örtliche Polizeichef, der sich seiner Kompetenz beraubt sieht. Fremde Ermittler in „seiner“ Stadt? Das sieht er nun gar nicht gerne. Dass sich das mit weit reichenden Befugnissen ausgestatteten Sonderermittler im Netz der Bürokratie verfangen, ist leider inzwischen auch Bestandteil jedes Krimis oder Thrillers. Sind die Bürokraten in Deutschland wirklich im Vormarsch?

Gut gefallen haben mir die vielen Dialoge im örtlichen Dialekt. Das mag ich gerne!

Fazit:

Ein fesselnder Thriller, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 02.02.2019

SChatten der Vergangenheit

Der Hunger der Lebenden (Friederike Matthée ermittelt 2)
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Köln, Sommer 1947: Friederike Matthée wird mit dem Mord an der ehemaligen Polizeimitarbeiterin Ilse Röder konfrontiert. Man hat ihr mehrmals ins Gesicht geschossen - ein Akt voll Hass und Wut. Der Fall ...

Köln, Sommer 1947: Friederike Matthée wird mit dem Mord an der ehemaligen Polizeimitarbeiterin Ilse Röder konfrontiert. Man hat ihr mehrmals ins Gesicht geschossen - ein Akt voll Hass und Wut. Der Fall scheint eigentlich klar, denn man hat Franziska Wagner mit der Tatwaffe in der Hand neben der Leiche vorgefunden. Außerdem hat Franziska jeden Grund Ilse Röder zu hassen, denn sie hat das Mädchen in das Frauenkonzentrationslager Uckermarck einweisen lassen, wo sie und die anderen Insassinnen erniedrigt und gequält wurden. Doch Friederike glaubt, mit der ihr eigenen Intuition, nicht an Franziskas Schuld. Allerdings will man bei Polizei nichts davon wissen. Friederike bleibt nichts anderes übrig, als heimlich zu ermitteln.

Beinahe gleichzeitig werden unweit vom Anwesen der Röders ein Grab mit den Überresten von 1944 abgeschossenen britischen Kampffliegern gefunden. Sie haben den Absturz überlebt, um dann ermordet zu werden. Mit der Aufklärung dieses Verbrechens wird Richard Davies beauftragt. Es scheint, dass die beiden Verbrechen in einem Zusammenhang stehen, doch in welchem?

Friederike und Richard arbeiten wieder gemeinsam an der Aufklärung.

Meine Meinung:

Autorin Beate Sauer ist wieder ein beeindruckendes Zeitdokument der Nachkriegsjahre gelungen. Köln liegt noch immer in Trümmern, die Lebensmittel sind nach wie vor knapp und tausende entwurzelte Menschen versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen. Wie immer sind es die Frauen, die die Hauptlast tragen. Doch viele elternlose Kinder sind sich selbst überlassen, da es wenig Pflegeeltern gibt und in den Kinderheimen nach wie vor der Geist der Nazis herrscht, auch wenn sie von Klosterfrauen betrieben werden. Sowohl das Schicksal von Franziska als auch der kleinen Elli geht den Lesern unter die Haut.
Wir erfahren einiges aus Friederikes früherem Leben und welche Abgründe sich in den Seelen so mancher Kriegsheimkehrer verbergen. Auch die ermordete Ilse Röder hat mehr als ein Gesicht. Und, dass sich hinter so mancher soignierte Fassade ein eiskalter Verbrecher verbirgt, sollte gerade zu dieser Zeit niemand verwundern.

Gut beschrieben ist die emotionale Hochschaubahnfahrt von Richard Davies, der ja der Sohn einer jüdischer Familie Deutschlands entstammt. Solle er, um der Liebe zu Friederike willen, wieder ganz nach Köln zurückkehren? In das Land, das seine Familie ermordet hat und dessen Bewohner nach wie vor judenfeindlich eingestellt sind?

Für einige Leser wird die zarte Liebesgeschichte für einen Krimi unpassend erscheinen, doch vermittelt sie den Hoffnungsschimmer, der langsam aufkeimt.

Beate Sauer hat sich gegenüber dem ersten Fall („Echo der Toten“) noch ein wenig gesteigert. Die verquickt Dichtung und (schonungslose) Wahrheit recht gut. Besonders die Anmerkungen am Ende des Buches helfen Lesern, die sich in dieser Nachkriegszeit nicht so gut auskennen, diese Zeit besser zu verstehen.

Auch der Titel ist gut gewählt. Er spiegelt nicht nur den echten Hunger nach Nahrung, sondern auch den Hunger nach Normalität wider, nach dem sich die Menschen sehnen.


Fazit:

Mir hat dieser Krimi wieder sehr gut gefallen. Daher gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.02.2019

Begeisterung wirkt ...

Begeisterung
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Micky Kaltenstein, Autorin und Journalistin, schreibt fasziniert von der Begeisterung, die viele Menschen antreibt, etwas Ungewöhnliches zu tun.

Aus der Vielzahl der Menschen hat die Autorin 9 Personen ...

Micky Kaltenstein, Autorin und Journalistin, schreibt fasziniert von der Begeisterung, die viele Menschen antreibt, etwas Ungewöhnliches zu tun.

Aus der Vielzahl der Menschen hat die Autorin 9 Personen herausgepickt, die sie befragt und porträtiert hat. Der Bogen ist dabei weit gespannt.

Georg Clementi (Schauspieler, Chansonnier)
Laura Dekker (Seglerin)
Gerold Tusch (Keramiker)
Elisabeth Fuchs (Dirigentin)
Gabriele Gmeiner (Maßschuhmacherin)
Ralph Caspers (TV-Moderator, Schauspieler)
Barbara Bonney (ehemalige Opernsängerin, Boutique-Besitzerin)
Hildegard Neumann (ehemalige Gewandmeisterin, aktive Musikliebhaberin)
Gerald Hüther (Neurobiologe, Hirnforscher

Diese neun höchst unterschiedlichen Menschen erzählen davon, was sie antreibt und inspiriert. Sie berichten, dass manchmal die Herkunft oder Leben an sich ihnen einige Stolpersteine in den Weg gelegt hat, die sie auf Grund ihres Enthusiasums überwinden konnten.
Meine Meinung:
In der Einleitung beklagt die Autorin, dass kleinen Kindern die Begeisterungsfähigkeit „aberzogen“ wird. Vielfach wird auch in den Schulen der Fokus auf andere Fähigkeiten gelegt. Doch, wenn man wirklich für eine Sache brennt, ist alles andere nebensächlich. Laura Dekker , die als Halbwüchsige allein rund um die Welt segelte, ist hierfür das beste Beispiel.
Der Schreibstil ist ansprechend, locker und flüssig.
Hirnforscher Gerald Hüther traut der Begeisterung allerdings nicht über den Weg. Für ihn ist sie doch ein wenig ein „Strohfeuer“ und „Freude“ das nachhaltigere Gefühl. Er vergleicht „Begeisterung/Freude“ mit Verliebtheit“ und „Liebe“.
Dem möchte ich nichts mehr hinzufügen.

Fazit:

Ein nettes Mitbringsel aus dem Salzburger Pustet-Verlag, dem ich mit Begeisterung 5 Sterne gebe.