Wie alle Bände der Insel-Bücherei ist auch dieser ganz herrlich ausgestattet, mit einem ansprechenden Einband und hochwertigem Papier. Die Insel-Bücherei ist eine Serie, die ästhetische Freude bringt.
Das ...
Wie alle Bände der Insel-Bücherei ist auch dieser ganz herrlich ausgestattet, mit einem ansprechenden Einband und hochwertigem Papier. Die Insel-Bücherei ist eine Serie, die ästhetische Freude bringt.
Das kurze Büchlein liest sich rasch und angenehm. Wolfgang Frühwald beleuchtet verschiedene Aspekte der Beziehung von Goethe und Christiane Vulpius, berichtet im angenehmen Plauderton und baut zahlreiche zeitgenössische Zitate in seinen Text ein. Ein ausführliches Literatur- und Quellenverzeichnis runden das Buch ab.
Jedes Kapitel widmet sich einem anderen Aspekt, so behandelt eines Christianes Charakter, ein anderes den Hochzeitstag und seine Hintergründe, wieder ein anderes den Anfang der Beziehung, etc. Dies wirkte auf mich manchmal etwas ungeordnet und sprunghaft. Ohne Kenntnisse von Goethes Leben (die aber wahrscheinlich jeder an diesem Buch Interessierte ohnehin hat) wären manche Passagen schwer verständlich. Auch innerhalb der Kapitel schweift Frühwald manchmal ein wenig ab. Wenn man sich aber erst einmal an diese anekdotische Erzählweise gewöhnt hat, liest es sich alles unterhaltsam. Frühwald webt natürlich auch Goethes Leben und jeweilige Lebenssituation ein, betrachtet die geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe, rückt auch manches in den notwendigen Kontext.
An mehreren Stellen fehlte mir ein wenig die Subjektivität, manche Kapitel lasen sich eher wie ein Vulpius-Plädoyer denn wie ein sachlicher Text.
Schön war es, viel Bekanntes gut erzählt zu lesen und auch einiges Neue erfahren zu können. Mehrere Gedichte/Gedichtauszüge lassen Goethe selbst über seine Gefühle für Christiane Vulpius sprechen; sehr passend ist es, daß der Autor ein solches Gedicht an das Ende des Buches stellt und so Goethe das letzte Wort haben läßt.
Aufgrund der Kürze des Buches bleibt es naturgemäß ein wenig an der Oberfläche, aber im Verhältnis zu eben dieser Kürze des Buches ist es doch sehr informationsreich und tiefgehend. Als erster Überblick über diese Beziehung oder als zusammenfassende Lektüre ist es ausgesprochen geeignet. Für die weitergehende Lektüre gibt es viele gute Hinweise.
„Finsteres Kliff“ ist der dritte Teil der Krimireihe um die Ermittlerin Liv Lammers und führt den Leser in einen vielschichtigen, originellen Kriminalfall auf Sylt. Ich kannte die ersten beiden Bände nicht, ...
„Finsteres Kliff“ ist der dritte Teil der Krimireihe um die Ermittlerin Liv Lammers und führt den Leser in einen vielschichtigen, originellen Kriminalfall auf Sylt. Ich kannte die ersten beiden Bände nicht, fühlte mich aber als Neueinsteiger gut aufgehoben, so daß ich das Buch anderen Neueinsteigern empfehlen kann. Es gibt einige private Handlungsstränge, die sich aus den vorherigen Bänden fortsetzen und man versteht vielleicht nicht gleich jedes sich darauf beziehende Detail, aber das stört beim Lesen überhaupt nicht. Das Privatleben der Ermittler spielt, wie in Krimireihen üblich, schon eine Rolle, aber ich kann lobend hervorheben, daß es an keiner Stelle die eigentliche Handlung überlagert oder unangenehm unterbricht. Das hat mir - gerade weil ich zu viel Privatkram in Krimis überhaupt nicht mag - gut gefallen, denn so konnte man sich auf die interessanten Ermittlungen konzentrieren. Einziges - für mich - Manko war, daß es für meinen Geschmack unnötig viele Ermittler gab, von denen manche nur zweimal erwähnt wurden und ich sie nicht wirklich zuordnen konnte. Es gab unter den Ermittlern auch eine etwas ungewöhnliche Häufung von nicht alltäglichen Lebenskrisen (todkranker Ehepartner, Bruch mit der Familie, Hochzeitsvorbereitungen, Kinderwunschbehandlung, potentielle Affaire) und das war mir viel zu viel, in dieser Häufung mE nicht realistisch, und manchmal nur kurz eingesprenkelt, so daß es eher unnötig wirkte. Der letzte Punkt ist aber natürlich auch dem Serienformat geschuldet, in dem sich solche Privatthemen langfristig entwickeln.
Die Hauptperson Liv ist sympathisch und wirkt echt. Ich habe gerne über sie gelesen und Anteil an ihren Erlebnissen genommen. Sie ist handfest, mit schlagfertigem Humor, Menschlichkeit ohne Sentimentalität. Auch ihr dänischer Kollege Bente wirkte sympathisch und ich fand das Zusammenspiel zwischen den beiden erfreulich zu lesen. Ein weiterer Kollege zeigte für mich teilweise nicht nachvollziehbares Verhalten. Die anderen Ermittler blieben zu blaß, um mit ihnen viel zu verbinden, aber Liv und Bente sind ein gutes Gespann.
Der Kriminalfall ist bemerkenswert facettenreich und es ist der Autorin gelungen, eine Vielzahl an aktuellen Themen sowie geschichtliche oder mythische Hintergründe einzubringen. Das geht bis ins kleinste Detail, so wird ein Beweismittel von einem Dumpster Diver gefunden und dieses Thema gelungen eingeflochten. Wie nachher wirklich alle Themen aufgelöst und zusammengeführt werden, ist bemerkenswert und muß eine akribische Arbeitsweise erfordert haben. Es gab zwei Punkte, die mir als ehemaliger Strafrechtlerin leider gar nicht plausibel erschienen und mich beim und nach dem Lesen gestört haben, sowie ein paar Handlungen, die ich nicht nachvollziehen konnte. Ansonsten war aber alles stimmig.
Man merkt, welch sorgfältige Recherche im Buch steckt und es werden viele interessante Informationen in die Geschichte eingebaut. Das geschieht an manchen Stellen mit einer kleinen Tendenz zum Infodumping, was mir nicht so gut gefiel und in einem Fall (der Illustrierung des aufwendigen Lebensstiles einer Familie) etwas zu plakativ und gehäuft für meinen Geschmack. Meistens sind die Informationen aber angenehm eingebaut und richtig interessant. Ich habe einige Orte im Internet nachgeschaut und werde mich zu manchen Themen noch genauer informieren. Es ist schön, wenn ein Buch Interesse an ganz neuen Themen wecken kann. Auch das Sylter Lokalkolorit ist - soweit ich das beurteilen kann - hervorragend und durchgängig getroffen. Man spürt durch das ganze Buch, wo man ist, auch sind einige norddeutsche Begriffe unaufdringlich in den Text eingebaut, so daß die Atmosphäre bis ins kleinste Detail getroffen ist. Die Charaktere sind farbig, die Beziehungen untereinander vielschichtig. Es waren mir, gerade auch in Verbindung mit der hohen Ermittlerzahl, insgesamt etwas zu viele Charaktere, aber sie sind größtenteils sehr schön ausgearbeitet, auch Nebenpersonen. Eine der Personen war mir gar zu exzentrisch und er hatte letztlich auch nicht so viel zur Geschichte beizutragen, daß sich die detaillierten Beschreibungen seiner Persönlichkeit für mich rentiert hätten.
Die Spannungskurve ist ausgezeichnet. Von Anfang an ist das Erzähltempo gut, man ist gleich in der Handlung drin und es gibt keine Längen. Immer wieder baut die Autorin überraschende Wendungen ein; schafft es, durch gezielt-gelungene vage Formulierungen an manchen Stellen wichtige Details des Geschehens noch unklar zu lassen, legt geschickt falsche Fährten. Die Geschichte kommt ohne billige Schockeffekte aus, die Lösung des Falles erfolgt durch sorgfältige Ermittlungsarbeit und bleibt durchweg interessant.
So war „Finsteres Kliff“ ein durchaus lohnenswerter Ausflug nach Sylt und in eine Gruppe von jungen Leuten, die mir bisher ganz unbekannte Gewohnheiten und Glaubenssätze haben.
Ich war mir zuerst nicht sicher, ob ich dieses Buch lesen sollte, denn ich habe schon viele Soldatenbriefe gelesen und oft haben sie mich emotional sehr beschäftigt. Bei diesem Buch kommt noch dazu, daß ...
Ich war mir zuerst nicht sicher, ob ich dieses Buch lesen sollte, denn ich habe schon viele Soldatenbriefe gelesen und oft haben sie mich emotional sehr beschäftigt. Bei diesem Buch kommt noch dazu, daß einige der Briefe von der Ostfront sind, an der die Soldaten Entsetzliches durchgemacht haben. Dann siegte aber die Neugier auf den direkten Blick auf das Kriegsgeschehen und Einbettung der Briefe in die Familiengeschichte des Briefeschreibers Leonhard Wohlschläger. Die Furcht wegen der zu starken emotionalen Berührung hätte ich nicht haben müssen. Es haben mich tatsächlich bisher kaum Soldatenbriefe so ungerührt gelassen wie diese hier. Höchstens Ärger über Leonhard mußte ich manchmal unterdrücken. Dazu später mehr.
Das Buch ist, wie stets bei diesem Verlag, ausgesprochen hochwertig und liebevoll ausgestattet. Es ist eine Freude, es in der Hand zu halten. Die Briefe sind in Schreibmaschinenschrift abgedruckt und setzen sich so sehr angenehm vom restlichen Text ab, es sind auch einige Abbildungen enthalten.
Zu Anfang des Buches erhalten wir Informationen über die Auffindung der Briefe durch den Autor und einige Informationen zur Familie Leonhards. Diese Informationen sind unterhaltsam, denn Leonhards Vater war ein in Wien zu Beginn des letzten Jahrhunderts bekannter Architekt, der später harte Zeiten erlebte. Dies ist lebhaft erzählt und mit einigen geschichtlichen und lokalen Informationen angereichert. Leider ist der Text immer wieder sehr subjektiv gefärbt. So wird die erste Ehefrau des Architekten, die er mit vier Kindern für eine andere Frau verließ und irgendwann finanziell nicht mehr unterstützte, mehrfach als „hasserfüllte Anna“ bezeichnet, was unangemessen und in einem Sachbuch unprofessionell ist. Auch des Autors Abneigung für Leonhard - durchaus nachvollziehbar - kommt immer wieder durch und liest sich in einem Sachbuch unangenehm, abgesehen davon, daß der Autor so dem Leser die Möglichkeit nimmt, sich aufgrund neutraler Fakten selbst ein Bild zu machen. Dieser Mangel an Objektivität scheint auch später immer wieder durch.
Leonhards Briefe waren für mich weniger interessant als der Begleittext. Das liegt daran, daß sie sich im Laufe der Jahre kaum ändern. Leonhard hat sich recht gemütlich hinter der Front eingerichtet, führt den ganzen Krieg über mehr oder weniger die gleichen Aufgaben aus und schreibt deshalb auch immer mehr oder weniger das Gleiche. Im Vergleich zu anderen Briefen von der Ostfront sind Leonhards Briefe ziemlich inhaltsarm und berichten kaum Wissenswertes vom Kriegsgeschehen. Während in Stalingrad unzählige Männer leiden, hungern, die Hölle durchleben und ihre mir aus anderen Büchern/Webseiten bekannten Briefe von unglaublicher Intensität sind, erlebt Leonhard eine Art „Ostfront light“. - An einer Stelle des Begleittextes wird Leonhards Reaktion auf die SS-Verbrechen im Osten erwähnt, aber dieser Brief ist seltsamerweise nicht abgedruckt, dabei wäre das eine interessante Abwechslung zu seinen anderen Briefen und zudem eine wichtige Information gewesen, da es kaum diesbezügliche briefliche Äußerungen von Soldaten zu diesem Thema gibt. Daß er diese Äußerungen in einem Brief gemacht hat, kann der Leser leider ohnehin nicht sicher wissen, ich habe es mir aus den Umständen zusammengereimt. Der Autor verzichtet nämlich durchweg auf Quellenangaben, was ich in einem Sachbuch noch nie erlebt habe und sehr störend fand. Lediglich am Ende des Buches findet sich eine Quellenliste mit mageren sieben Quellen, die einzelnen Aussagen im Buch sind aber nie belegt.
Dieses Ärgernis ist insbesondere deshalb so schade, weil der Begleittext fast durchweg gut geschrieben und informativ ist. Ich habe hier einige neue Fakten erfahren und mir gefiel es, wie diese berichtet, wie Zusammenhänge erklärt wurden. Das liest sich leicht und angenehm. Die Begleitinformationen passen hervorragend zu den Briefen, liefern manchmal wichtige Hintergründe zu den Briefen, stellen manchmal die Gegensätze zu anderen Schicksalen dar. Insgesamt erhalten Leser hier eine facettenreiche kondensierte Darstellung des Krieges an der Front und in der Heimat. Nun sind natürlich auch die Briefe selbst nicht durchweg uninteressant. Zum Organisatorischen, zum Leben direkt hinter der Front, zur Ausbildung und anderen Punkten erfährt man durchaus einige lesenswerte Dinge. Auch Leonhards Gedanken, so unerfreulich sie sind, bieten einen aussagekräftigen Eindruck. So liefert das Buch im Gesamten durchaus gute Lektüre, die nur leider durch die o.g. Mängel häufiger beeinträchtigt wird. Insofern sind die hier vergebenen vier Sterne auch eher knapp erreicht.
In „Die Schand Luise“ betrachtet Ulrike Grunewald das Leben einer wohl den meisten unbekannten Frau: Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg (1800 - 1831), Schwiegermutter Queen Victorias. Die junge Dame betrachtet ...
In „Die Schand Luise“ betrachtet Ulrike Grunewald das Leben einer wohl den meisten unbekannten Frau: Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg (1800 - 1831), Schwiegermutter Queen Victorias. Die junge Dame betrachtet uns auf dem schlichten und gelungenen Titelbild mit großen Augen und der Andeutung eines in sich ruhenden Lächelns. Zu dem Zeitpunkt weiß sie noch nicht, was für ein unruhiges und trauriges Leben sie erwarten wird.
Die Autorin beginnt mit dem Ende der Geschichte, wir begegnen Luise im ersten Kapitel erst einmal als bereits Verstorbene. Der Schreibstil ist lebendig und in den ersten beiden Kapiteln (im positiven Sinne) romanhaft. Das Erzählte ersteht vor unseren Augen auf, man kann die gut beschriebenen Lokalitäten vor sich sehen, sich in die Personen hineinfühlen. Dadurch, daß diese beiden Kapitel relevante Geschehnisse vorwegnehmen, sieht der Leser gleich, welch dramatischen Ereignisse Luise bevorstehen. Dies ist eine gute Idee, allerdings stellen sich dadurch beim Lesen viele Fragen. Es waren mir etwas zu viele Fragen, die mich so beschäftigten, daß ich mich nicht wie gewünscht auf den Text konzentrieren konnte. Eine umfassendere Erklärung oder einige Fußnoten hätten dies leicht vermeiden können. Trotzdem ist es ein engagierender Einstieg ins Buch.
In den folgenden Kapiteln ist das Geschehen dann weitgehend chronologisch, vom Stil her nicht mehr romanhaft. Weiterhin ist der Schreibstil angenehm und lebendig zu lesen. Es ist immer schön, wenn Sachbücher nicht zu trocken daherkommen. Ulrike Grunewald kann Wissensvermittlung und eine unterhaltsame Erzählweise gut kombinieren. Was dafür leider sehr fehlt, ist ein Stammbaum, gerade zu Beginn, wenn man mit zahlreichen neuen Namen und Verwandtschaftsverhältnissen konfrontiert ist.
Im Laufe des Buches begleiten wir Luise durch ihr Leben, gut kombiniert mit den historischen und dynastischen Hintergründen, die ihr ganz persönliches Dasein beeinflussen. Diese Hintergrundinformationen erhalten viel Raum und sind interessant zu lesen. Die Darstellung ist meistens klar und gut lesbar. Leider gibt es aber an mehreren Stellen Wiederholungen. Das liegt unter anderem auch daran, daß viele Fakten schubweise vermittelt werden. Ein kurzer Einblick in einem Kapitel wird dann in einem oder mehreren späteren Kapitel(n) weiter ergänzt. In diesem Zusammenhang wird dann eben bereits Geschriebenes wiederholt, und das oft sehr detailreich. Etwas erstaunt war ich, in einem Absatz zwei fast wortgleiche Sätze zu lesen.
Die häppchenartige Informationsvermittlung führt auch dazu, daß viele Fragen zunächst offen bleiben, Dinge kurz angesprochen, aber nicht hinreichend erklärt werden. Gerade in den ersten Kapiteln gab es so viele Andeutungen und unerklärte Themen, daß ich beim Lesen etwas frustriert war und zu viel im Internet nachschlagen mußte, was ich von einem guten Sachbuch nicht erwarte. Einige dieser Themen wurden zwar später aufgegriffen und erklärt, aber das war bei den Anfangskapiteln nicht absehbar. Ich hätte eine zusammenhängendere Erzählweise vorgezogen. Einige Fragen werden leider überhaupt nicht beantwortet, mir blieb zu viel unerklärt. Das kann in manchen Fällen sicher daran liegen, daß schlichtweg keine Quellen vorhanden waren, dann wäre es aber schön, wenn man dies dem Leser entsprechend mitteilen würde. Bei mehreren Themen ist aber davon auszugehen, daß es Quellen gab, und dann ist es ärgerlich, wenn Punkte nicht erläutert werden.
Der Umgang mit Zitaten ist gut gelungen, die Autorin baut diese sehr geschickt ein; so erstehen Ereignisse vor unseren Augen auf und gewinnen erzählerische Tiefe. Sehr erfreulich zum Beispiel ein Augenzeugenbericht des späteren „Gartenlaube“-Chefredakteurs Friedrich Hofmann über die kurzfristigen Unruhen in Coburg. Viele der auszugsweise zitierten Briefe sind ebenfalls interessant und geben den Personen Kontur und Lebendigkeit. Ein für mich ganz neues Licht wurde durch das Buch auf Victoire, Queen Victorias Mutter, geworfen, von der ich aus anderen Büchern einen viel negativeren Eindruck bekommen hatte. Luises Schwager Leopold, Onkel von Queen Victoria und später erster König von Belgien, wird hier ebenfalls gut und vielfältig beschrieben. Auch bei anderen Personen wurde ich angeregt, mich über diese noch eingehender zu informieren. Luise selbst und ihr Mann Ernst dagegen bleiben ein wenig blaß, was aber auch an den intensiven Personen um sie herum liegen kann. Jedenfalls merkt man, wie viel sorgfältige Recherche in diesem Buch steckt, und es ist erfreulich, wie kurzweilig die Informationen vermittelt wurden.
Wie immer war ich von Safranskis Schreibstl sehr angetan. Man ist in seine Bücher sofort "drin", er schafft es, seine Biographien mit viel Leben zu füllen, die Personen regelrecht wieder auferstehen zu ...
Wie immer war ich von Safranskis Schreibstl sehr angetan. Man ist in seine Bücher sofort "drin", er schafft es, seine Biographien mit viel Leben zu füllen, die Personen regelrecht wieder auferstehen zu lassen. Auch Schiller wird hier sofort greifbar, teilweise liest sich dieses Buch wie ein spannender Roman (was Schillers Leben auch durchaus angemessen beschreibt). Gerade die schweren Jugendjahre, die Flucht, die schwierigen Anfänge, die emotionalen Höhen und Tiefen Schillers in dieser Zeit werden hervorragend beschrieben und dem Leser nahegebracht. Auch wenn man weiß, wie es weitergeht, fiebert man doch regelrecht mit diesem leidenschaftlichen jungen, vom Schicksal ungerecht behandelten, Schiller mit.
Auch wie immer fand ich Safranskis Neigung zu sehr ausführlichen philosophischen Exkursen etwas anstrengend und weit weniger packend. Das Thema liegt ihm am Herzen, es hat auch in Leben Schillers einen wichtigen Platz, aber hier wird es doch manchmal viel zu viel. Kapitel vier und fünf sind fast durchgängig philosophische Betrachtungen - mehr Schiller, weniger Philosophie wäre mir hier (und auch an recht vielen weiteren Stellen) lieber gewesen.
Schillers Werke werden gut vorgestellt, mit wichtigen Hintergründen, Gedanken und einer Beschreibung der Lebensumstände Schillers bei Schreiben des jeweiligen Werkes. Leider ist es auch hier manchmal des philosophisch-theoretischen Hingergrundes (für mich jedenfalls) zu viel.
Ein wenig überrascht war ich, wie wenig Raum Schillers Beziehung und Ehe zu/mit seiner Lolo in diesem Buch findet. Gerade im Vergleich zu der Beschreibung von Schillers Jugend, in der die Eltern, die Beziehung zu ihnen, der Freundeskreis - das Persönliche eben gut und detailliert beschrieben werden, fand ich es enttäuschend, daß in der zweiten Hälfte der Buches der Mensch Schiller hinter dem Werk Schiller(s) zurücktritt. Die Beziehung zu Lolo war ein wichtiger Teil seines Lebens, findet hier aber nur in Nebensätzen und kurzen Absätzen Beachtung - sogar, als es um seinen Todeskampf geht. Auch die Freundschaft zu Goethe wird knapp behandelt (aber dafür hat Safranski diesem Thema ein hervorragendes eigenes Buch gewidmet). Der im ersten Teil des Buches so lebhaft geschilderte Mensch Schiller verschwindet im zweiten Teil sehr, persönliche Entwicklungen werden im Vergleich zu den ausführlichen Betrachtungen seiner Werke sehr knapp und ein wenig lieblos abgehandelt.
Es ist aber im Ganze eine hervorragende Biographie, in Stil und Thematik sehr lesenswert und informativ.