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Veröffentlicht am 15.02.2019

Überzeugender Thriller der etwas härteren Art, der sich mit dem Thema Selbstjustiz auseinandersetzt

Tannenstein
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Mit diesem Thriller legt der Autor Linus Geschke den überzeugenden ersten Band einer neuen Reihe um den Ex-Polizisten Alexander Born vor. Die hier erzählte Geschichte ist zwar grundsätzlich in sich abgeschlossen, ...

Mit diesem Thriller legt der Autor Linus Geschke den überzeugenden ersten Band einer neuen Reihe um den Ex-Polizisten Alexander Born vor. Die hier erzählte Geschichte ist zwar grundsätzlich in sich abgeschlossen, am Ende bleiben aber dennoch ein paar einzelne Erzählstränge offen, die dann im nächsten Band fortgeführt werden.

Als Alexander Born aus dreijähriger Haft entlassen wird, treibt ihn nur noch ein Gedanke an. Er will Rache an dem unheimlichen Mörder mit Namen "Der Wanderer", der seine Ex-Partnerin und Geliebte Lydia ermordet hat, als Born schon hinter Gittern saß. Die Spur des Wanderers führt direkt zur Russenmafia.
Mit Unterstützung der jungen und ehrgeizigen Polizistin Norah Bernsen stößt Born bei seiner Jagd in ein Wespennest.
Und welche Rolle spielt der nahe der tschechischen Grenzen gelegene Ort Tannenstein, in dem der Wanderer seinerzeit zum ersten Mal in Erscheinung getreten war und 11 Bewohner des Ortes ermordet hatte ?

Mit dem Thema Selbstjustiz packt der Autor hier ein ziemlich heißes Eisen an, bei dem man sich auch schnell die Finger verbrennen kann. Es gelingt ihm hier aber, das Thema insgesamt dann doch auf angemessene Art und Weise zu behandeln.
Grundsätzlich spart dieser Thriller der etwas härteren Art in Sachen Gewalt wenig bis nichts aus. Die Gewalt ist hier aber kein reiner Selbstzweck, sondern ergibt sich zwangsläufig aus der Geschichte. Auch auf billige und allzu blutige Effekte wird hier weitestgehend verzichtet.

Eine gut aufgebaute Geschichte, ein packender Schreibstil und eine Riege gut charakterisierter und vielschichtig angelegter Protagonisten waren der Garant dafür, das mich die Geschichte schnell in ihren Bann ziehen konnte, so das ich das Buch beim Lesen kaum mehr aus der Hand legen wollte.
Echte Sympathieträger sucht man hier allerdings lange Zeit vergebens, gerade Alexander Born macht es einem zu Beginn nicht gerade leicht, ihn zu mögen. Doch je länger man hinter seine Fassade blicken und seine Motive nachvollziehen kann, kommt einem die Figur doch immer näher, ohne das man dabei alle seine Handlungen gutheißen kann oder muss.

Wer auf spannende Thriller der etwas härteren Art steht, wird hier auf jeden Fall bestens bedient und unterhalten.

Veröffentlicht am 06.02.2019

Spannende Mördersuche vor der Kulisse der Kulturhauptstadt Ruhr 2010

Mord eines Anderen
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Mit diesem Buch schickt der Autor Klaus Heimann den Essener Kommissar Sigi Siebert in seinen inzwischen schon vierten Fall. Vorkenntnisse aus den ersten Büchern sind hier allerdings nicht erforderlich, ...

Mit diesem Buch schickt der Autor Klaus Heimann den Essener Kommissar Sigi Siebert in seinen inzwischen schon vierten Fall. Vorkenntnisse aus den ersten Büchern sind hier allerdings nicht erforderlich, zumal die Geschichte zeitlich vor den beiden ersten Bänden angesiedelt ist.
Wie schon beim dritten Band stattet der Autor seine Geschichte daher mit einer Rahmenhandlung aus, in der der inzwischen wegen einer Schussverletzung in den Ruhestand versetzte Kommissar einem ehemaligen Kollegen von den damaligen Ermittlungen erzählt.
Und natürlich sind auch Sigis damalige Mitarbeiter Möhrchen und Erich wieder mit an Bord.

Geschickt bettet der Autor hier die Ermittlungen zum Mord an dem Geschäftsführer einer Essener IT-Firma in die Ereignisse der Ruhr 2010 ein, als Essen stellvertretend für das gesamte Ruhrgebiet die Rolle als Kulturhauptstadt Europas übernommen hatte.
Insbesondere die beiden Großereignisse Still-Leben Ruhrschnellweg, bei dem die Autobahn A40 zwischen Duisburg und Dortmund einen Tag lang mit Tischreihen ausgestattet war und nur von Fußgängern und Radfahrern und nicht von Autos bevölkert wurde, und die Loveparade in Duisburg mit ihrem so tragischen Verlauf spielen im Rahmen der Geschichte eine größere Rolle.

Neben der spannenden Mördersuche, bei der es an Verdächtigen wahrlich nicht mangelt, wird das Geschehen immer wieder durch eingestreute Szenen aus Sigis Privatleben und dem gelungenen Zusammenspiel der Ermittler aufgelockert. Auch für ein wenig Essener Lokalkolorit bleibt wieder ausreichend Platz.
Der Autor verzichtet bewusst auf blutige Details und Actioneinlagen, sondern verlässt sich komplett auf seine gut gezeichneten Figuren und ihre Psychologie. Mit seinem packenden Schreibstil versteht er es aber auch so, ausreichend Spannung zu erzeugen.
So ergibt sich ein eher ruhiger Kriminalroman, der gut aufgebaut ist und am Ende mit einer ziemlich tragischen, aber auch überzeugenden Auflösung aufwartet.

Kleiner, aber feiner Kriminalroman, der mich insgesamt aber absolut überzeugen konnte und Lust auf weitere Fälle mit diesem Team macht.

Veröffentlicht am 05.02.2019

Gelungener erster Auftritt einer außergewöhnlichen und unkonventionellen Ermittlerin

Blinde Rache
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Mit Mara Billinsky schickt der Autor Leo Born eine außergewöhnliche und unkonventionelle Ermittlerin ins Rennen, die mich bei ihrem ersten Auftritt gleich überzeugen konnte.

Mara Billinsky hat sich gerade ...

Mit Mara Billinsky schickt der Autor Leo Born eine außergewöhnliche und unkonventionelle Ermittlerin ins Rennen, die mich bei ihrem ersten Auftritt gleich überzeugen konnte.

Mara Billinsky hat sich gerade erst von Düsseldorf zurück in ihre Heimatstadt Frankfurt versetzen lassen, als eine brutale Mordserie die Mainmetropole erschüttert. Das ihr Chef und ihre Kollegen sie aus den Ermittlungen heraushalten wollen und stattdessen lieber auf eine Einbruchserie ansetzen, hält Mara nicht davon ab, auf eigene Faust in dem Fall zu ermitteln. Dabei kommt sie dem unheimlichen Mörder gefährlich nah.

Den typischen Spagat eines Auftaktbandes, neben einer spannenden Geschichte auch noch eine überzeugende Einführung der Charaktere und ihrer Hintergründe abzuliefern, absolviert der Autor hier auf gekonnte Art und Weise. Seine gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Figuren verfügen durchgehend über reichlich Potential für weitere Auftritte.
Mara Billinsky ist dabei zunächst ein etwas sperriger Charakter, der es einem zu Beginn nicht gerade leicht macht, ihn zu mögen. Dies ändert sich dann aber im weiteren Verlauf der Geschichte, wenn wir immer öfter hinter ihre Fassade blicken dürfen.

Leo Born zeichnet hier ein düsteres und ungeschminktes Bild der Mainmetropole und lässt seine Protagonisten in der gut aufgebauten Geschichte tief in die düsteren Ecken Frankfurts eintauchen. Neben reichlich Spannung und Dramatik liefert er darüber hinaus auch noch eine überzeugende und zugleich überraschende Auflösung, die zum aktuellen Fall keine wesentlichen Fragen offen lässt.
Zugleich spinnt er aber auch noch ein paar weitere Erzählstränge, die in den kommenden Büchern sicherlich noch eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielen werden.

Auf die weiteren Bände der Reihe, die beide noch im Jahr 2019 erscheinen sollen, bin ich nun auf jeden Fall schon mehr als gespannt. Der Auftaktband hat hier die Meßlatte aber gleich ordentlich hoch gehängt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Spannung
  • Geschichte
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 24.01.2019

Gelungener Auftakt der Doggerland-Trilogie

Doggerland. Fehltritt (Ein Doggerland-Krimi 1)
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Doggerland liegt zwischen Großbritannien und Dänemark und ist eigentlich schon vor 8000 Jahren in der Nordsee versunken.
Die schwedische Autorin Maria Adolfsson holt diese Inselgruppe bei ihmen Krimidebüt ...

Doggerland liegt zwischen Großbritannien und Dänemark und ist eigentlich schon vor 8000 Jahren in der Nordsee versunken.
Die schwedische Autorin Maria Adolfsson holt diese Inselgruppe bei ihmen Krimidebüt nun zurück an die Oberfläche, verschafft ihr eine stimmige Hintergrundgeschichte und bevölkert sie mit einer ganzen Riege gut gezeichneter und vielschichtig angelegter Charaktere.

Da die Reihe als Trilogie angelegt ist, ergibt sich bei diesem Auftaktband nun die besondere Schwierigkeit, das die Autorin einerseits natürlich eine spannende Geschichte abliefern sollte, die die Leser gut unterhält und neugierig auf die weiteren Bände macht, und zugleich die Inselgruppe mit Land und Leuten sorgfältig einführen muss, so das dieser Hintergrund die Geschichte auch über die weiteren Bände trägt.
Diesen Spagat absolviert die Autorin insgesamt sehr gut, auch wenn dabei die eine oder andere Länge, insbesondere in der ersten Hälfte des Buches, nicht immer zu vermeiden ist. Das furiose Finale mit der verblüffenden Auflösung entschädigt dafür umso mehr.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Kommissarin Karen Eiken Hornby, die vor nicht allzu lanhger Zeit nach einem persönlichen Schicksalsschlag von Großbritannien nach Doggerland zurückgekehrt ist. Als die Ex-Frau ihres direkten Vorgesetzten Jounas Smeed tot aufgefunden wird, bekommt sie nun ihre erste eigene Mordermitttlung, bei der sie von ihren Kollegen und Vorgesetzten auch besonders aufmerksam beäugt wird. Das sie die Nacht vor dem Mord mit Jounas im Bett verbracht hat, macht die Sache für sie nicht wirklich einfacher.

Mit ihrem packenden Schreibstil konnte mich die Autorin schnell in den Bann ihrer gut aufgebauten Geschichte ziehen. Trotz einiger geschickt eingestreuter Hinweise habe ich doch recht lange gebraucht, um zu merken, in welche Richtung sich das Geschehen entwickelt.
Die Hauptfigur gibt sich am Anfang noch etwas spröde und unnahbar, so das sie es uns Lesern nicht gerade leicht macht, sie zu mögen. Dies ändert sich angesichts der Entwicklung, die sie im Laufe der Geschichte durchläuft, aber doch recht schnell. Am Ende habe ich dann doch ziemlich mit ihr mitgefiebert und bin nun schon sehr gespannt, wie es mit Karen und ihren Mitstreitern in den nächsten Bänden weitergeht.

Mein erster Besuch auf Doggerland wird mit Sicherheit nicht mein letzter bleiben.

Veröffentlicht am 22.01.2019

Eindringlicher und erschreckender Bericht über die Schattenseiten des Volkssportes Nr. 1 in Deutschland

Football Leaks
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Als die Enthüllungsplattform Football Leaks im Jahre 2015 eine ganze Reihe von geheimen Dokumenten und Verträgen aus der großen bunten Welt des Fußballs veröffentlicht hat, führte dies zu einem weltweiten ...

Als die Enthüllungsplattform Football Leaks im Jahre 2015 eine ganze Reihe von geheimen Dokumenten und Verträgen aus der großen bunten Welt des Fußballs veröffentlicht hat, führte dies zu einem weltweiten Aufschrei in der gesamten Fußballwelt.
Seitdem interessieren sich auch unzählige Staatsanwaltschaften und Gerichte für die Dokumente, es wurden in der Zwischenzeit schon zahlreiche Prozesse geführt, die in erster Linie auf diesen Unterlagen beruhen und teilweise zu spektakulären Urteilen geführt haben.

Der Spiegel-Journalist Rafael Buschmann war fast von Beginn an bei dieser Entwicklung an vorderster Front beteiligt und stand an der Spitze eines Rechercheverbundes, der die Unterlagen ausgewertet, geprüft und anschließend auch veröffentlicht hat
Zudem stand er immer wieder in direktem Kontakt zu John, dem geheimnisvollen Verbindungsmann der Plattform, dessen wahre Identität bis zum heutigen Tage unbekannt ist.
Ebenfalls unklar ist, wie Football Leaks in Besitz der unzähligen Unterlagen gekommen ist, deren Echtheit aber bislang unbestritten ist. Alle Versuche, die Hintermänner von Football Leaks zu diskreditieren oder ihre Identität zu enthüllen, sind bis zum heutigen Tag gescheitert.

In diesem Buch hat Rafael Buschmann nun die spannendsten und spektakulärsten Enthüllungen zusammengestellt. So lernen wir unter anderem die fast schon legendäre "Geldrutsche" des Christiano Ronaldo, auch bekannt als CR7, kennen, deren hauptsächliches Ziel es war, möglichst viele der Einnahmen des Fußballers an der Steuer vorbei auf Konten in den so genannten Steueroasen zu schaffen.
Zudem bietet das Buch tiefe Einblicke in die Anfangszeit der Enthüllungen, beschreibt die Treffen zwischen John und dem Journalisten und auch die technischen und logistischen Schwierigkeiten, die sich aus der Fülle der Dateien ergeben haben.

Der deutsche Fußball und die Bundesliga kommen hier sogar überraschend gut weg und stehen nur selten im Mittelpunkt der Geschichten. Ein Grund zur Beruhigung ist das aber wohl nicht, nur scheinen die Ligen in England, Spanien und Italien scheinbar noch bessere Bedingungen für Spieler, Berater und Klubverantwortliche zu bieten, ihre Machenschaften und die zugehörigen geheimen und teilweise auch sittenwidrige Verträge umzusetzen.

Ein Sachbuch, das sich liest wie ein Thriller und dennoch nur einen ersten Einblick in den gesamten Komplex bieten kann.
Für dieses Jahr ist aber schon ein weiteres Buch mit weiteren Geschichten und Enthüllungen angekündigt, auf das ich schon sehr gespannt bin.